Erkrankungen der Gallenwege – Welche Rolle spielt die Bildgebung in der Diagnostik?
Bei den Gallenwegen oder Gallengängen handelt es sich um ein verzweigtes System, das die Gallenflüssigkeit, die in der Leber produziert wird, in den Zwölffingerdarm (Duodenum) transportiert. Erkrankungen dieser Transportkanäle werden unter dem Begriff der „Cholangiopathien“ zusammengefasst und können prinzipiell an jeder Stelle des galleführenden Systems (auch als „biliäres System“ bezeichnet) auftreten – von den kleinsten Gallenkanälchen innerhalb der Leber bis zur Mündung des Gallengangs in den Dünndarm.
Probleme bzw. Symptome treten aber nicht immer sofort auf und bestimmte Auffälligkeiten werden mitunter als Zufallsbefunde entdeckt. Dies gilt unter anderem für Gallensteine. Mit einer Häufigkeit (Prävalenz) von bis zu 20 Prozent kommt es erst innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnostizierung zum Auftreten von Beschwerden [1]. Hinzu kommen weitere mögliche Ursachen wie Autoimmunreaktionen, Durchblutungsstörungen oder Tumore, deren Anzeichen anfangs unspezifisch sein können. Insgesamt ergibt sich somit für die Cholangiopathien ein breites diagnostisches und therapeutisches Spektrum, in dem auch bildgebende Verfahren der Radiologie und der Nuklearmedizin zur Anwendung kommen.
Was sind Cholangiopathien?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Cholangiopathien sind eine Sammelkategorie für Erkrankungen und krankhafte Veränderungen der Gallenwege.
- Die Erkrankungen lassen sich nach Auslöser und Lokalisierung unterteilen.
- Neben akuten Verläufen treten auch chronische Cholangiopathien auf.
Cholangiopathien sind ein Sammelbegriff für Erkrankungen der Gallenwege, zu denen sowohl akute als auch chronische zählen. Ein häufig auftretender Fall sind beispielsweise Schäden der Cholangiozyten. Dies sind spezielle multifunktionale Epithelzellen, die die Gallengänge auskleiden und sowohl an der Galleproduktion und -modifikation beteiligt sind als auch eine Barrierefunktion haben.
Die Einteilung der Gallenwegserkrankungen beruht auf verschiedenen Systematiken, wie der zugrunde liegenden Ursache oder der Lokalisation. Etabliert hat sich unter anderem die Unterscheidung folgender Kategorien:
- Entzündung der Gallenwege (Cholangitis),
- Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis),
- Durchblutungsstörung (ischämische Cholangiopathie),
- Steine in der Gallenblase (Choledocholithiasis) und den Gallenwegen (Cholelithiasis),
- Zysten.
Innerhalb der einzelnen Kategorien ist eine Subkategorisierung möglich.
Die Entstehung von Cholangiopathien ist in vielen Fällen multifaktoriell, also durch das Zusammenwirken verschiedener Auslöser wie:
- Steine (mechanisches Verlegen der Gallenwege),
- das Auftreten einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (wie Colitis ulcerosa) [2],
- Infektionen
bedingt.
Die Entstehung von Gallengangskrebs (cholangiozelluläres Karzinom) wird von verschiedenen Risikofaktoren beeinflusst wie Infektionen sowie Lebensstil und -gewohnheiten (vor allem Übergewicht und hoher Alkoholkonsum) [3].
Welche Anzeichen deuten auf Gallenwegserkrankungen hin?
Die Symptomatik von Cholangiopathien ist anfangs mitunter unspezifisch, was eine frühzeitige Diagnosestellung erschwert. So können autoimmune Formen initial asymptomatisch verlaufen und werden durch mitunter erst durch auffällige Laborwerte im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt. So kommt es bei bildgebenden Untersuchungen, die aus anderen Gründen durchgeführt werden, immer wieder zu Zufallsbefunden.
