Magazin: DOTATOC-PET-CT bei neuroendokrinen Tumoren (NET): Bedeutung & Indikationen im Überblick
Neuroendokrine Tumore (NET) sind zwar selten auftretende Tumorerkrankungen, stellen die Medizin aufgrund ihrer sehr unspezifischen und unterschiedlichen Symptome aber dennoch vor Herausforderungen [1] [2]. Die Tumore wachsen oft langsam und werden nicht selten als Zufallsbefund im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt. Als Schwierigkeit kommen ihre geringe Größe und ein hoher Differenzierungsgrad hinzu.
Zudem sorgt die charakteristische Biologie der NET dafür, dass eine Bildgebung mit rein strukturellem Fokus für die Tumorbeurteilung häufig nicht ausreichend Informationen liefert. Mit der DOTATOC-PET-CT steht eine Methode zur Verfügung, die sich gut zur Bewertung von NET eignet. Anstatt den Fokus ausschließlich auf die anatomische Darstellung eines Tumors zu legen, zielt das Verfahren auf die Fusion funktioneller und anatomischer Informationen ab.
Die Bedeutung der DOTATOC-PET-CT in der Onkologie
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die DOTATOC-PET-CT ist ein hybrides bildgebendes Verfahren für NET
- Der Gallium-Radiotracer wird mit Somatostatinrezeptoren-Liganden kombiniert.
- Es handelt sich um ein sehr sensitives Verfahren für bestimmte NET.
NET entwickeln sich aus Zellen des neuroendokrinen Systems, die im gesamten Körper verteilt sind und treten besonders häufig im Gastrointestinaltrakt auf, gefolgt von der Bauchspeicheldrüse und der Lunge. Seltener tauchen Befunde im Thymus, den Nebennieren oder anderen Organen auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet gut differenzierte NET in die Grade G1 bis G3 sowie schlecht differenzierte neuroendokrine Karzinome (NEC).
Eine wichtige Rolle übernimmt Ki-67 (Proteinmarker für die Zellproliferation) als prognostischer Anzeiger, der dabei hilft, die Erfogsaussichten eines therapeutischen Ansatzes einzuschätzen. Innerhalb der neuroendokrinen Neoplasien werden nicht nur die NET betrachtet, sondern auch die NEC, die sich deutlich aggressiver verhalten und andere diagnostische und therapeutische Ansätze erfordern.
Die Somatostatinrezeptor-Expression als diagnostisches Ziel
Für die diagnostische Bewertung werden die Somatostatinrezeptoren (SSTR) auf der Zelloberfläche der NET genutzt. Besonders der Subtyp SSTR2 wird von NET häufig in hoher Dichte exprimiert. Aus diesem Grund lassen sich die Tumorzellen mit spezifischen Tracern sichtbar machen, die sich an diese Rezeptoren binden.
Der Somatostatinrezeptor spielt aber nicht nur auf der diagnostischen Ebene für die DOTATOC-PET-CT eine Rolle. Am SSTR setzt die Krebsmedizin (Onkologie) mit Therapien, wie der Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie (PRRT). Dabei wird als Strahlenquelle Lutetium-177 mit einem SSTR-Liganden verknüpft, um die Krebszellen zu schädigen.
Das Konzept der DOTATOC-PET-CT
DOTATOC (Edotreotid oder DOTA(0)-Phe(1)-Tyr(3))octreotid) ist ein synthetischer Wirkstoff, der dem Somatostatin ähnelt und an die entsprechenden Rezeptoren bindet. Durch die Verbindung mit dem Positronenstrahler Gallium-68 lässt sich das Radiopharmakon (und damit die Verbindung zur Zelle) mittels PET-Bildgebung detektieren.
Auf diese Weise zeigt eine 68Ga-DOTATOC-Untersuchung gezielt Gewebe mit einer hohen SSTR-Expression an – also NET und deren Metastasen. Die Vorteile dieser Methode liegen in ihrer hohen Sensitivität und Spezifität für SSTR-positive Tumoren. Die DOTATOC-PET-CT ist daher in der Lage, bereits kleine Läsionen darzustellen. Voraussetzung ist, dass die Neubildungen (Neoplasien) eine ausreichende Rezeptordichte aufweisen.
Eine weitere wichtige Eigenschaft ist die Halbwertzeit von Gallium-68, die bei knapp einer Stunde liegt. Der PET-Tracer baut sich nach der Untersuchung also schnell ab, was für die Strahlenschutzbewertung von Bedeutung ist.
