PSMA-PET-CT bei Prostatakrebs: Was Patienten über die moderne Untersuchung wissen sollten
Das Prostatakarzinom ist mit rund 75.000 Neuerkrankungen eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern in Deutschland [1]. Eine rechtzeitige Diagnosestellung ist entscheidend für die Therapieplanung und Prognose. Konventionelle bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Skelettszintigraphie stoßen mitunter an ihre Grenzen, während die PSMA-PET-CT eine gezielte Suche nach Prostatakarzinomen ermöglicht.
Die Hybridbildgebung kombiniert den funktionellen Aspekt der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit den strukturellen Informationen der CT. Was das Verfahren besonders macht, ist seine Sensitivität, da es auf das Prostata-spezifisches Membranantigen (PSMA) anspricht und gezielt in der Suche nach Metastasen oder bei einem Verdacht auf ein Rezidiv (wieder aufflammende Tumorerkrankung) eingesetzt werden kann.
Wie funktioniert die PSMA-PET-CT?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die PSMA-PET-CT verbindet eine molekulare Bildgebung mit einer strukturellen Darstellung.
- Radiotracer werden für die Untersuchung gezielt mit PSMA-Liganden verbunden.
- Das Verfahren erreicht eine hohe Spezifität auf Prostatatumore.
Die PSMA-PET-CT setzt auf die Kombination zweier etablierter bildgebender Verfahren. Mit der PET lassen sich spezifische Prozesse auf zellulärer Ebene sichtbar machen, während die CT anatomische Strukturen mit sehr hoher Ortsauflösung abbildet. Durch die Fusion der beiden Datensätze sind Areale mit spezifischen PSMA-Bindungsmustern der Tracer räumlich gut zu erkennen.
Das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA)
Bei PSMA handelt es sich um ein Eiweiß auf der Zelloberfläche, das bei gesunden Prostatazellen nur in geringen Mengen vorkommt. Krebszellen der Prostata weisen PSMA in deutlich höherem Umfang auf, wobei die Aggressivität des Wachstums mit der PSMA-Dichte auf den Tumorzellen korreliert [2]. Diese Eigenschaft macht das Membranantigen zu einem idealen Target für die bildgebende Diagnostik.
In anderen Körperregionen findet kaum eine physiologische PSMA-Expression statt. Daher lassen sich Prostatakarzinomherde in Form von Metastasen (oft in Lymphknoten oder Knochen lokalisiert) in anderen Körperregionen durch den Kontrast zum umgebenden Gewebe in der Bildgebung differenzieren. Aber: In den Speichel- und Tränendrüsen, den Nieren sowie im Dünndarm findet eine Anreicherung statt, was im Rahmen der Interpretation des Befundes zu berücksichtigen ist.
Radioaktive Tracer für die Bildgebung
Für die PSMA-PET-CT werden radioaktiv markierte Stoffe verwendet, die sich an das Oberflächenprotein binden. In Deutschland kommen im Wesentlichen zwei Tracer zum Einsatz: 68-Gallium-PSMA-11 (68Ga-PSMA-11) und 18-Fluor-PSMA-1007 (18F-PSMA-1007). Beide machen nach einer intravenösen Injektion Zellen mit einer hohen PSMA-Dichte sichtbar.
Dazu verteilt sich der Tracer über den Blutkreislauf und bindet an PSMA-tragende Zellen. Die radioaktiven Isotope bzw. die Gammastrahlung wird von den Detektoren des PET-Scanners erfasst und in Schnittbildern dargestellt.
Aufgrund der geringen Halbwertszeit von 68-Gallium und 18-Fluor (liegt bei einer bis knapp zwei Stunden) ist die Strahlenbelastung für den Patienten vergleichsweise gering (da sich die Tracer zügig abbauen) und erreicht etwa zwei bis zehn Millisievert (mSv), je nach verwendetem Tracer und CT-Protokoll.
Bedeutung der PSMA-PET-CT gegenüber anderen bildgebenden Verfahren
Im Vergleich zur der Einzel-CT-Bildgebung, einer Darstellung mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Szintigraphie erreicht die PSMA-PET-CT eine hohe diagnostische Genauigkeit. Während CT und MRT strukturelle Kriterien wie die Größe einer Raumforderung oder morphologische Veränderungen von Lymphknoten erfassen können, lässt sich mit der PSMA-PET-CT die PSMA-Aktivität abbilden. Dadurch sind Tumorzellen (unter anderem Lymphknotenmetastasen) bereits bei noch normaler Größe der betroffenen Organe erkennbar.
