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MRT bei chronischen Rückenschmerzen: Präzise Diagnostik der Rückenmuskulatur

Rückenschmerzen sind in Deutschland ein verbreitetes Problem. Je nach Quelle liegt der Anteil in der Bevölkerung, die in einem Erhebungszeitraum von zwölf Monaten unter Beschwerden leiden, zwischen rund 60 und 80 Prozent [1] [2]. Neben akuten Beschwerden, die nach dem Sport oder dem Heben schwerer Gegenstände auftreten, führen auch chronische Rückenschmerzen immer wieder zum Arztbesuch und zur Arbeitsunfähigkeit. Als chronisch gelten Rückenschmerzen, wenn sie länger als zwölf Wochen andauern.

Neben Bandscheibenvorfällen und krankhaften Veränderungen der Wirbelkörper, die zu Nervenkompressionen führen können, kann auch die Rückenmuskulatur entlang der Wirbelsäule für das Entstehen der Beschwerden eine Rolle spielen. Neben Anamnese und klinischer Untersuchung hat die radiologische Bildgebung für die muskuloskelettale Diagnostik Bedeutung, da ohne die Kenntnis der Ursache der Rückenschmerzen keine adäquate Therapie möglich ist.

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Was kann chronische Beschwerden der Rückenmuskulatur auslösen?

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Ein häufiger Grund für Rückenschmerzen sind Fehlhaltungen und Überlastungen.
  • Autoimmunprozesse oder Infektionen können zu Muskelentzündungen führen.
  • Sowohl gutartige als auch bösartige Tumore können mechanisch oder durch Infiltration des Nachbargewebes Beschwerden auslösen.

Die Rückenmuskulatur ist ein komplexes System aus oberflächlichen und tief liegenden Muskelgruppen, das mehrere Aufgaben hat: Es soll die Wirbelsäule stabilisieren und aufrichten sowie koordinierte Bewegungen ermöglichen. Zu den zentralen Strukturen zählen unter anderem der lange Rückenstrecker und kleine Muskeln zwischen den Wirbelbögen. Gemeinsam ermöglichen sie eine sichere Körperhaltung und schützen die Bandscheiben sowie die Facettengelenke vor einer Überlastung. Unterschiedliche Auslöser führen zu Rückenschmerzen unter Beteiligung der Muskulatur.

Degenerative Veränderungen und Muskelatrophie

Degenerative Prozesse können eine mögliche Ursache anhaltender Rückenschmerzen sein. Durch Umbauprozesse geht funktionelles Muskelgewebe verloren – etwa im Bereich der tiefen, wirbelsäulennahen Muskeln. Dieses Segment, das als autochthone Rückenmuskulatur (Musculus erector spinae) bezeichnet wird, verändert sich durch verschiedene Auslöser. Zu diesen gehören unter anderem

  • Alterungsprozesse,
  • Bewegungsmangel,
  • Überlastung,
  • Fehlhaltungen und
  • ernährungsbedingte Ursachen wie Übergewicht.

Einige dieser Faktoren sind lebensstilbedingt, während andere durch bestehende Schmerzsyndrome verursacht werden können. Beispielsweise besteht bei bereits vorhandenen Rückenschmerzen anderer Ursache und der damit häufig verbundenen Einnahme einer Schonhaltung das Risiko der Ausbreitung auf andere Bereiche.

Aufgrund des hohen Weichgewebekontrasts, den das Verfahren bietet, lassen sich mit der Magnetresonanztomographie (MRT) Gewebeabbau und fettige Infiltrationen gut beurteilen. Dabei sind Einschätzungen zum Fettgehalt im Muskelgewebe für die Bewertung des Risikos erneuter Beschwerden von Bedeutung, spielen aber auch für die Planung operativer Eingriffe an der Wirbelsäule eine Rolle.

Entzündliche Erkrankungen der Rückenmuskulatur

Entzündliche Prozesse der Muskulatur (Myositiden) sind nicht nur auf Arme und Beine beschränkt, sondern können auch die Rückenmuskulatur betreffen und dort Beschwerden verursachen. Autoimmunerkrankungen wie die Polymyositis oder die Dermatomyositis (bei denen das Immunsystem körpereigenes Muskelgewebe angreift) lösen unter anderem Probleme beim Treppensteigen oder Heben aus.

In der MRT sind die Krankheitsbilder sowohl in der Akutphase als auch während der chronischen Abschnitte erkennbar – anhand der charakteristischen Signalveränderungen durch die Flüssigkeitseinlagerungen im Muskelgewebe sowie den Gewebeabbau.

