Was ist Remote Scanning in der Radiologie? – Grundlagen, Funktionsweise & Umsetzung in der Praxis
Remote Scanning ist eine moderne Durchführungsvariante für bestimmte radiologische Untersuchungsverfahren, insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT). Die Besonderheit: Der Medizinische Technologe für Radiologie (MTR) als Gerätebediener befindet sich nicht physisch vor Ort, sondern arbeitet mit der Radiologie-Hardware ferngesteuert – beispielsweise von einem mobilen Arbeitsplatz bzw. aus dem Homeoffice. Möglich wird dies durch eine Internetverbindung, über die die Datenübertragung und der Austausch mit dem Patienten erfolgt. Remote Scanning bietet den Vorteil, dass sich Mitarbeiter deutlich effizienter einsetzen lassen. Es wird möglich, die Betreuung mehrerer Standorte zu bündeln, was zur Optimierung der Effizienz und Auslastung der MRT-Geräte beiträgt.
Technische Grundlagen des Remote Scanning
Um Remote Scanning in der Praxis umzusetzen, müssen spezielle technische Voraussetzungen erfüllt sein. Zentral sind dabei der Scanner in der Radiologiepraxis mit Verbindung zur MRT-Workstation (Arbeitsstation des Scanners), die Datenverbindung nach außen und der eingerichtete Remote-Arbeitsplatz.
Die technische Basis des Remote Scanning lässt sich vereinfacht anhand des Prinzips eines KVM-Switches beschreiben. KVM steht für „Keyboard, Video, Mouse“ und beschreibt eine Methode zur Bedienung von mehreren Computern über ein einziges Set an Peripheriegeräten (also eine Tastatur, einen Monitor und eine Maus).
Für das radiologische Remote Scanning wird das Konzept erweitert, da spezielle Anforderungen erfüllt sein müssen – gerade in Bezug auf die Stabilität der Datenverbindung und deren Sicherheit. In der Praxis basiert das Remote Scanning auf der Spiegelung des Monitors und der Eingabegeräte der MRT-Workstation. Über eine gesicherte Online-Plattform kann sich für das Remote Scanning geschultes Personal auf das MRT-Gerät aufschalten und die Untersuchung – wie bei einer Anwesenheit vor Ort – steuern.
Zu den Besonderheiten dieser speziellen, an die Herausforderungen radiologischer Untersuchungsverfahren angepassten Lösung, gehört die kombinierte Übertragung der Bildschirm-, Audio- und Kamerasignale. Dadurch wird die uneingeschränkte Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Patienten und dem Personal vor Ort sichergestellt. Zusätzlich verfügt die Software über eine Chatfunktion, die eine schriftliche Kommunikation in Echtzeit mit dem Praxisteam vor Ort ermöglicht.
Die Hardware-Voraussetzungen für Remote Scanning
Die technischen Anforderungen für Remote Scanning in der Radiologie umfassen Schnittstellen an den Geräten und Datenverbindungen, die besondere Mindeststandards erfüllen müssen, damit eine sichere Übertragung stets gewährleistet ist. Beispielsweise ist im Bereich der Workstation des MRT-Scanners ein LAN-Anschluss (Local Area Network) obligatorisch.
Warum LAN statt WLAN?
Ein LAN bietet eine konstante, störungsfreie Verbindung ohne Signalunterbrechungen, die bei einem WLAN (Wireless Local Area Network) aufgrund von Wänden, anderen Funknetzen oder elektronischen Geräte nicht immer gewährleistet ist. Bei medizinischen Anwendungen ist Zuverlässigkeit – in diesem Fall in Form einer stabilen Internetverbindung – ein kritischer Faktor. Zudem weist die LAN-Verbindung im Vergleich zum WLAN eine geringe und konstante Latenz sowie eine höhere Stabilität auf. Bei der Echtzeitsteuerung eines MRT-Geräts sind schon minimale Verzögerungen entscheidend.
Für die Übertragung der Daten und Kommunikation zwischen dem Arbeitsplatz und der MRT-Workstation wird eine Internetverbindung benötigt, die mindestens zehn Mbit/s als Upload-Geschwindigkeit bereitstellt. Für den Zugriff der Mitarbeiter in der Praxis genügt ein Desktop-PC (ausgestattet mit einem Internetbrowser) und eine Internetanbindung von mindestens 16 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit. Ideal sind jedoch 50 Mbit/s für den Download. Diese Bandbreitenanforderungen werden in Deutschland mittlerweile vielerorts erreicht. Moderne Glasfasernetze bieten typischerweise 100 bis 1.000 Mbit/s. Auch DSL-Verbindungen erreichen häufig 50 bis 250 Mbit/s.
