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Verschiedene Erkrankungen können sowohl Schwindel als auch Tinnitus und weitere Hörprobleme verursachen. Mitunter klingen diese Beschwerden von selbst wieder ab. Allerdings sollten einseitig auftretende Ohrgeräusche ohne Schallquelle oder neurologische Anzeichen wie Doppelbilder und Kopfschmerzen immer Anlass zur Durchführung einer umfassenden Diagnostik geben. Neben der klinischen Untersuchung spielt dabei auch die Magnetresonanztomographie als bildgebendes Verfahren eine Rolle. In diesem Artikel zeigen wir auf, wann genau die Methode zur Abklärung von Schwindel und Tinnitus eingesetzt wird und wo diesbezüglich ihre Grenzen liegen.

Schwindel & Tinnitus untersuchen – Wann sind radiologische Untersuchungsverfahren sinnvoll?

Schwindel – der auch als „Vertigo“ bezeichnet wird – kann in sehr unterschiedlichen Situationen auftreten und sowohl harmloser Ursache sein als auch auf ein notfallmedizinisch relevantes Ereignis wie einen Schlaganfall hindeuten. Eine besondere Kombination entsteht, wenn Betroffene Ohrgeräusche ohne Schallquelle – den sogenannten „Tinnitus“ – wahrnehmen. Beide Symptome können vom Innenohr, den Hör- und Gleichgewichtsnerven und dem Gehirn ausgehen.

Für die Abklärung von Schwindel und Tinnitus steht unter anderem das radiologische Verfahren der Magnetresonanztomographie (MRT) zur Verfügung. Allerdings ist sein Einsatz nicht bei jedem Auftreten von Tinnitus oder Schwindel indiziert, sondern nur bei bestimmten Verdachtsdiagnosen bzw. klinischen Bildern. Ergeben sich beispielsweise infolge der Anamnese und der klinisch-neurologischen Untersuchung für den Arzt Hinweise auf einen Tumor oder eine Entzündungen im Bereich des Hör- und Gleichgewichtsnervs, wäre dies mit der MRT weiter abzuklären.

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Schwindel und Tinnitus als Symptome

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Schwindel ist ein Unwohlsein, das mit einer motorischen Unsicherheit einhergeht.
  • Beim Tinnitus werden eine objektive und eine subjektive Variante unterschieden.
  • Schwindel und Tinnitus können als Symptome unterschiedlicher Erkrankungen allein oder gemeinsam in Erscheinung treten.

Schwindel ist ein Unsicherheitsgefühl, das sowohl in Bewegung als auch in Ruhe auftreten kann. Einteilen lässt sich das Phänomen in zwei grundlegende Gruppen:

  • den das Gleichgewichtsorgan betreffenden (vestibulären) Schwindel und
  • das nicht-vestibuläres Benommenheitsgefühl.

Letzteres kann sehr unterschiedliche Auslöser haben – wie einen zu niedrigen Blutdruck, einen plötzlich zunehmenden Druckanstieg im Gehirn oder Bewegungsstörungen durch Nervenerkrankungen.

Diese Unterscheidung ist diagnostisch bedeutsam, da die Abgrenzung zwischen Auslösern im Innenohr (wo sich das Gleichgewichtsorgan befindet) gegenüber anderen Ursachen (wie neurologischen oder systemischen Erkrankungen) für die Therapieentscheidung relevant ist.

Beim vestibulären (im Ohr ausgelösten) Schwindel werden die peripheren Formen

  • des benignen paroxysmale Lagerungsschwindels (BPLS),
  • der Menière-Krankheit (Morbus Menière),
  • des Vestibularisschwannoms (Akustikusneurinoms) sowie
  • die Vestibularisneuritis

von zentral-vestibulärem Schwindel unterschieden, der zum Beispiel durch Läsionen des Hirnstamms und des Kleinhirns ausgelöst werden kann.

Darüber hinaus entstehen die Beschwerden bei einigen Betroffenen auch durch kardiovaskuläre Effekte oder entzündliche Erkrankungen des Gehirns [1]. Es handelt sich in diesen Fällen um nicht-vestibulären Schwindel, zu dem auch Attacken durch optische Reize gehören. Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Ursachenkomplexe können Ärzte verschiedener Fachdisziplinen – von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten über Kardiologen bis zu Neurologen – in die Diagnostik involviert sein.

Auch ein Tinnitus wird nach verschiedenen Kriterien differenziert – es gibt eine subjektive (Geräuschwahrnehmung ohne Schallquelle) und eine objektive (Geräuschquelle ist etwa die Blutströmung in den Arterien oder die Atmung) Variante. Diese Unterscheidung ist genauso wichtig wie die Lokalisation (ein- oder beidseitig) und der Zeitpunkt des Auftretens als akuter oder chronischer Tinnitus.

