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Das Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG) ist ein wichtiges Verfahren zur schnellen Beurteilung der Herzaktivität, zeichnet diese aber nur für eine Dauer von Sekunden bis wenigen Minuten auf. Für sporadische Rhythmusstörungen ist das Ruhe-EKG indes ungeeignet, da sich der Zeitpunkt ihres Auftretens nicht vorhersagen lässt. Mit dem Langzeit-EKG ist eine Überwachung der Herzaktivität hingegen über Stunden bis Tage – in einigen Fällen sogar Wochen und Monate – möglich. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr über die Anwendung, Funktionsweise und relevanten Indikationen für ein Langzeit-EKG und auch, wo das Verfahren an Grenzen stößt.

Langzeit-EKG: Ablauf, Dauer & was man damit erkennt

Das Elektrokardiogramm (EKG) – also die Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität mittels Elektroden auf der Haut – gehört zu den ältesten Untersuchungsverfahren der Herzmedizin (Kardiologie) und wurde im Tierversuch zum ersten Mal zu Beginn der 1880er Jahre durchgeführt. Es zählt heute zu den Standardverfahren, mit denen sich der Arzt einen ersten Eindruck von der Herzfunktion verschafft.

Zum Einsatz kann das EKG dabei in verschiedenen Varianten kommen. Das Ruhe-EKG erfasst die Herzaktivität über eine Zeitspanne von Sekunden bis wenigen Minuten. Da gerade Herzrhythmusstörungen meist nicht durchgehend, sondern nur episodisch (intermittierend) auftreten, bleiben sie in den kurzen Aufzeichnungsphasen des Ruhe-EKG häufig unentdeckt. Das Langzeit-EKG (bzw. nach seinem Erfinder auch als „Holter-EKG“ bezeichnet) schließt diese Lücke in der kardiologischen Diagnostik.

langzeit-ekg-bedeutung-anwendung-funktionsweise-indikationen-ablauf-dauer

Wie funktioniert das Langzeit-EKG?

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Das Verfahren zeichnet über Elektroden die elektrische Aktivität des Herzens auf.
  • Beim normalen Langzeit-EKG befinden sich Elektroden auf der Brust.
  • Bei speziellen Fragestellungen kann der Recorder auch unter die Haut implantiert werden.

Beim herkömmlichen Langzeit-EKG werden mehrere Klebeelektroden auf der Brust des Patienten angebracht, die durch Kabel mit einem kleinen, tragbaren Aufzeichnungsgerät – das der Patient mit einem Gurt am Oberkörper oder in einer kleinen Tasche trägt – verbunden sind. Die Geräte können für EKGs mit bis zu zwölf Kanälen – von denen jeder die elektrische Aktivität des Herzens unter einem eigenen Aspekt aufnimmt – genutzt werden.

Die Messung verursacht keine Schmerzen und geht auch nicht mit einer Strahlenbelastung einher. Im Verlauf der gesamten Tragezeit zeichnet das Gerät die Herzströme durchgehend auf, was sich bei einer 24-stündigen Untersuchung auf bis zu 100.000 Herzschläge summiert.

Nach Ende des vorgeschriebenen Untersuchungszeitraums kann der Patient die Elektroden häufig selbständig entfernen und gibt das Gerät beim Kardiologen zur Auswertung ab. Spezialisierte Auswertungsprogramme markieren auffällige Abschnitte, die anschließend durch den Spezialisten beurteilt und im Rahmen einer Verdachtsdiagnose eingeordnet werden.

In der Regel soll der Patient zur Ergänzung der automatischen Aufzeichnung ein Aktivitätenprotokoll führen. Dies soll es dem behandelnden Arzt ermöglichen, aktivitätsgekoppelte Auffälligkeiten zu erkennen bzw. deren Auswirkungen im EKG zuzuordnen.

Mobile Herzmonitore: Externe und implantierbare Event-Recorder

Das Langzeit-EKG mit festgelegter Tragedauer und Klebeelektroden ist zwar bei der Registrierung und Aufzeichnung episodischer Störungen der Herzaktivität deutlich sensitiver als das Ruhe-EKG. Gerade bei sehr langen Abständen – also einer sehr großen kardialen Unregelmäßigkeit – kann aber sogar das Zeitfenster zwischen 24 und 72 Stunden zu kurz sein, um die Rhythmusstörungen zu erfassen.

Für diesen Fall gibt es spezielle, mobile Geräte – die sogenannten „Event-Recorder“. Diese gibt es sowohl als externe als auch als implantierbare Aufzeichnungsgeräte.

