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Neuroendokrine Tumore können sich durch ganz unterschiedliche Symptome äußern. Die bildgebende Diagnostik hat mit dem Somatostatin-Rezeptor einen Ansatz gefunden, mit dem sich Tumorherde anhand funktioneller Parameter erkennen lassen. Zur Anwendung kommt dieser Ansatz sowohl bei der DOTATOC-PET-CT als auch bei der Somatostatinrezeptorszintigraphie. Somit stellt sich auch die Frage, welche Methode in der klinischen Praxis die überlegene ist. Erfahren Sie im folgenden Artikel mehr darüber, wie sich beide Verfahren voneinander unterscheiden und welche Vorteile sie jeweils mitbringen.
Inhalt

DOTATOC-PET-CT vs. Somatostatinrezeptorszintigraphie: Die modernen Untersuchungsverfahren im Vergleich

In der Diagnostik neuroendokriner Tumore (NET) haben sich zwei nuklearmedizinische Verfahren etabliert – die DOTATOC-PET-CT und die Somatostatinrezeptorszintigraphie (SSTR-Szintigraphie). Beide machen sich die Expression von Somatostatin-Rezeptoren (SSTR) zunutze, da diese vor allem in verschiedenen neuroendokrinen Gewebe auftreten [1].

Eine hohe Dichte der Rezeptoren ist für verschiedene NET typisch. Obwohl beide Verfahren am gleichen Rezeptor ansetzen, unterscheiden sich DOTATOC-PET-CT und SSTR-Szintigraphie in einigen Punkten. Der Vergleich zwischen beiden Methoden ist klinisch relevant, da sich aus der Entscheidung für ein Verfahren jeweils therapierelevante Aspekte ergeben.

Wann kommen DOTATOC-PET-CT und SSTR-Szintigraphie zum Einsatz?

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Diagnostische Verfahren, die sich auf Somatostatin-Rezeptoren konzentrieren, sind bei der Suche nach NET im Einsatz.
  • Die DOTATOC-PET-CT und die SSTR-Szintigraphie beruhen auf unterschiedlichen physikalischen Grundlagen.
  • Beide Methoden sind nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren.

Die Hauptindikation für die DOTATOC-PET-CT und die SSTR-Szintigraphie sind neuroendokrine Neoplasien (NEN), zu denen die NET (entstehen in verschiedenen Organen, konzentrieren sich aber häufig im Gastrointestinaltrakt als sogenannte „GEP-NET“) und die neuroendokrinen Karzinome (NEC) zählen.

Im Kern besteht die Aufgabe beider Untersuchungen in der Lokalisation eines okkulten Primärtumors (bisher klinisch nicht auffälliger Krebsherd) sowie im initialen Staging bei der Erfassung von Metastasen, die beispielsweise in

  • der Leber,
  • den Lymphknoten und
  • den Knochen

auftreten können.

Mithilfe der Bildgebung wird auch das Re-Staging beim Verdacht auf ein Fortschreiten trotz eingeleiteter Behandlung oder ein Rezidiv durchgeführt. Darüber hinaus spielen die im Rahmen einer SSTR-Untersuchung gewonnenen Ergebnisse in der Therapieplanung eine Rolle – unter anderem in Bezug auf die Evaluierung, ob Patienten für die Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie (PRRT) geeignet sind. Gerade bei gut differenzierten gastroenteropankreatischen NET mit hoher SSTR-Expression zeigen beide Verfahren Stärken.

Neben den NET bilden auch andere Tumore Somatostatin-Rezeptoren und lassen sich mithilfe der radiologisch-nuklearmedizinischen Bildgebung detektieren. Dazu zählen:

Der Ablauf von DOTATOC-PET-CT und SSTR-Szintigraphie

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Mit beiden Methoden werden die Verteilungsmuster der jeweiligen Tracer im Körper untersucht.
  • Die DOTATOC-PET-CT kombiniert zwei Untersuchungsverfahren miteinander.
  • Für die SSTR-Szintigraphie müssen Patienten mehr Zeit einplanen.

Sowohl die PET-CT als auch die Szintigraphie basieren auf dem Grundprinzip, dass eine schwach radioaktive Substanz mit einer dem Somatostatin ähnelnden Verbindung kombiniert wird, um die Bindungsfähigkeit an den Rezeptor zu erreichen. Dieses Analogon wird dem Patienten vor der Untersuchung verabreicht und anschließend dessen Verteilung mittels Bildgebung beobachtet.

