Risiken & Nebenwirkungen der PSMA-PET-CT: Was Patienten vor der Untersuchung über Strahlenbelastung & Co. wissen müssen
Die PSMA-PET-CT hat sich in der Diagnostik des Prostatakarzinoms als wegweisendes Verfahren etabliert. Als hybride Methode der Bildgebung wird bei dieser Methode die funktionelle Darstellung der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit den anatomischen Aufnahmen der Computertomographie (CT) kombiniert. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt die PSMA-PET-CT bei Hochrisiko-Prostatakarzinomen zur Ausbreitungsdiagnostik sowie beim biochemischen Rezidiv (erneuter Anstieg des PSA-Werts nach einer Prostatakrebsbehandlung) [1].
Trotz ihrer Bedeutung dürfen potenzielle Risiken und Nebenwirkungen der PSMA-PET-CT nicht ausgeblendet werden. Grundsätzlich gilt das Verfahren als allgemein gut verträglich und schwerwiegende Komplikationen treten selten auf. Gleichwohl sind individuelle Faktoren wie bestimmte Vorerkrankungen, Einschränkungen der Nierenfunktion und psychische Angststörungen zu berücksichtigen.
Kurzer Überblick über die Funktionsweise der PSMA-PET-CT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- In der Untersuchung werden die Radiologie und die Nuklearmedizin miteinander kombiniert.
- Der Radiotracer bindet an spezielle Oberflächenstrukturen von Prostatakrebszellen.
- Mithilfe der CT-Komponente ist eine genaue anatomische Lokalisation der malignen Läsionen möglich.
Einige der Nebenwirkungen und Risiken ergeben sich aus der Funktionsweise der PSMA-PET-CT. Bei der Durchführung der Untersuchung kommt ein radioaktiv markierter Tracer (Radiopharmakon) zum Einsatz, der sich gezielt am prostataspezifischen Membranantigen (PSMA) anreichert.
PSMA ist ein Protein, das auf den Prostatakrebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen in deutlich höherer Konzentration vorkommt. Als Tracer werden oft Gallium-68-PSMA oder Fluor-18-PSMA eingesetzt. Beide Radiopharmaka haben den Vorteil einer kurzen Halbwertszeit (Gallium-68 zerfällt mit einer Halbwertszeit von etwa rund einer Stunde, Fluor-18 mit knapp zwei Stunden).
Die PSMA-PET-CT läuft in der Regel so ab, dass nach der intravenösen Injektion des Radiopharmakons die Verteilungszeit des Tracers und dessen Bindung an PSMA-exprimierende Zellen abgewartet wird. Im Anschluss erfolgt die Bildakquisition mittels PET-CT-Scanner. Dabei wird die vom Tracer beim Zerfall ausgehende Strahlung von einer Positronenkamera erfasst, während bei der CT-Komponente Röntgenstrahlung zur Darstellung anatomischer Strukturen eingesetzt wird. Damit trägt – anders als bei einer Kombination der PET mit der Magnetresonanztomographie (MRT) – die CT zur Gesamtstrahlenbelastung bei.
Welche Nebenwirkungen hat das Radiopharmakon der PSMA-PET-CT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Nebenwirkungen können durch den Tracer bzw. durch die Injektion entstehen.
- In Bezug auf den Radiotracer sind unerwünschte Reaktionen jedoch nur für einen geringen Anteil von Patienten dokumentiert.
- Die Nebenwirkungen der Injektion zeigen sich unter anderem in Form von Infektionen oder Entzündungen.
Dass bei der PSMA-PET-CT Positronenstrahler mit sehr kurzen Halbwertszeiten genutzt werden, hat den Vorteil, dass sich die Strahlenbelastung des Patienten begrenzen lässt. Da die injizierten Mengen der Tracer außerdem sehr gering sind, rufen die Radiopharmaka allgemein keine pharmakologischen Effekte hervor.
Unerwünschte Reaktionen treten insgesamt selten auf. In verschiedenen Quellen – unter anderem Veröffentlichungen der U.S. Food and Drug Administration (FDA) – werden Häufigkeiten von weniger als einem Prozent für Gallium-basierte und zwischen einem bis zwei Prozent für Fluor-basierte Radiopharmaka (für den in der EU unter dem Handelsnamen „Pylclari“ zugelassenen Tracer) angegeben [2] [3].
Darüber hinaus sind lokale Reaktionen an der Injektionsstelle, wie die Bildung eines Hämatoms oder eine leichte Rötung, möglich. In sehr seltenen Fällen kommt es zum Austreten des Tracers ins umliegende Gewebe (Extravasation). Bei diagnostischen PSMA-PET-Tracern ist dies aber aus Sicht des Strahlenschutzes (trotzdem Dokumentationspflicht) wegen der geringen Halbwertszeiten und relativ geringen Aktivität meist nicht kritisch, kann jedoch die Bildqualität sowie Quantifizierung beeinflussen. Damit wird unter Umständen eine Wiederholung der Untersuchung nötig.