Bei Knochenmetastasen erreicht die PSMA-Untersuchung ebenfalls eine hohe Sensitivität. Im Rahmen einer Studie wurde je nach Tumorstadium, PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen) und klinischer Fragestellung eine Sensitivität zwischen 33 und 100 Prozent sowie eine Spezifität zwischen 80 und 100 Prozent erreicht [3].
Indikationen für die PSMA-PET-CT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die PSMA-PET-CT wird unter anderem zur Einschätzung der Ausbreitung des Tumors verwendet.
- Bei auffälligen PSA-Werten kann die Methode zur Suche nach Rezidiven eingesetzt werden.
- Ein weiterer Ansatz ist die Kontrolle der eingeleiteten Therapie.
Grundsätzlich ist die PSMA-PET-CT kein Verfahren, das für jeden Patienten gleichermaßen infrage kommt. Die Leitlinien zum Prostatakarzinom sehen in diesem Zusammenhang eine klare Differenzierung vor. Gerade bei Fällen im Niedrigrisikostadium wird auf eine umfassende Ausbreitungsdiagnostik in der Regel verzichtet [4]. Wo spielt das Verfahren der PSMA-PET-CT üblicherweise eine Rolle?
Biochemisches Rezidiv nach Primärtherapie
Zu den Situationen, in denen die PSMA-PET-CT häufig zum Einsatz kommt, gehört die Identifikation der sogenannten „biochemischen Rezidive“. Von diesen wird gesprochen, wenn es in der PSA-Messung nach einer radikalen Prostatektomie (operative Entfernung der Prostata) oder nach einer Strahlentherapie ein signifikanter Anstieg nachgewiesen wird.
Eine frühzeitige Identifikation und die Lokalisation – ob das Rezidiv in der Prostataloge (Bereich, in dem das entfernte Organ lag) oder in Form von Lymphknoten- oder Fernmetastasen vorliegt – sind entscheidend für die Therapieplanung. Während bei einem isolierten Lokalrezidiv eine erneute lokale Therapie wie die Salvage-Radiotherapie (Rettungsbestrahlung) erfolgen kann, erfordern erkannte Fernmetastasen einen systemischen Therapieansatz.
Primäres Staging bei Hochrisikopatienten
Im Zusammenhang mit dem primären Staging (Ausbreitungsdiagnostik bei Erstdiagnose) ist die PSMA-PET-CT eine relevante Methode für Patienten mit einem Hochrisikoprofil. Dieses liegt bei einem Gleason-Score von acht bis zehn, einem klinischen Tumorstadium T3 oder T4 bzw. einem PSA-Wert über 20 ng/ml vor. In dieser Patientengruppe erhöht sich das Risiko für Lymphknoten- und Fernmetastasen stark [4].
Gerade im Hinblick auf Lymphknotenmetastasen zeigt die PSMA-PET-CT im Hochrisikostaging eine hohe Spezifität, unterliegt hinsichtlich der Sensitivität aber gewissen Einschränkungen (ist im Vergleich mit anderen Methoden aber immer noch sensitiver). Damit bleibt die prophylaktische Entfernung der Lymphknoten weiterhin ein wichtiger Ansatz.
Therapieplanung vor Salvage-Strahlentherapie
Bei Prostatakrebs kann es trotz radikaler Entfernung zu einem Rezidiv kommen, was sich durch einen erhöhten PSA-Wert äußert. In diesem Zusammenhang ist die Salvage-Strahlentherapie (SRT) der Prostataloge ein Behandlungsansatz.
Die PSMA-PET-CT ist in diesem Zusammenhang insofern relevant, als dass mittels der Bildgebung die Frage nach dem Vorliegen eines isolierten, lokalen Rezidivs oder extrapelvinen Lymphknotenmetastasen (Lymphknotenbefall außerhalb des Beckens) bzw. Fernmetastasen beantwortet werden kann. Bei deren Nachweis ist eine lokale Bestrahlung nicht zielführend. Die SRT eignet sich nur für isolierte Tumore oder einen Befund mit wenigen Metastasen in einem begrenzten Areal.