Bei der DOTATOC-PET-CT erfolgt die Bildakquisition nach der intravenösen Injektion des Tracers meist nach 45 bis 60 Minuten. Der Vorteil: Das Verfahren liefert in einer Sitzung sowohl funktionelle als auch hochauflösende strukturelle Informationen und ermöglicht ein umfassendes Hybrid-Staging. Dank der Aufnahmen aus mehreren Winkeln lassen sich Befunde räumlich betrachten.

Die SSTR-Szintigraphie (mit Indium, Gallium oder Technetium als Tracer; die Untersuchung mit In-111-Pentetreotid wird auch als „Octreoscan“ bezeichnet) erzeugt planare Aufnahmen (Bilder in einer Ebene), die zu verschiedenen Zeitpunkten mit einer Gammakamera aufgezeichnet werden, indem die beim Zerfall der Tracer entstehende Gammastrahlung detektiert wird.

Im Vergleich zur DOTATOC-PET-CT nimmt die Untersuchung zwischen der Injektion bis zur letzten Aufnahme oft mehrere Stunden in Anspruch. Bei einer ambulant durchgeführten Untersuchung muss der Patient häufig nicht über die komplette Zeitspanne, sondern nur zu den jeweiligen Aufnahmezeitpunkten anwesend sein (die Entscheidung liegt letztlich jedoch bei der Praxis). Zur Verbesserung der Lokalisation von Läsionen und der Charakterisierung der anatomischen Strukturen wird die Methode heute in entsprechend ausgestatteten Zentren durch einen SPECT-CT-Scan ergänzt.

PET-CT vs. Szintigraphie – Welches Verfahren ist überlegen?

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Im Hinblick auf die Sensitivität ist die DOTATOC-PET-CT der SSTR-Szintigraphie überlegen.
  • Mithilfe der DOTATOC-PET-CT-Befunde lassen sich Rückschlüsse auf den möglichen Therapieerfolg ziehen.
  • Die SSTR-Szintigraphie kommt unter anderem dann zum Einsatz, wenn die DOTATOC-PET-CT nicht verfügbar ist.

Für die Auswahl des diagnostischen Verfahrens sind in der klinischen Praxis mehrere Faktoren entscheidend. Insbesondere sind die Verfügbarkeit und die Durchführbarkeit zwei zentrale Aspekte. Entscheidend für die Aussagekraft und Qualität der Befunde sind unter anderem Spezifität und Sensitivität. Die DOTATOC-PET-CT ist der SSTR-Szintigraphie in dieser Hinsicht überlegen.

Aufgrund ihrer höheren Sensitivität lassen sich kritische Läsionen (wie kleine Metastasen) besser detektieren. Durch den großen Aufnahmebereich ist zudem ein umfassendes Staging möglich. Zudem spielt die DOTATOC-PET-CT für den theranostischen Ansatz eine große Rolle. Hintergrund: Anhand der Bildgebung lassen sich die Tumore identifizieren und die SSTR-Aktivität bewerten, um eine angemessene Therapieoption festzulegen.

Möglich ist eine Kombination des Somatostatin-Analogons mit Lutetium-177, um die therapeutisch wirksame Strahlenquelle direkt an die Krebszellen zu binden (Lutetium-177-DOTATOC bzw. Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie). Dieses enge Zusammenwirken von Diagnostik und Therapie wird auch als „Theranostik“ bezeichnet.

Studien zeigen, dass die PET-CT-Bildgebung bei gut differenzierten NET sehr hohe Detektionsraten aufweist, während die klassische Szintigraphie je nach Studie und Läsionsgröße bei 60 bis 80 Prozent liegt [2]. Besonders bei kleinen Läsionen von weniger als einem Zentimeter Größe oder bei Knochenmetastasen zeigt sich die Überlegenheit der DOTATOC-PET-CT.

Aber: Die SSTR-Szintigraphie bleibt eine Alternative – etwa für den Fall, dass die PET-CT nicht zeitnah realisierbar oder eine Durchführung aus anderen Gründen unmöglich ist. Zudem hat die SSTR-Szintigraphie den Vorteil, dass mit dem Krenning-Score ein Bewertungssystem für die PRRT-Eignung etabliert ist, das es in dieser Form für die DOTATOC-PET-CT nicht gibt (deren höhere Sensitivität bedeutet nicht automatisch, dass alle PET-positiven Läsionen auch für eine PRRT geeignet sind).

