Wann sind Muskeln Ursache von Hüftschmerzen?
Hüftschmerzen – in der Medizin auch als „Coxalgie“ bezeichnet – zählen zu den Beschwerden des Bewegungsapparates, die sowohl in der hausärztlichen als auch der orthopädischen Praxis regelmäßig behandelt werden. Betroffen sind Menschen in verschiedenen Lebensphasen, von sportlich Aktiven mit akuten Verletzungen bis zu älteren Personen mit chronisch-degenerativen Veränderungen.
Die Ursachen umfassen ein breites Spektrum: Neben Verschleißerkrankungen des Hüftgelenks wie der Coxarthrose und Knochenbrüchen (Frakturen) spielen muskuläre und die Sehnen betreffende Krankheitsprozesse eine Rolle.
Zu den etablierten Verfahren zur Suche nach Auslösern für die Beschwerden gehören mit der Magnetresonanztomographie (MRT) und der Computertomographie (CT) zwei Untersuchungsmethoden der Radiologie, die im Rahmen der Diagnostik und Therapieplanung Bedeutung haben.
Die Muskulatur rund um die Hüfte kurz erklärt
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Hüfte hat zentrale Aufgaben für die Mobilität und Stabilität.
- Viele muskuläre Hüftprobleme entstehen durch Überlastung, Ungleichgewichte zwischen Muskelgruppen oder Verletzungen.
- Hüftschmerzen treten sowohl in Bewegung als auch in Ruhe auf.
Um den Einfluss der Muskulatur auf Hüftschmerzen zu verstehen, bedarf es eines grundlegenden Einblicks in die Anatomie. Die Hüfte ist der Bereich zwischen Becken und Oberschenkel mit dem Hüftgelenk als zentralem Element. Letzteres hat für die Mobilität Bedeutung, da es eine umfassende Beweglichkeit ermöglicht. Diese beruht auf einer Kombination verschiedener Muskeln.
- Glutealmuskulatur: Hierbei handelt es sich um die Gruppe der Gesäßmuskeln, bestehend aus Gluteus maximus, medius und minimus. Diese ermöglichen die Streckung, Abspreizung (Abduktion) und die Innenrotation des Hüftgelenks. Zudem ist der Gluteus medius für die Beckenstabilisation beim Gehen verantwortlich. Eine Schwäche oder Verletzung in diesem Bereich führt häufig zu seitlichen Hüftschmerzen und Veränderungen im Gangbild.
- Hüftbeugende Muskeln: Die sogenannten „Hüftflexoren“ verbinden die Lendenwirbelsäule mit dem Oberschenkelknochen. Verspannungen oder Verkürzungen des Lenden-Darmbein-Muskels (Musculus iliopsoas, ist einer der Hüftbeuger), die auch durch langes Sitzen verursacht werden, erzeugen Schmerzen in der Leiste und im vorderen Hüftbereich.
- Adduktoren: Die innenseitige Oberschenkelmuskeln stabilisiert das Bein zur Körpermitte hin. Zerrungen dieser Muskeln treten typischerweise bei schnellen Richtungswechseln im Sport auf und verursachen Leistenschmerzen, die mit Hüftproblemen verwechselt werden können.
- Kurze Außenrotatoren: Hierbei handelt es sich um die Muskeln an der Rückseite des Hüftgelenks (darunter der Piriformis), die für die Rotationsbewegung des Oberschenkels nach außen erforderlich sind. Da der Piriformis-Muskel anatomisch dicht beim Ischiasnerv liegt, können ins Bein ausstrahlende Beschwerden begünstigt werden.
Muskuläre Ursachen von Hüftschmerzen im Überblick
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Hüftschmerzen mit muskulären Auslösern lassen sich in Verletzungen und chronisch-entzündliche Verläufe unterscheiden.
- Neben Muskeln können Sehnen an der Hüfte Schmerzen verursachen.
- Beschwerden können außerdem auch durch eine Infektion bedingt sein.
Durch die komplexe muskuläre Situation rund um das Hüftgelenk – in Kombination mit Bändern und Sehnen (wie den Glutealsehnen und Hüftbeugesehnen) – können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auf unterschiedliche Auslöser zurückzuführen sein.
Muskelverletzungen und Zerrungen
Akute Verletzungen entstehen häufig im Zusammenhang mit bestimmten Bewegungsmustern – durch plötzliche Beschleunigung, abruptes Abbremsen oder die Überdehnung der Muskeln. Betroffen sind dabei vor allem die Adduktoren und die Hüftbeuger.
Eine Muskelverletzung äußert sich oft durch den plötzlich einsetzenden, stechenden Schmerz, der mit einem Kraftverlust der betroffenen Muskelgruppe einhergeht. Einblutungen in das Gewebe (Hämatome) und eine tastbare Schwellung können die Verletzung begleiten. Oft treten diese als Sportverletzungen auf und lassen sich mittels Bildgebung befunden. Eine MRT liefert Informationen zur Unterscheidung zwischen Zerrungen, einem Muskelfaserriss und einem Muskelriss.