Als Ursachen für die störenden Ohrgeräusche kommen unter anderem

  • eine Schädigung des Hörnervs,
  • Durchblutungsstörungen,
  • Tumorerkrankungen und
  • Entzündungen.

Auch muss an eine psychosomatische Komponente gedacht werden. Treten Schwindel und Tinnitus zusammen auf, ist diese Kombination diagnostisch von Bedeutung, da eine gemeinsame Ursache wahrscheinlich ist.

Wann eine MRT bei Schwindel und Tinnitus indiziert ist

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Die Anamnese und Tests des Hörvermögens bzw. des Zustand des Innenohrs sind oft die ersten Ansatzpunkte.
  • Die MRT kommt unter anderem bei Verdacht auf einen Tumor und andere strukturelle Veränderungen zum Einsatz.
  • Daneben stehen röntgenbasierte Untersuchungen zur Abklärung knöcherner Fehlbildungen oder der Darstellung von Gefäßen zur Verfügung.

In der Regel werden sowohl Tinnitus als auch Schwindel nicht sofort bei ihrem ersten Auftreten mittels MRT untersucht. Treten Ohrgeräusche auf, spielt die Anamnese – inklusive der Lokalisation, der Verlaufsbeurteilung und der Identifizierung möglicher haltungsbedingter Trigger – eine Rolle. Darüber hinaus erfolgt eine visuelle Begutachtung des Trommelfells und des Nasen-Rachen-Raums. Zusätzlich stehen der HNO-Heilkunde verschiedene akustische Tests zur Verfügung. Die bildgebenden radiologischen Verfahren bilden ein weites Spektrum, das unter anderem die Computertomographie (CT), die Angiographie (auch mittels CT oder MRT) und die MRT des Kopfs bzw. Gehirns umfasst.

Diese Untersuchungsverfahren werden vor allem dann in Erwägung gezogen, wenn die Ursache der Beschwerden auf dem herkömmlichen Diagnosepfad unklar bleibt, die Symptome trotz Behandlung fortbestehen oder nach einer Behandlung erneut auftreten.

Sowohl einseitiger Tinnitus als auch ein neu in Erscheinung tretender Hörverlust in Kombination mit Schwindel können auf das Vestibularisschwannom hindeuten, bei dem es sich um einen gutartigen Tumor mit allgemein niedriger Wachstumsrate handelt [2]. Seine Behandlung erfolgt patientenindividuell. Bestehen keine Beschwerden, kann abgewartet werden, wobei die MRT zur Verlaufskontrolle zum Einsatz kommt. Symptomatische Vestibularisschwannome können chirurgisch entfernt oder strahlentherapeutisch behandelt werden.

Besonders ernst zu nehmen ist die Verbindung von Schwindel oder Tinnitus mit neurologischen Ausfällen wie Doppelbildern, Sprechstörungen oder Lähmungen, da diese unter anderem Anzeichen eines Schlaganfalls sein können. Auch ein ausgeprägter, chronischer oder durch die Körperposition nicht erklärbarer Schwindel-Tinnitus-Komplex sowie begleitende Kopfschmerzen mit neurologischen Symptomen rechtfertigen eine weiterführende Diagnostik. Darüber hinaus kommt die MRT in folgenden klinischen Situationen gezielt zum Einsatz:

  • Schwindel und Tinnitus im Zusammenhang mit einem Kopf-Hals-Trauma (Ausschluss struktureller Verletzungen des Innenohrs sowie des Hör- oder Gleichgewichtsnervs),
  • chronischer Tinnitus mit fortschreitendem Hörverlust (Klärung des Verdachts auf Läsionen im Ohr oder am Hörnerv),
  • Verdacht auf eine Flüssigkeitsansammlung im Innenohr, die zur Menière-Krankheit führen kann,
  • Hinweise auf Ursachen wie Hirntumore, Durchblutungsstörungen im Kleinhirn bzw. Hirnstamm oder eine Entzündung.

Andere Fälle von kurzzeitigem Schwindel oder beidseitigem Tinnitus lösen üblicherweise keine umgehende Untersuchung mittels MRT aus, sondern werden zunächst mit anderen diagnostischen Möglichkeiten untersucht.

Was zeigt die MRT bei Schwindel und Tinnitus?

