Radiologische Diagnostik bei Beschwerden im Bauchraum: Wann wird welches Verfahren bei Magen-Darm-Problemen angewendet?
Bauchschmerzen gehören zu den Beschwerden, mit denen Hausärzte und Notfallambulanzen regelmäßig konfrontiert werden. Etwa zehn Prozent der Patienten in Notaufnahmen suchen wegen abdomineller Beschwerden ärztliche Hilfe. Ein Fünftel dieser Fälle kann als akutes Abdomen klassifiziert werden, bei dem es sich um einen Symptomkomplex mit starken Bauchschmerzen, oft in Kombination mit einer deutlichen Abwehrspannung, handelt [1].
Die Herausforderung in der Diagnostik besteht darin, harmlose Beschwerden von potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen zu unterscheiden, bei denen eine sofortige Intervention erforderlich ist. In der Diagnostik nehmen bildgebende radiologische Verfahren eine zentrale Rolle ein, indem sie eine Abklärung der Bauchschmerzen ermöglichen und Informationen für die Therapieentscheidung liefern.
Warum Bauchschmerz nicht gleich Bauchschmerz ist
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Beschwerden ist entscheidend für die Wahl des Untersuchungsverfahrens.
- Bestimmte Warnsymptome (Red Flags) erfordern eine umgehende Abklärung.
- Medizinische Notfälle entstehen unter anderem im Zusammenhang mit Perforationen oder Durchblutungsstörungen.
Der Begriff „Bauchschmerzen“ deckt ein breites Spektrum verschiedener Beschwerden ab, die sich anhand verschiedener Kriterien charakterisieren lassen. Akute Symptome treten in der Regel abrupt auf und sind durch einen raschen Verlauf gekennzeichnet. Die Dauer reicht von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen. Chronische Bauchschmerzen können dagegen über Wochen oder gar Monate anhalten. Für die klinische Bewertung ist außerdem die Lokalisation entscheidend. Patienten nehmen Beschwerden teilweise diffus wahr oder können den Schmerz auf bestimmte Quadranten begrenzen.
Extrem wichtig ist die Unterscheidung der Ursachen. Hier reicht die Palette von leichten Krankheitszeichen, die beispielsweise auf den Verzehr bestimmter Lebensmittel zurückgehen können, über infektiöse Ursachen bis zu lebensbedrohlichen Zuständen wie der Perforation von Magen oder Darm (Durchbruch der Hohlorgane) oder Durchblutungsstörungen der Verdauungsorgane. Diese stellen jeweils einen medizinischen Notfall dar.
Warnzeichen: Hier ist eine umgehende Diagnostik erforderlich
Einige Symptome – sogenannte „Red Flags“ – erfordern eine schnelle bildgebende Diagnostik. Ärztlicher Rat ist unbedingt erforderlich, wenn
- eine Kreislaufinstabilität zusammen mit niedrigem Blutdruck,
- ein harter Bauch mit Abwehrspannung (Peritonismus),
- anhaltendes Erbrechen oder
- sichtbare gastrointestinale Blutungen
auftreten. In solchen Fällen sollten Betroffene oder Anwesende den Notdienst verständigen.
Weitere Hinweise, die in der klinischen Untersuchung auffallen, sind stark erhöhte Entzündungswerte sowie ein ungewöhnliches Verhältnis zwischen den subjektiv wahrgenommenen Schmerzen und dem objektiven Untersuchungsbefund (der sogenannte „Pain out of Proportion“). Ein Anzeichen, das als Hinweis auf eine Durchblutungsstörung gedeutet werden kann.
Methoden der Radiologie und Nuklearmedizin bei gastrointestinalen Beschwerden
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Sonographie eignet sich bereits für eine Ersteinschätzung bei vielen Fragestellungen.
- Aufgrund der schnellen Durchführbarkeit spielt die CT in akuten Notfallsituationen eine Rolle.
- Die MRT ist eine Alternative, wenn ohne Strahlenbelastung untersucht werden muss.
In der Radiologie stehen verschiedene Methoden zur Abklärung von Schmerzsymptomen im Bauchraum zur Verfügung. Die Auswahl orientiert sich an den spezifischen Fragestellungen, der Verfügbarkeit sowie dem Vorliegen von Kontraindikationen – etwa in Bezug auf Kontrastmittel oder Strahlenexposition.
