Divertikulitis: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Behandlung
Als „Divertikulitis“ wird die akute Entzündung von Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel) bezeichnet. Diese bildet sich oft im Bereich des S-förmigen Abschnitts des Dickdarms, bevor dieser in den Enddarm übergeht. Betroffene klagen häufig über einen plötzlich einsetzenden und dann zunehmenden Schmerz im linken Unterbauch. Aufgrund der Lage wird gelegentlich auch von „linksseitiger Appendizitis“ gesprochen. Pro Jahr kommt es zu mehreren zehntausend stationären Behandlungen in Deutschland.
Eine Divertikulitis kann von einer milden, ambulant behandelbaren Form bis zu einer komplizierten Entzündung mit Bildung eines Abszesses und einem Durchbruch der Darmwand (Perforation) reichen. Diese Bandbreite macht eine sorgfältige Diagnostik und individuell ausgerichtete Therapie erforderlich. Zur nichtinvasiven Befundung dienen bildgebende radiologische Verfahren wie der Ultraschall und die Computertomographie (CT), mit denen auch die Einordnung des Schweregrades möglich ist.
Was ist eine Divertikulitis?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Divertikel sind Ausstülpungen, die aus der Darmschleimhaut heraus entstehen.
- In der Medizin werden echte Divertikel und Pseudodivertikel unterschieden.
- Das Auftreten der Ausstülpungen ist eine Divertikulose, aus der durch entzündliche Prozesse die Divertikulitis entsteht.
Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Mukosa) und der darunterliegenden Bindegewebsschicht (Submukosa), die sich bevorzugt an den Durchtrittsstellen von Blutgefäßen bilden. Häufig sind nicht alle Wandschichten des Darms betroffen – die Medizin spricht dann von „Pseudodivertikeln“. Diese treten oft in der als „Sigma“ bezeichneten Region vor dem Enddarm auf. Echte Divertikel mit einer Vorwölbung der gesamten Darmwand treten seltener auf und finden sich eher im Bereich des Blinddarms (Zäkum) und des aufsteigenden Kolons.
Das Vorhandensein der Divertikel (Divertikulose) selbst löst meist keine Beschwerden aus und ist bei älteren Menschen häufiger zu beobachten. Eine Divertikulose wird daher nicht selten zufällig bei einer Untersuchung des Darms entdeckt, die aus anderen Gründen durchgeführt wird. Erst wenn die Divertikel Schmerzen oder Stuhlveränderungen verursachen, hat sich eine behandlungsbedürftige Erkrankung entwickelt.
Sobald sich akute Entzündungsreaktionen an einem oder mehreren Divertikeln entwickeln, handelt es sich um eine Divertikulitis. Zur Einteilung in verschiedene Verlaufsstadien hat sich folgende Klassifikation etabliert:
- Typ 0: Divertikulose ohne Beschwerden
- Typ 1: akute unkomplizierte Divertikulitis
- Typ 1a: ohne umgebende Entzündungsreaktion
- Typ 1b: mit umgebender Entzündungsreaktion
- Typ 2: akute komplizierte Divertikulitis (mit Mikroabszess, Makroabszess bzw. gedeckter Perforation oder freier Perforation, Unterteilung in fünf Subtypen)
- Typ 3: chronische Divertikelkrankheit (symptomatisch unkompliziert, wiederkehrend oder mit Komplikationen wie Stenosen oder Fisteln)
- Typ 4: Divertikelblutung
Ursachen für die Entstehung einer Divertikulitis und begünstigende Risikofaktoren
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Eine ballaststoffarme, fleischreiche Ernährung begünstigt die Entstehung von Divertikeln.
- Begünstigende Risikofaktoren sind unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.
- Divertikulitis tritt vermehrt bei älteren Menschen auf.
Sowohl die Bildung von Divertikeln (Divertikulose) als auch deren Entzündung (Divertikulitis) sind multifaktoriell bedingt. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein erhöhter Druck im Inneren des Darms, der durch eine ballaststoffarme Ernährungsweise begünstigt wird. Fehlen Faseranteile in der Nahrung, wird der Stuhl fester und die Darmmuskulatur muss stärker arbeiten, um ihn zu transportieren. Dadurch steigt der Innendruck, was wiederum die Bildung von Ausstülpungen der Darmschleimhaut – bei bereits bestehenden Schwachstellen in der Darmwand – fördert.
Als zusätzliche Risikofaktoren gelten:
- hoher Konsum von rotem Fleisch,
- starkes Übergewicht,
- Bewegungsmangel und
- Rauchen (es entsteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Abszesse oder Perforationen).
