Die Anwendungsbereiche der DOTATOC-PET-CT im Überblick: Staging, Rezidivdiagnostik, Therapieplanung bei SSTR-positiven Tumoren
In der Krebsmedizin (Onkologie) werden Bildgebungsverfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt, um strukturelle Fragen ohne belastende Eingriffe zu klären. Darüber hinaus stehen insbesondere in der Rezidiv- und der Ausbreitungsdiagnostik hybride Verfahren zur Charakterisierung von Tumorerkrankungen – wie die DOTATOC-PET-CT – zur Verfügung. Die Kombination von Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und CT dient der Abbildung molekularer und anatomischer Tumoreigenschaften.
Besondere Bedeutung hat die DOTATOC-PET-CT bei malignen Erkrankungen, die durch eine hohe Expression des Somatostatin-Rezeptoren (SSTR) gekennzeichnet sind. Dies ist zum Beispiel bei neuroendokrinen Tumoren (NET), aber auch Meningeomen der Fall. In der Onkologie spielt die Methode für das Staging, die Rezidivdiagnostik und die Therapieplanung eine Rolle.
Was macht die DOTATOC-PET-CT aus?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Bei den Untersuchungen werden Nuklearmedizin und Radiologie kombiniert.
- Gerade die Expression des Somatostatin-Rezeptors beeinflusst die Sensitivität der Untersuchung.
- Mit der DOTATOC-PET-CT können sowohl der Primärtumor als auch Tochtergeschwüre aufgespürt werden.
Bei der DOTATOC-PET-CT werden ein nuklearmedizinisches und ein radiologisches Verfahren miteinander kombiniert und ergänzen sich gegenseitig. Zentrales Element ist der Einsatz des radioaktiv markierten Tracers (DOTATOC), der gezielt an den Somatostatin-Rezeptoren (eine Proteinstruktur, die unter anderem auf bestimmten NET in hoher Dichte vorkommt).
Nach der Injektion über die Vene reichert sich DOTATOC in dem rezeptorpositiven Gewebe an. Die beim Zerfall des Tracers entstehende, schwache Strahlung wird durch eine Positronenkamera detektiert. Die dadurch erfolgende Darstellung der Tracer-Verteilung im Körper wird mit den strukturellen CT-Aufnahmen kombiniert, um hochauflösende Informationen zu erhalten und eine anatomische Zuordnung der Befunde zu ermöglichen.
Durch die Zusammenführung der verschiedenen Informationen lassen sich Raumforderungen gezielt detektieren, die in der konventionellen CT- oder MRT-Bildgebung strukturell noch nicht auffallen, aber bereits eine ausreichend hohe SSTR-Expression aufweisen. Dies kann bei der Suche nach Rezidiven oder dem Treffen von Therapieentscheidungen von Bedeutung sein.
Bei welchen Tumoren wird die DOTATOC-PET-CT eingesetzt?
Die primäre Indikation der DOTATOC-PET-CT sind gut differenzierte NET. Hintergrund: Diese Tumore zeichnen sich durch eine hohe Expression des Somatostatin-Rezeptors aus und umfassen unter anderem gastroenteropankreatische NET (GEP-NET) sowie NET der Lunge. Beide Entitäten weisen häufig eine langsame Wachstumsdynamik und eine ausgeprägte SSTR-Expression auf, was sie zu idealen Zielstrukturen für die DOTATOC-Bildgebung macht.
Eine relevante Nicht-NET-Indikation stellen Meningeome (häufig gutartige Tumore der Hirnhäute) dar, die ebenfalls eine SSTR-Expression zeigen [1]. Die DOTATOC-PET-CT kann diesbezüglich zur Erkennung von Rezidiven oder der Abgrenzung von Narbengewebe nach einer Operation oder Bestrahlung eingesetzt werden.
Selektiv kann das Verfahren auch bei Paragangliomen (oft gutartige NET, die aus dem autonomen Nervensystem entstehen) und Phäochromozytomen (häufig benigner Tumor der Nebenniere mit Ausschüttung von Katecholaminen) zur Anwendung kommen, unter anderem bei Risikopatienten mit genetischer Prädisposition oder einem Verdacht auf Metastasierung [2] [3].
