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Die Myokardszintigraphie (Herzszintigraphie) ist ein etabliertes nuklearmedizinisches Verfahren zur Beurteilung der Durchblutung des Herzmuskels. Mit ihr lassen sich im Rahmen kardiologischer Untersuchungen unter anderem Verengungen der Herzkranzgefäße feststellen. Bei dem Verfahren wird die Durchblutung sowohl in einer Ruhephase als auch unter körperlicher Belastung gemessen. In bestimmten Fällen kann die Belastungsmessung allerdings kontraindiziert sein. Daher informieren wir in diesem Artikel darüber, wie eine Myokardszintigraphie auch ohne diese Belastungsphase durchgeführt werden kann.
Inhalt

Kann man eine Myokardszintigraphie ohne Belastung machen?

Die Myokardszintigraphie (Herzszintigraphie), auch als „Myokardperfusionsszintigraphie“ bezeichnet, ist ein Verfahren der nuklearmedizinischen Bildgebung, mit dessen Hilfe sich die Durchblutung des Herzmuskels darstellen lässt. Entscheidend für die Untersuchung ist die Nutzung eines radioaktiv markierten Tracers. Dieser wird intravenös verabreicht und macht den Blutfluss (Perfusion) im Herzmuskelgewebe für eine SPECT-Kamera (Single Photon Emission Computed Tomography) detektierbar. Auf diese Weise können Bereiche mit eingeschränkter Versorgung identifiziert werden.

Bei vielen Fragestellungen wird die Myokardszintigraphie in zwei Phasen durchgeführt, nämlich einer Belastungsmessung und einer Ruheuntersuchung. Allerdings kann bei einigen Indikationen auf die körperliche Belastung verzichtet werden. Zudem ist im Hinblick auf die Belastungsmessung auch der individuelle Zustand des Patienten zu berücksichtigen.

myokardszintigraphie-herzszintigraphie-belastungsmessung-stresstest

Ruhe- und Belastungsuntersuchung als Standard der Myokardszintigraphie

Das standardmäßige Untersuchungsprotokoll der Myokardszintigraphie sieht vor, dass der Patient während der Tracer-Applikation körperlich – in der Regel auf einem Fahrradergometer oder Laufband – aktiv ist. Unter dieser Belastung steigt der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels (Myokard) an und es kommt zu einer Weitung der Herzkranzgefäße (Koronararterien).

Engstellen in erkrankten Gefäßen verhindern diese Anpassung mit einer daraus resultierenden Verringerung der Durchblutung. Dieses Defizit wird durch den Vergleich mit der in einer Ruhephase gemachten Aufnahme sichtbar. So lassen sich gerade belastungsabhängige Durchblutungsstörungen (reversible Ischämien) von Perfusionsdefekten nach einem früheren Herzinfarkt (Myokardinfarkt) unterscheiden.

Pharmakologisch induzierte Belastung als Alternative bei patientenindividuellen Einschränkungen

Nicht jeder Patient, bei dem eine Indikation für die Myokardszintigraphie vorliegt, ist in der Lage, die Belastungsmessung auf dem Ergometer zu absolvieren. Problematisch ist dies unter anderem, wenn ausgeprägte orthopädische Erkrankungen, die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder eine schwere chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) vorliegt. Daher wird die Belastungssituation in solchen Fällen pharmakologisch – also medikamentös – ausgelöst.

Dabei kommen Wirkstoffe wie Adenosin, Regadenoson oder Dipyridamol intravenös zum Einsatz. Diese wirken gefäßerweiternd und rufen einen Zustand hervor, der mit einer körperlichen Belastung vergleichbar ist. Auf diese Weise lassen sich verengte Gefäßabschnitte identifizieren, ohne dass eine durch physische Aktivität bedingte Belastung des Patienten erforderlich ist.

Myokardszintigraphie in Ruhe zur Vitalitätsdiagnostik

Eine Myokardszintigraphie ausschließlich in Ruhe – also ohne körperliche bzw. pharmakologische Belastungskomponente – ist bei bestimmten klinischen Fragestellungen ein sinnvolles diagnostisches Instrument. Dies trifft vor allem auf die Vitalitätsdiagnostik zu, also die Beurteilung der Aktivität des Myokards nach einem Herzinfarkt.

Hintergrund: Nicht mehr ausreichend versorgtes Herzmuskelgewebe ist nicht automatisch abgestorben, sondern kann noch vital sein (hibernierendes Myokard) und würde – anders als Infarktnarbengewebe – von einer Wiederherstellung der Blutversorgung profitieren. Tracer auf Basis von Thallium oder Technetium-99m reichern sich in dem hibernierenden Myokard an, weshalb sich die Ruhediagnostik in diesem Kontext für die Planung einer Revaskularisation eignet.

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Fazit: In bestimmten Fällen ist die Myokardszintigraphie ohne Belastung des Patienten möglich

Ob die Myokardszintigraphie mit einer körperlichen Belastungssituation einhergeht oder nicht, hängt von patientenindividuellen Aspekten und der Indikation ab. Sollte die Belastungsmessung aufgrund der Indikation erforderlich sein, können Patienten mit schweren Erkrankungen bzw. Einschränkungen durch den Einsatz pharmazeutischer Auslöser – mit denen eine Belastung auf Ebene der Blutgefäße simuliert wird – geschont werden. Des Weiteren wird die Myokardszintigraphie vollständig ohne Belastungsmessung durchgeführt, wenn es um die Frage geht, ob das Gewebe auf eine wiederhergestellte Durchblutung überhaupt reagiert. Dieser Aspekt ist besonders für Patienten nach einem Herzinfarkt von Bedeutung und spielt eine zentrale Rolle für die weiteren Therapieentscheidungen.

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