Integration der MRT-Hardware in die technische Infrastruktur der Radiologiepraxis
Ein Vorteil moderner Remote-Scanning-Konzepte wie roclub (Remote Operations Club, Plattform für die Fernsteuerung radiologischer Geräte) ist ihre Herstellerunabhängigkeit. Auf diese Weise lassen sich Geräte verschiedener MRT-Hersteller wie
- Siemens Healthineers
- Philips und
- GE Healthcare
erfolgreich einbinden, was Radiologiepraxen die Implementierung des Konzepts auch bei unterschiedlicher Geräteausstattung ermöglicht.
Da für ferngesteuertes Scanning die internen Systeme gespiegelt werden, gestaltet sich die Integration vergleichsweise unkompliziert. Die MRT-Scanner bleiben weiterhin an das PACS (Picture Archiving and Communication System, ein System zur Speicherung und Verwaltung medizinischer Bilder) und das RIS (Radiologie-Informationssystem zur Verwaltung von Patientendaten und den Untersuchungsabläufen) angebunden. Veränderungen an der vorhandenen IT-Infrastruktur selbst sind nicht erforderlich. Es muss lediglich ein Remote-Scanning-Arbeitsplatz eingerichtet werden, von dem aus die Hardware gesteuert wird.
Rechtliche Rahmenbedingungen des radiologischen Remote Scanning
Ein entscheidender Aspekt für die Durchführung des Remote Scanning ist der rechtliche Rahmen. Dieser ergibt sich unter anderem aus der Strahlenschutzverordnung und dem Strahlenschutzgesetz.
Vor dem Hintergrund, dass bei Verfahren wie
- dem Röntgen,
- der Computertomographie (CT) oder
- der PET-CT
ionisierende Strahlung zum Einsatz kommt, werden an die Durchführung besondere Anforderungen gestellt. Deshalb findet Remote Scanning aktuell primär im Rahmen von MRT-Untersuchungen statt. Für andere Verfahren kann das Remote-Scanning-Konzept als Unterstützung herangezogen werden.
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Fazit: Remote Scanning in der Radiologie bietet sowohl Patienten als auch Praxen Vorteile
Beim Remote Scanning wird die radiologische Bildgebung mit der digitalen Datenübertragung über das Internet zu einem neuen Verfahren für die Durchführung von Untersuchungen verbunden. Auf diese Weise kann Radiologie-Hardware aus der Entfernung gesteuert werden, was sowohl für Radiologiepraxen als auch Patienten Vorteile hat. Eine stärkere Auslastung der MRT-Geräte erhöht die Rentabilität der Investition. Zudem lassen sich durch die mit dem Remote Scanning verbundene Effizienz eine größere Zahl von Patienten versorgen und Wartezeiten verkürzen. Bislang wird das Konzept vor allem bei der MRT verwendet. Die Umsetzung bei anderen radiologischen Untersuchungen stößt noch an rechtliche Grenzen.
FAQ zur Anwendung der DOTATOC-PET-CT: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Ist Remote Scanning genauso sicher wie eine Vor-Ort-Untersuchung?
Ja, bei den Untersuchungen bestehen keine Sicherheitsbedenken. Ferngesteuerte MRT-Scans bedeuten nicht, dass kein Personal mehr vor Ort ist. In der Radiologiepraxis stehen weiterhin erfahrene Ärzte und Radiologieassistenten zur Verfügung, die bei Bedarf direkt eingreifen können. Außerdem verfügen Remote-Arbeitsplätze standardmäßig über einen Kommunikationskanal zum Patienten.
Was passiert, wenn es zu einem Verbindungsabbruch kommt?
Sollte dieser Fall tatsächlich eintreten, wird die Untersuchung des Patienten vor Ort fortgesetzt. Das an den Standorten anwesende Personal kann die Bedienung der Geräte und die Betreuung des Patienten übernehmen.
Werden Patientendaten sicher übertragen?
Ja, Remote-Scanning-Systeme für den Einsatz in der Radiologie erfüllen die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der Datensicherheit im Gesundheitswesen. Die Übertragung der bei einem Scan erstellten Daten erfolgt immer verschlüsselt über eine gesicherte Verbindung.
Findet eine Patientenaufklärung trotz Remote Scanning statt?
Die Patientenaufklärung ist ein zentrales Element der Untersuchungsvorbereitung und darf auch beim Remote-Scanning nicht unterlassen werden. Im Rahmen der Patientenaufklärung geht es schließlich nicht ausschließlich darum, den Untersuchungsablauf zu vermitteln. Die Abklärung von Kontraindikationen (die möglicherweise zu Einschränkungen für den MRT-Scan oder alternativen Untersuchungsentscheidungen führen) ist in diesem Zusammenhang von ebenso großer Bedeutung.

