Schmerzen in Bein- und Armgelenken radiologisch untersuchen lassen: Muskel, Sehne oder Knochen?
Schmerzen in den Gelenken der Arme und Beine sind nicht ungewöhnlich und können beispielsweise nach einem intensiven Training oder Belastungen im Job auftreten. Häufig klingen die Beschwerden jedoch nach kurzer Zeit von selbst ab. Anhaltende oder sehr heftige Beschwerden stellen hingegen einen Anlass für eine fachärztliche Abklärung dar.
Das Spektrum der möglichen Symptome ist umfassend und schließt unter anderem Schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Druckschmerzen ein. Hinzu kommt, dass die Anzeichen regelmäßig auf sehr unterschiedliche Strukturen und Ursachen hindeuten können und somit die Diagnosestellung erschweren. Um etwaige Ursachen, die sich in der Tiefe der Bein- und Armgelenke befinden können, besser zu detektieren, werden bildgebende Verfahren der Radiologie angewendet.
Was verursacht Schmerzen in den Gelenken der Arme und Beine?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Gelenknahe Schmerzen können vom Muskel, den Sehnen und Knochen oder der Gelenkkapsel herrühren.
- Häufige Ursachen für Beschwerden sind Fehlhaltungen und Überlastungen.
- Degenerative Erkrankungen oder maligne Läsionen lösen ebenfalls entsprechende Beschwerden aus.
Mit den Schulter-, Ellenbogen-, Knie- und Sprung- sowie den Hüftgelenken gibt es fünf Stellen im menschlichen Körper, die essenzielle Bedeutung für die Beweglichkeit haben. Biomechanisch sind die einzelnen Gelenke komplex aufgebaut und bestehen nicht nur aus Knochen und Knorpel. Die umgebenden Strukturen – Muskeln, Sehnen, Bänder und die Gelenkkapsel – greifen bei jeder Bewegung ineinander, können sich in ihrer Funktion bei Störungen aber mitunter auch wechselseitig beeinträchtigen.
Muskelbedingte Schmerzen (sogenannte „Myalgien“) entstehen oft nach einer Überlastung in Beruf oder Freizeit, durch ein Trauma oder im Rahmen entzündlicher Erkrankungen wie der Polymyositis (eine Autoimmunerkrankung mit Entzündungen der Muskeln). Typisch ist ein diffuser, tiefer Druckschmerz ohne eine klare Lokalisation nahe dem Gelenk.
Erkrankungen der Sehnen äußern sich dagegen häufig durch einen Belastungsschmerz, der entlang des Sehnenverlaufs auftritt. Typische Beispiele sind Verletzungen der Rotatorenmanschette (Muskeln und Sehnen, die das Schultergelenk umschließen) oder Achillessehnenerkrankungen (wie Degenerationen oder Entzündungen).
Knöcherne Ursachen wie Ermüdungsbrüche ohne ein direktes Trauma (Stressfrakturen), Knochenödeme oder Metastasen und Knochenkrebs fallen durch charakteristische Schmerzsymptome auf. Veränderungen innerhalb der Gelenkkapsel – zum Beispiel der Meniskusriss am Knie oder Einrisse am Gelenkrand an der Hüfte – gehen sehr häufig mit dem Gefühl einer Blockade und Schmerzen einher, die sich unter Belastung steigern.
Röntgen, MRT und CT – Radiologische Untersuchung der Gelenke im Überblick
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Das Röntgen liefert schnelle Informationen zu knöchernen Strukturen und Gelenkveränderungen.
- Weichteilstrukturen wie Muskeln und Sehnen sind mittels MRT darstellbar.
- Die CT liefert Aufnahmen der Gelenke mit Röntgenstrahlung in mehreren Ebenen.
Die Diagnostik von Gelenkbeschwerden in den Armen und Beinen beginnt mit der Anamnese, in deren Mittelpunkt die Erfassung aller Symptome und die Suche nach möglichen Auslösern – zum Beispiel ungewöhnlich hohen Belastungen der betroffenen Gelenke – steht. Im Zuge der weiteren Abklärung spielen radiologische Untersuchungsverfahren eine tragende Rolle.
Röntgen für schnelle Übersichtsaufnahmen
Die bildgebende Initialdiagnostik bei Gelenkbeschwerden umfasst konventionelle Röntgenaufnahmen. Aus diesen ergeben sich unter anderem Informationen zu Veränderungen im Gelenkspalt, was ein Hinweis auf den Abbau von Knorpel ist, oder die Existenz von Osteophyten (knöcherne Auswüchse am Rand der Gelenke) und Frakturen.
Gerade im Zusammenhang mit degenerativen Gelenkerkrankungen wie einer Arthrose der Hüfte oder des Knies, ist die Röntgendiagnostik nach wie vor ein wichtiges Instrument. Die Grenzen liegen in der fehlenden Möglichkeit, Weichgewebe darzustellen, zu denen
- Muskeln,
- Sehnen,
- Bänder und
- Knorpel
gehören. Deren Abbildung spielt für die Beurteilung des Krankheitsgeschehens oft eine wichtige Rolle.
