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Treten ziehende und ins Bein ausstrahlende Schmerzen im Gesäß auf, wird häufig zuerst an ein Problem mit den Bandscheiben im Bereich der Lendenwirbelsäule gedacht. Tatsächlich stehen diese Beschwerden in der medizinischen Praxis regelmäßig auch mit dem Ischiasnerv in Verbindung, wenn dieser zum Beispiel durch den Piriformis-Muskel oder andere Muskelgruppen im Gesäß gereizt wird. Die radiologische Bildgebung spielt vor allem dann eine Rolle, wenn die Beschwerden nicht abklingen oder Anzeichen einer Nervenwurzelkompression auftreten. Lesen Sie in diesem Artikel, welche Bedeutung die Magnetresonanztomographie beim Piriformis-Syndrom und anderen Ursachen von Ischiasbeschwerden hat und wo die Grenzen der Untersuchungsmethode liegen.

Das Piriformis-Syndrom & andere Ursachen für Ischiasbeschwerden mit MRT diagnostizieren

Schmerzen, die vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels bis ins Bein ausstrahlen, hängen häufig mit dem Ischiasnerv zusammen. Der Nervus Ischiadicus, dessen Ursprung im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule bzw. im Kreuzbein liegt, tritt durch das große Sitzbeinloch im Becken und verläuft über das Gesäß auf der Hinterseite des Oberschenkels nach unten Richtung Fuß. Dabei können muskuläre Engpässe – unter anderem verursacht vom Piriformis-Muskel – auftreten.

Aufgrund der Kompression wird der Ischiasnerv gereizt. Das Ergebnis sind Beschwerden, die ins Bein ausstrahlen können. Aber auch andere Auslöser kommen für die Schmerzen infrage. Dazu gehören beispielsweise ein Bandscheibenvorfall oder eine Entzündung des Nervs. Als radiologisches Untersuchungsverfahren hat die Magnetresonanztomographie (MRT) für die Abklärung der Beschwerden Bedeutung, indem sie die Erkennung mechanischer Einengungen oder anderer struktureller Veränderungen ermöglicht.

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Ischiasbeschwerden – ein Schmerz, viele Ursachen

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Schmerzen, Kribbeln und Taubheit im Bein und Gesäß deuten auf eine Nervenbeteiligung hin.
  • Auslöser können muskuläre Ursachen oder Kompressionen durch Sehnen sein.
  • Für eine geeignete Behandlung ist die Suche nach der Schmerzursache essenziell.

Ausstrahlende Schmerzen entlang des Versorgungsgebiets des Ischiasnervs werden als „Ischialgie“ bezeichnet. Die Reizung kann an unterschiedlichen Stellen des Nervenverlaufs entstehen. Eine häufige Ursache ist die Kompression der Nervenwurzeln (Radikulopathie) durch einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule. Davon abzugrenzen sind Reizungen des Ischianervs auf seinem weiteren Weg durch Becken und Gesäß, bei denen vom „tiefen Gesäßsyndrom“ oder dem „tiefen glutealen Schmerzsyndrom“ (Deep Gluteal Syndrome, DGS) gesprochen wird. Die Bezeichnung bezieht sich auf im tiefen Beckenbereich liegende Auslöser wie Muskeln, Sehnen oder Bänder, die den Nerv einengen. Das Piriformis-Syndrom ist eine der bekanntesten Varianten.

Als weitere Auslöser von Schmerzen kommen

  • ein Engpass zwischen dem Sitzbein und Oberschenkelknochen,
  • eine Reizung des Iliosakralgelenks (Verbindung zwischen Kreuzbein und Darmbein) und
  • Raumforderungen im kleinen Becken

in Betracht. Um eine wirksame Therapie einleiten zu können, bedarf es einer genauen Diagnosestellung, weshalb auch bildgebende Verfahren eine Rolle für die Abgrenzung der verschiedenen Auslöser spielen.

Das Piriformis-Syndrom als muskuläre Ursache

Der Piriformis ist ein kleiner birnenförmiger Muskel, der tief im Gesäß unterhalb des großen Gesäßmuskels (Musculus gluteus maximus) liegt und vom Kreuzbein zum Oberschenkelknochen verläuft. Der Ischiasnerv zieht sich unmittelbar unter diesem Muskel hindurch. Kommt es zur Verspannung, Verhärtung oder Verdickung des Piriformis, kann der Ischiasnerv komprimiert werden und Beschwerden auslösen, die einem Bandscheibenvorfall ähnlich wirken.

