Muskelverspannung oder Nervenreizung? – Bildgebende Diagnostik im Schulter-Arm-Bereich
Schmerzen, die vom Nacken über die Schulter bis in den Arm ausstrahlen, sind im medizinischen Alltag ein vergleichsweise häufig auftretendes Problem. Dabei sind Beschwerden, die Nacken- und Schulterschmerzen, Taubheitsgefühle bis hin zu einem Kraftverlust umfassen, Symptome des Halswirbelsäulensyndroms (HWS-Syndrom), also eines Schmerzsyndroms das von der Halswirbelsäule ausgeht.
Die möglichen Ursachen sind weit gefächert und reichen von Verspannungen der Muskeln (die oft von selbst wieder abklingen) bis hin zu strukturellen Erkrankungen, für die eine gezielte Therapie erforderlich ist. Mithilfe der radiologischen Bildgebung lässt sich bei anhaltenden Problemen mittels Magnetresonanztomographie oder Computertomographie nach strukturellen Auffälligkeiten und Gewebeschäden suchen.
Was löst Schmerzen im Schulter-Hals-Bereich aus?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Schmerzen können auf muskuläre Ursachen oder neurale Auslöser zurückgehen.
- Mechanische Fehlbelastungen wirken auf Muskeln, Bänder und Bandscheiben.
- Mitunter entstehen Schmerzen durch ein Zusammenwirken mehrerer Auslöser.
Im Schulter-Hals-Bereich sind einige komplexe anatomische Strukturen lokalisiert, die zum Schulter-Arm-Syndrom (wie das Beschwerdebild auch genannt wird) führen können.
Lokalisiert sind die Auslöser dabei
- im Schulter- und Schultergelenksbereich und
- im Bereich der Halswirbelsäule.
Daneben treten in der medizinischen Praxis Fälle auf, in denen parallel entstehende Pathologien für die Probleme verantwortlich sind.
Eine häufige lokale Ursache sind Schäden im Bereich der Rotatorenmanschette. Hierbei handelt es sich um einen Muskel-Sehnen-Komplex, der den Oberarmkopf (Teil des Oberarmknochens) im Schultergelenk stabilisiert und dessen Beweglichkeit ermöglicht. Teil der Rotatorenmanschette ist ein System aus Sehnen, zu dem unter anderem der Musculus supraspinatus, infraspinatus, teres minor und subscapularis gehören. Teilweise oder vollständige Sehnenrisse können Schulterschmerzen mit einer Ausstrahlung in den Oberarm auslösen.
Hinzu kommen schmerzhafte Einklemmungen von Sehnengewebe sowie Schleimbeutelentzündungen (Bursitiden) und die Kalkeinlagerungen in Sehnengewebe (Tendinosis calcarea) als Auslöser von Beschwerden.
Ein weiterer struktureller Trigger für ausstrahlende Schmerzen sind Verspannungen der Muskulatur. Zu den häufigsten Ursachen muskulärer Verspannungen, die in den Schulter-Arm-Bereich ausstrahlen können gehören
- Fehlhaltung bei Schreibtischarbeit,
- Muskelverkürzung durch langes Sitzen,
- ungünstige Position beim Schlafen,
- Überbeanspruchung der Muskulatur beim Krafttraining und
- Zugluft.
Darüber hinaus kommen Nervenwurzelreizungen oder Kompressionen im Bereich der Halswirbelsäule (zervikale Radikulopathien) als Schmerzursachen in Betracht, die zum Beispiel durch
- einen Bandscheibenvorfall,
- knöcherne Anbauten an den Halswirbeln oder
- eine Verengung der Nervenaustrittskanäle
ausgelöst werden können.
Klinische Unterscheidung der Beschwerden im Schulter-Arm-Bereich – Wann spricht das Bild für eine Nervenreizung?
Die Differenzierung zwischen einem strukturell-lokalen Schmerzauslöser und einer Nervenreizung beginnt bereits mit der klinischen Untersuchung. Treten unter anderem
- ein Kribbeln,
- Taubheitsgefühle oder
- eine Verminderung der Kraft im betroffenen Arm
als Beschwerden auf, spricht dies eher dafür, dass Nerven betroffen sind. Dabei kann das Missempfinden auch auf der Haut spürbar sein. Hintergrund: Die aus dem zentralen Kanal der Wirbelsäule (Spinalkanal) austretenden Nerven versorgen nicht nur die Muskeln, sondern sind auch für die Sensorik verantwortlich. Daher kommt es bei Nervenreizungen teilweise auch zu Missempfindungen in Bezug auf Temperaturreize.
Muskuläre oder die Sehnen betreffende Ursachen im Schulter-Arm-Bereich äußern sich typischerweise durch bewegungsabhängige Schmerzen – etwa beim Anheben des Arms – sowie eine Druckschmerzhaftigkeit. Die Anamnese und einige klinische Provokationstests (beispielsweise über Armdrehungen oder Kompressionen der Halswirbelsäule) liefern diesbezüglich wichtige Hinweise.
Bildgebende Verfahren in der Schulter-Arm-Diagnostik
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Gerade bei anhaltenden Schmerzen ist eine bildgebende Diagnostik anzuraten.
- Die Magnetresonanztomographie liefert hochauflösende Bilder des Weichgewebes.
- Die Knochen betreffende Fragestellungen werden mittels Röntgen und Computertomographie abgeklärt.