Therapieüberwachung und Auswahl für PSMA-Radioligandentherapie
Bei Patienten mit fortgeschrittenem, metastasiertem Prostatakarzinom kann die PSMA-PET-CT zur Therapiekontrolle eingesetzt werden. Sie zeigt das Ansprechen auf systemische Behandlungen wie die Hormon- oder Chemotherapie. Zugleich hilft sie dabei, Läsionen zu identifizieren, die nicht auf die Behandlung reagieren.
Darüber hinaus kommt die Methode zum Einsatz, wenn es um die Auswahl von Patienten für die PSMA-Radioligandentherapie mit Lutetium-177-PSMA geht. Bei dieser nuklearmedizinischen Behandlung wird das Radioisotop zur Bestrahlung mit einem PSMA-Liganden kombiniert und verabreicht. Durch die Bindung an die Tumorzellen wirkt die Betastrahlung direkt auf den Krebs. Voraussetzung ist allerdings eine ausreichende PSMA-Expression, die mit der PSMA-PET-CT diagnostisch geprüft wird.
Ablauf und Vorbereitung auf die PSMA-PET-CT
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Patienten müssen für die PSMA-PET-CT in der Regel keine besondere Vorbereitung durchlaufen.
- Aktuell bestehende Medikamenteneinnahmen (zum Beispiel von Metformin) sollten jedoch vor der Untersuchung thematisiert werden.
- Kontraindikationen können sich auch im Hinblick auf das Röntgenkontrastmittel ergeben.
Eine PSMA-PET-CT lässt sich ambulant durchführen und nimmt etwa zwei bis drei Stunden in Anspruch. Zur Vorbereitung gehört die ausführliche Patientenaufklärung zur Erläuterung des konkreten Ablaufs und zur Klärung möglicher Kontraindikationen. Vorbefunde, vorhandene PSA-Werte sowie Informationen über Vorbehandlungen und Aufnahmen einer CT oder MRT liefern wichtige Informationen und eignen sich zur Verlaufsbeurteilung.
Eine spezielle Vorbereitung – wie das Erscheinen auf nüchternen Magen – ist nicht erforderlich. Empfohlen wird eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (vor und nach der Untersuchung), um die Ausscheidung des Tracers über die Nieren zu unterstützen sowie die Strahlenbelastung für Blase und Nieren zu verringern. Wichtig: Patienten mit Diabetes, die Metformin einnehmen und unter einer eingeschränkten Nierenfunktion leiden, sollten die Möglichkeit des Pausierens der Medikation am Untersuchungstag mit ihrem Arzt besprechen.
Die eigentliche Untersuchung beginnt mit dem Injizieren des PSMA-Tracers über einen intravenösen Zugang. Pharmakologische Nebenwirkungen sind in diesem Zusammenhang selten. Nach der Injektion muss die Aufnahme (Uptake-Phase) abgewartet werden. Vor der Aufnahme muss die Blase entleert werden, um die Aktivität im Becken zu verringern.
Die eigentliche PET-CT-Untersuchung erfolgt in einem kombinierten Scanner. Die Aufnahmen werden nacheinander angefertigt und lassen sich anschließend im Computer zusammenfügen. Im CT-Scan sind räumliche Auffälligkeiten zu erkennen, die PET zeigt die PSMA-aktiven Areale an.
Kontraindikationen, Nebenwirkungen und Strahlenbelastung der PSMA-PET-CT
Kontraindikationen für die PSMA-PET-CT liegen selten vor. Die eingeschränkte Nierenfunktion gilt als relative Kontraindikation, da sich hierdurch die Ausscheidung des Tracers verzögert. Bei schwerer Niereninsuffizienz ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis daher sorgfältig abzuwägen. Wird zusätzlich ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel für die CT-Komponente verwendet, sind mögliche Kontraindikationen wie
- eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose),
- eine bekannte Kontrastmittelallergie und
- eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz
zu beachten. Allergien gegen PSMA-Tracer selbst sind sehr selten. Metallimplantate oder Herzschrittmacher stellen im Gegensatz zur MRT keine Kontraindikation dar, da für die PET-CT Röntgenstrahlung und keine Magnetfelder genutzt werden.