Sehnenreizungen und Tendinopathien
Im Bereich der Hüfte setzen Sehnen an, die für Stabilität und Beweglichkeit sorgen. Durch Dauerbelastungen entstehen Reizungen, etwa der Glutealsehnen am Ansatz des Oberschenkelknochens (Glutealtendinopathie). Dies löst seitliche Hüftschmerzen aus. Beschwerden treten typischerweise beim Treppensteigen, langem Gehen oder beim Liegen auf der betroffenen Seite auf.
Eine weitere Erkrankung der Sehnen der Hüfte ist die Hamstringtendinopathie. Diese betrifft die Sehnenansätze der hinteren Oberschenkelmuskulatur und ist oft auf eine Überlastung zurückzuführen – beispielsweise durch Sport oder zu starkes Dehnen. Aber auch langes Sitzen kann die Sehnen belasten und ist ein bekannter Schmerztrigger.
Schleimbeutelentzündungen
Zwischen Sehnen, Muskeln und knöchernen Vorsprüngen liegen Schleimbeutel (Bursae), die als Puffer fungieren. Die Entzündung des Schleimbeutels der Hüfte (Bursitis trochanterica) verursacht einen Druckschmerz an der Außenseite, durch den das Liegen auf dieser Stelle erschwert wird. Betroffene berichten auch über Anlaufschmerzen sowie Probleme beim Treppensteigen. Neben Überlastungssituationen beim Sport kann mitunter auch eine Infektion als Auslöser infrage kommen. Zu einer solchen kann es im Fall einer Verletzung durch das Eindringen von Erregern wie Staphylococcus aureus oder Streptokokken kommen.
Das Piriformis-Syndrom
Der Piriformis liegt im Gesäßbereich und verläuft in direkter Nähe des Ischiasnervs. Deshalb führen Verspannungen, Verkürzungen oder Entzündungen des Muskels schnell zu dessen Kompressionen bzw. Reizungen. Dies löst ins Gesäß und die hinteren Oberschenkel ausstrahlende Schmerzen aus.
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Fazit: Muskuläre Hüftschmerzen ernst nehmen und abklären lassen
Neben Knochenbrüchen im Bereich der Hüfte kommen Probleme mit den Muskeln, Sehnen und Schleimbeuteln als Ursachen von Beschwerden in Betracht. Allerdings werden die Schmerzen von den Betroffenen nicht selten ignoriert und eine ärztliche Untersuchung über längere Zeit verschleppt. Aufgrund von Schonhaltungen kommt es zu ungleichen Belastungen, was die Probleme noch schlimmer werden lässt. Betroffene sollten daher – gerade, wenn sich keine Besserung einstellt – den Arztbesuch nicht weiter aufschieben. Mithilfe von radiologischen Verfahren kann der Auslöser der Hüftschmerzen gesucht und befundet werden, um darauf aufbauend die richtige Therapie abzuleiten.
FAQ zu muskulären Hüftschmerzen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wann ist eine bildgebende Diagnostik bei Hüftschmerzen sinnvoll?
Nicht jeder Hüftschmerz macht eine bildgebende Untersuchung erforderlich. Bei klar zuzuordnenden Beschwerden nach einer Sportverletzung und einem unkomplizierten Verlauf steht die klinische Untersuchung im Vordergrund. Indiziert ist die Bildgebung unter anderem bei über vier bis sechs Wochen anhaltenden Schmerzen trotz konservativer Therapie oder im Fall eines unklaren Beschwerdebildes. Aber auch im Zusammenhang mit einem Verdacht auf eine Sehnen- oder Muskelruptur ist eine weiterführende Diagnostik – etwa mittels MRT – angeraten.
Können Muskelprobleme an der Hüfte zu Knieschmerzen führen?
Ja, muskuläre Ungleichgewichte oder Reizungen führen zu Schmerzen, die auch bis ins Knie ausstrahlen können. Da das Hüft- und das Kniegelenk über gemeinsame Muskelketten verbunden sind, beeinflussen Störungen im Bereich der Hüfte nicht selten die Biomechanik des kompletten Beins.
Welche Rolle spielt die Sonographie bei Hüftschmerzen?
Die Sonographie (Ultraschall) ist ein besonders schnell verfügbares und für Patienten belastungsarmes Verfahren, das gerade zur Bewertung oberflächlicher Veränderungen von Muskeln eingesetzt werden kann. Zudem wird mit dem Verfahren geprüft, ob freie Flüssigkeit im Hüftgelenk nachweisbar ist. Da diese kein Echo zurückwirft, zeigen sich solche Bereiche dunkel.

