Speiseröhrenkrebs: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie des Ösophaguskarzinoms
Beim Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) handelt es sich um eine bösartige Neubildung der Speiseröhrenschleimhaut, die zu den aggressiveren Tumorerkrankungen des Verdauungstraktes gehört. In Deutschland erkranken jährlich etwa 5.800 Männer und 1.800 Frauen neu an dieser Krebsart [1]. Damit macht das Ösophaguskarzinom etwa drei Prozent aller bösartigen Tumorerkrankungen bei Männern und rund ein Prozent bei Frauen aus.
Das Karzinom entsteht, wenn sich die Zellen der Ösophagusschleimhaut verändern. Unterschieden werden in der Krebsmedizin (Onkologie) zwei Hauptformen: Das Plattenepithelkarzinom (entsteht aus den Epithelzellen der Schleimhaut) macht etwa 40 Prozent der Fälle aus, während auf das Adenokarzinom (entwickelt sich aus Drüsenzellen) etwa 50 Prozent der Erkrankungen entfallen [1].
Das Malignom manifestiert sich typischerweise im höheren Lebensalter, mit einem mittleren Erkrankungsalter bei Männern von 68 Jahren und bei Frauen von 71 Jahren [1]. Zu den Herausforderungen gehört bei diesem Karzinom die oft späte Diagnosestellung, die meist auch dadurch bedingt ist, dass Symptome häufig erst im bereits fortgeschrittenen Tumorstadium auftreten. Neben der endoskopischen Bewertung und der Biopsie gehören auch bildgebende Verfahren der Radiologie und nuklearmedizinische Untersuchungen (etwa zum Staging) zur Diagnostik.
Was ist Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Das Ösophaguskarzinom ist eine maligne Erkrankung der Speiseröhrenschleimhaut.
- Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome sind die beiden Hauptformen des Speiseröhrenkrebses.
- Die Erkrankung tritt überwiegend im höheren Lebensalter auf und betrifft Männer häufiger als Frauen.
Speiseröhrenkrebs ist eine maligne Neoplasie der Speiseröhre (Ösophagus) bzw. des Übergangs der Speiseröhre zum Magen (ösophagogastraler Übergang). Auslöser des Ösophaguskarzinoms sind Veränderungen der Schleimhautzellen in der Speiseröhre (diese Entartung ist ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt), auf deren Basis es zu einer unkontrollierten Vermehrung kommt.
Die histopathologische Differenzierung erfolgt anhand einer Gewebeprobe. Das Plattenepithelkarzinom entwickelt sich aus Zellen der Schleimhaut, die im gesamten Bereich der Speiseröhre vorkommen. Aus diesem Grund kann diese Variante entlang des gesamten Organs auftreten, ist aber bevorzugt im oberen und mittleren Drittel anzutreffen. Das aus Drüsenzellen entstehende Adenokarzinom tritt eher im unteren Abschnitt der Speiseröhre (am Übergang zum Magen) auf.
Die Fallzahlen in Deutschland zeigen, dass Adenokarzinome des Ösophagus inzwischen etwas häufiger als Plattenepithelkarzinome diagnostiziert werden. Eine Verschiebung, die auf Veränderungen im Lebensstil zurückgeführt wird. Insbesondere die Zunahme von Übergewicht und der gastroösophagealen Refluxerkrankung (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) werden damit in Verbindung gebracht. Weltweit überwiegt jedoch das Plattenepithelkarzinom.
Adenokarzinome des ösophagogastralen Übergangs (auch als„Adenokarzinome des gastroösophagealen Übergangs“ oder „AEG“ bezeichnet) nehmen eine Sonderstellung ein. Anhand der Siewert-Klassifikation werden diese Tumore in folgende drei Typen eingeteilt:
- Typ I liegt oberhalb der Verbindung zwischen Speiseröhre und Magen,
- Typ II ist direkt am Übergang angesiedelt,
- Typ III befindet sich im Mageneingang.
Typ III liegt unterhalb der Z-Linie (Übergang des Plattenepithels der Speiseröhre zur dunkleren Schleimhaut des Magens) und wird nicht mehr dem Ösophaguskarzinom zugerechnet, sondern gehört bereits zu den Malignomen des Magens.