Das Verfahren unterliegt allerdings auch Limitierungen bzw. Einschränkung, wenn Tumore die SSTR-Expression verlieren, was unter anderem bei hochgradigen neuroendokrinen Karzinome (NEC) vorkommt. Stattdessen ist dort ein erhöhter Glukosestoffwechsel zu beobachten, was diese Malignome zu einem Ziel für die FDG-PET-CT (FDG ist eine Glukoseanalogon) macht. Letztlich ist die Kenntnis der Tumorbiologie und der Tumorheterogenität entscheidend für die Auswahl des geeigneten Tracers und der daraus abgeleiteten Behandlungsentscheidungen.
Staging, Therapieplanung & Co.: Die praktische Anwendung der DOTATOC-PET-CT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Mit der DOTATOC-PET-CT steht ein hochsensitives Verfahren für die Ausbreitungsdiagnostik zur Verfügung.
- Die Rezeptordichte ist zudem ein Signal für die Auswahl der Therapie.
- Bei einigen Tumoren gerät die Methode durch eine abnehmende SSTR-Expression an Grenzen.
In der Diagnostik von NET setzt die Onkologie auf verschiedene, komplementäre Maßnahmen. Ein zentrales Element sind Laboruntersuchungen, mit denen der Hormonstatus und Tumormarker untersucht werden.
Weiterhin ist die histopathologische Untersuchung von Bedeutung. Anhand von Gewebeproben, die aus auffälligen Läsionen entnommen werden, lässt sich in der Pathologie der Tumortyp bestimmen. Zudem liefern die Zelluntersuchungen und die Molekularpathologie Informationen bezüglich der Tumorheterogenität.
Innerhalb der Leitlinien wird – dies unterscheidet die NET-Diagnostik von der verschiedener anderer Tumore – die PET-CT (als DOTATATE, DOTATOC und DOTANOC) bereits als primärdiagnostisch relevante Methode eingestuft [4]. Hintergrund: Bei einigen anderen malignen Erkrankungen hat die PET-CT eher für die Ausbreitungsdiagnostik und die Suche nach Rezidiven Bedeutung.
Die DOTATOC-PET-CT im Staging
Aufgrund der hohen Sensitivität für SSTR-exprimierende Zellen eignet sich die DOTATOC-PET-CT nicht nur für die Lokalisation des Primärtumors. Im Rahmen einer Ganzkörperuntersuchung ermöglicht das Verfahren die Detektion regionärer Absiedelungen und von Fernmetastasen. Dieser Schritt – das Staging (dient der systematischen Erfassung der Tumorausbreitung) – ist für das Treffen therapeutischer Entscheidungen relevant.
Anhand des Nachweises regionärer Lymphknotenmetastasen und der Identifikation von Tochtergeschwüren in anderen Organen ist das Stellen einer Prognose sowie die Festlegung eines kurativen oder palliativen Therapieziels – bis zur Wahl der geeigneten Behandlungsmethode – möglich.
In diesem Zusammenhang hat sich die DOTATOC-PET-CT durch eine höhere Sensitivität für zum Beispiel kleine Lymphknotenmetastasen etabliert und zeigt sich der konventionellen Bildgebung überlegen, da aktive Metastasen nicht anhand morphologischer Merkmale, sondern über die SSTR-Aktivität erfasst werden [5].
Dieser Vorteil macht sich beispielsweise bei Knochenmetastasen bemerkbar, die bei NET immer wieder auftreten. Knöcherne Läsionen bleiben anfangs klein und sind in der CT oder anderen Scans als Veränderungen oft erst in fortgeschrittenen Stadien erkennbar, während Knocheninfiltrate mit der DOTATOC-PET-CT früher nachweisbar sind [6].
Wie relevant sind die Befunde? Die Ergebnisse der DOTATOC-PET-CT im Staging haben auch unmittelbare therapeutische Konsequenzen. Bei lokal begrenzten Tumoren kann ein Nachweis bisher okkulter (klinisch unauffälliger) Fernmetastasen den geplanten operativen Eingriff obsolet machen und stattdessen eine systemische Therapie erforderlich machen. Umgekehrt wäre bei einem Ausschluss von Metastasen eine kurative Resektion als Behandlungsoption in Erwägung zu ziehen.
Die DOTATOC-PET-CT in der Rezidivdiagnostik
Zu Rezidiven – also einem Wiederauftreten eines NET – kann es aus verschiedenen Gründen (beispielsweise aufgrund eines okkulten Tumorrests) kommen. Hinweise ergeben sich nach der Behandlung typischerweise auf der biochemischen Ebene, wenn in Nachsorgeuntersuchungen steigende Tumormarker oder spezifische Hormone auffallen. Daneben können auch klinische Symptome wie das Flush-Syndrom Indizien sein.
