Pleuraerguss: Ursachen, Nachweis mit Röntgen und Ultraschall sowie weiteres Vorgehen
Der Pleuraspalt ist der enge Raum zwischen dem die Lunge umgebenden Lungenfell (Pleura visceralis) und dem auf der Innenseite des Brustkorbs liegenden Rippenfell (Pleura parietalis). Der dort vorhandene dünne Flüssigkeitsfilm ermöglicht die gleitende Atembewegung und ist somit anatomisch normal. Ein Pleuraerguss ist hingegen eine krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit. In den meisten Fällen sorgt eine andere Erkrankung (Grunderkrankung) dafür, dass es zu einem vermehrten Eintritt von Flüssigkeit in den Pleuraspalt kommt. Die genaue Abklärung des Auslösers ist für die Wahl der Behandlung entscheidend.
In der Diagnostik nehmen bildgebende radiologische Verfahren eine zentrale Rolle ein. Insbesondere das Röntgen des Brustkorbs (Thorax) und der Ultraschall ermöglichen den Nachweis und die Beurteilung eines Pleuraergusses. Bei unklaren Befunden oder dem Verdacht auf bestimmte Grunderkrankungen können weitere Untersuchungen wie eine Computertomographie (CT) erforderlich sein.
Mögliche Ursachen für das Auftreten eines Pleuraergusses
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Ein Pleuraerguss entsteht, wenn mehr Flüssigkeit in den Pleuraspalt gelangt, als der Körper wieder aufnehmen kann.
- Häufige Ursachen eines Pleuraergusses sind Herzinsuffizienz und Lungenentzündung.
- Auch Erkrankungen der Nieren und Tumore können zur Entstehung eines Pleuraergusses führen.
Im Normalfall befinden sich im Pleuraspalt nur wenige Milliliter Flüssigkeit [1]. Zu einem Pleuraerguss kommt es, wenn sich ein Ungleichgewicht zwischen der Bildung neuer Flüssigkeit und deren Aufnahme (Rückresorption) durch den Körper entwickelt. Je nach Ursache kann die Flüssigkeitsansammlung zwischen wenigen Millilitern bis zu mehreren Litern betragen.
Nach dem Entstehungsmechanismus lassen sich zwei Formen unterscheiden: transsudative und exsudative Pleuraergüsse. Bei einem transsudativen Pleuraerguss kommt es zu einem Übertritt von Flüssigkeit aus den Blutgefäßen durch einen erhöhten hydrostatischen Druck (wenn sich ein Rückstau von Blut in den Gefäßen bildet) oder eine verringerte Eiweißkonzentration im Blut. Typische Auslöser dafür sind
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche),
- Leberzirrhose,
- Nierenleiden und
- Mangelernährung.
Während die Herzinsuffizienz für die Stauung verantwortlich ist, verringert sich in den anderen Fällen häufig der Gehalt bestimmter Bluteiweiße.
Exsudative Pleuraergüsse gehen mit Entzündungen oder Gewebeneubildungen einher, durch die es zu einer Veränderung der Durchlässigkeit der Blutgefäße (Kapillarpermeabilität) kommt, beispielsweise bei
- Lungenentzündungen,
- Lungenembolien,
- Tumorerkrankungen und
- weiteren Infektionen.
Welche Rolle spielen das Röntgen und der Ultraschall für die Diagnose eines Pleuraergusses?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Das Röntgen des Brustkorbs ermöglicht den Nachweis größerer Flüssigkeitsansammlungen.
- Mithilfe des Ultraschalls lassen sich aufgrund der spezifischen Echogenität auch kleine Pleuraergüsse identifizieren.
- Eine konkrete Aussage zur Ursache der Flüssigkeitsansammlung im Pleuraspalt ist mit beiden Verfahren nur selten möglich.
Für die Diagnose eines Pleuraergusses spielen bildgebende Verfahren eine wichtige Rolle. Für eine erste, schnelle Beurteilung haben insbesondere das Röntgen und der Ultraschall (Sonographie) Bedeutung. Die Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thoraxröntgen) verschafft dem untersuchenden Arzt einen ersten Überblick über die Lunge, das Herz und mögliche Flüssigkeitsansammlungen. Üblicherweise werden die Aufnahmen im Stehen in zwei Ebenen (von vorn und von der Seite) angefertigt. Die seitliche Aufnahme verbessert die Möglichkeit zur Beurteilung, weil sich die Flüssigkeit häufig zuerst im hinteren unteren Raum zwischen Zwerchfell und Brustwand (Rippenzwerchfellwinkel) ansammelt. Typischerweise zeigt sich der Pleuraerguss auf den Bildern als Verschattung. Der sonst spitze Rippenzwerchfellwinkel wirkt abgerundet.
