CRP-Wert erhöht: Ursachen, Bedeutung & wann bildgebende Diagnostik sinnvoll ist
Der CRP-Wert ist ein zentraler Laborparameter, den die Medizin heranzieht, um sich einen Überblick über mögliche Entzündungsreaktionen im Körper zu verschaffen. CRP steht als Abkürzung für C-reaktives Protein und die Angabe erfolgt zumeist in Milligramm pro Liter (mg/l) Blut. Trotz seiner hohen Sensitivität liefert der Parameter selbst keinen genauen Hinweis darauf, welche Erkrankung zugrunde liegt – So kommt eine harmlose Infektion grundsätzlich ebenso in Betracht wie eine chronisch-entzündliche Erkrankung oder ein Tumor. Bei der Suche nach der Ursache eines deutlich erhöhten CRP-Wertes kommen auch radiologische Verfahren zum Einsatz.
Was ist das C-reaktive Protein?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- CRP ist ein Protein, das der Körper zur Immunabwehr in der Leber bildet.
- Entzündungsstoffe beeinflussen das Protein, weshalb es ein Marker in der Labordiagnostik ist.
- Nach dem Beginn einer Behandlung sinkt der Wert meist schnell wieder ab.
Das C-reaktive Protein ist ein ringförmiges Eiweiß, das zur Familie der Pentraxine – einer Gruppe von Proteinen des Immunsystems – gehört. Es setzt sich aus über 220 Aminosäuren zusammen und wird in der Leber hergestellt. Zur Bildung kommt es durch entzündungsfördernde Botenstoffe (proinflammatorische Zytokine), zu denen unter anderem Interleukin-6 sowie der Tumornekrosefaktor (TNF-α) gehören.
Bereits innerhalb weniger Stunden nach einem Entzündungsreiz ist der CRP-Spiegel im Blut messbar erhöht und erreicht – je nach Auslöser – nach 24 bis 48 Stunden seinen Höchststand. Da CRP eine Plasmahalbwertszeit von etwa 24 Stunden hat, kann der Wert nach dem Abklingen der Ursache schnell wieder sinken [1].
Das Protein ist für die Immunantwort von zentraler Bedeutung, da es Krankheitserreger oder Zelltrümmer für das Immunsystem markiert. Durch die Bindung an Oberflächenstrukturen von Mikroorganismen und beschädigten Zellen fördert es deren Aufnahme und Verdauung durch die Fresszellen. Zugleich aktiviert das CRP einen Teil der angeborenen Immunabwehr.
Der Referenzbereich liegt bei gesunden Erwachsenen in der Regel – wobei die Angaben je nach Labor variieren können – unterhalb von 5 mg/l. Liegt der Wert darüber, kann die Erhöhung in folgende Stufen bzw. Kategorien eingeteilt werden:
- 5 bis 50 mg/l – moderat erhöht
- 50 bis 100 mg/l – deutlich erhöht
- über 100 mg/l – stark erhöht
Neben der standardmäßigen Erhebung des CRP-Werts kann der hochsensitive CRP-Test (hs-CRP) durchgeführt werden, um kardiovaskuläre Auffälligkeiten präziser zu beurteilen.
Ursachen eines erhöhten CRP-Werts: Die bedeutendsten Erkrankungen im Überblick
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Ein erhöhter CRP-Wert im Labortest kann unter anderem bei Infektionen auftreten.
- Auch bei einer chronischen Entzündung kann der CRP-Wert ansteigen.
- Durch Tumore verändert sich der CRP-Wert ebenfalls.
CRP ist ein sensitiver, aber unspezifischer Labormarker. Demnach können sehr unterschiedliche Erkrankungen und Pathologien zu seiner Veränderung führen. Das Ausmaß des Anstiegs gibt zwar eine erste diagnostische Orientierung, erlaubt aber keine abschließende Beurteilung.
Infektionskrankheiten
Bakterielle Infektionen können stark erhöhte CRP-Werte bedingen. Aus diesem Grund wird der Marker auch als eine Entscheidungshilfe gesehen, wenn es um den Einsatz von Antibiotika geht. Unter anderem sind Erkrankungen wie
- Lungenentzündung (Pneumonie),
- Harnwegsinfektionen,
- Wundrose oder eine
- Blutvergiftung (Sepsis, lebensbedrohliche systemische Entzündungsreaktion auf eine Infektion)
für ein starkes Ansteigen des CRP auf einen Wert von weit über 100 mg/l verantwortlich.