Eine Besonderheit der Speiseröhre erklärt, warum es bei Betroffenen häufig erst spät zur Diagnostizierung kommt. Das schlauchförmige, muskuläre Organ ist sehr dehnungsfähig. Daher führen Lumeneinschränkungen erst spät zu Symptomen, in der Regel also dann, wenn die Neoplasie bereits fortgeschritten ist. Eine Tatsache, die sowohl Therapieentscheidungen als auch die Heilungsprognose beeinflusst.
Ursachen von Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinomen)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Beim Plattenepithelkarzinom und dem Adenokarzinom unterscheiden sich die Risikofaktoren deutlich.
- Tabak- und Alkoholkonsum sind die wichtigsten Risikofaktoren, die das Entstehen Plattenepithelkarzinoms begünstigen können.
- Die chronische Refluxerkrankung ist der Hauptrisikofaktor für das Adenokarzinom.
Beim Ösophaguskarzinom handelt es sich um einen Tumor mit multifaktorieller Genese. Die Einflussfaktoren unterscheiden sich je nach histologischem Subtyp.
Auslöser und Risikofaktoren des Plattenepithelkarzinoms
Für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre gelten vor allem Alkohol- und Tabakkonsum als zentrale Risikofaktoren.
Tabakrauchen erhöht das Erkrankungsrisiko um das 3,5- bis 4-fache, bei starkem Rauchen ist der Risikowert noch höher, was auf eine Dosisabhängigkeit hindeutet [2]. Beim Vorliegen eines kombinierten Zigaretten- und Alkoholkonsums multiplizieren sich die Risiken, weshalb das Plattenepithelkarzinom oft bei Patienten diagnostiziert wird, die Alkohol trinken und rauchen.
Daneben erhöhen verschiedene Lebensstilfaktoren das Erkrankungsrisiko für Plattenepithelkarzinome. Diese umfassen
- den Verzehr von Nitrosaminen (beispielsweise in gepökelten Nahrungsmitteln),
- Aflatoxinen (Gifte aus Schimmelpilzen),
- eine vitaminarme Ernährung sowie
- Narbenstenosen (Narbenverengungen) nach Laugenverätzungen der Speiseröhre.
Zudem kann aufgrund verschiedener Vorerkrankungen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Ösophaguskarzinoms gegeben sein.
Auslöser und Risikofaktoren des Adenokarzinoms
Im Fall des Adenokarzinoms der Speiseröhre ist die gastroösophageale Refluxerkrankung der bedeutendste Risikofaktor. Zwischen zehn und 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden an dem Rückfluss von Magen- und Gallensäuren aus dem Magen.
Im Gegensatz zur Magenwand ist die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre nicht mit einer speziellen Schutzschicht ausgekleidet. Daher kann es durch die aggressive Magensäure zu Schädigungen und sogar einer Zerstörung der Plattenepithelzellen im Bereich der unteren Speiseröhre kommen.
Der Körper ersetzt die Zellen durch (weniger säureempfindliche) Magenschleimhautzellen, es kommt zu einer Metaplasie. Diese zelluläre Veränderung wird als Barrett-Ösophagus bezeichnet und als Präkanzerose (Krebsvorstufe) eingestuft. Betroffene haben im Vergleich zu Menschen ohne den kritischen Zellumbau ein bis zu 60-fach höheres Risiko, an einem Adenokarzinom der Speiseröhre zu erkranken [3].
Im Zusammenhang mit dem Reflux sind Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) ebenfalls Risikofaktoren für Adenokarzinome. Aufgrund der Ansammlung von Fettgewebe, insbesondere im Bauchbereich (viszerale Adipositas), entsteht eine Druckerhöhung im Bauchraum, die in der Folge den Reflux begünstigt. Hierdurch werden die Entstehung eines Barrett-Ösophagus und letztlich des Adenokarzinoms begünstigt.
Darüber hinaus werden hormonelle Faktoren (unabhängig vom Body-Mass-Index) und eine positive Familienanamnese (circa fünf bis zehn Prozent der Patienten) als begünstigende Umstände für die Entwicklung eines Barrett-Karzinoms diskutiert.
Symptome von Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinomen)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Schluckbeschwerden sind ein häufiges Leitsymptom beim Speiseröhrenkrebs.