Die Grenzen von DOTATOC-PET-CT und SSTR-Szintigraphie

Die Tatsache, dass sowohl die SSTR-Szintigraphie als auch die DOTATOC-PET-CT auf den Somatostatin-Rezeptor ausgerichtet sind, erklärt deren Spezifität. In der Krebsmedizin (Onkologie) bedeutet ein nicht eindeutiger bzw. negativer Befund aber nicht zwingend, dass kein NET vorliegt. Hintergrund: Bei einigen NEC und NET mit einer hohen Zellteilungsrate (Proliferation – ist diese sehr hoch, handelt es sich um einen Hinweis auf einen aggressiven Tumor) kann die SSTR-Expression abnehmen oder ganz fehlen [3].

Damit nimmt die Aussagekraft der Ergebnisse ab. Eine mögliche Alternative ist die Durchführung eines FDG-PET-Scans (eine weitere Methode der Nuklearmedizin). Dieser fokussiert sich auf den Glukosestoffwechsel, der bei aggressiven Tumoren im Vergleich zu gesunden Zellen erhöht ist. Die Erkenntnis, dass ein NET von der SSTR-Bildgebung nicht erkannt wird, hat auch für die Therapieentscheidungen Relevanz. Die behandelnden Ärzte müssen in diesem Fall mit einem Versagen der SSTR-basierten Therapien rechnen.

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Fazit: DOTATOC-PET-CT wird heute in NET-Leitlinien empfohlen

Neuroendokrine Tumorerkrankungen sind für die Krebsmedizin eine Herausforderung, da sie – je nach ihrer Lokalisation – ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher Symptome auslösen. Mit der DOTATOC-PET-CT und der SSTR-Szintigraphie stehen zwei bildgebende Verfahren zur Verfügung, die sich eine Besonderheit vieler NET zunutze machen. Durch die Kombination eines Tracers mit einem Somatostatin-Analogon können Tumorzellen gezielt markiert werden.

Die Leitlinien sehen hinsichtlich der Befundung die Vorteile klar bei der nuklearmedizinischen Bildgebung mittels DOTATOC-PET-CT, die mehrere Somatostatin-Analoga umfasst (DOTATATE, DOTATOC und DOTANOC) [4]. Diese zeigen in Studien eine deutliche Überlegenheit gegenüber der SSTR-Szintigraphie, weshalb die Leitlinien den Octreoscan nur dann empfehlen (als SPECT-CT), wenn eine PET-CT nicht durchführbar ist.

FAQ zur DOTATOC-PET-CT und SSTR-Szintigraphie in der NET-Diagnostik: Die wichtigsten Fragen und Antworten

[1] Reubi JC, Laissue J, Krenning E, Lamberts SW. Somatostatin receptors in human cancer: incidence, characteristics, functional correlates and clinical implications. J Steroid Biochem Mol Biol. 1992 Sep;43(1-3):27-35. doi: 10.1016/0960-0760(92)90184-k. PMID: 1356016.

[2] Lee I, Paeng JC, Lee SJ, Shin CS, Jang JY, Cheon GJ, Lee DS, Chung JK, Kang KW. Comparison of Diagnostic Sensitivity and Quantitative Indices Between (68)Ga-DOTATOC PET/CT and (111)In-Pentetreotide SPECT/CT in Neuroendocrine Tumors: a Preliminary Report. Nucl Med Mol Imaging. 2015 Dec;49(4):284-90. doi: 10.1007/s13139-015-0356-y. Epub 2015 Aug 26. PMID: 26550047; PMCID: PMC4630328.

[3] SNMMI Procedure Standard/EANM Practice Guideline for SSTR PET: Imaging Neuroendocrine Tumors Thomas A. Hope, Martin Allen-Auerbach, Lisa Bodei, Jeremie Calais, Magnus Dahlbom, Lisa K. Dunnwald, Michael M. Graham, Heather A. Jacene, Courtney Lawhn Heath, Erik S. Mittra, Chadwick L. Wright, Wolfgang P. Fendler, Ken Herrmann, David Taïeb, Andreas Kjaer Journal of Nuclear Medicine Feb 2023, 64 (2) 204-210; DOI: 10.2967/jnumed.122.264860

[4] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), S2k-Leitlinie Neuroendokrine Tumore AWMF-Reg. 021-27, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 03.02.2026).

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