Virale Infektionen führen allgemein zu einer geringeren Erhöhung, da das Ausmaß der Immunaktivierung unterschiedlich ausfällt. Daher dient der CRP-Wert – zusammen mit anderen Bewertungskriterien – bei der Ursachensuche auch zur Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Infektion und ist folglich von Bedeutung für die Bestimmung einer geeigneten Therapie [2].
Chronisch-entzündliche Erkrankungen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehen oft mit einem anhaltend erhöhten CRP-Wert einher. Hintergrund: Die Schleimhautentzündung triggert eine dauerhafte Zytokinausschüttung, was die CRP-Bildung anregt. Der Wert korreliert dabei häufig mit der Entzündungsaktivität und kann zur Verlaufskontrolle genutzt werden, wobei hohe CRP-Werte in der aktiven Entzündungsphase auftreten.
Ähnliches gilt für Autoimmunerkrankungen: Bei der rheumatoiden Arthritis (einer chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung) spiegelt das CRP zusammen mit der Blutsenkungsgeschwindigkeit die Krankheitsaktivität wider und beeinflusst damit die Therapieentscheidung [3].
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Bei einem Herzinfarkt wird das Herzmuskelgewebe geschädigt, wodurch es zu einem Anstieg des CRP-Markers kommt. Ist der Wert nach dem kardialen Ereignis anhaltend erhöht, kann dies für ein größeres Infarktareal sprechen, was im Hinblick auf die Prognose als eher kritisch gilt.
Über den hs-CRP-Wert ist eine Bewertung des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse möglich, da niedriggradige, chronische Entzündungen der Gefäßwände den Spiegel des Labormarkers anheben.
Maligne Tumorerkrankungen
In der Krebsmedizin (Onkologie) lässt sich CRP ebenfalls als Marker einsetzen, da verschiedene Tumorarten – wie Leberkrebs oder Lymphome – lokale und systemische Entzündungsreaktionen auslösen und eine Erhöhung des CRP-Spiegels nach sich ziehen. Besonders relevant kann ein im Verlauf stagnierender hoher Wert sein, wenn Symptome wie
- ungewollter Gewichtsverlust,
- Fieber oder
- Nachtschweiß
hinzukommen.
Weiterführende Diagnostik in der Radiologie: Der CRP-Wert als Indikator für bildgebende Verfahren
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Unter Therapie anhaltend erhöhte CRP-Werte müssen diagnostisch verfolgt werden.
- Versteckte Entzündungsherde kommen in verschiedenen Organen vor und erfordern häufig eine weiterführende Diagnostik.
- Bildgebende Untersuchungen erlauben eine patientenschonende Suche nach kritischen Auffälligkeiten.
Da der CRP-Wert für eine Diagnosestellung allein nicht ausreicht, sind auch bildgebende Untersuchungsverfahren für die weiterführende Diagnostik relevant, besonders dann, wenn der Wert trotz symptomatischer Behandlung erhöht bleibt. Sind keine Infektionsquellen erkennbar bzw. besteht der Verdacht auf eine strukturelle Ursache, muss unter anderem an Abszesse, entzündliche Organveränderungen oder maligne Raumforderungen gedacht werden.
Der Ultraschall (Sonographie) ist gerade in Akutsituationen ein schnell verfügbares Verfahren, das in der Regel auch ohne weitere Vorbereitung des Patienten durchgeführt werden kann. Mit einem Bauchultraschall lässt sich ohne Strahlenbelastung und ohne Kontrastmittelgabe eine rasche Beurteilung von
- Leber,
- Gallenblase,
- Milz,
- Nieren und
- Bauchspeicheldrüse
durchführen.
Beim Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung kann der Darmultraschall zur Begutachtung von Wandveränderungen und Fisteln (unnatürlichen Verbindungsgängen zwischen Organen) herangezogen werden, was für Patienten schonender ist als eine endoskopische Untersuchung.
Eine weitere Methode zur Befundung – unter anderem in Notfallsituationen – ist die Computertomographie (CT), beispielsweise um im Bauchraum vermutete oder den Brustkorb betreffende Ursachen abzuklären. Abszesse, Organentzündungen, vergrößerte Lymphknoten sowie Tumorläsionen sind auf den Schnittbildern darstellbar.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) bietet bei bestimmten Fragestellungen klare Vorteile gegenüber der CT, da sie keine ionisierende Strahlung benötigt und Weichteilstrukturen, Gelenke sowie entzündliche Veränderungen mit hoher Auflösung darstellt. Indikationen, bei denen das Verfahren zum Einsatz kommt, sind der Verdacht auf eine Spondylodiszitis (bakterielle Entzündung der Wirbelkörper und Bandscheiben), eine Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung) oder entzündlich-rheumatische Gelenkveränderungen. Aber auch im Zusammenhang mit einigen Krebserkrankungen wird die Untersuchungsmethode – etwa als mpMRT bei Prostatakrebs – eingesetzt.