Strahlenbelastung bei der PSMA-PET-CT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Strahlenbelastung ist sowohl durch die PET- als auch die CT-Komponente bedingt.
- Wie hoch die Dosis der CT-Aufnahmen ist, hängt stark von individuellen Parametern ab.
- Es wird aktiv an Verfahren gearbeitet, um die Dosis zu senken, gleichzeitig aber die Bildqualität der PSMA-PET-CT zu erhalten.
Die Strahlenbelastung bei der PSMA-PET-CT ergibt sich aus zwei Quellen, nämlich dem PET-Anteil durch das Radiopharmakon und der CT-Komponente. Auf den Tracer entfallen circa zwei bis fünf Millisievert (mSv) der effektiven Gesamtdosis. Für die anatomische Bildgebung sind die Untersuchungsparameter (das verwendete Protokoll und die gescannte Körperregion) entscheidend. Gerade moderne Low-Dose-Scans und dosisreduzierende, technische Verbesserungen der PET-CT-Scanner haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Strahlenbelastung zurückgegangen ist [4].
Hohe Traceraufnahme in Nieren und Speicheldrüsen
Zwar zielt die Gabe des Tracers darauf ab, PSMA-positive Karzinome und Metastasen – besonders der Prostata – zu detektieren. Nach der intravenösen Injektion verteilt sich das Radiopharmakon über den Blutkreislauf aber im gesamten Körper.
Da PSMA physiologisch auch von bestimmten gesunden Zellen exprimiert wird, insbesondere in den Speicheldrüsen und Tränendrüsen sowie dem Dünndarm und den Nieren, kommt es dort ebenfalls zu einer erhöhten Traceraufnahme. Daher sendet das zirkulierende Radiopharmakon kontinuierlich Positronenstrahlung auch aus diesen Organen aus, solange es nicht zerfallen ist. Ein Aspekt, der bei der Auswertung der Bilder berücksichtigt werden muss.
Obwohl die Speicheldrüsen und die Nieren bei der PSMA-PET zu den Organen mit der höchsten physiologischen Traceraufnahme und absorbierten Dosis gehören, liegen die bei diagnostischen Untersuchungen erreichten Werte dennoch typischerweise unter den Schwellenwerten für akute Organschäden.
Strahlendosis und Langzeitrisiken
Die effektive Dosis einer PET-CT liegt im Bereich von fünf bis 18 mSV und überschneidet sich mit der Ganzkörper-CT, die zwischen zehn und 20 mSV liegt. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenexposition in Deutschland beträgt im Durchschnitt 2,1 mSV pro Jahr (variiert aber regional stark).
Ionisierende Strahlung erhöht das Risiko für Krebserkrankungen. Entscheidend ist dafür die kumulative Dosis. Je intensiver die Strahlenbelastung, desto höher ist auch das Risiko. Bei einer als Einzeluntersuchung durchgeführten PET-CT wird dieser Aspekt gegenüber dem medizinischen Nutzen allerdings als weniger schwerwiegend angesehen. Bei Verlaufsuntersuchungen, die häufig wiederholt werden, muss hingegen eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
Sofern die Dosis als kritischer Aspekt angesehen wird, stehen der Krebsmedizin (Onkologie) Alternativen zur Verfügung. Die multiparametrische MRT (mpMRT) der Prostata kommt ohne ionisierende Strahlung aus und bietet auf den Bildern einen sehr guten Weichgewebekontrast. Das Verfahren eignet sich für die Primärdiagnostik, liefert aber keine funktionellen Informationen über die PSMA-Expression und ist der PET-CT in dieser Hinsicht unterlegen.
Die Kombination aus PSMA-PET und MRT steht der Krebsmedizin als strahlenschonende Methode zur Verfügung, ist in der klinischen Anwendung aber aufwendiger und nicht überall verfügbar.
Kontrastmittelrisiken bei der CT-Komponente
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Bei einer PET-CT eingesetzte Kontrastmittel enthalten Jod.
- Vor der Gabe sind die Schilddrüsenfunktion und die Nierenwerte zu prüfen.
- Zudem kann das Kontrastmittel selbst eine Nebenwirkung hervorrufen.
In Abhängigkeit vom verwendeten Protokoll wird bei PSMA-PET-CT-Untersuchungen ein jodhaltiges Kontrastmittel für die CT-Komponente eingesetzt. Damit wird bei der radiologischen Untersuchung eine bessere Unterscheidung anatomischer Strukturen ermöglicht. Die Gabe des Kontrastmittels erfolgt intravenös.
Allergische Reaktionen auf jodhaltige Kontrastmittel sind selten, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Die Palette reicht von leichten Hautirritationen – wie Juckreiz oder Rötungen – bis zu schweren anaphylaktischen Reaktionen. Patienten mit einer bekannten Kontrastmittelallergie müssen dies der Radiologiepraxis unbedingt vor der Untersuchung mitteilen.
Im Zusammenhang mit der Kontrastmittelinjektion ist gelegentlich ein Auftreten von Übelkeit möglich. Zudem kann es zu einem Hitzegefühl kommen, das jedoch schnell wieder abklingt und nicht als schwerwiegende Komplikation gilt.
