Bizeps- & Trizepsmuskulatur in der MRT – Bildgebende Diagnostik bei Sportverletzungen des Arms
Sportverletzungen des Arms betreffen häufig die Bizeps- und Trizepsmuskulatur sowie deren Sehnenansätze. Dabei spielen unter anderem exzentrische Überlastungen eine Rolle. Diese entstehen beispielsweise beim Absenken einer Hantel, wenn die Muskeln unter Belastung gedehnt werden. Die Folgen reichen von harmlosen Zerrungen bis zur Durchtrennung einer Sehne (Sehnenruptur). Die allermeisten Fälle eines Bizepssehnenrisses betreffen die schulternahe Sehne, während ein Sehnenriss am Ellenbogenansatz wesentlich seltener ist.
Als eines der wichtigen bildgebenden Verfahren zur Begutachtung muskuloskelettaler Beschwerden hat sich die Magnetresonanztomographie (MRT) etabliert. Das Verfahren kommt insbesondere dann zur Anwendung, wenn die zu klärenden Fragestellungen (auch) das Weichgewebe betreffen. Der entscheidende Vorteil der MRT besteht darin, hochauflösende Bilder der Muskeln, Sehnen und des Bindegewebes erstellen zu können, ohne dafür ionisierende Strahlung nutzen zu müssen. Die mittels MRT-Scan gewonnenen Erkenntnisse sind für die weiteren Therapieentscheidungen von zentraler Bedeutung.
Wie und wo entstehen Verletzungen von Bizeps und Trizeps typischerweise?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Verletzungen von Bizeps und Trizeps entstehen entweder im Muskelgewebe selbst oder an den Sehnen, in welche die beiden Muskeln am jeweiligen Knochenansatz übergehen.
- Der Bizeps ist oft im Bereich der Schulter oder am Unterarmansatz von Verletzungen betroffen.
- Zu den Auswirkungen einer Überlastung kann auch ein Muskelriss gehören.
Für die Verletzungsanfälligkeit und die Verletzungsmuster ist die Anatomie der beiden Muskeln verantwortlich. Der Bizeps oder „zweiköpfige Oberarmmuskel“ (Musculus biceps brachii) besteht aus zwei Muskelköpfen, die gemeinsam an der Schulter und am Unterarm ansetzen.
Damit überbrückt der Muskel zwei Gelenke, eines in der Schulter und eines im Ellenbogen. Bedeutung hat der Muskel, wenn der Unterarm gebeugt oder nach außen gedreht wird, beispielsweise beim Anheben und zum Mund führen einer Tasse.
Damit hat der Bizeps auch bei sportlichen Aktivitäten wie dem Training mit Lang- und Kurzhanteln große Bedeutung. Zu Verletzungen des Muskels kommt es vor allem an zwei bestimmten Punkten: dem Schulteransatz und dem gegenüberliegenden Unterarmknochenansatz.
Typische Auslöser sind plötzliche Überlastungen des Muskels. Als besonders ungünstig erweisen sich dabei Situationen, in denen der Bizeps bei gestrecktem und leicht angehobenem Arm ein Gewicht abfangen muss. Erreicht der Muskel dabei seine Belastungsgrenze bzw. wird er darüber hinaus beansprucht, kann die Verletzungsfolge bis zum Muskelfaserriss oder sogar einem vollständigen Muskelriss gehen.
Der Trizeps oder „dreiköpfige Oberarmmuskel“ (Musculus triceps brachii) verläuft als Gegenspieler des Bizeps auf der Rückseite des Oberarms und fungiert als Ellenbogenstrecker. Sein Ursprung liegt am Oberarmknochen und Schulterblatt. Der Ansatz am Ellenbogen ist ein Knochenvorsprung der Elle (einer der beiden Unterarmknochen), das Olecranon. Aufgrund seiner Funktion ist er an nahezu jeder Drück- und Stoßbewegung beteiligt.
Durch abrupte, hohe Überlastungen bei bereits gebeugtem Ellenbogen besteht die Gefahr einer Trizepssehnenruptur am Ellenbogenansatz. Zudem kann es bei bereits vorgeschädigtem Gewebe – etwa aufgrund einer Erkrankung an Diabetes mellitus – schon bei geringer Krafteinwirkung zu einer Verletzung kommen.
Mögliche Verletzungen von Trizeps und Bizeps beim Sport und die Diagnostik mit der MRT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Bei Bizepsverletzungen ist oft der schulternahe Ansatz der Sehne betroffen.
- Im klinischen Bild ist häufig eine Verschiebung des Muskelbauchs in Richtung Schulter zu erkennen.
- Aufgrund der exklusiven Funktion als Ellenbogenstrecker sind Trizepsverletzungen klinisch besonders relevant.
Muskuläre Verletzungen entstehen beim Sport häufig auf drei Arten: Der Komplex aus Knochen, Sehnen und Bändern sowie der Muskel werden in der normalen Bewegungsrichtung über ihre Belastungstoleranz hinaus beansprucht, es wirkt stumpfe Gewalt auf sie ein (wie beispielsweise durch einen Tritt) oder es kommt zu unnatürlichen Bewegungsmustern wie Verdrehungen.