Konzeptionell verbindet die DOTATOC-PET-CT zwei Bildgebungsverfahren in einer Untersuchung. Die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) liefert funktionelle Informationen über die Verteilung und Intensität der Tracer-Aufnahme. Auf diese Weise wird die SSTR-Dichte in verschiedenen Gewebebereichen sichtbar. Mithilfe der Computertomographie (CT) lassen sich Strukturen im Körper mit einer hohen Auflösung darstellen. Auf diese Weise ist eine genaue räumliche Lokalisierung der SSTR-Hotspots möglich. Die Fusion der Bilddaten erlaubt eine klare Abgrenzung des Tumorgewebes, womit:
- eine Bewertung der Ausdehnung (Staging),
- die Abgrenzung zu gesundem Gewebe (Organbeziehungen) und
- die Planung therapeutischer Maßnahmen unter Berücksichtigung struktureller Veränderungen
möglich sind.
DOTATOC im Vergleich zu anderen PET-Tracern
Neben DOTATOC stehen weitere Somatostatinrezeptor-Tracer zur Verfügung, insbesondere 68Ga-DOTANOC und 68Ga-DOTATATE. Während DOTATOC eine hohe Affinität zu SSTR2 aufweist, bindet DOTANOC zusätzlich an weitere SSTR-Subtypen und zeigt eine breitere Rezeptoraffinität. DOTATATE besitzt die höchste Affinität zu SSTR2.
Anders verhält es sich mit FDG (Fluordesoxyglukose), dem Standard-Tracer bei der onkologischen PET-CT. FDG bildet den Glukosestoffwechsel ab und eignet sich besonders für die Diagnostik bei stoffwechselaktiven Tumoren. Bei gut differenzierten, langsam wachsenden NET zeigt FDG häufig keine oder nur eine geringe Anreicherung. Bei G3-Tumoren mit hohem Ki-67-Index oder schlecht differenzierten NEC ist die FDG-PET mitunter sensitiver im Vergleich zur SSTR-Bildgebung, da diese den Rezeptor eingeschränkt exprimieren.
Wann wird die DOTATOC-PET-CT durchgeführt?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- NET entstehen häufig im Verdauungstrakt, können sich aber auch in anderen Organen entwickeln.
- Die DOTATOC-PET wird neben der Diagnostik auch zum Staging eingesetzt.
- Ein wichtiger Ansatz ist die Nachsorge, um Rezidive frühzeitig zu erkennen.
In der klinischen Praxis kommt die DOTATOC-PET-CT primär beim Verdacht auf einen NET zum Einsatz, sofern sich dieser durch eine konventionelle Bildgebung (beispielsweise mittels CT oder Magnetresonanztomographie (MRT) nicht ausreichend abklären lässt. Fälle, in denen eine DOTATOC-Untersuchung in Erwägung zu ziehen ist, sind unter anderem:
- unklare Befunde einer Endoskopie,
- suspekte Läsionen in Schnittbildern und
- Anzeichen für einen hormonell aktiven Tumor.
Patienten mit Anzeichen eines Karzinoid-Syndroms (Symptome, die auf einen Tumor mit starker Hormonfreisetzung hindeuten) – wie Flush-Episoden, Durchfall oder Bronchospasmus (krampfartige Verengung der Atemwege) – profitieren von der DOTATOC-PET-CT zur Tumorlokalisation [3].
Hinweise für einen NET können sich aber auch aus auffälligen Laborwerten – dazu gehören erhöhte Werte bei Chromogranin A oder 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA) im Urin – ergeben. Die Untersuchung zum Nachweis und der Lokalisation des Tumors kann bei einem entsprechenden NET-Verdacht mit der DOTATOC-PET erfolgen.
Staging nach Diagnosestellung
Die Sicherung der Diagnose erfolgt auch bei NET über die histologische Untersuchung einer Gewebeprobe. Bestätigt sich der Verdacht, bietet sich die DOTATOC-PET-CT als Methode für die Ausbreitungsdiagnostik (Staging) an. Dazu wird die lokale Tumorausdehnung erfasst – auch, um eine Beteiligung der Lymphknoten und das Vorliegen von möglichen Fernmetastasen zu prüfen.