Bei größeren Pleuraergüssen lässt sich zudem oft eine bogenförmige Begrenzung der Verschattung erkennen, die seitlich ansteigt (das sogenannte „Meniskuszeichen“). Ab einer gewissen Ausdehnung der Ansammlung besteht die Möglichkeit, auf der Aufnahme eine Verschiebung des Herzens und anderer Strukturen des Mittelfellraums zu erkennen.
Eine Herausforderung ergibt sich dann, wenn die Immobilität von Patienten erfordert, dass die Röntgenaufnahmen im Liegen angefertigt werden, da der Pleuraerguss durch die Verteilung der Flüssigkeit über die Rückseite des Brustkorbs leichter fehlinterpretiert werden kann. Eine weitere Einschränkung gilt für Pleuraergüsse geringer Ausdehnung, da diese in Abhängigkeit von der Aufnahmetechnik und der Körperposition nicht mehr zu erkennen sein können. Weiterhin lässt die Röntgenaufnahme meist offen, welche Ursache dem Erguss zugrunde liegt.
Was sind entscheidende Vorteile des Ultraschalls bei der Diagnostik des Pleuraergusses?
Die Ultraschalluntersuchung des Brustkorbs (Thoraxsonographie) ist wie das Röntgen ein Verfahren der Thoraxradiologie, das sich zur schnellen Beurteilung von Patienten mit entsprechenden Beschwerden eignet. Da Flüssigkeit Schallwellen kaum reflektiert, grenzt sich ein Erguss auf dem Ultraschallbild oft deutlich vom umgebenden Gewebe ab. Der Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass sich mit ihm auch kleine Pleuraergüsse erkennen lassen. Mit der Ultraschallbildgebung können die Lage und Ausdehnung des Pleuraergusses, die Beweglichkeit der Flüssigkeit (frei fließend oder abgekapselt) sowie die Unterteilungen durch Septen (Gewebestränge) beurteilt werden.
Gleichzeitig lassen Details im Ultraschallbild Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Flüssigkeit zu. Echoarme, homogen dunkle Ansammlungen finden sich häufiger bei einem Transsudat, während verteilte Echos (Binnenreflexe) eher auf ein Exsudat hindeuten. Zeigen die Ultraschallbilder Abkapselungen, ist dies aus therapeutischer Sicht relevant, da sich dadurch eine möglicherweise notwendige Entleerung erschwert.
Ein weiterer wichtiger Punkt – gerade für Verlaufskontrollen im Rahmen einer Behandlung – ist die Strahlenfreiheit der Ultraschalluntersuchung. Ob ein Pleuraerguss zurückgeht oder in seiner Ausdehnung zunimmt, lässt sich durch das Verfahren ohne eine zusätzliche Strahlenbelastung des Patienten dokumentieren.
Zudem bietet das Verfahren Vorteile für Patienten, für die ausschließlich eine Untersuchung im Liegen infrage kommt. Da die Echogenität der Flüssigkeit nicht lageabhängig ist, ist das typische Signal auch dann erkennbar, wenn sich der Erguss im Pleuraspalt bewegt.
Behandlung eines Pleuraergusses nach Röntgen- und Ultraschalldiagnostik
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Der Therapieansatz richtet sich nach der Grunderkrankung.
- Bei entsprechend großen, symptomatischen Ergüssen ist das Ablassen der Flüssigkeit eine Option.
- Um wiederkehrende Flüssigkeitsansammlungen zu verhindern, kann dauerhaft eine Drainage eingesetzt werden.
Der zentrale Ansatz zur Behandlung ist nicht allein die Entfernung der Flüssigkeit, sondern vor allem die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung. Tritt der Pleuraerguss im Zuge einer Herzinsuffizienz auf, kommen entwässernde Medikamente (Diuretika) zum Einsatz, die die Stauung und damit auch den Erguss verringern. Bei einer bakteriellen Lungenentzündung sind hingegen Antibiotika angezeigt. Hängt die Flüssigkeitsansammlung mit einer Nierenerkrankung zusammen, muss die Therapie auf die jeweilige Funktionsstörung ausgerichtet sein.