- Symptome treten meist erst spät auf, wenn bereits ein erheblicher Anteil des Speiseröhrendurchmessers eingeengt ist.
- Ein Gewichtsverlust und Schmerzen hinter dem Brustbein gehören zu den häufigen Begleitsymptomen.
Im Frühstadium verläuft Speiseröhrenkrebs oft asymptomatisch. Symptome treten gewöhnlich erst bei einer fortgeschrittenen Erkrankung auf, wenn es zu einer erheblichen Verengung des Innendurchmessers der Speiseröhre kommt. Das Leitsymptom ist die Entwicklung fortschreitender Schluckbeschwerden (progrediente Dysphagie). Dazu kommt es, wenn circa zwei Drittel des Ösophagus verlegt sind.
Die Dysphagie beginnt typischerweise mit Schwierigkeiten beim Schlucken fester Nahrung. Später entstehen Probleme auch mit breiiger und flüssiger Nahrung. Betroffene nehmen das Gefühl wahr, Nahrung würde in der Speiseröhre stecken bleiben bzw. sich nur langsam bewegen. Es kann zusätzlich zu einer Störung des Speichelschluckens (Pseudohypersalivation) kommen.
Begleitet wird die Dysphagie oft von einem ungewollten Gewichtsverlust (resultiert aus der erschwerten Nahrungsaufnahme als auch der tumorbedingten Appetitlosigkeit). Schmerzen hinter dem Brustbein und im Rücken treten auf, wenn der Tumor bereits umliegende Strukturen infiltriert hat.
Weitere Symptome umfassen
- wiederholtes Erbrechen,
- das Zurückfließen von Magen- oder Speisebrei in die Speise- oder Mundhöhle (Regurgitation),
- eine Häufung bronchopulmonaler Infekte wie Lungenentzündungen,
- Heiserkeit bei Infiltration des Stimmbandnervs (Nervus laryngeus recurrens) und
- ein allgemeines Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit.
Zusätzlich können sich ösophagotracheale Fisteln (Verbindungen zwischen Luft- und Speiseröhre) durch den Tumor entwickeln. Über diese gelangen Nahrungsbestandteile direkt in die Lunge und lösen Aspirationspneumonien aus.
Schreitet das Tumorwachstum fort, besteht die Gefahr einer Metastasierung – unter anderem in die Lymphknoten, die Leber sowie die Lunge. Zudem kann es zu Einwachsungen des Tumors in den Herzbeutel kommen. Je nach betroffenem Areal lösen die Tochtergeschwüre spezifische Symptome aus.
Diagnostik bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsie ist das Standardverfahren zur Diagnosesicherung.
- Moderne bildgebende Verfahren wie PET-CT spielen eine zentrale Rolle beim Staging.
- Die Endosonographie ermöglicht eine Beurteilung der Tumorausdehnung in die Tiefe.
Die Diagnostik beim Verdacht auf Vorliegen eines Ösophaguskarzinoms folgt einem festen Schema, bei dem verschiedene Verfahren ineinandergreifen. Anamnese, Labordiagnostik und körperliche Untersuchung sind häufig die ersten Schritte. Aus der Krankengeschichte und der Erhebung relevanter Risikofaktoren kann sich ein erster Verdacht ergeben, bezüglich des Adenokarzinoms zum Beispiel aufgrund eines langjährigen Refluxes.
Im Rahmen des Blutbilds werden verschiedene Werte bestimmt, wie
- Entzündungsparameter,
- Leberwerte,
- Nierenparameter und
- Tumormarker.
Ein zentrales Verfahren ist die Ösophagogastroduodenoskopie zur Betrachtung der Speiseröhre mittels Endoskop. Die Vorteile liegen einerseits in der hohen Sensitivität durch die optische Bewertung von Schleimhautläsionen und auf der anderen Seite in der Möglichkeit zur Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) zur histopathologischen Untersuchung.
Die feingewebliche Untersuchung in der Pathologie ermöglicht die Diagnosesicherung und Typisierung des Tumors. Im Rahmen spezieller endoskopischer Verfahren wie der Chromoendoskopie lassen sich frühe Zellveränderungen und neoplastische Läsionen (speziell bei Patienten mit erhöhtem Ösophaguskarzinomrisiko) befunden.