Sonographie – schnell und strahlungsfrei
Als breit verfügbare Methode wird die Sonographie (Ultraschall) oft als erste bildgebende Untersuchung bei Bauchschmerzen angewendet. Zu ihren Vorteilen gehören
- die Durchführbarkeit ohne Strahlenbelastung,
- eine kurze Untersuchungsdauer, oft ohne aufwendige Vorbereitung, und
- die Möglichkeit zur Untersuchung in Echtzeit.
Im klinischen Alltag wird die Sonographie unter anderem zur Beurteilung der Gallenblase und Gallenwege, der Leber oder für den Nachweis freier Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites) eingesetzt. Teilweise ist auch eine Beurteilung der Darmwand möglich. Durch Untersuchungen der Darmwanddicke lassen sich beispielsweise Rückschlüsse auf entzündliche Darmerkrankungen ziehen [2]. Bei schlanken Patienten ist mittels Ultraschall zudem eine Appendizitis (Blinddarmentzündung) darstellbar.
An Grenzen stößt die Sonographie bei adipösen Patienten oder wenn im Darm größere Gasmengen enthalten sind. Beide Umstände behindern die Schallausbreitung. Auch bei tiefer gelegenen Strukturen im Becken lässt die Zuverlässigkeit nach. Ein weiterer Punkt ist das Können des Anwenders, da ein Erkennen verschiedener Pathologien ein gewisses Maß an Erfahrung voraussetzt.
Die Computertomographie (CT) – etablierter Standard in der abdominalen Diagnostik
Die Computertomographie (CT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Abklärung akuter Fragestellungen und ermöglicht eine schnell durchführbare, umfassende Darstellung des Abdomens und Beckens.
Mittels eines intravenös verabreichten Röntgenkontrastmittels lassen sich der Gewebekontrast und die Diagnostik verbessern. Damit sind Entzündungen, Abszesse und Gefäßpathologien leichter zu unterscheiden. Besteht der Verdacht auf einen Gefäßverschluss oder Blutungen, kann die CT-Angiographie (CTA) zur Anwendung gebracht werden.
Bei der CT spielt auch die Strahlenbelastung eine Rolle, etwa bei jungen Patienten oder bestehender einer Schwangerschaft. Durch moderne Low-Dose-Protokolle wird die Strahlendosis reduziert bei gleichzeitiger Erhaltung einer hohen diagnostischen Qualität [3]. Zusätzlich ist beim Einsatz von Kontrastmittel auf die Nieren- und Schilddrüsenfunktion zu achten, um Komplikationen bei einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion zu vermeiden.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) – Diagnostik bei Bauchschmerzen mit hohem Weichgewebekontrast
Die Magnetresonanztomographie (MRT) bietet einen hohen Weichteilkontrast und kommt ohne Strahlenbelastung aus. Spezielle Sequenzen wie die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) ermöglichen die detaillierte Darstellung der Gallenwege ohne invasive Eingriffe. Die MR-Enterographie (MRE) liefert dagegen Informationen zur Beurteilung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen und zeigt neben Wandverdickungen auch Komplikationen wie Fisteln oder Engstellen (Stenosen).
Bei schwangeren Patientinnen ist die MRT eine wichtige Untersuchung, wenn die Sonographie nicht ausreicht und eine CT nicht durchführbar ist, da hier kein Strahlenrisiko besteht. Im zweiten und dritten Trimenon kann sie unter Abwägung von Risiko und Nutzen durchgeführt werden. Die Limitierungen der MRT liegen in
- der aufwendigen Durchführung,
- der mitunter eingeschränkten Verfügbarkeit und
- dem Risiko von Bewegungsartefakten bei unruhigen Patienten.
Röntgen bei akuten Bauchschmerzen
Übersichtsaufnahmen mittels Röntgen haben in der Diagnostik an Bedeutung verloren. In bestimmten Situationen kommt das Verfahren zur schnellen, ersten Befundung aber nach wie vor zum Einsatz. Röntgenbilder können freie Luft unter dem Zwerchfell zeigen, Informationen zu einem Darmverschluss (Ileus) liefern oder Fremdkörper darstellen. Neben den Übersichtsaufnahmen kann mit Unterstützung durch Kontrastmittel ein Verdacht auf eine Störung der Magen-Darm-Passage abgeklärt werden.
