Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Ursachen, Symptome, Verlauf, Diagnostik & Behandlung
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit – kurz pAVK – handelt es sich um eine chronische Gefäßerkrankung. Betroffen sind die Arterien als Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen wegführen. Im Verlauf einer pAVK kommt es von der zunehmenden Einengung betroffener Gefäße bis hin zu deren vollständigem Verschluss. Häufig sind davon die Arterien der Beine und des Beckens betroffen. In den Gefäßen der Arme tritt die Krankheit seltener auf [1].
Für die Erkrankung wird häufig der Begriff „Schaufensterkrankheit“ verwendet, der auf ein typisches Verhaltensmuster der Betroffenen anspielt. Aufgrund der Schmerzen in den Beinen bleiben sie beim Gehen wiederholt stehen – so, als ob sie sich von einem zum nächsten Schaufenster bewegen und bei jedem innehalten. Tatsächlich handelt es sich bei der pAVK nicht um ein lokales Gefäßproblem, sondern oft eine systemische Arteriosklerose. Vor dem Hintergrund, dass diese zu verschiedener Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann, sind die Symptome der pAVK ernst zu nehmen. Die bildgebenden Verfahren der Radiologie und Angiologie (Gefäßmedizin) spielen für die Identifizierung der pAVK, die Bestimmung ihres Stadiums und die Therapieplanung eine zentrale Rolle.
Was ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die pAVK ist eine chronische Durchblutungsstörung der peripheren (körperstammfernen) Arterien.
- Ausgelöst wird die Erkrankung oft durch einen zunehmenden Verschluss der Gefäße.
- Das Risiko der Erkrankung an pAVK steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
Eine pAVK entwickelt sich häufig im Rahmen der Arteriosklerose, kann aber auch auf andere Gefäßerkrankungen zurückgehen. Das zentrale Merkmal ist der fortschreitende Verschluss (Stenose) der betroffenen Arterien, besonders in den unteren Extremitäten. Betroffen sind daher vor allem ältere Menschen.
In Deutschland steigt das Risiko ab einem Lebensalter von 40 Jahren spürbar an und erreicht in der Altersgruppe ab 70 Jahren bereits einen Anteil von zehn Prozent in der Bevölkerung [2]. Je nach Quelle werden noch höhere Zahlen genannt. Für Männer lässt sich bis etwa 80 Jahre ein höheres Risiko für die pAVK erkennen. Danach gleicht sich die Verteilung zwischen Männern und Frauen an. Ab 90 Jahren liegt der Anteil bei den Frauen etwas über dem der männlichen Betroffenen.
In der Gefäßmedizin wird die pAVK nach verschiedenen Kriterien eingeteilt. Eine Möglichkeit ist die Fontaine-Klassifikation nach dem Schweregrad.
Daneben haben sich weitere Systeme zur Einteilung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit etabliert, die sich an der Lokalisation orientieren, wie beispielsweise die pAVK vom Becken- oder Unterschenkeltyp. Dass die oberen Extremitäten betroffen sind, ist eher selten. Hier sprechen Quellen von einem Anteil in der Größenordnung von zehn Prozent [3].
Ursachen und Risikofaktoren der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Häufig geht die Erkrankung mit einer Arteriosklerose einher.
- Starke Risikofaktoren sind das Rauchen und Diabetes mellitus.
- Auch eine positive Familienanamnese kann einen Hinweis auf ein Erkrankungsrisiko geben.
Für den Verschluss der betroffenen Gefäße sind in einem Großteil der Fälle die Mechanismen der Arteriosklerose verantwortlich. Es lagern sich Fette, Kalkverbindungen und entzündliche Zellen in den Gefäßwänden ab. Daraus entstehen sogenannte „Plaques“, die das Gefäßlumen (den Innendurchmesser der Arterien) zunehmend verengen.