Über die DOTATOC-PET-CT ist eine frühe Detektion von Tumorrezidiven möglich, noch bevor diese in anderen konventionellen Bildgebungsverfahren sichtbar werden. Als überlegen zeigt sich das Verfahren aufgrund der Differenzierung zwischen vitalem Tumorgewebe und postoperativem Narbengewebe oder anderen posttherapeutischen Veränderungen. Narbengewebe zeigt keine relevante SSTR-Expression, bleibt in der DOTATOC-PET-CT also unauffällig.
Bei unklarem Rezidiv – wenn die Tumormarker steigen, aber die Lokalisation unklar ist – kann eine Ganzkörperdarstellung mittels DOTATOC-PET-CT entscheidende Informationen liefern. Vorteilhaft ist diese Möglichkeit besonders bei untypischen Lokalisationen im Skelettsystem oder bei ungewöhnlichen Lymphknotenstationen.
Aber: Das Verfahren hat Grenzen. Nicht jeder NET weist eine ausreichend hohe SSTR-Expression auf. Das Abnehmen der Aussagekraft kann auch im Zusammenhang mit Rezidiven auftreten, wenn diese eine aggressive Tumorbiologie mit einem Verlust der SSTR-Expression entwickeln.
Die DOTATOC-PET-CT in der Therapieplanung
Anhand der Expression von Somatostatin-Rezeptoren lassen sich nicht nur die Tumorzellen nachweisen. Für die Therapieplanung ist diese Eigenschaft als molekulare Voraussetzung für den Einsatz SSTR-zentrierter Therapien ebenfalls von Bedeutung.
Somatostatin-Analoga wirken bei NET sowohl hemmend auf das Tumorwachstum als auch symptomkontrollierend (durch die Wirkung auf Signalwege in der Tumorzelle). Für die Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie (PRRT) werden radioaktiv markierte Somatostatin-Analoga eingesetzt, die gezielt an Somatostatin-Rezeptoren der Tumorzellen binden, um zytotoxische Strahlung direkt auf die Krebszellen einwirken zu lassen und so eine noch gezieltere Schädigung bzw. Zerstörung des Tumorgewebes herbeizuführen. Die DOTATOC-PET-CT kann dabei als funktioneller Rezeptortest gesehen werden, mit dem sich Vorkommen und Dichte der SSTR-Expression abschätzen lassen.
Für eine Indikation der PRRT bildet die DOTATOC-Positivität eine wichtige – aber nicht die einzige Bedingung. Neben einer Einschätzung der Gesamttumorlast und Rezeptordichte auf den Läsionen (eine hohe Anreicherung, über die physiologische Aufnahme in Leber und Milz hinaus, spricht für eine hohe Sensitivität gegenüber der Therapie) sind zusätzliche Kriterien zu berücksichtigen, wie der Ki-67-Proliferationsindex (Bewertungsmaßstab zur Teilungsrate von Tumorzellen), das Verteilungsmuster der Metastasen und die funktionellen Reserven der Organe.
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Fazit: Die DOTATOC-PET-CT erfüllt in der Diagnostik von NET mehrere Funktionen
Bei der DOTATOC-PET-CT handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren in der Diagnostik SSTR-positiver Tumore, insbesondere der NET. Diesbezüglich gilt die Methode in den Leitlinien bereits als eines der zentralen Elemente. In den drei zentralen Anwendungsbereichen – Staging, Rezidivdiagnostik und Therapieplanung – ist die SSTR-basierte PET-CT häufig konventionellen bildgebenden Verfahren gegenüber überlegen.
Der multimodale Ansatz hebt das Hybridverfahren hervor und unterstreicht dessen Bedeutung – auch aufgrund der hohen Sensitivität selbst für kleinere Tumorherde. Allerdings muss in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden, wo sich technisch und tumorphysiologisch bedingte Limitierungen der Methode ergeben. Die DOTATOC-PET-CT ist somit keine universelle Methode, die das etablierte Diagnostikspektrum obsolet macht.
FAQ zur Anwendung der DOTATOC-PET-CT: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann die DOTATOC-PET-CT bei allen Patienten durchgeführt werden?