Verletzungen des Bizeps
Eine Schädigung des Bizeps tritt – sofern sie ohne äußere Gewalteinwirkung stattfindet – üblicherweise an zwei Stellen auf: entweder am schulterseitigen Ursprung (proximal) oder am ellenbogenseitigen Ansatz (distal). Die Verletzungsmuster unterscheiden sich dabei in ihrer Häufigkeit, den Beschwerden und der Frage, wann eine MRT erforderlich ist.
Ruptur der Bizepssehne am Schulteransatz
Die proximale Bizepssehnenruptur – also der Riss am Schulterursprung – macht einen erheblichen Anteil der Sehnenverletzungen des Muskels aus. Sehr oft ist die lange Bizepssehne (eine der drei Hauptsehnen des Muskels) betroffen, die durch einen engen Kanal an der Schulter verläuft. Genau diese anatomische Besonderheit macht die lange Bizepssehne anfällig für Verletzungen, da schon geringe Vorschäden – wie altersbedingte Verschleißerscheinungen – das Gewebe schwächen.
Betroffene berichten mitunter, dass dem eigentlichen Riss eine anhaltende Phase mit Schulterschmerzen vorausgegangen ist, was in der Anamnese als Hinweis darauf gesehen werden kann, dass die Sehne vorgeschädigt war.
Der Riss selbst äußert sich häufig durch einen hör- und/oder spürbaren Knall, gefolgt von einem plötzlichen Nachlassen des Schmerzes. Sichtbares Merkmal ist die sogenannte „Popeye-Deformation“: Der Muskelbauch verschiebt sich nach unten und es entsteht eine Vorwölbung in Richtung der Ellenbeuge.
In der MRT kann dieser Riss – besonders wenn es sich nur um eine teilweise Ruptur mit einer Sehnenverlagerung aus ihrem Führungskanal handelt – übersehen werden. Eine sorgfältige Bildanalyse und die Kenntnis möglicher Vorschäden sind daher für eine korrekte Befundung entscheidend.
Ruptur der Bizepssehne am Ellenbogen
Die distale Bizepssehnenruptur tritt seltener auf, hat dafür aber funktionell schwerwiegende Folgen. Sie betrifft bevorzugt Männer zwischen 30 und 50 Jahren, die regelmäßig Kraftsport betreiben. Der typische Auslöser ist eine plötzliche exzentrische Überlastung bei gebeugtem Ellenbogen – etwa, wenn ein schweres Gewicht beim Training unerwartet nach unten zieht und der Muskel nicht mehr gegensteuern kann.
Klinisch fällt die Verletzung durch eine deutliche Schwäche des Unterarms beim Beugen und Drehen und eine sichtbare Verlagerung des Muskelbauchs nach oben auf. Zur Ersteinschätzung kann eine Prüfung mittels des sogenannten „Hook-Tests“ erfolgen: Dabei versucht der Arzt, mit einem Finger hinter die Bizepssehne zu haken. Gelingt dies nicht, liegt der Verdacht auf eine Ruptur nahe.
Zu den einen Sehnenriss begünstigenden Umständen gehören unter anderem Entzündungen des Schleimbeutels an der Ansatzstelle des Muskels (Bursitis bicipitoradialis), da sich durch diese das Verletzungsrisiko erhöht. Die MRT wird eingesetzt, um Informationen bei Teilrissen, länger bestehenden Beschwerden oder einem unklaren klinischen Befund zu gewinnen. Die genaue Erfassung des Ausmaßes und der Lokalisation der Bizepssehnenruptur bildet die Grundlage für die Entscheidung zwischen konservativer und operativer Behandlung.
Verletzungen des Trizeps
Risse der Trizepssehne sind insgesamt seltener als Bizepsverletzungen, verursachen aber aufgrund der exklusiven Funktion des Muskels bei der Streckung des Ellenbogengelenks erhebliche Einschränkungen. Eine Ruptur macht sich durch den Verlust der aktiven Streckfähigkeit bemerkbar.
Ursachen sind unter anderem eine direkte Gewalteinwirkung oder eine abrupte exzentrische Belastung bei einem typischen Bewegungsablauf, beispielsweise beim Bankdrücken. Als verletzungsbegünstigende Risikofaktoren gelten
- eine bestehende Degeneration der Sehne,
- die Einnahme von Kortikosteroiden (Medikamente, die das Sehnengewebe bei dauerhafter Anwendung schwächen können) und
- die Einnahme von anabolen Steroiden (das dadurch bedingte schnellere Muskelwachstum kann die Anpassungsfähigkeit von Bändern und Sehnen überfordern).
Bei einem entsprechenden klinischen Befund kann mitunter eine Röntgenuntersuchung über das Fleck-Zeichen (auch als Dunn-Kusnezov-Zeichen bekannt) eine starke diagnostische Aussage liefern. Im Zuge des Sehnenabrisses kommt es zur Absprengung eines Knochenstückchens am Olecranon, das als kleine, knochendichte Verschattung erkennbar ist.