Bildgebung für das Staging
Nach der Lokalisierung des Primärtumors bedarf es eines Stagings zur Bestimmung der Tumorausdehnung. Dafür kann die Onkologie auf bildgebende Verfahren zurückgreifen. Die Endosonographie erlaubt die Beurteilung der Tumorinfiltration in die Wandschichten der Speiseröhre sowie den Nachweis regionärer Lymphknotenmetastasen. Sie ist besonders wichtig für die Unterscheidung zwischen T1- und T2-Tumoren (lokal begrenzte Stadien mit Einwachsung in die Schleimhaut bzw. Muskelschicht).
Die Computertomographie (CT) des Thorax und Abdomens dient einer Beurteilung der Tumorausdehnung, des Befalls von Lymphknoten und dem Nachweis von Fernmetastasen. Mit der Untersuchung des Halses erfolgt bei hochsitzenden Tumoren die Bewertung zervikaler Lymphknoten. Machen besondere Fragestellungen eine noch stärker differenzierte Abgrenzung des Tumors vom umgebenden Gewebe erforderlich, kann zusätzlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) in Erwägung gezogen werden.
Die PET-CT als Kombination aus Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und CT ist ein Verfahren, das bei Karzinomen zur Suche nach Fernmetastasen zum Einsatz kommt. Dazu wird dem Patienten ein radioaktiv markiertes Glukoseanalogon (FDG) injiziert. Die Methode basiert auf dem Umstand, dass Tumorgewebe Zucker stärker verstoffwechselt.
Die Methode spielt für die eigentliche Primärdiagnostik in den Leitlinien keine Rolle, wird aber für bestimmte fortgeschrittene Karzinome als Staging-Verfahren empfohlen [2]. Mit einer PET-CT können Metastasen diagnostiziert werden, die in konventionellen Scans noch nicht als strukturell auffällig erkannt werden.
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Behandlung von Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinomen)
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Therapie richtet sich nach dem Tumorstadium und den histologischen Ergebnissen.
- Multimodale Therapiekonzepte bestehend aus Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie verbessern die Prognose.
- Bei fortgeschrittenen Stadien stehen palliative Behandlungsoptionen zur Verbesserung der Lebensqualität zur Verfügung.
Bei der Behandlung von Ösophaguskarzinomen arbeiten medizinische Fachbereiche wie die
- die Chirurgie,
- die Strahlentherapie,
- die Onkologie und
- die Gastroenterologie
interdisziplinär zusammen. Die Therapiestrategie hängt maßgeblich vom Tumorstadium (der TNM-Klassifikation), der histologischen Typisierung (Plattenepithelkarzinom oder Adenokarzinom) sowie der Tumorlokalisation und etwaigen Begleiterkrankungen des Patienten ab.
In frühen Tumorstadien (die auf die Schleimhaut beschränkt sind) ist in der Regel eine endoskopische Abtragung möglich. Dabei ist die Entfernung des Tumors idealerweise in einem Stück erfolgen, um eine vollständige histologische Beurteilung der lateralen und basalen Ränder der Läsion zu ermöglichen.
Für lokal fortgeschrittene Tumore (zum Beispiel mit einer Verwachsung in Muskelschichten der Speiseröhre) kommen multimodale Therapiekonzepte zum Einsatz. Dazu gehören präoperative (neoadjuvante) Chemo- bzw. Radiochemotherapien mit einer anschließenden Resektion. Mit dieser Maßnahmenkombination soll eine Verkleinerung des Tumors erreicht und die Prognose verbessert werden.
Bei fortgeschrittenen lokalen Stadien des Adenokarzinoms kann auch eine nachgelagerte Chemotherapie zu den Behandlungsoptionen gehören. Studien zeigen, dass sich damit eine Verbesserung der Prognose erreichen lässt [4].
Der Umfang chirurgischer Maßnahmen (operative Tumorentfernung) ist von der Lokalisation des Tumors abhängig. Gerade im oberen Bereich der Speiseröhre bestehen aufgrund anatomischer Besonderheiten gewisse operative Risiken, weshalb an dieser Stelle Radiochemotherapien ohne Operation mitunter zu bevorzugen sind. Bei Tumoren im unteren Bereich erfolgt häufig die operative Entfernung der Speiseröhre (Ösophagektomie) mit anschließender Rekonstruktion.