Mit einer MRT-Untersuchung lassen sich anatomische Strukturen wie

  • das Innenohr mit der Hörschnecke (Cochlea),
  • das Gleichgewichtsorgan (Vestibulum),
  • der Hörnerv (Nervus cochlearis) und der Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibularis) sowie
  • das Kleinhirn, der Hirnstamm und die Gefäße der hinteren Schädelgrube

beurteilen. So lassen sich verschiedene Regionen mit der MRT erfassen, in denen die Auslöser von Schwindel und Tinnitus lokalisiert sein können.

Neben verschiedenen Tumoren, die Schwindel verursachen und das Hören beeinträchtigen, lassen sich mit der MRT auch inflammatorische Auslöser wie eine Entzündung des Innenohrs (Labyrinthitis) oder des Hör- und Gleichgewichtsnervs feststellen.

Schließlich sind auch Durchblutungsstörungen in verschiedenen Schädelarealen sowie Fehlbildungen des Innenohrs und ein Gefäß-Nerven-Kontakt (bei dem das Blutgefäß den Hör- bzw. Gleichgewichtsnerv reizen kann) mit der MRT erkennbar.

Vorteile und Grenzen der MRT bei Tinnitus und Schwindel

Der wesentliche Vorteil der MRT gegenüber anderen Verfahren wie der CT liegt in der hohen Auflösung bei der Abbildung von Weichgewebe aufgrund derer sich auch kleine Tumore, Entzündungen und Nervenkompressionen darstellen und lokalisieren lassen. Insbesondere der Hör- und Gleichgewichtsnerv lässt sich mit dem Verfahren genau beurteilen, was für die Erkennung eines Vestibularisschwannoms von Bedeutung ist.

Die Unterscheidung zwische Tumor, Entzündung und Nervenkompression ist für die Therapieauswahl zentral und bietet auch differenzialdiagnostisch einen Mehrwert. Hinzu kommt, dass die MRT ohne Strahlenbelastung funktioniert. Dieser Aspekt ist besonders bei sensiblen Patientengruppen und bei der Anwendung des Verfahrens zur Verlaufskontrolle relevant.

Trotz ihrer Vorteile stößt die MRT an Grenzen, da sich nicht alle Ursachen von Schwindel und Tinnitus bildgebend identifizieren lassen. Funktionelle Störungen wie ein Lagerungsschwindel, der von kleinen Kristallen im Innenohr ausgeht, oder verschiedene Formen des chronischen Tinnitus lassen keine strukturellen Veränderungen erkennen. Der MRT-Befund wäre in diesen Fällen also trotz der Beschwerden unauffällig.

Eine weitere Herausforderung sind Nebenbefunde bzw. deren Überinterpretation und unnötige Folgeuntersuchungen. Hinzu kommen technische und patientenbezogene Einschränkungen, da bestimmte Implantate, eine ausgeprägte Behandlungsangst bzw. Platzangst oder Risiken bei der Verwendung von Kontrastmitteln die Anwendbarkeit des Verfahrens einschränken können.

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Fazit: Bei Schwindel und Tinnitus können mit der MRT wichtige Informationen zur Ursache gewonnen werden

Ein plötzlicher Ton im Ohr ohne äußere Schallquelle ist für Betroffene unangenehm und wirkt sich auf die Lebensqualität aus. Tritt zudem Schwindel auf, kommen einige ernst zu nehmende Erkrankungen wie Entzündungen im Ohr oder der beteiligten Nerven oder auch das Vorliegen eines gut- bzw. bösartigen Tumors in Betracht. Die MRT ist in der Lage, die Anatomie der betreffenden Schädel-Hirn-Region darzustellen, und kann somit Hinweise auf die Ursache der Symptome liefern.

Allerdings wird eine MRT-Untersuchung selten sofort angewandt, sondern ist vielmehr in ein breites, diagnostisches Spektrum eingebunden. Letzteres geht weit über die Anamnese oder körperliche Untersuchung des Ohrs hinaus und schließt verschiedene Funktionstests ein. Damit ist die MRT bei Schwindel und Tinnitus eine ergänzende Untersuchung zur Suche nach der Ursache bzw. der Abgrenzung verschiedener Erkrankungen.

FAQ zu Tinnitus, Schwindel und der Bedeutung der MRT für die Diagnostik: Die wichtigsten Fragen und Antworten

[1] Wang XL, Sun M, Wang XP. Cerebellar artery infarction with sudden hearing loss and vertigo as initial symptoms: A case report. World J Clin Cases. 2021 Apr 16;9(11):2519-2523. doi: 10.12998/wjcc.v9.i11.2519. PMID: 33889616; PMCID: PMC8040184.

[2] Kentala E, Pyykkö I. Clinical picture of vestibular schwannoma. Auris Nasus Larynx. 2001 Jan;28(1):15-22. doi: 10.1016/s0385-8146(00)00093-6. PMID: 11137358.

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