Daneben werden einige weitere Krankheitsbilder mit dem Entstehen der pAVK in Verbindung gebracht. Dazu gehören
- Vaskulitiden (verschiedene entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße, wie die Horton-Arteriitis),
- CAD (zystische Adventitiadegeneration, eine Veränderung der Gefäßumhüllung),
- Gefäßverletzungen und
- krankhafte, nicht-entzündliche Verdickungen der Gefäßwand.
Aufgrund der engen Verbindung der pAVK mit der Arteriosklerose sind auch die gleichen Risikofaktoren von Bedeutung.
- Rauchen: Einer der zentralen – jedoch beeinflussbaren – Faktoren ist das Rauchen. Durch den Tabakkonsum erhöht sich das pAVK-Risiko um ein Mehrfaches. Zudem beschleunigt Rauchen das Fortschreiten der Erkrankung. Auch das Passivrauchen und frühere Rauchepisoden haben langfristig negative Auswirkungen [4].
- Zuckerkrankheit: Ein Diabetes mellitus gehört zu den Risikofaktoren, da es in seinem Verlauf zur Schädigung der Gefäßwände kommt und die periphere Nervenfunktion beeinträchtigt wird. Diabetiker entwickeln dabei häufig eine näher dem Fuß (distal) gelegene Form der pAVK.
Aufgrund der schädigenden Wirkung auf die Gefäßgesundheit tragen auch die arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) sowie krankhafte Veränderungen der Blutfettwerte (Dyslipidämie, insbesondere erhöhtes LDL-Cholesterin) zur Entstehung und dem Fortschreiten der pAVK bei.
Neben den genannten Einflüssen kann die Familienanamnese eine Rolle spielen. Dies gilt besonders für Betroffene, bei denen im nahen Verwandtenkreis bereits entsprechende Erkrankungen und vaskuläre Komplikationen (Herzinfarkt oder Schlaganfall) aufgetreten sind.
Symptome der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die pAVK verläuft gerade in der Anfangsphase oft ohne Symptome.
- Schmerzen beim Gehen zwingen Betroffene zu häufigen Pausen.
- Schreitet die Erkrankung fort, drohen Gewebeveränderungen und tiefe Wunden.
Entwickelt sich eine pAVK, wird der Prozess von Betroffenen anfangs nicht oder kaum wahrgenommen. Dies ist für das erste Stadium typisch, in dem keine Symptome auftreten. Grundsätzlich machen sich Anzeichen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit erst bemerkbar, wenn die Stenose ein gewisses Ausmaß erreicht hat.
Zum zentralen Symptom wird der belastungsabhängige Schmerz – häufig in der Wade – den Betroffene als krampfartig beschreiben. Durch kurze Pausen bessert sich das Symptom wieder Das häufige, kurze Innehalten hat der pAVK auch den Namen der „Schaufensterkrankheit“ eingebracht. Die Gefäßmedizin beschreibt das Ganze als „Claudicatio intermittens“.
Je nach Länge (unter oder über 200 Meter) der beschwerdefrei zurückgelegten Strecke erfolgt die Aufteilung des Krankheitsstadiums in zwei Unterklassen. Die Lokalisation der Schmerzen liefert bereits Hinweise auf die Stenose, da sie unterhalb des Verschlusses ausgelöst werden.
Ein Wadenschmerz deutet demnach auf die Unterschenkelarterien oder die Arteria femoralis superficialis (oberflächliche Oberschenkelarterie) hin, während Oberschenkel- und Gesäßschmerzen für eine Beteiligung der Beckenarterien sprechen. Betroffene können die Beschwerden als Muskelschmerzen fehldeuten, weshalb ein Arztbesuch bei anhaltenden Symptomen zu empfehlen ist.
Schreitet die Erkrankung weiter fort, machen sich Ruheschmerzen bemerkbar, die besonders nachts zunehmen. Da die pAVK zu einer Minderdurchblutung des Gewebes führt, kommt es zu gefährlichen Veränderungen, wie tiefen Wunden und Nekrosen. Diese ziehen unter Umständen weitere Komplikationen in Form einer Sepsis und Infektionen nach sich.