Sofern sich im weiteren Verlauf der Verdacht auf eine bösartige Erkrankung bestätigt, kann im Rahmen der Ausbreitungsdiagnostik mit der PET-CT nach Metastasen gefahndet werden. Die mit radioaktiv markierter Glukose durchgeführte Variante – FDG-PET-CT – lässt sich zudem auch zur Suche nach einem bisher unerkannten Entzündungsherd einsetzen.
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Fazit: Ein anhaltend erhöhter CRP-Wert zieht weitere diagnostische Schritte nach sich
Als relevanter Labormarker wird der CRP-Wert häufig bestimmt, um eine mögliche Entzündung als Ursache für die Symptome zu bestätigen oder auszuschließen. Ein hoher Wert bedeutet jedoch nicht zwingend, dass der Haus- oder Facharzt sofort eine MRT oder CT anordnen muss. Entscheidend ist vielmehr das klinische Bild, beispielsweise der Gesamteindruck, den die ermittelten Blutwerte machen.
Ein unter Therapie anhaltend erhöhter CRP-Wert macht eine weiterführende Diagnostik erforderlich. Welches radiologische Verfahren diesbezüglich eingesetzt wird, hängt von der Verdachtsdiagnose im konkreten Einzelfall ab. Während die Beurteilung oberflächennaher Strukturen bereits mit dem Ultraschall möglich ist, ist bei einer vermuteten Beteiligung von tiefliegendem Weichgewebe ein MRT-Scan mit hochaufgelösten Bildern das Mittel der Wahl.
FAQ zum erhöhten CRP-Wert: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann ein erhöhter CRP-Wert auch ohne Infektion auftreten?
Ja, es gibt verschiedene Faktoren, die sich auf den Wert auswirken. Neben Autoimmunerkrankungen spielen auch Asthma oder Adipositas eine Rolle. Aus diesem Grund ist ein angestiegener CRP-Blutwert differenziert zu betrachten.
Beeinflusst die Einnahme von Kortison oder anderen Medikamenten den CRP-Wert?
Kortikosteroide hemmen die Produktion der Botenstoffe und können den CRP-Wert senken – auch dann, wenn die zugrunde liegende Entzündung weiterhin aktiv ist. Dies macht die Interpretation des Laborwerts unter einer laufenden Kortisontherapie schwieriger, da ein unauffälliger Befund nicht mehr als zuverlässiges Zeichen einer abgeklungenen Entzündung gewertet werden kann. Ähnlich dämpfende Effekte zeigen andere Immunsuppressiva sowie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).
Kann körperliche Belastung den CRP-Wert beeinflussen?
Intensive körperliche Belastung kann einen vorübergehenden Anstieg des CRP-Spiegels verursachen, da das Muskelgewebe dabei mikroskopische Schäden erleidet, die eine lokale Entzündungsreaktion auslösen. Dieser Anstieg ist in der Regel gering und klingt innerhalb von 24 bis 72 Stunden ab. Für eine zuverlässige Labordiagnostik empfiehlt es sich daher, intensive Trainingsbelastungen in den Tagen vor der Blutabnahme zu vermeiden.
[1] Ehl S, Gehring B, Pohlandt F. A detailed analysis of changes in serum C-reactive protein levels in neonates treated for bacterial infection. Eur J Pediatr. 1999 Mar;158(3):238-42. doi: 10.1007/s004310051058. PMID: 10094447.
[2] Matthes A, Wolf F, Wilde E, Bleidorn J, Markwart R. Point-of-care measurement of C-reactive protein promotes de-escalation of treatment decisions and strengthens the perceived clinical confidence of physicians in out-of-hours outpatient emergency medical services. BMJ Open. 2023 May 5;13(5):e069453. doi: 10.1136/bmjopen-2022-069453. PMID: 37147098; PMCID: PMC10163444.
[3] Mallya RK, de Beer FC, Berry H, Hamilton ED, Mace BE, Pepys MB. Correlation of clinical parameters of disease activity in rheumatoid arthritis with serum concentration of C-reactive protein and erythrocyte sedimentation rate. J Rheumatol. 1982 Mar-Apr;9(2):224-8. PMID: 7097681.