Muskelverletzungen beim Sport durch Gewalteinwirkung: Prellungen und Folgeschäden
Nicht jede Muskelverletzung im Sport zeigt sich in Form einer Zerrung oder eines Risses. Auch eine Prellung (Kontusion) infolge direkter Gewalteinwirkung von außen – die beim Sport unter anderem aus einem Zusammenstoß mit einem Gegenspieler, einem Schlag oder dem Sturz auf einen harten Untergrund resultieren kann – schädigt die Muskulatur. Davon sind auch Bizeps und Trizeps häufig betroffen.
Dabei kann es zu Verletzungsmustern im Muskel wie Einblutungen und Ödemen kommen, die äußerlich zwar kaum zu erkennen sind, mithilfe einer MRT aber sichtbar gemacht werden können. Charakteristisch ist ein diffuser Bluterguss (Hämatom) ohne Unterbrechung der Muskelfaserstruktur. Der Befund wirkt auf den ersten Blick schwerwiegend, führt aber zu keiner grundlegenden funktionellen Einschränkung, weshalb der MRT-Scan immer im klinischen Kontext betrachtet werden muss.
Kommt es zu wiederholten Prellungen oder einem besonders schweren Trauma, besteht das Risiko einer gutartigen Muskelverknöcherung (Myositis ossificans traumatica) als Folgeerkrankung. Dabei bilden sich im geschädigten Muskelgewebe Kalkablagerungen bis hin zu echter Knochensubstanz, die langfristig zu einer Einschränkung der Beweglichkeit führt. In diesem Fall ist die Computertomographie (CT) als diagnostisches Mittel der MRT überlegen, weil sich die Ablagerungen aufgrund der bei der CT genutzten Röntgenstrahlung deutlich klarer abbilden lassen.
Dennoch bleibt die MRT das zentrale Untersuchungsverfahren, wenn es um die Beurteilung von Weichgewebeveränderungen geht, zum Beispiel bei einem vermuteten Teilriss einer Sehne. In diesem Fall ist mittels MRT erkennbar, ob die Sehne noch teilweise intakt ist, wie weit sich der gerissene Anteil zurückgezogen hat und ob begleitende Schäden des umliegenden Gewebes vorliegen.
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Fazit: Für die Untersuchung von Sportverletzungen der Oberarmmuskulatur spielt die MRT eine entscheidende Rolle
Mithilfe der MRT lassen sich Weichgewebe – und damit auch Verletzungen der Muskeln, Sehnen und Bänder – hochauflösend darstellen. Aus diesem Grund spielt das radiologische Verfahren eine bedeutende Rolle im Rahmen der Diagnostik von Sportverletzungen des Bizeps und des Trizeps.
Das Verfahren ermöglicht die grundlegende Beurteilung von Verletzungsmustern, wie dem Teileinriss der Sehnen der Muskelansätze an Schulter und Ellenbogen. Gleichzeitig kann die MRT Muskelfaserrisse darstellen und die Beurteilung unklarer Schmerzsymptome bei tiefliegenden Verletzungen unterstützen. Aufgrund der strahlungsfreien Durchführung eignet sich das Verfahren auch zur Verlaufskontrolle, mit der der Heilungsprozess überwacht wird.
FAQ zur MRT-Diagnostik bei Sportverletzungen von Bizeps und Trizeps: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Woran ist in der MRT ein Muskelbündel oder ein Muskelriss zu erkennen?
Rupturen des Muskels (Bizeps und Trizeps) selbst können sich auf verschiedenen Ebenen ereignen und vom Muskelfaserriss über Rupturen einzelner Muskelbündel bis zum kompletten Muskelriss reichen. In der MRT sind diese Verletzungen unter anderem durch eine Signalunterbrechung des Muskelverlaufs und begleitende Flüssigkeitsansammlungen (als Zeichen von Einblutungen) zu erkennen.
Zeigt eine MRT jede Ursache für Beschwerden nach dem Sport?
Nein, auch die MRT hat Grenzen – etwa bei Beschwerden, die keine strukturellen Veränderungen aufweisen. Ein einfacher Muskelkater löst in der Regel zwar einen Schmerzreiz aus, auf MRT-Aufnahmen wären aber keine nachhaltigen Strukturveränderungen zu erkennen. Daher muss der behandelnde Arzt zunächst die Möglichkeiten der klinischen Untersuchung ausschöpfen, bevor er den Patienten zur MRT überweist.
Ist bei einer MRT des Arms wegen möglicher Sportverletzungen ein Kontrastmittel notwendig?
Der Einsatz eines Kontrastmittels ist für die Untersuchung der Arm- und Schultermuskulatur im Rahmen der Standardauswertung meist nicht erforderlich. Die Verwendung eines Kontrastmittels kann aber unter anderem zur Beurteilung der Gewebedurchblutung, bei unklaren Befunden oder bei Verdacht auf entzündliche oder tumoröse Veränderungen angebracht sein.