Nuklearmedizin zur funktionellen Diagnostik
Nuklearmedizinische Verfahren zielen auf die Beantwortung funktioneller Fragestellungen ab. Der Fokus liegt in diesem Zusammenhang auf verschiedenen Szintigraphien und der PET-Bildgebung. Letztere wird als Hybridverfahren, also eine Kombination von Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und CT oder MRT, durchgeführt.
Zum Einsatz kommen in der Nuklearmedizin sogenannte „Tracer“, Verbindungen mit einem schwach radioaktiven Marker, die an spezifische Zellstrukturen binden. Dadurch lassen sich beispielsweise Metastasen des Prostatakrebses, neuroendokrine Tumore (NET) und Blutungen des Gastrointestinaltrakts identifizieren.
Mögliche Indikationen für radiologische Untersuchungen des Bauchraums
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Das klinische Bild und die Fragestellung sind für die Wahl der Methode entscheidend.
- Mit der Bildgebung lassen sich Entzündungen oder Durchblutungsstörungen abklären.
- Die Suche nach Tumoren und Metastasen spielt für die Auswahl ebenfalls eine Rolle.
Bei akuten, diffusen Bauchschmerzen ohne klare Lokalisation können unter anderem
- Entzündungen (etwa des Blinddarms oder eine Divertikulitis),
- Perforationen,
- Abszesse,
- Nekrosen,
- Durchblutungsstörungen oder
- Darmverschlüsse
vorliegen.
Die Abklärung erfolgt oft durch eine CT des Abdomens und Beckens (auch mit Kontrastmittel). Für eine schnelle Beurteilung bietet sich die Sonographie an. Ist die CT indes kontraindiziert, stellt die MRT eine Alternative dar. Je nach Befund und Schwere reichen die Behandlungsoptionen von konservativen Therapien bis hin zu chirurgischen Interventionen.
- Rechter Oberbauch: Bei Schmerzen im rechten Oberbauch ist an Erkrankungen der Leber, Gallenblase und Gallenwege zu denken. In der Sonographie zeigen sich Gallensteine mit einer Sensitivität von etwa 94 Prozent [4]. Bei einer akuten Cholezystitis sind Wandverdickungen erkennbar und es kann ein positives sonographisches Murphy-Zeichen (Schmerz beim Auflegen des Schallkopfes) auftreten. Im Fall unklarer Befunde sind die CT oder die MRT/MRCP Alternativen, während die hepatobiliäre Funktionszintigraphie bei bestimmten Formen der Gallenblasenentzündung in Betracht kommt.
- Rechter Unterbauch: Schmerzen im rechten Unterbauch können auf eine Blinddarmentzündung hindeuten. Zur Ersteinschätzung wird regelmäßig eine Sonographie durchgeführt. Sofern sich unklare Befunde oder Schwierigkeiten bei der Untersuchung ergeben, sind CT und MRT in Erwägung zu ziehen. Die Palette an Befunden reicht von einer unkomplizierten Appendizitis über Perforationen bis zum Abszess.
- Linker Unterbauch: Schmerzen im linken Unterbauch sprechen bei älteren Patienten häufig für eine Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen). Als bildgebende Untersuchungen werden in diesem Zusammenhang die Sonographie bzw. – beim Verdacht auf Komplikationen (wie Abszesse, eine Bauchfellentzündung oder die Perforation des Darms) – die CT zur Anwendung gebracht. Die schnelle Abklärung ist wichtig, da der Darmdurchbruch oder die Bauchfellentzündung einen chirurgischen Eingriff erfordern.
- Oberbauch/Magengrube: Schmerzen im Oberbauch, die gürtelförmig ausstrahlen, sprechen für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis). Die Diagnostik erfolgt meist klinisch sowie im Labor. Bildgebende Verfahren helfen bei der Abklärung der Ursache und der Beurteilung von Komplikationen. Mittels Ultraschall lassen sich beispielsweise Gallensteine identifizieren, während die CT zur Beurteilung von Gewebeschäden herangezogen werden kann.
- Verdacht auf Darmverschluss: Erbrechen, ein aufgetriebener Bauch und Probleme beim Absetzen des Stuhls sind Anzeichen für einen Darmverschluss, der als mechanischer und paralytischer Ileus auftreten kann. Da die Erkrankung zu schweren Komplikationen führen kann, ist eine ärztliche Untersuchung unbedingt erforderlich. Gerade bei der akuten mechanischen Verlegung spielt die CT des Abdomens eine Rolle. Die MRT kann als Alternative bei speziellen Anforderungen durch die Patientengruppe oder bei wiederkehrenden Episoden (zur detaillierten Abklärung der Ursache) eingesetzt werden.