Speziell das Vorliegen von Lebermetastasen (treten bei NET häufig auf) sowie Knochen-, Lungen- und Peritonealmetastasen beeinflussen die Prognose maßgeblich [4]. Da die DOTATOC-PET-CT auch kleine Raumforderungen detektieren kann, ist sie in der Lage, Primärtumore zu lokalisieren, selbst wenn diese in der konventionellen Bildgebung bisher nicht aufgefallen sind.
Rezidivdiagnostik mittels DOTATOC
Nach der Behandlung – wobei die Bandbreite von Resektionen über Chemotherapien bis zur PRRT reicht – bedarf es einer umfassenden Verlaufskontrolle und Nachsorge. Aufgrund ihrer Sensitivität spielt die DOTATOC-PET-CT in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Im Rahmen der Kontrolluntersuchungen lassen sich auch kleine Rezidive (wieder auftretende NET) sowie neue Metastasen nachweisen. Damit ermöglicht die Untersuchung eine rechtzeitige Neubewertung des Therapieerfolgs und die Justierung der Behandlung.
Indikation für PRRT (Lutetium-177-DOTATOC)
Die PRRT mit Lutetium-177-markierten Somatostatinanaloga setzt eine ausreichende Expression des Rezeptors voraus. Über die Tracer-Aufnahme im Zielvolumen lassen sich Rückschlüsse auf die SSTR-Aktivität ziehen und somit das Therapieansprechen einschätzen.
Damit ermöglicht die DOTATOC-PET-CT Bestimmung der Patienten für die PRRT, da Betroffene mit Tumoren mit einer geringen Expression des Somatostatinrezeptors in der Regel weniger gut von der Therapie profitieren. Hierdurch lässt sich die Anwendung einer Behandlung bei nur geringen Erfolgschancen vermeiden und stattdessen direkt nach Alternativen suchen.
Darüber hinaus bietet sich die DOTATOC-PET-CT zur Therapiekontrolle an. Nimmt im Vergleich zu den letzten Untersuchungen die Tracer-Aufnahme ab, lässt sich daraus ein Ansprechen auf die Behandlung ableiten. Kommt es dagegen zu einer höheren Anreicherung, deutet dies auf eine Tumorprogression hin bzw. spricht für einen therapieresistenten NET. Je früher dies erkannt wird, desto schneller lässt sich eine therapeutische Intervention einleiten.
Grenzen und Kontraindikationen der DOTATOC-PET-CT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Nicht alle NET exprimieren ausreichend SSTR, um auf die DOTATOC-PET-CT anzusprechen.
- Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind eher selten.
- Das Strahlenrisiko ist im Hinblick auf den Gallium-Tracer als gering einzustufen.
Für NET mit hoher SSTR-Expression ist die DOTATOC-PET-CT ein sensitives Kombinationsverfahren zur Bildgebung, gerät aber in verschiedenen Fällen an Grenzen. Dazu gehören schlecht differenzierte NEC mit hoher Proliferationsrate (Ki-67 über 20 bis 30 Prozent).
Diese heben sich durch eine verringerte SSTR-Expression ab, wodurch sie in der Untersuchung in geringerem Ausmaß auffallen. Die FDG-PET kann diesbezüglich als Alternative infrage kommen, da sie durch die erhöhte Glukoseaufnahme der aggressiven Tumore diagnostisch aussagekräftiger ist.
Auch bei den selten auftretenden SSTR-negativen NET versagt die DOTATOC-PET-CT erwartungsgemäß. Besteht ein hinreichend begründeter Verdacht, sind alternative bildgebende Verfahren einzusetzen. Grundsätzlich schließt die negative DOTATOC-PET-CT einen NET nicht vollständig aus, spricht aber gegen einen Tumor mit hoher SSTR-Aktivität.
Mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen der DOTATOC-PET-CT
Der bei der DOTATOC-PET verwendete Tracer gilt als allgemein gut verträglich, Reaktionen auf die Injektion oder allergische Reaktionen sind selten. Die Strahlenbelastung durch das Radiopharmakon liegt bei etwa zwei bis fünf Millisievert (mSv), die CT-Komponente trägt je nach Protokoll bis zu zehn mSv bei. Die Gesamtdosis liegt damit im Bereich zwischen zwölf und 15 mSv und ist mit der Strahlenbelastung anderer nuklearmedizinischer Untersuchungen vergleichbar.
Obwohl die Halbwertszeit des verwendeten Tracers vergleichsweise kurz ist, wird eine reichliche Flüssigkeitszufuhr nach der Untersuchung empfohlen, um eine zügige Ausscheidung über die Nieren zu gewährleisten und die Strahlenbelastung gering zu halten.