Das klinische Bild der akuten Cholangitis ist dagegen mit der sogenannten „Charcot-Trias II“ assoziiert. Hinsichtlich der Symptome zeigen sich
- kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch,
- Fieber und
- Gelbsucht (durch den Anstieg des Abbauprodukts Bilirubin im Blut).
Bei einem schweren Verlauf kann sich eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln, die einen Notfall darstellt, der intensivmedizinisch versorgt werden muss.
Grundsätzlich muss bei einer Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute sowie der weißen Areale im Auge immer an eine Leber- oder Gallenwegerkrankung gedacht werden. Wird in der Anamnese das Vorliegen von Schmerzen verneint, kann dies ein Hinweis auf einen Tumor sein. Zudem treten dunkel verfärbter Urin (Bilirubinurie) und entfärbter, lehmfarbener Stuhl als weitere Merkmale auf. Werden einige der genannten Anzeichen festgestellt, ist eine bildgebende Diagnostik indiziert.
Die bildgebende Diagnostik bei Verdacht auf eine Cholangiopathie
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Mithilfe der Sonographie steht ein einfach durchführbares Verfahren zur Erkennung von Cholangiopathien zur Verfügung.
- Mittels radiologischer Bildgebung lassen sich die Gallenwege anhand von Schnittbildern bewerten.
- Die röntgengestützte Endoskopie ermöglicht interventionelle Ansätze und Gewebeentnahmen.
Die Diagnostik von Erkrankungen der Gallenwege steht auf mehrere Säulen. Mittels Anamnese und körperlicher Untersuchung werden erste Informationen zur Entwicklung der Symptome – beispielsweise Verfärbungen von Haut, Urin und Stuhl – erfasst.
Der Ultraschall (Sonographie) des Abdomens ist eines der zentralen bildgebenden Verfahren und ermöglicht eine zügige Beurteilung der Gallenwege. Da das Verfahren schnell verfügbar ist und eine Befundung in Echtzeit erlaubt, lassen sich damit etwaige Erweiterungen der Gallengänge, Gallensteine und Raumforderungen umgehend überprüfen. Für die weiterführende Diagnostik bei unklaren Befunden stehen weitere Methoden zur Verfügung.
In diesem Zusammenhang hat sich mit der Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) ein spezialisiertes Verfahren etabliert, dass auf Basis der Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt wird. Dieses liefert hochauflösende Schnittbilder der Gallenwegstruktur und ermöglicht die Identifizierung von Einengungen (Strikturen) und Füllungsdefekten (durch Steine oder Tumore).
Durch den Einsatz eines hepatobiliären Kontrastmittels lassen sich zudem Informationen über die Leberfunktion gewinnen, ohne dass der Patienten einer zusätzlichen Strahlenbelastung ausgesetzt wird.
Sofern ein Cholangiokarzinom erkannt wird und mittels Staging die Ausbreitung bewertet werden muss, spielt die Computertomographie (CT) von
- Brustkorb (Thorax),
- Bauchraum und
- Becken
eine wichtige Rolle. Die Beurteilung der lokalen Tumorausdehnung sowie des Befalls der Lymphknoten und der Bildung von Fernmetastasen ist sowohl therapeutisch als auch für die Prognose relevant. Neben der kontrastverstärkten CT werden in den Leitlinien auch mehrphasische hepatische MRT-Untersuchungen empfohlen [4]. Im Hinblick auf bestimmte Cholangiokarzinome wird aktuell auch die Eignung der PET-CT als hybrides Verfahren unter Einsatz des Radiotracers Fluordesoxyglucose (FDG) in der Krebsmedizin (Onkologie) diskutiert.
Endoskopische Diagnostik und Gewebeentnahme
Neben der reinen Bildgebung kommt im Zusammenhang mit Gallenwegserkrankungen in Form der endoskopisch-retrograden Cholangiopankreatikographie (ERCP) auch eine Kombination aus Röntgen (zur Bildkontrolle) und interventionellen Maßnahmen zur Anwendung. Das Verfahren basiert auf dem Einführen eines Endoskops bis in den Zwölffingerdarm unter Einsatz eines Kontrastmittels.