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Fazit: Bei Bauchschmerzen kommen vor allem Ultraschall, CT & MRT zum Einsatz
Bauchschmerzen sind unangenehm, jedoch liegt in vielen Fällen keine schwerwiegende Erkrankung zugrunde. Dennoch müssen länger anhaltende oder sich intensivierende Beschwerden ernst genommen werden, da diese auf potenziell lebensgefährliche Komplikationen wie eine Perforation, eine Bauchfellentzündung oder einen Darmverschluss zurückzuführen sein können.
Im Rahmen der radiologischen und nuklearmedizinischen Diagnostik steht ein umfassendes Spektrum an Untersuchungen – vom Ultraschall über die CT bis hin zu verschiedenen Szintigraphien – zur Verfügung. Häufig greifen die verschiedenen Methoden ineinander und ergänzen sich bei unklaren Befunden. Zudem werden sie bei spezifischen Fragestellungen auch gezielt eingesetzt.
Entscheidend ist das Bild, welches sich aus der körperlichen Untersuchung, den Laborbefunden und möglichen Kontraindikationen ergibt. Die gewonnenen Informationen dienen der Behandlungsplanung in der Chirurgie, Gastroenterologie und Notfallmedizin.
FAQ zur radiologischen Diagnostik bei Bauchbeschwerden: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wie lange dauern die verschiedenen bildgebenden Untersuchungen bei Bauchschmerzen?
Die Untersuchungsdauer variiert zwischen den Verfahren erheblich. Ein Ultraschall des Abdomens dauert nur wenige Minuten und kann bei akuten Beschwerden umgehend durchgeführt werden. Die CT ist ein Schnittbildverfahren, mit dem Aufnahmen ebenfalls in einigen Minuten erstellt werden können. Sowohl die MRT als auch die nuklearmedizinischen Untersuchungen nehmen deutlich mehr Zeit in Anspruch und können mitunter länger als eine Stunde dauern.
Gehen Bauchschmerzen immer von Magen und Darm aus?
Nein, für die Beschwerden können auch andere Ursachen verantwortlich sein. Ein Hinterwandinfarkt (Myokardinfarkt der hinteren Herzwand) kann sich beispielsweise durch Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen äußern, während die typischen Brustschmerzen fehlen. Auch eine Lungenembolie kann zu Oberbauchbeschwerden führen, genauso wie eine Pneumonie mit Zwerchfellreizung. Daher ist bei Bauchschmerzen stets auch an die Differenzialdiagnostik zu denken.
Muss man für eine Abdomenuntersuchung nüchtern sein?
Das Thema Nüchternheit hängt vom Verfahren, den Rahmenbedingungen und der Fragestellung ab. Bei einer Notfalluntersuchung lässt sich eine Nahrungskarenz in der Regel schon praktisch nicht umsetzen. Geht der Abklärung von Beschwerden jedoch eine gewisse Vorbereitungszeit voraus, kann je nach Methode und Protokoll der Verzicht auf die Nahrungsaufnahme – zumindest für einige Stunden vor dem Scan – nötig sein.
[1] DocMedicus, Bauchschmerzen (Abdominalschmerzen), online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 02.03.2026).
[2] Goertz, R.S., Hensel, S., Wildner, D. et al. Bowel wall thickening and hyperemia assessed by high-frequency ultrasound indicate histological inflammation in Crohn’s ileitis. Abdom Radiol 46, 1855–1863 (2021). https://doi.org/10.1007/s00261-020-02895-8
[3] Kavanagh RG, O’Grady J, Carey BW, McLaughlin PD, O’Neill SB, Maher MM, O’Connor OJ. Low-Dose Computed Tomography for the Optimization of Radiation Dose Exposure in Patients with Crohn’s Disease. Gastroenterol Res Pract. 2018 Oct 31;2018:1768716. doi: 10.1155/2018/1768716. PMID: 30515203; PMCID: PMC6234436.
[4] MSD Manuals, Imaging Tests of the Liver and Gallbladder, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 02.03.2026).