Auch verschiedene Arzneimittel nehmen Einfluss auf die Entstehung einer Divertikulose: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, entzündungshemmende Schmerzmittel) und eine langfristige Kortisontherapie erhöhen das Risiko für einen komplizierten Verlauf, während Metformin (bei Diabetes häufig eingesetztes Medikament) in einer Studie einen schützenden Effekt gezeigt hat [1].
Die Häufigkeit der Divertikulose – und damit auch die Entwicklung hin zur Divertikulitis – steigt mit dem Lebensalter kontinuierlich an, da das Bindegewebe der Darmwand mit der Zeit an Elastizität verliert. Schätzungen zufolge weisen mehr als die Hälfte der über 70-Jährigen in westlichen Industrienationen Divertikel auf. Da in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Erkrankung allerdings auch bei jüngeren Menschen beobachtet wurde, wird zudem die Ernährungsweise als Einflussfaktor vermutet.
Darüber hinaus spielt die familiäre Komponente eine Rolle: Verwandte ersten Grades von Betroffenen mit einer früh auftretenden Divertikulose zeigen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Die konkret verantwortlichen Gene wurden bisher jedoch nicht eindeutig identifiziert.
Weiterhin scheinen mechanische Faktoren auf die Erkrankung Einfluss zu nehmen. Eine erhöhte Kontraktionsneigung der Darmmuskulatur kann ebenfalls den Innendruck steigern. Welche Bedeutung die Zusammensetzung der Darmflora hat, ist aktuell Gegenstand der Forschung – unter anderem im Zusammenhang mit der Frage, wie eine Verschiebung des bakteriellen Gleichgewichts im Bereich der Divertikel möglicher Auslöser einer lokalen Entzündungsreaktion sein kann [2].
Symptome der Divertikulitis
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Zu den typischen Symptomen gehört ein akuter, oft zunehmender Schmerz im linken Unterbauch.
- Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Stuhlveränderungen können im Zuge der Erkrankung ebenfalls auftreten.
- Plötzlich einsetzende, starke Schmerzen und Verhärtungen der Bauchdecke sollten daher unbedingt untersucht werden.
Zu den wesentlichen Symptomen der akuten Divertikulitis gehört ein plötzlich auftretender, oft stetig zunehmender Schmerz im linken Unterbauch. Betroffene vergleichen die Beschwerden mitunter mit einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) – nur auf der anderen Körperseite. Der Schmerz verstärkt sich oft bei Bewegungen, dem Husten oder einer Berührung des Bauches und er strahlt gelegentlich in den Rücken oder in die Leiste aus.
Begleitend treten nicht selten Allgemeinsymptome wie Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Viele Betroffene berichten außerdem über
- Übelkeit,
- gelegentliches Erbrechen,
- veränderte Stuhlfrequenz mit Verstopfung (Obstipation) oder Durchfall (Diarrhö),
- einen aufgeblähten Bauch,
- schmerzhaften Stuhldrang und
- Schmerzen beim rektalen Luftabgang.
Bei einigen Betroffenen lässt sich zudem im linken Unterbauch eine schmerzhafte Verhärtung tasten, die eine entzündlich veränderte Darmschlinge anzeigt. Kommt es zusätzlich zu einer Reizung der benachbarten Nerven, speziell des Nervengeflechts im Becken (Plexus sacralis), können auch Beschwerden beim Wasserlassen oder Schmerzen im Genitalbereich auftreten.
Eine schnelle Verschlechterung des Zustands, das Einsetzen von hohem Fieber oder eine Verhärtung der Bauchdecke sind Anzeichen einer Komplikation. Auf dem Boden einer Divertikelentzündung kann sich neben Abszessen auch eine Perforation des Darms entwickeln. Diese ist ein akuter medizinischer Notfall und bedarf einer schnellen Behandlung.
Treten Beschwerden in milder Form, dafür aber regelmäßig – in Kombination mit unregelmäßigen Stuhlgewohnheiten – auf, gibt dies einen Hinweis auf ein chronisches oder rezidivierendes Krankheitsgeschehen. Kommt es zur Bildung von Narbengewebe an den betroffenen Stellen des Darms, besteht das Risiko einer Verengung (Stenose).
Diagnostik bei Verdacht auf Divertikulitis
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Schmerzsymptomatik ist ein wichtiger Hinweis auf die Divertikulitis.
- Ultraschall und CT helfen bei der Einschätzung des Schweregrades.
- Die Koloskopie ist insbesondere bei einem akuten Schub eher kontraindiziert.
Grundsätzlich beginnt die Diagnostik mit der Anamnese, wobei dem Schmerzcharakter und dessen Lokalisation sowie den Begleitsymptomen besonderes Augenmerk gilt. Die sich anschließende körperliche Untersuchung umfasst ein Abtasten des Bauchs, wodurch häufig ein im linken Unterbauch lokalisierter Druckschmerz mit Abwehrspannung festgestellt werden kann. Eine rektale Untersuchung kann die klinische Abklärung ergänzen.