Muskelverspannungen schränken den Alltag der Betroffenen ein, heilen aber häufig ohne Arztbesuch oder Therapie ab. Halten die Beschwerden indes an oder kommen neurologische Anzeichen hinzu, ist eine weiterführende Diagnostik erforderlich, die auch verschiedene bildgebende Verfahren einbezieht.
Ultraschall (Sonographie)
Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) sind in der Praxis schnell verfügbar und strahlenfrei. Daher eignet sich das Verfahren zur Erstbeurteilungen oberflächennaher Pathologien wie Sehnenveränderungen der Rotatorenmanschette, Schleimbeutelentzündungen sowie von Ergüssen im Schultergelenk. Einschränkungen bestehen bei tiefliegenden Strukturen sowie bei der Beurteilung der Halswirbelsäule.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie (MRT) gilt bei Erkrankungen des Schulter-Arm-Komplexes als etabliertes Verfahren zur Beurteilung von Weichgewebe, Sehnen und Nervenstrukturen. Über verschiedene Sequenzen lassen sich beispielsweise Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, Risse der Sehnen nach Sportunfällen und entzündliche Veränderungen differenzieren.
Darüber hinaus liefert die MRT wichtige Informationen zur Abklärung von Auffälligkeiten der Halswirbelsäule, etwa beim Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall. Zudem sind Einengungen der Nervenaustrittskanäle oder direkte Kompressionen der Nervenwurzeln im Zusammenhang mit knöchernen Strukturen und den umgebenden Bändern zu erkennen. Ebenso lassen sich strukturelle Veränderungen darstellen, die auf chronische Nervenschäden im Muskel zurückzuführen sind und zu Muskelschwund führen können.
Röntgen und Computertomographie (CT)
Neben der Betrachtung von Muskulatur und Nerven spielen die knöchernen Elemente des Schulter-Hals-Bereichs für die Diagnostik eine Rolle. Für die Befundung kommen Röntgen und Computertomographie (CT) zur Anwendung. Beide Verfahren basieren auf der Nutzung ionisierender Strahlung und liefern Hinweise auf Schmerzauslöser wie feine Frakturen oder knöcherne Veränderungen, die auf Verschleiß und anhaltende Fehlbelastungen zurückzuführen sind.
Beispielsweise kann es durch Gelenkverschleiß zu Umbildungen an der Halswirbelsäule kommen, wodurch eine Einengung der Nerven begünstigt wird. Was von Betroffenen anfangs oft als anhaltende Verspannung interpretiert wird, kann tatsächlich eine Sehnenverkalkung sein, die sich ebenfalls mit der CT erkennen lässt.
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Fazit: Anhaltende Schulter-Hals-Beschwerden sollten unbedingt ärztlich untersucht werden
Bei Fehlbelastungen – sei es durch langes Sitzen im Büro oder Krafttraining mit einer hohen Beanspruchung der Schultern – sind Schmerzen früher oder später vorprogrammiert. Betroffene bemerken mitunter erst ein leichtes Ziehen, das sich über die Zeit hinweg verschlimmert. Oft sorgen Wärme, Schonung und gezieltes Dehnen schon für eine Verbesserung der Situation.
Tritt jedoch trotz aller Hausmittel und Selbstbehandlung keine Verbesserung ein oder handelt es sich um plötzlich einsetzende Beschwerden nach einer Bewegung oder einem Sturz, sollte eine ärztliche Überprüfung durchgeführt werden. Dies gilt umso mehr, wenn auch neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle hinzukommen, denn bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Verlegung der Nervenkanäle bedarf es eines anderen Behandlungsansatzes als bei einer Verspannung.
FAQ zur Diagnostik im Schulter-Hals-Bereich: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann schon der Hausarzt erkennen, ob eine Verspannung oder eine Nervenreizung vorliegt?
Der Hausarzt kann durch die Anamnese und klinische Untersuchung erste Hinweise auf muskuläre oder neurale Ursachen der Beschwerden gewinnen. Eine sichere Unterscheidung zwischen Muskelverspannung und Nervenreizung erfordert jedoch in der Regel die Durchführung einer bildgebenden Diagnostik. Bei neurologischen Symptomen wie Kribbeln oder Kraftverlust erfolgt daher die Überweisung an die Radiologie oder die Neurologie.
Wie lange halten die Beschwerden im Schulter-Hals-Bereich an?
Die Dauer der Beschwerden variiert stark je nach Ursache. Muskuläre Verspannungen klingen bei adäquater Behandlung oft innerhalb weniger Tage bis Wochen ab. Degenerative Veränderungen oder strukturelle Schäden wie Sehnenrupturen oder Bandscheibenvorfälle können hingegen zu chronischen Verläufen führen. Ohne gesicherte Diagnose und gezielte Therapie besteht das Risiko einer Verschlechterung, weshalb anhaltende Beschwerden mittels eines bildgebenden Untersuchungsverfahrens abgeklärt werden sollten.
Wie werden neurologische Beschwerden im Schulter-Hals-Bereich behandelt?
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. In einigen Fällen sind die Physiotherapie, eine gezielte Schmerztherapie und periradikuläre Infiltrationen (gezielte Medikamenteninjektionen in die Nervenwurzelumgebung) ausreichend. Bei anhaltenden neurologischen Defiziten oder strukturellen Kompressionen kann eine operative Erweiterung des eingeengten Nervenwurzelkanals in Betracht kommen.