Grundsätzlich ist die PSMA-PET-CT ein nebenwirkungsarmes Verfahren. In seltenen Fällen kann es jedoch zu leichter Übelkeit oder zu lokalen Reaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötungen oder Schwellungen) kommen. Systemische Nebenwirkungen sind für die Untersuchung bisher nicht bekannt.
Durch das CT-Kontrastmittel treten mitunter ein Wärmegefühl, ein metallischer Geschmack sowie selten allergische Reaktionen (verschiedener Schweregrade) auf. Heftige anaphylaktische Reaktionen sind zwar selten, lassen sich aber nicht ganz ausschließen, weshalb eine Überwachung der Patienten erforderlich ist. Außerdem erhöht sich bei bereits bestehender Niereninsuffizienz das Risiko einer Nierenschädigung durch das Kontrastmittel (kontrastmittelinduzierte Nephropathie).
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Fazit: PSMA-PET-CT ist bei Prostatakrebs ein multifunktionales Instrument
Mit der PSMA-PET-CT steht der Krebsmedizin (Onkologie) ein Verfahren zur Verfügung, das im Zusammenhang mit Prostatakrebs Aufgaben auf mehreren Ebenen erfüllt. Eine bedeutende Funktion hat die Methode für die Suche nach Rezidiven, wenn es trotz erfolgter Behandlung zu erhöhten PSA-Werten kommt. Darüber hinaus kann das Verfahren zur Bewertung der Ausbreitung genutzt werden. Nach Abschluss der Therapie bietet die PSMA-PET-CT letztlich eine Chance, den Behandlungserfolg zu überwachen und festzustellen, wann eine Therapieeskalation erforderlich ist.
FAQ zur PSMA-PET-CT bei Prostatakrebs: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wie hoch ist die Strahlenbelastung bei der PSMA-PET-CT?
Die Strahlendosis liegt zwischen vier und zehn mSv. Beeinflusst wird sie vom verwendeten Tracer und dem eingesetzten CT-Protokoll. Damit liegt die PSMA-PET-CT im Bereich einer moderaten Strahlenbelastung und es ist nach einer einmaligen Untersuchung nicht von akuten Strahlenschäden auszugehen.
Lässt sich die PSMA-PET-CT überall durchführen?
Nein, um diese nuklearmedizinische Untersuchung durchzuführen, bedarf es einer Grundausstattung an Geräten, die nicht überall gegeben ist. Die PSMA-PET-CT wird in der Regel in spezialisierten Radiologiezentren und -praxen angeboten.
Kann die PSMA-PET-CT falsch-positive Befunde zeigen?
Ja, falsch-positive Befunde sind möglich, da verschiedene Strukturen im Körper ebenfalls eine erhöhte PSMA-Konzentration erkennen lassen. Dazu gehören unter anderem Ganglienzellen, Frakturheilungszonen, Osteophyten bei Arthrose und benigne Prostatahyperplasien. In der Untersuchung würden diese möglicherweise einen Tumorverdacht auslösen. Auch physiologische Anreicherungen in Speicheldrüsen, Nieren und Dünndarm müssen bei der Befundung berücksichtigt werden.
[1] Zentrum für Krebsregisterdaten, Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ICD-10 C61, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 18.12.2025).
[2] Pisotskyi O, Petrasz P, Zorga P, Gałęski M, Szponar P, Brzeźniakiewicz-Janus K, Drewa T, Kaczmarek K, Cezary Czarnogórski M, Adamowicz J. Enhancing Prostate Cancer Staging: Association of 68Ga-PSMA PET/CT Imaging with Histopathological Grading in Treatment-Naive Patients. Cancers. 2024; 16(20):3526. https://doi.org/10.3390/cancers16203526
[3] van der Sar, E.C.A., van Kalmthout, L.M. & Lam, M.G.E.H. PSMA PET/CT in primary prostate cancer diagnostics: an overview of the literature. Tijdschr Urol 10, 101–108 (2020). https://doi.org/10.1007/s13629-020-00297-5
[4] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), S3-Leitlinie Prostatakarzinom, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 18.12.2025).