Während extern tragbare Event-Recorder oft über einige Wochen eingesetzt werden, sind die unter der Haut platzierten Varianten auf eine Tragezeit von mehreren Jahren ausgelegt. Letztere werden in der Kardiologie auch als „Loop-Recorder“ oder „Insertable Cardiac Monitor (ICM)“ beziehungsweise „Implantable Loop Recorder (ILR)“ bezeichnet.

Der Vorteil dieser Gerätegruppe liegt in der kontinuierlichen Aufzeichnung, während externe Event-Recorder oft durch den Patienten eingeschaltet werden müssen, sobald sich die Symptome der Herzrhythmusstörung (zum Beispiel in Form von Herzstolpern) zeigen. Bei der manuellen Messung steht immer das grundlegende Risiko im Raum, dass es zu Anwendungsfehlern kommt.

Bei welchen Erkrankungen kommt das Langzeit-EKG zum Einsatz? – Indikationen im Überblick

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Eine Indikation sind unklare Herzrhythmusstörungen mit Herzrasen oder Herzstolpern.
  • Zudem spielt das Verfahren in der Kontrolle bekannter Rhythmusstörungen eine Rolle.
  • Das Langzeit-EKG kommt auch zur Therapiekontrolle zum Einsatz.

Die Indikation für ein Langzeit-EKG ergibt sich aus den Symptomen. Krankheitszeichen, die sich nur schwer mit einem kurzen Ruhe-EKG erfassen lassen, treten bei den Betroffenen episodisch immer wieder auf – mitunter ohne einen klar erkennbaren Auslöser. Dies macht die langfristige Überwachung erforderlich.

Verdacht auf Herzrhythmusstörungen

Ein häufiger Grund für die Durchführung eines Langzeit-EKG ist der Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung. Diese Arrhythmien machen sich klinisch unter anderem durch

  • Herzklopfen oder Herzstolpern (Palpitationen),
  • Herzrasen oder
  • Unregelmäßigkeiten des Puls

bemerkbar.

Da viele Arrhythmien, allen voran das Vorhofflimmern (VHF), anfallsartig (man spricht hier auch von „paroxysmal“) auftreten, reicht eine mehrminütige EKG-Aufzeichnung zur Diagnosesicherung oft nicht aus.

Besondere Bedeutung kommt dem Langzeit-EKG bei der Risikogruppe der über 65-Jährigen zu. Leitlinien zum Vorhofflimmern empfehlen für diese Altersgruppe unter anderem einen proaktiven Ansatz für das Screening, also die Suche nach möglichen Anzeichen in der Herzaktivität, sofern bereits Risikofaktoren vorliegen [1]. Andernfalls wird ein verlängertes EKG-Screening ab 75 Jahren empfohlen. Hintergrund: Stumme VHF-Episoden treten häufiger auf als symptomatische Manifestationen. Das frühzeitige Erkennen von VHF dient damit der weiteren Vorbeugung von Komplikationen.

Ungeklärte Synkopen und Präsynkopen

Bei plötzlichen, kurzzeitigen Bewusstseinsverlusten (Synkopen) ist im Rahmen der Differenzialdiagnostik immer an eine kardiale Ursache wie Rhythmusstörungen zu denken, die mitunter lebensbedrohlich verlaufen können. Ein 24- bis 72-stündiges Langzeit-EKG ist in diesem Fall nur unter bestimmten Voraussetzungen als Maßnahme empfohlen: Wenn wiederholte Synkopen oder Präsynkopen mit einer Häufigkeit von mindestens einmal pro Woche auftreten. Sind die Ereignisse seltener, sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Erfassung der Episode im Aufzeichnungszeitraum. Alternativ kann ein Event-Recorder zum Einsatz kommen.

Generell wird zunächst im Rahmen einer Risikoanalyse beurteilt, inwiefern eine kardiale Synkope vorliegen kann. Bei unauffälligem Risikoprofil ist ein Langzeit-EKG oft nicht notwendig und insbesondere Niedrigrisiko-Patienten benötigen keine weiterführende Akutdiagnostik.

Kryptogener Schlaganfall und Verdacht auf embolisches Geschehen

Nach einem Schlaganfall oder einer vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn (transitorische ischämische Attacke, TIA) ohne erkennbare Ursache gehört die Suche nach einem bislang nicht bekannten VHF zur Diagnostik. Der Grund: Ein solcher kryptogener Schlaganfall wird oft durch Gerinnsel ausgelöst, die infolge eines VHF entstehen.

Bei Patienten mit dieser Problematik ist das Langzeit-EKG eine der Methoden, um dem VHF als Ursache auf die Spur zu kommen. Bezüglich Empfehlungen zur Untersuchungsdauer variieren die Quellen – einige sprechen sich zunächst für eine 24-stündige EKG-Überwachung aus, andere sehen dagegen bis zu 30 Tage als gerechtfertigt an [2].