MRT für besonders hohen Weichgewebekontrast
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist aufgrund der sehr guten Darstellung von Weichgewebeanteilen ein wichtiges Untersuchungsverfahren bei Gelenkbeschwerden in den Armen und Beinen. Zudem kommt das Verfahren ohne ionisierende Strahlung aus. Die von verschiedenen Ebenen angefertigten, hochaufgelösten Schnittbilder ermöglichen die direkte Beurteilung sämtlicher gelenknaher Strukturen.
Sehnenrisse lassen sich anhand der Aufnahmen hinsichtlich ihrer Ausdehnung exakt vermessen und klassifizieren, was unter anderem für die Planung einer operativen Versorgung relevant ist. Knochenödeme, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, erscheinen in speziellen MR-Sequenzen (STIR, T2 mit Fettsättigung) als helle Areale und können auf
- Stressfrakturen,
- den Untergang des Knochens durch eine Durchblutungsstörung (avaskuläre Knochennekrose) und
- reaktive Knochenmarkveränderungen
hinweisen.
Muskelverletzungen wie Zerrungen und Muskelfaserrisse sind anhand von Signalveränderungen und strukturellen Unterbrechungen im Faserverlauf erkennbar. Zudem sind einige Strukturen, wie der Meniskus am Kniegelenk sowie das Labrum (Ring aus Faserknorpel) des Schulter- oder Hüftgelenks, mit der MRT direkt darstellbar.
Durch den Einsatz von MR-Kontrastmitteln (auf Gadolinium basierte Substanzen) lässt sich die Qualität der Abbildung entzündlicher Veränderungen und Raumforderungen (wie malignen Läsionen) erhöhen, indem sich im krankhaften Gewebe charakteristische Anreicherungsmuster bilden.
CT wenn es um Probleme mit den Knochen geht
Wie das Röntgen basiert auch die Computertomographie (CT) auf der Nutzung ionisierender Strahlung und ist damit in der Lage, knöchernen Strukturen darzustellen. Anders als die Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen lässt sich mit der CT jedoch eine höhere Anzahl von Bildern aus unterschiedlichen Winkeln anfertigen. Damit ist eine detaillierte Abbildung der Strukturen möglich. Feine Frakturen, knöcherne Fragmentierungen und komplexe Gelenkbrüche – etwa im Bereich des Sprung- oder Handgelenks – lassen sich mittels CT präzise dreidimensional rekonstruieren.
Darüber hinaus zeigt das Verfahren Verkalkungen innerhalb von Geweben wie Sehnen oder Muskeln (zum Beispiel bei der Myositis ossificans). Kombiniert mit einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) kommt das Verfahren auch in der Krebsmedizin (Onkologie) zum Einsatz, beispielsweise bei der Untersuchung eines Prostatakarzinoms, das auch in gelenknahe Knochen metastasieren kann.
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Fazit: Gelenkschmerzen in den Armen und Beinen können mit verschiedenen radiologischen Verfahren untersucht werden
Bedürfen Schmerzen in den Arm- und Beingelenken einer strukturierten diagnostischen Abklärung spielen bildgebende radiologische Verfahren eine bedeutende Rolle, gerade für die minimal-invasive Beurteilung der inneren Gelenkstrukturen. Ob das Röntgen ausreicht oder mit einer MRT auch Weichgewebe betrachtet werden muss, ergibt sich aus den Beschwerden und der Verdachtsdiagnose. Die zur Verfügung stehenden Verfahren ermöglichen die Befundung der in den Armen und Beinen befindlichen Knochen, Sehnen und Bänder.
FAQ zur radiologischen Diagnostik bei Gelenkschmerzen in den Armen und Beinen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Entscheidet der Hausarzt oder der Radiologe über das Untersuchungsverfahren?
Der überweisende Arzt (auch als „Zuweiser“ bezeichnet, meist der Hausarzt oder Orthopäde) bittet die Radiologie in der Regel um eine Mitwirkung und Bewertung der Verdachtsdiagnose, die auf dem klinischen Bild basiert. Als Arzt mit der entsprechenden Fachkunde wählt der Radiologe anschließend das geeignete radiologische Untersuchungsverfahren aus.
Wann sollte man bei Gelenkbeschwerden in den Armen und Beinen zum Arzt gehen?
Kurzfristig auftretende Beschwerden nach Überbelastung klingen häufig von selbst ab. Eine ärztliche Abklärung ist indes angeraten, wenn die Schmerzen in den Gelenken der Arme oder Beine über Wochen hinweg anhalten, intensiver werden, es zur Bildung sich überwärmt anfühlende Schwellungen, Bewegungseinschränkungen sowie neurologischen Symptome (Kribbeln oder Taubheitsgefühl) kommt. Diese Anzeichen können auf verschiedene Krankheitsbilder hinweisen.