Besteht der Verdacht auf eine durch Bakterien oder Parasiten ausgelöste, infektiöse Myositis, wird die Bildgebung mittels MRT unter anderem zur Bewertung der Ausbreitung und zur Abklärung potenzieller Abszesse – wie sie bei einer Pyomyositis (häufig durch Staphylococcus aureus ausgelöst) auftreten können – herangezogen. Neben den radiologischen Befunden fließt in die Behandlung auch der Erregernachweis aus dem Labor ein.

Haltungsbedingte Fehlbelastung als Ursache chronischer Muskelveränderungen

Andauernde Fehlhaltungen, chronische Überlastungen und muskuläre Ungleichgewichte zwischen antagonistischen Muskelgruppen kommen ebenfalls als Ursachen chronischer Rückenbeschwerden in Betracht. Durch einseitige Belastungsmuster – wie das lange Sitzen in einer ungünstigen Position – werden bestimmte Muskelgruppen dauerhaft überbeansprucht, während es zur Schwächung der Gegenspieler kommt.

Mit der MRT sind verschiedene strukturelle Veränderungen zu erkennen, zu denen unter anderem

  • Asymmetrien der Muskelquerschnitte,
  • knöcherne Anbauten an den Wirbelkörpern (Spondylophyten, entstehen als Reaktion der Wirbelkörper auf die Fehlbelastungen),
  • Verengungen der Bandscheiben durch deren Verschleiß,
  • Flüssigkeitsansammlungen (in Form eines Knochenmarködems) als Zeichen der Überlastung sowie
  • beginnende Fettinfiltration in chronisch unterbelastete Muskeln.

Derartige Auffälligkeiten können auch als Zufallsfund bei einer bildgebenden Untersuchung entdeckt werden, die aus einem anderen Grund durchgeführt wird. In einer Studie aus dem Jahr 2022 zeigten sich in der Teilnehmergruppe, das nur bei knapp 60 Prozent der Probanden mit einem MRT-Befund tatsächlich Beschwerden auftraten [3].

Raumforderungen und Tumorverdacht

Rückenschmerzen, die über Wochen anhalten, können auch durch gutartige oder bösartige Weichteiltumore ausgelöst werden. Probleme entstehen beispielsweise bei einem gutartigen Fettgewebstumor, dem sogenannten „Lipom“, wenn es durch das Wachstum in bestimmten Situationen zu mechanischen Reizungen von Nerven oder der Knochenhaut kommt.

Aber auch intramuskuläre gutartige Gefäßtumore im Muskelgewebe (Hämangiome) oder bösartige Weichteiltumore (Sarkome) führen zu Beschwerden, die von Betroffenen zuerst mit den Rückenmuskeln in Verbindung gebracht werden. In der MRT lassen sich verschiedene Raumforderungen anhand der Signalcharakteristik, der Abgrenzung zum umliegenden Gewebe oder dem Verhalten nach einer Kontrastmittelgabe differenzieren. Sollte sich der Malignitätsverdacht erhärten bzw. durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) bestätigen, schließen sich oft weitere Untersuchungen an, wie die PET-CT. Dieses Verfahren dient der Untersuchung der Ausbreitung eines Tumors und der Identifizierung von Metastasen, die sich von anderen Primärtumoren ins Weichgewebe abgesiedelt haben können.

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Fazit: Die MRT spielt gerade bei anhaltenden und neurologisch bedingten Rückenschmerzen eine wichtige Rolle

Die MRT ist ein zentrales bildgebendes Verfahren, das in der Diagnostik an vielen Stellen zum Einsatz kommt und sich vor allem aufgrund der Durchführbarkeit ohne Strahlenbelastung und einer hohen Weichgewebeauflösung auszeichnet. Während Röntgen und Computertomographie (CT) zur Untersuchung chronischer Rückenschmerzen zum Einsatz kommen, wenn der Verdacht auf eine knöcherne Beteiligung besteht, ist die MRT die Untersuchungsmethode der Wahl, wenn eine Differenzierung zwischen verschiedenen in Betracht kommenden Auslösern – wie Bandscheiben, Muskeln oder Wirbelsäule – erforderlich ist.

FAQ zur MRT-Diagnostik bei chronischen Rückenschmerzen: Die wichtigsten Fragen und Antworten

[1] Deutsches Ärzteblatt, Rückenschmerzen in Deutschland weit verbreitet, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 28.05.2026).

[2] Robert Koch Institut, Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020 – Journal of Health Monitoring S3/2021, Stand: 10.03.2021, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 28.05.2026).

[3] Kasch R, Truthmann J, Hancock MJ, Maher CG, Otto M, Nell C, Reichwein N, Bülow R, Chenot JF, Hofer A, Wassilew G, Schmidt CO. Association of Lumbar MRI Findings with Current and Future Back Pain in a Population-based Cohort Study. Spine (Phila Pa 1976). 2022 Feb 1;47(3):201-211. doi: 10.1097/BRS.0000000000004198. PMID: 34405825.

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