Diagnostik bei Verdacht auf periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Anamnese, körperliche Untersuchung und Bildgebung greifen bei der pAVK ineinander.
- Mithilfe der Sonographie lassen sich die Blutgefäße schnell beurteilen.
- Für weitere Untersuchungen stehen bildgebende radiologische Verfahren an.
In der Diagnostik greifen bei der pAVK klinische Untersuchungen und bildgebende Verfahren ineinander. Mit der Anamnese werden der Symptombeginn, Risikofaktoren und ein eventuelles Vorliegen von Problemen in der Familie erhoben. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Farbe und Temperatur der Haut sowie die Pulsqualität überprüft.
Ein wichtiger, nichtinvasiver Test ist die Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI), der das Verhältnis des Blutdrucks am Knöchel zum Blutdruck am Arm abbildet. Ein ABI-Wert unter 0,9 gilt als klares Indiz für eine pAVK. Werte unter 0,5 weisen auf eine kritische Durchblutungsstörung hin, bei der eine hohe Gefahr bezüglich der Bildung von Nekrosen besteht.
Ergeben sich aus den Untersuchungen Hinweise auf eine pAVK, schließt sich die morphologische und funktionelle Beurteilung der betroffenen Gefäße mittels einer Duplexsonographie (Kombination aus Ultraschall und Doppler-Messung der Blutflussgeschwindigkeit) an. Diese erfolgt ohne Strahlenbelastung und ist als Verfahren weitläufig verfügbar. Mithilfe der Sonographie ist die Lage der Stenosen und von Kollateralkreisläufen (der Körper bildet diese aus, um ein verlegtes Gefäß zu umgehen) darstellbar.
Ergibt die farbkodierte Duplexsonographie keinen klar beurteilbaren Befund bzw. sind für Therapieentscheidungen weitere Informationen erforderlich, stehen weitere radiologische Verfahren zur Verfügung. Dazu gehören:
- die CT-Angiographie (CTA) und
- die MR-Angiographie (MRA).
Beide ermöglichen eine präzise Befundung, wobei die MR-Angiographie den Vorteil hat, ohne Strahlenbelastung auszukommen und eingesetzt werden kann, wenn Kontraindikationen gegen das Röntgenkontrastmittel der Computertomographie (CT) sprechen.
Eine weitere Methode ist die digitale Subtraktionsangiographie (DAS, Verfahren mit direkter Kontrastmittelgabe in die Arterie unter Röntgenkontrolle). Ihre Besonderheit liegt in der Kombination aus Bildgebung und interventionellem Ansatz, der es ermöglicht, die Gefäße bei Bedarf wieder zu eröffnen.
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Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Zentraler Ansatz in der Behandlung einer pAVK ist das Verhindern von Komplikationen.
- Arzneimittel können den Blutdruck und den Cholesterinspiegel senken.
- Bei umfassenden Nekrosen bleibt als letzte Möglichkeit nur die Amputation.
Die zentralen Ziele der Behandlung einer pAVK sind die Verbesserung der Lebensqualität sowie die Reduktion des kardiovaskulären Gesamtrisikos, da Betroffene deutlich häufiger ischämische Ereignisse erleben. Dementsprechend umfasst die Therapie ein breites Spektrum konservativer, interventioneller und chirurgischer Maßnahmen.
Ein wesentlicher Ansatz ist ein konsequenter Umgang mit kardiovaskulären Risikofaktoren. Der Rauchstopp ist eine wirksame Einzelmaßnahme zur Verlangsamung der Progression. Zusätzlich stehen die optimale Einstellung von Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Blutfettwerten im Mittelpunkt.
Letzteres kann zum Beispiel durch die Gabe von Statinen erreicht werden. Zur Blutdruckkontrolle kommen unter anderem ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzyme) oder AT1-Rezeptorantagonisten zum Einsatz. In Stadium II erhalten Patienten zudem Thrombozytenaggregationshemmer, mit denen die Bildung von Blutgerinnseln verhindert werden soll.