Sofern der Patient als nicht operabel eingestuft wird, ist eine definitive Radiochemotherapie (Tumor wird nicht entfernt) die Behandlungsoption der Wahl. Ergibt der Befund einen metastasierten Speiseröhrentumor, steht die palliative Systemtherapie im Vordergrund, in der je nach Typ Ansätze aus Chemo- und Immuntherapie kombiniert werden können. Palliativ kann eine Linderung der Dysphagie durch die Implantation selbstexpandierender Stents, endoskopische Lasertherapien oder die Brachytherapie erreicht werden.
Aufgrund der emotionalen Belastungen kann eine psycho-onkologische Versorgung zu den Therapie- und Nachsorgemaßnahmen beim Ösophaguskarzinom gehören. Ergänzend findet häufig eine individuelle Ernährungsberatung oder gegebenenfalls eine enterale oder parenterale Ernährungstherapie (Ernährung über Sonde oder Infusion) statt.
FAQ Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom): Die wichtigsten Fragen und Antworten
Welche Prognose kann bei Speiseröhrenkrebs gestellt werden?
Die Prognose bzw. die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Vorliegen eines Ösophaguskarzinoms hängt sehr stark vom Typ und dem Stadium zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ab. Das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) weist bis zu 25 Prozent aus. Allerdings ist die Überlebensrate bei Betroffenen in frühen Stadien höher, insbesondere dann, wenn eine endoskopische Behandlung noch möglich ist.
Wie wird die Speiseröhre bei einer Operation rekonstruiert?
Nach der Ösophagektomie wird eine Verbindung zwischen dem verbleibenden Ösophagusteil und dem Magen hergestellt. In den meisten Fällen wird der Magen nach oben gezogen und als Schlauch geformt (Magenhochzug), um den fehlenden Teil der Speiseröhre zu ersetzen. Alternativ können Dünndarm- oder Dickdarmanteile (Koloninterponat) verwendet werden.
Gibt es für Speiseröhrenkrebs heute Vorsorgemaßnahmen?
Eine gesetzliche Früherkennungsuntersuchung für Speiseröhrenkrebs – wie sie in den Fällen von Darmkrebs oder Mammakarzinomen angeboten werden – existiert nicht. Umso wichtiger ist daher die Vermeidung von Risikofaktoren im Rahmen der individuellen Vorsorge. Dazu gehören vor allem der Verzicht auf das Rauchen von Tabak und übermäßigen Alkoholkonsum, eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht sowie eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung.
[1] Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD), Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) ICD-10 C15, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 13.02.2026).
[2] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 13.02.2026).
[3] Cossentino MJ, Wong RK. Barrett’s esophagus and risk of esophageal adenocarcinoma. Semin Gastrointest Dis. 2003 Jul;14(3):128-35. PMID: 14653412.
[4] Al-Batran SE, Homann N, Pauligk C, Goetze TO, Meiler J, Kasper S, Kopp HG, Mayer F, Haag GM, Luley K, Lindig U, Schmiegel W, Pohl M, Stoehlmacher J, Folprecht G, Probst S, Prasnikar N, Fischbach W, Mahlberg R, Trojan J, Koenigsmann M, Martens UM, Thuss-Patience P, Egger M, Block A, Heinemann V, Illerhaus G, Moehler M, Schenk M, Kullmann F, Behringer DM, Heike M, Pink D, Teschendorf C, Löhr C, Bernhard H, Schuch G, Rethwisch V, von Weikersthal LF, Hartmann JT, Kneba M, Daum S, Schulmann K, Weniger J, Belle S, Gaiser T, Oduncu FS, Güntner M, Hozaeel W, Reichart A, Jäger E, Kraus T, Mönig S, Bechstein WO, Schuler M, Schmalenberg H, Hofheinz RD; FLOT4-AIO Investigators. Perioperative chemotherapy with fluorouracil plus leucovorin, oxaliplatin, and docetaxel versus fluorouracil or capecitabine plus cisplatin and epirubicin for locally advanced, resectable gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (FLOT4): a randomised, phase 2/3 trial. Lancet. 2019 May 11;393(10184):1948-1957. doi: 10.1016/S0140-6736(18)32557-1. Epub 2019 Apr 11. PMID: 30982686.

