Was bedeutet es, wenn ein Karzinom PSMA-positiv ist?
Der Begriff PSMA-positiv wird für Tumore verwendet, die in bildgebenden Untersuchungen das Vorhandensein des prostataspezifischen Membranantigens (PSMA) zeigen. PSMA-positive Tumore werden zwar oft mit Prostatakrebs (Prostatakarzinom) assoziiert, müssen in der Praxis aber differenzierter betrachtet werden, da sie auch außerhalb der Prostata entstehen können. Das Glykoprotein ist ein wichtiger diagnostischer Marker und hat Einfluss auf therapeutische Entscheidungen.
Warum ist das Protein so wichtig? PSMA kommt auf der Oberfläche gesunder Zellen nur in geringen Mengen vor. Von bestimmten Karzinomen wird dieses Eiweiß jedoch deutlich stärker gebildet. Dabei korreliert die Konzentration häufig mit der Aggressivität des Tumors (insbesondere beim Prostatakarzinom): Je höher der Gleason-Score und je fortgeschrittener die Metastasierung, desto stärker ist in der Regel die PSMA-Überexpression [1].
PSMA-positive Tumore außerhalb der Prostata
Um die Bedeutung eines PSMA-positiven Tumors zu verstehen, muss klar sein, welche Funktion das Protein hat. Lokalisiert in der Zellmembran, ragt es in den außerzellulären Raum hinein und ist für die Katalyse spezifischer Neurotransmitter verantwortlich. Neben der Tatsache, dass das PSMA als Oberflächenprotein bei Prostatakrebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen erhöht ist, spielt es auch bei der Gefäßneubildung anderer Tumore eine Rolle und kann im Endothel (Auskleidung neu gebildeter Gefäße) nachgewiesen werden. Dies betrifft unter anderem:
- Nierenzellkarzinome,
- Schilddrüsenkrebs,
- Magen- und Darmkrebs und
- Mammakarzinome.
Damit kann ein PSMA-positives Karzinom verschiedene Entitäten repräsentieren, was die Unterscheidung in der Krebsmedizin (Onkologie) allein über die Bildgebung in Form der PSMA-PET-CT schwierig macht.
Es kann sich bei einer Läsion in einer der beiden Nieren beispielsweise um eine Metastasierung von Prostatakrebs oder einen primären Nierenzelltumor handeln. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich die nach wie vor große Bedeutung von Biopsien (Entnahme von Gewebeproben) und der histologischen Untersuchung in der Pathologie.
Welche Rolle spielt die PSMA-Positivität für die Radiotherapie?
Ist ein Tumor PSMA-positiv, zieht dies für den therapeutischen Ansatz wichtige Konsequenzen nach sich. Eine der Behandlungsmöglichkeiten speziell bei Prostatakrebs ist die Radio-Liganden-Therapie mit einem Radionuklid wie Lutetium-177. Hintergrund: Statt den Tumor bzw. die Metastasen mittels einer perkutanen Strahlentherapie (Strahlenquelle sitzt außerhalb des Körpers) zu behandeln, kann ein Betastrahler mit einem PSMA-Liganden (bindet an den Rezeptor) gebunden werden. Damit wirkt die therapeutische Strahlendosis direkt an den Tumorzellen. Mit der PSMA-PET-CT lässt sich die Aktivität der Oberflächenproteine bewerten. Studien deuten darauf hin, dass in etwa 15 bis 20 Prozent der Prostatakrebsfälle keine hinreichende PSMA-Positivität vorliegt [2].
Auf der anderen Seite steht eine hohe PSMA-Aktivität oft mit einer hohen Aggressivität des Tumors in Zusammenhang, was für die Behandlungsplanung eine wichtige Rolle spielt. Die Behandlung hochgradig aggressiver Prostatakarzinome mit höherer PSMA-Expression und stärkerer PSMA-Aktivität in der Bildgebung kann potenziell von einem hochdosierten Regime (PSMA-PET-gesteuerte Dosiseskalation) im Sinne einer besseren biochemischen Kontrolle profitieren.
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Fazit: Die PSMA-Positivität ist für Diagnostik und Therapie von Bedeutung
Bei PSMA-positiven Tumoren handelt es sich um Karzinome, die das Oberflächenprotein PSMA bilden. Oft sind dies Neoplasien der Prostata. Besonders wichtig ist dieser Aspekt unter anderem für die Suche nach Metastasen und für die weitere Behandlungsplanung – etwa im Zusammenhang mit der PSMA-Liganden-Therapie oder einer Dosiseskalation zur verbesserten biochemischen Kontrolle.
[1] Bravaccini S, Puccetti M, Bocchini M, Ravaioli S, Celli M, Scarpi E, De Giorgi U, Tumedei MM, Raulli G, Cardinale L, Paganelli G. PSMA expression: a potential ally for the pathologist in prostate cancer diagnosis. Sci Rep. 2018 Mar 9;8(1):4254. doi: 10.1038/s41598-018-22594-1. PMID: 29523813; PMCID: PMC5844862.
[2] Holzgreve A, Armstrong WR, Clark KJ, Benz MR, Smith CP, Djaileb L, Gafita A, Thin P, Nickols NG, Kishan AU, Rettig MB, Reiter RE, Czernin J, Calais J. PSMA-PET/CT Findings in Patients With High-Risk Biochemically Recurrent Prostate Cancer With No Metastatic Disease by Conventional Imaging. JAMA Netw Open. 2025 Jan 2;8(1):e2452971. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.52971. PMID: 39752157; PMCID: PMC11699533.