Eine akute Nierenschwäche bedarf eines anderen Ansatzes als die chronische Verlaufsform. Bei großen Ergüssen mit starker Atemnot kann die Flüssigkeit zusätzlich durch eine Punktion abgelassen werden. Eine individuelle Behandlung ist außerdem bei tumorassoziierten Ergüssen notwendig – besonders dann, wenn ein hohes Risiko für wiederholte Flüssigkeitsansammlungen besteht. In diesen Fällen kommt eine Drainage durch einen dauerhaft eingesetzten Pleurakatheter zur Ableitung der Flüssigkeit oder die Verklebung von Lungen- und Rippenfell (Pleurodese) infrage.
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Fazit: Röntgen und Ultraschall zeigen die Ausdehnung eines Pleuraergusses – aber meist keine Ursache
Mit Röntgen und Ultraschall lässt sich ein Pleuraerguss schnell nachweisen und in seiner Ausdehnung beurteilen. Dabei ist die Sonographie dem Röntgen bei kleinen Ergüssen und – dank der Binnenreflexe – bei der Frage nach der Beschaffenheit der Flüssigkeit überlegen. Was mit beiden Verfahren aber nicht möglich ist, ist eine abschließende Diagnosestellung bezüglich der Ursache des Pleuraergusses. Um diese zu klären, sind weitere Untersuchungen wie Labordiagnostik oder eine CT erforderlich. Eine ärztliche Abklärung ist deshalb in jedem Fall notwendig.
FAQ zum Pleuraerguss: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Welche Beschwerden sind bei einem Pleuraerguss möglich?
Typisch sind Atemnot, Husten sowie Brustschmerzen, die beim tiefen Einatmen zunehmen. Wie stark die Beschwerden sind, hängt unter anderem von der Flüssigkeitsmenge und der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Auch der Zeitraum, über den sich der Erguss entwickelt, spielt eine Rolle. Kleine Ergüsse bleiben oft ohne auffällige Symptome und werden daher üblicherweise zufällig entdeckt. Betroffene bemerken mitunter nur eine nachlassende Belastbarkeit, etwa beim Treppensteigen. Tritt zusätzlich Fieber auf, ist dies ein Hinweis auf eine Infektion.
Welche Komplikationen können sich bei einem Pleuraerguss ergeben?
Im Zusammenhang mit einem Pleuraerguss sind vor allem zwei Komplikationen typisch. Zum einen kann sich die Lunge nicht mehr vollständig mit Luft füllen, wenn die Flüssigkeit einen zu großen Druck auf sie ausübt. Zum anderen kann sich der Erguss infizieren und zu einer Eiteransammlung im Pleuraspalt (Pleuraempyem) führen. Akute, starke Atemnot oder heftige Brustschmerzen sind immer Warnzeichen und erfordern eine sofortige medizinische Abklärung.
Werden neben Ultraschall und Röntgen weitere bildgebende Verfahren zur Untersuchung eines Pleuraergusses angewendet?
Die CT ist eine ergänzende Untersuchung, mit der die durch den Erguss beeinflussten Strukturen in Schnittbildern hochauflösend dargestellt werden können, wodurch ein besserer Blick auf abgekapselte Ergüsse, Pleuraverdickungen oder Tumore möglich wird. Zudem ist durch den Einsatz von Kontrastmittel der Gefäßstatus beurteilbar, sodass sich unter anderem Hinweise auf eine Lungenembolie erkennen lassen. Je nach der in Betracht kommenden Ergussursache können auch die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die PET-CT genutzt werden.
Welche Prognose hat ein Pleuraerguss?
Die Prognose hängt in der Regel nicht so sehr von dem Erguss selbst, sondern von seiner Ursache ab. Bei einer Lungenentzündung oder einer Herzschwäche bildet sich die Flüssigkeitsansammlung infolge der Therapie oft zurück. Pleuraergüsse im Zusammenhang mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen können dagegen einen ungünstigeren Verlauf nehmen. Regelmäßige Verlaufskontrollen, etwa per Ultraschall, ermöglichen es, eine erneute Flüssigkeitsansammlung früh zu erkennen und die Therapie rechtzeitig anzupassen.
[1] Charalampidis, C. et al. (2015): Pleura space anatomy. In: Journal of Thoracic Disease, Jg. 7, H. Suppl. 1, S. S27-S32. DOI: 10.3978/j.issn.2072-1439.2015.01.48. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 15.10.2026).