Zu den Kontraindikationen gehören die Schwangerschaft und die Stillzeit. Zum Schutz des Fötus ist bei Schwangeren jede nicht zwingend notwendige Strahlenexposition zu vermeiden. Während der Stillphase kann die Untersuchung nach umfassender Abwägung durchgeführt werden, sofern eine Stillpause eingehalten und die Muttermilch entsorgt wird. Des Weiteren sind für die CT-Komponente Gegenanzeigen hinsichtlich der Röntgenkontrastmittel zu beachten. Außerdem sind laufende Therapien mit Somatostatin-Analoga (zum Beispiel beim Cushing-Syndrom) zu berücksichtigen.
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Fazit: Die DOTATOC-PET-CT erreicht bei SSTR-NET eine hohe Sensitivität
NET treten zwar oft als GEP-NET im Magen-Darm-Trakt auf, können aber auch in verschiedenen anderen Organen entstehen. Durch die unterschiedliche Lokalisation ergibt sich ein breites Spektrum unterschiedlicher Symptome, was die klinische Bewertung erschwert. Die DOTATOC-PET-CT mit Gallium-68 erweist sich als besonders sensitives Verfahren durch die Bindung an Somatostatinrezeptoren, die bei verschiedenen NET auf den Tumorzellen exprimiert werden. Hierdurch hat sich das Verfahren als zentraler Standard in der Diagnostik, dem Staging und der Suche nach Rezidiven etabliert.
FAQ zur DOTATOC-PET-CT bei NET: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Ist jeder positive DOTATOC-Befund ein Tumor?
Nein, es kann durch Sarkoidose, Granulome oder aktive Infektionen durchaus zu falsch-positiven Signalen kommen, da in diesem Zusammenhang eine Expression von Somatostatinrezeptoren möglich ist. Zudem kann es zu einer physiologischen Anreicherung in verschiedenen Organen, wie der Milz und der Leber kommen.
Ist die Strahlendosis bei einer DOTATOC-PET-CT gefährlich?
Mit einer effektiven Strahlendosis zwischen zwölf und 15 mSv liegt die DOTATOC-Untersuchung zwar über der Dosis der natürlichen Strahlung in Deutschland – allerdings nur gering. Im Vergleich zu einer Ganzkörper-CT, die bis zu 20 mSv erreicht, fällt die Strahlenbelastung moderat aus.
Kann die DOTATOC-PET-CT überall durchgeführt werden?
Die DOTATOC-PET-CT steht nicht flächendeckend zur Verfügung, sondern wird vorwiegend in spezialisierten nuklearmedizinischen Zentren, Universitätskliniken und Krankenhäusern durchgeführt. Der Grund: Die Untersuchung erfordert spezielle PET-CT-Geräte, einen Gallium-68-Generator zur Tracer-Herstellung (erfolgt wegen der Halbwertszeit vor Ort) sowie entsprechend ausgebildetes Personal.
[1] Oronsky B, Ma PC, Morgensztern D, Carter CA. Nothing But NET: A Review of Neuroendocrine Tumors and Carcinomas. Neoplasia. 2017 Dec;19(12):991-1002. doi: 10.1016/j.neo.2017.09.002. Epub 2017 Nov 5. PMID: 29091800; PMCID: PMC5678742.
[2] Thieme, Neuroendokrine Tumoren (NET), online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 18.12.2025).
[3] Grozinsky-Glasberg S, Davar J, Hofland J, Dobson R, Prasad V, Pascher A, Denecke T, Tesselaar MET, Panzuto F, Albåge A, Connolly HM, Obadia JF, Riechelmann R, Toumpanakis C. European Neuroendocrine Tumor Society (ENETS) 2022 Guidance Paper for Carcinoid Syndrome and Carcinoid Heart Disease. J Neuroendocrinol. 2022 Jul;34(7):e13146. doi: 10.1111/jne.13146. Epub 2022 May 25. PMID: 35613326; PMCID: PMC9539661.
[4] Schraml C, Schwenzer NF, Sperling O, Aschoff P, Lichy MP, Müller M, Brendle C, Werner MK, Claussen CD, Pfannenberg C. Staging of neuroendocrine tumours: comparison of [⁶⁸Ga]DOTATOC multiphase PET/CT and whole-body MRI. Cancer Imaging. 2013 Mar 5;13(1):63-72. doi: 10.1102/1470-7330.2013.0007. PMID: 23466785; PMCID: PMC3589947.