Die tief sitzenden, ins Bein ausstrahlenden Gesäßschmerzen können sich im Sitzen oder durch Bewegungen verstärken, da sich dabei die Spannung des Muskels erhöht. Die Beschwerden können außerdem auch bei Menschen mit einem anatomisch anders gelagerten Ischiasnerv auftreten. Eine Studie hat in 20 Prozent der ausgewerteten MRT-Untersuchungen Abweichungen gefunden, die sich scheinbar aber nicht direkt auf die Häufigkeit des Schmerzsyndroms auswirken [1].

Weitere Ursachen für Schmerzen im Gesäß und den Beinen

Die Tatsache, dass ein Teil der Betroffenen zwar den typischen, tief sitzenden Gesäßschmerz empfindet, nicht aber eine Ausstrahlung ins Bein sowie weder ein Kribbeln noch Taubheitsgefühle, wird als Hinweis gewertet, dass auch andere im Becken angesiedelte Strukturen eine vergleichbare Symptomatik hervorrufen können.

Dazu zählen andere Nerven und Gesäßmuskeln, die rückseitige Oberschenkelmuskulatur, die Zwillingsmuskeln der Hüfte (Musculi gemelli) sowie Faserbänder und Sehnen. Zudem können bei Frauen unter Umständen Eierstockzysten oder eine Endometriose (Ansiedlung von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter) an einer Schmerzsymptomatik im Gesäß beteiligt sein.

Damit bleibt beim Auftreten der Beschwerden die Frage zu klären, was genau diese auslöst. Ein Trauma von Gesäß oder Hüfte, langes Sitzen – aber auch einseitige Belastungen bei intensivem Sport werden diesbezüglich als mögliche Ursachen diskutiert. Letztere entstehen durch Veränderungen der Muskulatur im Zuge des Krafttrainings [2]. Aber auch anatomische Engpässe im Becken sowie ein ungünstiger Verlauf des Ischiasnervs können nach Ansicht von Medizinern eine Rolle spielen.

Welche Bedeutung hat die MRT bei Beschwerden mit Beteiligung des Ischiasnervs?

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Die hohe Weichgewebeauflösung auf den MRT-Bildern kann muskuläre Veränderungen darstellen.
  • Mit geeigneten Geräten und Aufnahmesequenzen sind auch Nerven abbildbar.
  • In der Primärdiagnostik kommt die MRT weniger zum Einsatz.

Zu den zentralen Aufgaben der MRT im Zusammenhang mit dem beschriebenen Beschwerdebild zählt weniger die Primärdiagnostik – vielmehr dient das Verfahren der Suche nach den Auslösern bzw. der Differenzialdiagnostik. Eine MRT der Lendenwirbelsäule ermöglicht strahlungsfrei und mit hoch aufgelösten Abbildungen des Weichgewebes die Erkennung eines Bandscheibenvorfalls. Das radiologische Verfahren liefert zudem Hinweise auf eine mögliche knöcherne Einengung, durch die die Nervenwurzeln komprimiert werden.

Somit bietet die MRT die Möglichkeit, die für die Beschwerden relevanten Muskeln darzustellen und kann Informationen zu deren Verdickung oder sonstigen Formabweichungen liefern. Zugleich können im Rahmen der Untersuchung Veränderungen wie Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) im Muskelgewebe oder im Verlauf des Nervs auffallen.

Ein spezialisiertes Verfahren ist die MR-Neurographie, die periphere Nerven mittels besonderer Aufnahmesequenzen darstellen kann. So lassen sich anhand von Signalveränderungen Anzeichen auf eine Reizung oder Schädigung der untersuchten Nerven erfassen. Differenzialdiagnostisch ist die MR-Neurographie dahingehend interessant, dass sich mit ihr auch Nervenscheidentumore erkennen lassen, die in seltenen Fällen für die Beschwerden verantwortlich sein können.

Wann kann eine MRT bei Ischiasbeschwerden sinnvoll sein?