Ein spezieller Ansatz ist das Gehtraining. Damit soll nicht einfach die Mobilisation der Patienten, sondern die Bildung von Kollateralgefäßen erreicht werden. Bei einem unzureichenden Ansprechen auf die konservative Therapie oder dem Vorliegen einer kritischen Ischämie kommen interventionelle Verfahren zum Einsatz. Die perkutane transluminale Angioplastie (PTA, Aufdehnung verengter Gefäße durch einen Ballonkatheter) kann mit der Implantation von Gefäßstützen (Stents) kombiniert werden.
Weitere operative Verfahren sind
- die Thrombendarteriektomie (Ausschälung des Gefäßverschlusses) und
- der Bypass (Umgehung des betroffenen Gefäßabschnitts).
Haben sich bereits sehr ausgedehnte Nekrosen gebildet und sind die Arterien nicht mehr rekonstruierbar, steht als letzte verfügbare Maßnahme eine Amputation der Extremitäten im Raum. Um dieses Szenario zu verhindern, sind eine frühe Diagnostizierung und die konsequente Einhaltung der Therapie entscheidend.
FAQ zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK): Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) vollständig geheilt werden?
Eine vollständige Genesung von der pAVK im Sinne einer Umkehr der arteriosklerotischen Veränderungen ist nicht möglich. Durch die konsequente Modifikation der Risikofaktoren, ein regelmäßiges Gehtraining und gegebenenfalls interventionelle Maßnahmen lässt sich das Fortschreiten aber verlangsamen und die Lebensqualität nachhaltig verbessern.
Wie schnell schreitet die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bei Betroffenen voran?
Bei vielen Patienten schreitet die pAVK langsam voran. Studien zeigen, dass maximal bis zu 25 Prozent der Betroffenen im Stadium II innerhalb von fünf Jahren eine Verschlechterung hin zu einem fortgeschritteneren Stadium erleben [5]. Bei der Mehrheit bleibt die Erkrankung über Jahre stabil oder verbessert sich sogar leicht, vorausgesetzt, die Risikofaktoren werden konsequent behandelt. Allerdings beschleunigen fortgesetztes Rauchen oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus den Verlauf durch die Schädigung der Gefäße nachhaltig.
Lässt sich eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) auch durch die Ernährung beeinflussen?
Ja, die Ernährung kann den Verlauf der pAVK indirekt beeinflussen, indem mit ihr auf zentrale Risikofaktoren eingewirkt wird [6]. Eine Ernährungsweise reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl und Fisch wirkt sich günstig auf die Blutfettwerte und den Glukosestoffwechsel aus. Eine ursächliche Therapie der pAVK ist allein durch die Ernährung jedoch nicht möglich.
[1] Tatò F. Durchblutungsstörungen der oberen Extremitäten [Upper extremity peripheral arterial disease]. Dtsch Med Wochenschr. 2020 Oct;145(20):1437-1442. German. doi: 10.1055/a-1068-4230. Epub 2020 Oct 6. PMID: 33022722.
[2] Springer Medizin, Krankenhausinzidenz, stationäre Versorgung und Outcome der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und arteriellen Thrombose/Embolie in Deutschland von 2005 bis 2018, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 08.03.2026).
[3] Thieme, Die periphere arterielle Verschlusskrankheit – pAVK, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 08.03.2026).
[4] Ding, N, Sang, Y, Chen, J. et al. Cigarette Smoking, Smoking Cessation, and Long-Term Risk of 3 Major Atherosclerotic Diseases. JACC. 2019 Jul, 74 (4) 498–507. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.05.049
[5] G.M. Andreozzi, R. Martini, The fate of the claudicant limb, European Heart Journal Supplements, Volume 4, Issue suppl_B, March 2002, Pages B41–B45, https://doi.org/10.1016/S1520-765X(02)90016-7
[6] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, Seite 46, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 08.03.2026).