Mithilfe der Methode lassen sich Steine sowie Verlegungen erkennen, die unter Bildkontrolle mittels Endoskop behandelt werden, beispielsweise durch einen Stent zum Offenhalten des Galleabflusses. Gleichzeitig ist die endoskopische Entfernung von Steinen und die Entnahme von Gewebe für die Histologie möglich.
Zu den mit der ERCP möglichen interventionellen Maßnahmen gehören somit
- die Spaltung der Zwölffingerdarmpapille (Papillotomie),
- die Extraktion von Steinen,
- die Stentimplantation,
- die Ballondilatation,
- die Zertrümmerung großer Steine (Lithotripsie, per Laser oder mechanisch) und
- die Biopsie.
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Fazit: Ultraschall, MRT und CT spielen in der Diagnostik bei Erkrankungen der Gallenwege eine zentrale Rolle
Beschwerden der Gallenwege treten bei einigen Erkrankungen – unter anderem bei verschiedenen Entzündungen – sehr schnell auf, können bei einigen Cholangiopathien aber auch erst im fortgeschrittenen Stadium zu erkennen sein. Daher ist eine rechtzeitige Diagnose mitunter schwierig. In der medizinischen Praxis spielen neben der Anamnese sowie der körperlichen Untersuchung und der Labordiagnostik auch bildgebende Verfahren eine Rolle.
Ultraschall und MRT haben den Vorteil, Beschwerden ohne Strahlenbelastung befunden zu können. Auf der anderen Seite ermöglicht die kontrastmittelunterstützte CT Einblicke in tieferliegende Areale, die auf den Bildern des Ultraschalls nicht mehr mit hinreichender Auflösung dargestellt werden können. Für die Diagnostik haben alle drei Methoden Bedeutung.
FAQ zur bildgebenden Diagnostik bei Erkrankungen der Gallenwege: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Deutet eine Gelbsucht immer auf eine Gallenwegserkrankung hin?
Nein, die Gelbfärbung der Haut und Augen kann verschiedene Ursachen haben. Neben einem Gallestau kommen auch Lebererkrankungen wie Hepatitis oder eine Leberzirrhose sowie ein verstärkter Abbau roter Blutkörperchen (hämolytische Anämien) als Auslöser in Betracht.
Wie sieht die Prognose bei einer Cholangiopathie aus?
Die Prognose ist stark vom jeweiligen Krankheitsbild und Stadium abhängig. Erkrankungen im Zusammenhang mit Gallensteinen lassen sich bei rechtzeitiger Behandlung gut behandeln. Autoimmun bedingte Formen verlaufen zwar oft chronisch-fortschreitend, lassen sich aber ebenfalls symptomatisch behandeln. Die Prognose bei einem Cholangiokarzinom ist vor allem vom Zeitpunkt der Diagnosestellung abhängig. Bei einem frühzeitig erkannten Tumor fallen die Heilungschancen in der Regel deutlich besser aus.
Wird eine ERCP stationär oder ambulant durchgeführt?
Die ERCP wird in Deutschland häufig stationär durchgeführt, da eine Überwachung nach dem Eingriff erforderlich ist. Komplikationen wie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder Blutungen treten selten auf und müssen engmaschig kontrolliert werden. In einfach gelagerten Fällen ist nach einer individuellen Risikoabwägung mitunter die ambulante Durchführung in einer spezialisierten Einrichtung möglich.
[1] Deutsche Leberhilfe e. V., Gallensteine, S. 17, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 12.05.2026).
[2] Tanaka A, Mertens JC. Ulcerative Colitis with and without Primary Sclerosing Cholangitis: Two Different Diseases? Inflamm Intest Dis. 2016 Apr;1(1):9-14. doi: 10.1159/000445259. Epub 2016 Apr 1. PMID: 29922654; PMCID: PMC5988107.
[3] Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD), Krebs der Gallenblase und Gallenwege ICD-10 C23-C24, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 12.05.2026).
[4] Leitlinienprogramm Onkologie, Konsultationsfassung S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Hepatozellulären Karzinoms und biliärer Karzinome, S. 122, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 12.05.2026).