Therapie- und Verlaufskontrolle

Auch bei bekannten Herzrhythmusstörungen oder nach Beginn einer antiarrhythmischen Medikation kommt das Langzeit-EKG zum Einsatz, um den Therapieerfolg zu überprüfen. So lässt sich beurteilen, ob eine medikamentöse Frequenz- bzw. Rhythmuskontrolle die gewünschte Wirkung erzielt oder ob ein Herzschrittmacher bzw. Defibrillator korrekt arbeitet.

Darüber hinaus spielt das Langzeit-EKG auch im Rahmen der prognostischen Beurteilung durch die Messung der sogenannten „VHF-Last“ (Zeitanteil mit VHF innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls) eine Rolle. Im Rahmen einer Studie hat sich gezeigt, dass bestimmte VHF-Verteilungsmuster mit einem höheren Risiko für Schlaganfälle oder systemische Embolien in der Probandengruppe einhergegangen sind [3].

Was ist ein auffälliger EKG-Befund und wie geht es weiter?

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Mit dem Langzeit-EKG können Anzeichen verschiedener Rhythmusstörungen detektiert werden.
  • Je nach Befund wird eine weiterführende Diagnostik empfohlen, oft mittels Bildgebung.
  • Therapieentscheidungen treffen mitunter (je nach Erkrankung und Schwere) interdisziplinäre Ärzteteams.

In der aufgezeichneten Herzaktivitätskurve lassen sich verschiedene Rhythmusstörungen und Veränderungen durch ihre charakteristischen Erscheinungsmuster voneinander unterscheiden. Zu den häufigen Pathologien gehören

  • VHF und Vorhofflattern,
  • tachykarde (schneller Herzschlag) und bradykarde (verlangsamter Herzschlag) Rhythmusstörungen mit unterschiedlicher Lokalisierung der Ursache innerhalb der Herzanatomie,
  • Pausen und Herzfrequenzvariabilität (Schwankung der Zeitabstände zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen).

Treten Auffälligkeiten im Langzeit-EKG auf, ist der Befund oft der Auslöser für eine weiterführende kardiologische Abklärung. Neben der Identifikation der Ursache geht es dabei auch um das individuelle Risiko schwerwiegender Komplikationen. Einige Rhythmusstörungen sind vergleichsweise harmlos, während andere ein hohes Komplikationsrisiko mit sich bringen.

Zu den eingesetzten Verfahren der Radiologie zählen unter anderem

Darüber hinaus wird auch mit labormedizinischen Verfahren gearbeitet, um etwa Hormonstörungen, die durch eine Schilddrüsenfehlfunktion ausgelöst werden können, zu erkennen. Basierend auf den Befunden der weiterführenden Diagnostik erfolgt die weitere Therapieplanung, in deren Rahmen häufig – je nach Erkrankung – interdisziplinär zwischen Kardiologie, Endokrinologie oder Neurologie beraten und entschieden wird.

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Fazit: Das Langzeit-EKG ist eine zentrale Maßnahme der kardiologischen Diagnostik

Anhand der Messung der elektrischen Aktivität des Herzens kann die Medizin bereits viele Rückschlüsse darauf ziehen, in welchem Zusammenhang bestimmte Beschwerden zu betrachten sind. Die Langzeitmessung hat dabei einen besonderen Stellenwert, da viele Auffälligkeiten nur episodisch auftreten, sich somit nicht vorhersagen lassen und folglich mit kurzzeitigen Untersuchungen kaum diagnostiziert werden können. Die Messung der elektrischen Aktivität des Herzens über Stunden oder mehrere Tage zielt somit gerade darauf ab, intermittierende Rhythmusstörungen zu erfassen. Dennoch ist eine endgültige Diagnosestellung allein mittels Langzeit-EKG nicht möglich. Das EKG zeigt zwar Auffälligkeiten in der elektrischen Aktivität, kann aber keine strukturellen oder funktionellen Veränderungen des Gewebes abbilden. Vielmehr bedarf es dafür bildgebender Verfahren.

FAQ zum Langzeit-EKG: Die wichtigsten Fragen und Antworten

[1] Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, ESC Pocket Guidelines; Vorhofflimmern – Leitlinien für das Management von Vorhofflimmern, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 30.06.2026).

[2] Montalvo M, Ali R, Silver B, Khan M. Long-term Arrhythmia Monitoring in Cryptogenic Stroke: Who, How, and for How Long? Open Cardiovasc Med J. 2016 May 27;10:89-93. doi: 10.2174/1874192401610010089. PMID: 27347225; PMCID: PMC4897003.

[3] Springer Medizin, Was bringt ein Langzeit-EKG beim Screening auf Vorhofflimmern?, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 30.06.2026).

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