Die Nierenfunktion ist ein kritischer Faktor, da Kontrastmittel renal ausgeschieden werden. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion besteht ein erhöhtes Risiko für eine kontrastmittelinduzierte Nephropathie. Vor der Untersuchung werden daher die Nierenwerte überprüft. Alternativen bestehen in der Durchführung der CT ohne Kontrastmittel oder dem Einsatz eines MRT-Kontrastmittels im Rahmen einer PSMA-PET-MRT.
Kontrastmittel und die Schilddrüse
Die Kontrastmittelgabe ist – neben den Patienten mit Nierenerkrankungen – auch bei Betroffenen mit Schilddrüsenfehlfunktionen besonders abzuwägen. Bei einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann die Jodzufuhr durch das Kontrastmittel eine thyreotoxische Krise auslösen. Hintergrund: Das mit dem Kontrastmittel zugeführte Jod stimuliert die Produktion von Schilddrüsenhormonen.
Ein Risiko, das auch bei der Schilddrüsenautonomie besteht. Vor der PSMA-PET-CT werden daher die Schilddrüsenwerte überprüft, insbesondere der TSH-Wert (thyreoideastimulierendes Hormon). Der Patient muss auch selbst auf bekannte Schilddrüsenerkrankungen hinweisen, um der Radiologiepraxis eine alternative Untersuchungsplanungen zu ermöglichen.
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Fazit: Die PSMA-PET-CT ist eine Untersuchung mit wenig Nebenwirkungen
Allgemein gilt die PSMA-PET-CT als für Patienten gut verträgliche und belastungsarme Untersuchung. Schwerwiegende Nebenwirkungen treten selten auf. Im Normalfall wird die Strahlenbelastung vor dem Hintergrund des medizinischen Nutzens als tolerierbar eingestuft. Speziell die verwendeten Tracer gelten als sehr zuverlässig und lösen kaum pharmakologische Nebenwirkungen aus. Hinsichtlich der CT-Komponente sind in puncto Risiken und Nebenwirkungen vor allem Reaktionen auf das Kontrastmittel relevant, die meist jedoch nach kurzer Zeit abklingen. Um individuelle Risiken abzuschätzen – etwa für die Nieren oder die Schilddrüse – ist die Patientenaufklärung ein zentrales Element, in dessen Rahmen Vorerkrankungen, Allergien und bekannte Einschränkungen thematisiert werden.
FAQ zu den Nebenwirkungen der PSMA-PET-CT: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann es durch die Tracer- oder Kontrastmittelgabe zu Infektionen kommen?
Das Infektionsrisiko durch die intravenöse Injektion des Tracers oder des Kontrastmittels ist zwar klein, aber möglich. Ursachen können eine unsachgemäße Anwendung oder eine unzureichende Desinfektion der Einstichstelle sein. Durch die Einhaltung der geltenden Standards seitens der Radiologiepraxis lässt sich dieses Risiko jedoch stark minimieren. Treten lokale Entzündungsreaktionen an der Injektionsstelle auf (was sehr selten ist), lassen sich diese medikamentös behandeln.
Gibt es Patienten, für die Nebenwirkungen besonders relevant sind?
Schwangere sollten grundsätzlich keine PSMA-PET-CT erhalten, da die Strahlung das ungeborene Kind schädigen kann. Da Prostatakarzinome ausschließlich bei Männern auftreten, lässt sich dieser Punkt allerdings vernachlässigen. Aber: Die absolute Kontraindikation ist auf andere PET-CT-Untersuchungen (beispielsweise zur Suche nach Metastasen bei Brustkrebs oder Darmkrebs) übertragbar. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Bei jodhaltigen Kontrastmitteln ergeben sich besondere Rahmenbedingungen für Schilddrüsenpatienten.
Kann ich zu einem schnelleren Abbau der Radiopharmaka beitragen?
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr nach der Untersuchung unterstützt die Ausscheidung des Radiopharmakons über die Nieren. Auf diese Weise sinkt die Strahlenbelastung der Harnblase schneller, da das Radiopharmakon mit dem Urin aus dem Körper eliminiert wird.
[1] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), S3-Leitlinie Prostatakarzinom, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 19.02.2026).
[2] U.S. Food and Drug Administration, HIGHLIGHTS OF PRESCRIBING INFORMATION Gallium Ga 68 PSMA-11, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 19.02.2026).
[3] U.S. Food and Drug Administration, HIGHLIGHTS OF PRESCRIBING INFORMATION PYLARIFY, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 19.02.2026).
[4] Zhou Y, Guo X, Lei L, Zhang H, Wang Z, Guo Y, Wang Y, Tao L, Sun H, Yue S. Photon-counting CT versus Energy-integrating Detector CT Performance for Various BMI and Tumor Sizes in Lung Cancer. Radiology. 2026 Feb;318(2):e251663. doi: 10.1148/radiol.251663. PMID: 41631987.
[5] MSD Manual, Positronenemissionstomographie (PET), online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 19.02.2026).