Kontraindikationen bestehen aufgrund der Strahlenexposition bei einer Schwangerschaft. Patientinnen, die stillenden, sollten eine mehrtägige Stillpause einlegen. Zudem bei schwerer Niereninsuffizienz – aufgrund der renalen Ausscheidung des Tracers – eine entsprechende Abwägung durchzuführen. Gerätespezifische Limitationen können sich durch die Gewichtsgrenzen der Untersuchungsliege bei stark adipösen Patienten ergeben.
Wird die DOTATOC-PET-CT von jeder Radiologiepraxis angeboten?
Nein, die DOTATOC-PET-CT wird nicht von jeder Radiologiepraxis angeboten. Das Verfahren erfordert eine spezialisierte nuklearmedizinische Expertise, eine entsprechende PET-CT-Ausstattung sowie einen Zugriff auf die verwendeten Radiotracer. Daher wird die Untersuchung heute meist von nuklearmedizinischen Zentren, spezialisierten Facharztpraxen und im universitären Klinikbetrieb angeboten.
Bedeutet ein negativer DOTATOC-PET-CT-Befund immer Entwarnung?
Nein, auch wenn die DOTATOC-PET-CT keinen Tumor oder ein Rezidiv erkennt, kann es sich um ein falsch-negatives Ergebnis handeln. Der Grund sind bestimmte NET, bei denen die Expression des Rezeptors auf der Oberfläche zurückgeht. Diese Areale würden als „kalt“ erscheinen. Aber: Durch den hohen Zuckerstoffwechsel würde eine ergänzende FDG-PET-CT diese Tumoranteile zeigen.
[1] Filippi L, Palumbo I, Bagni O, Schillaci O, Aristei C, Palumbo B. Somatostatin Receptor Targeted PET-Imaging for Diagnosis, Radiotherapy Planning and Theranostics of Meningiomas: A Systematic Review of the Literature. Diagnostics (Basel). 2022 Jul 8;12(7):1666. doi: 10.3390/diagnostics12071666. PMID: 35885570; PMCID: PMC9321668.
[2] Taïeb D, Timmers HJ, Hindié E, Guillet BA, Neumann HP, Walz MK, Opocher G, de Herder WW, Boedeker CC, de Krijger RR, Chiti A, Al-Nahhas A, Pacak K, Rubello D; European Association of Nuclear Medicine. EANM 2012 guidelines for radionuclide imaging of phaeochromocytoma and paraganglioma. Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2012 Dec;39(12):1977-95. doi: 10.1007/s00259-012-2215-8. Epub 2012 Aug 28. PMID: 22926712; PMCID: PMC4714772.
[3] Janssen I, Blanchet EM, Adams K, Chen CC, Millo CM, Herscovitch P, Taieb D, Kebebew E, Lehnert H, Fojo AT, Pacak K. Superiority of [68Ga]-DOTATATE PET/CT to Other Functional Imaging Modalities in the Localization of SDHB-Associated Metastatic Pheochromocytoma and Paraganglioma. Clin Cancer Res. 2015 Sep 1;21(17):3888-95. doi: 10.1158/1078-0432.CCR-14-2751. Epub 2015 Apr 14. PMID: 25873086; PMCID: PMC4558308.
[4] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), S2k-Leitlinie Neuroendokrine Tumore, AWMF-Reg. 021-27, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 10.02.2026).
[5] Lee I, Paeng JC, Lee SJ, Shin CS, Jang JY, Cheon GJ, Lee DS, Chung JK, Kang KW. Comparison of Diagnostic Sensitivity and Quantitative Indices Between (68)Ga-DOTATOC PET/CT and (111)In-Pentetreotide SPECT/CT in Neuroendocrine Tumors: a Preliminary Report. Nucl Med Mol Imaging. 2015 Dec;49(4):284-90. doi: 10.1007/s13139-015-0356-y. Epub 2015 Aug 26. PMID: 26550047; PMCID: PMC4630328.
[6] Tian R, Xie Q, Yu F, Du C, Yao X, Zang S, Zhang C, Zhang P, Shao G, Yang Z, Wang F, Yu J. Detection of Bone Metastases by 68Ga-DOTA-SSAs and 18F-FDG PET/CT: A Two-Center Head-to-Head Study of Gastroenteropancreatic Neuroendocrine Neoplasms. Contrast Media Mol Imaging. 2022 Nov 7;2022:1750132. doi: 10.1155/2022/1750132. PMID: 36447752; PMCID: PMC9663244.