Akute Ischiasbeschwerden bessern sich häufig unter einer konservativen Behandlung, die Physiotherapie und gezielte Dehnübungen einschließt. In dieser Phase ist eine MRT oft nicht erforderlich. Kommt es allerdings zum Auftreten neurologischer Ausfälle wie beispielsweise

  • einer zunehmenden Lähmung,
  • ausgeprägten Taubheitsgefühlen oder
  • Störungen der Blasen- und Darmfunktion,

kann die Durchführung einer MRT angezeigt sein. Die genannten Anzeichen legen den Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall (etwa im Bereich der Lendenwirbelsäule) nahe. Im Zusammenhang mit einer starken Nervenkompression kann sich das Cauda-Equina-Syndrom (CES) einstellen, bei dem es sich um einen neurologischen Notfall handelt.

Auch ein Fortbestehen der Beschwerden über mehrere Wochen – trotz konsequenter konservativer Therapie – spricht für eine weiterführende Diagnostik. Dabei dient die MRT der Lendenwirbelsäule etwa dem Ausschluss eines Bandscheibenvorfalls oder anderer muskuloskelettaler Befunde als mögliche Auslöser.

Eine weitere Indikation besteht beim Verdacht auf eine Nervenschädigung nach Verletzungen oder medizinischen Eingriffen im Gesäßbereich, etwa nach Injektionen oder dem Einsatz einer Hüftgelenkprothese. In diesen Fällen erlaubt die MR-Neurographie die Beurteilung, ob der Nerv in seinem Verlauf erhalten oder geschädigt ist. Aus dem Befund lassen sich anschließend für die Therapie entscheidende Hinweise ableiten.

Grenzen der MRT-Bildgebung bei Ischiasbeschwerden

Trotz der Vorteile, die das Verfahren mitbringt, bleibt die direkte Darstellung einer Kompression des Ischiasnervs mit einem herkömmlichen MRT-Scan schwierig. Für die MR-Neurographie mit ihrer hohen Aussagekraft sind besondere Geräteanforderungen zu erfüllen, die Hochfeld-Kernspintomographen mit drei Tesla sowie spezielle Aufnahmetechniken und geeignete Empfangsspulen einschließen.

Damit bleibt das Problem, dass sich trotz unauffälligen MRT-Befunds – also Aufnahmen, auf denen keine strukturellen Veränderungen zu erkennen sind – das Vorliegen des tiefen glutealen Schmerzsyndroms nicht sicher ausschließen lässt. Auf der anderen Seite bedeuten anatomische Auffälligkeiten oder leichte Signalveränderungen nicht zwangsläufig, dass Beschwerden entstehen. Vielmehr ist die radiologische Bildgebung stets im Zusammenhang mit dem klinischen Bild zu bewerten.

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Fazit: Bei Ischiasbeschwerden ist die MRT differenzialdiagnostisch von Bedeutung

Beschwerden, die sich vom Gesäß über die Hinterseite des Oberschenkels erstrecken, lassen sich oft auf den Piriformis-Muskel und eine von ihm ausgehende Kompression des Ischiasnervs zurückführen. Gleichwohl ist heute anerkannt, dass als Auslöser der beschriebenen Symptomatik grundsätzlich auch andere Ereignisse infrage kommen, die von Bandscheibenvorfällen über Nervenreizungen (durch andere anatomische Strukturen) bis hin zu primären Erkrankungen der beteiligten Nerven reichen.

Mit der MRT lässt sich zwar eine hochaufgelöste Abbildung von Weichgewebe gewinnen, im Zusammenhang mit Ischiasbeschwerden bleibt sie aber eher ein Verfahren zur Abklärung struktureller Ursachen und der Differenzialdiagnostik. Gerade bei akuten Beschwerden wird auf die Untersuchung – außer bei Vorliegen neurologischer Anzeichen für eine starke Nervenwurzelkompression – eher verzichtet und ihre Durchführung erst bei langzeitig anhaltenden Symptomen in Erwägung gezogen.

FAQ zu Ischiasbeschwerden und MRT-Diagnostik: Die wichtigsten Fragen und Antworten

[1] Bartret AL, Beaulieu CF, Lutz AM. Is it painful to be different? Sciatic nerve anatomical variants on MRI and their relationship to piriformis syndrome. Eur Radiol. 2018 Nov;28(11):4681-4686. doi: 10.1007/s00330-018-5447-6. Epub 2018 Apr 30. PMID: 29713768.

[2] DAK, Piriformis-Syndrom: Das hilft gegen den brennenden Schmerz im Gesäß, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 20.06.2026).

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