Eine Laboruntersuchung liefert dem behandelnden Arzt Hinweise auf das Ausmaß der Entzündung. Ein erhöhter Wert des C-reaktiven Proteins (CRP) sowie ein Anstieg von weißen Blutkörperchen (Leukozytose) sprechen für eine akute Divertikulitis. Die Höhe der Werte lässt tendenziell eine Abschätzung des Schweregrades zu. Durch Untersuchungen des Urins kann eine Reizung der Harnwege ausgeschlossen werden.
Bildgebende Diagnostik
Um den Verdacht abzusichern und die Einordnung der Divertikulitis vorzunehmen, kommen Schnittbildverfahren zum Einsatz. Ein Ultraschall (Sonographie) des Abdomens ermöglicht eine schnelle Übersicht und zeigt bei einer akuten Divertikulitis oft eine verdickte Darmwand sowie eine entzündliche Reaktion des umgebenden Fettgewebes. Das radiologische Verfahren ist belastungsarm und in vielen medizinischen Einrichtungen und Praxen verfügbar.
Bleibt der Ultraschallbefund unklar oder besteht der Verdacht auf eine komplizierte Divertikulitis, kommt eine CT des Abdomens in Betracht. Sie ermöglicht das Erkennen von Abszessen, freier Luft als Anzeichen einer Perforation sowie von Fisteln (abnorme Verbindungsgänge zu Nachbarorganen) und liefert wichtige Informationen zur Stadieneinteilung. Sollte bezüglich des Kontrastmittels für die CT eine Kontraindikation vorliegen, kann auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) als Alternative erwogen werden.
Endoskopie
Eine Koloskopie (Darmspiegelung) ist in der akuten Entzündungsphase wegen des erhöhten Perforationsrisikos kontraindiziert und wird stattdessen im beschwerdefreien Intervall, in der Regel nach etwa sechs bis acht Wochen, durchgeführt. Sie dient dem Ausschluss anderer Ursachen wie beispielsweise Dickdarmkrebs, da sich die Symptome der Divertikulitis mit denen anderer Erkrankungen überschneiden können. Zudem ist durch die optische Betrachtung mit dem Endoskop die Beurteilung des Ausmaßes der Divertikulose möglich.
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Behandlung der Divertikulitis
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Eine Divertikelentzündung ohne Risikofaktoren kann oft konservativ behandelt werden.
- Neben der Gabe von Antibiotika kann auch die Behandlung begleitender Abszesse erforderlich werden.
- Im Zuge einer Perforation des Darms ist die Operation ein wichtiger Behandlungsschritt.
Für die Therapieentscheidung bei einer Divertikulitis ist deren Schweregrad ausschlaggebend. Eine unkomplizierte Erkrankung ohne erkennbare Risikofaktoren (Typ 1a) lässt sich bei stabilem Allgemeinzustand des Patienten häufig ambulant und ohne Antibiotikagabe behandeln. Zu den angestrebten Maßnahmen gehören körperliche Schonung, eine an die Beschwerden angepasste Kost und eine Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit (zur Entlastung des Darmtraktes sollte jedoch auf gesüßte und alkoholische Getränke verzichtet werden). Besteht indes eine Anfälligkeit für einen komplizierten Verlauf – beispielsweise bei vorliegender Immunsuppression – oder sind Anzeichen einer stärkeren Entzündungsreaktion (Typ 1b) erkennbar, wird eine Antibiotikatherapie empfohlen.
Bei der komplizierten Divertikulitis (Typ 2) richtet sich die Therapie nach der Ausprägung. Kleinere Abszesse lassen sich oft unter engmaschiger Kontrolle mit Antibiotika behandeln, größere Abszesse (Typ 2b) werden nach Möglichkeit durch eine bildgesteuerte Drainage in Kombination mit einer intravenösen Antibiotikagabe therapiert.
Liegt eine Perforation mit einer Bauchfellentzündung vor, handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der einen chirurgischen Eingriff erfordert. Im Rahmen der operativen Behandlung wird der betroffene Darmabschnitt meist entfernt. Je nach Ausmaß des Eindringens von Darminhalt in die Bauchhöhle kann die Darmkontinuität entweder direkt wiederhergestellt oder – falls dies nicht möglich ist – vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.
Neben der Notfallbehandlung kann die Entfernung der betreffenden Darmsegmente auch bei einer komplizierten Divertikulitis (nach Abklingen des aktiven Krankheitsgeschehens) aufgrund des erhöhten Rückfallrisikos oder bei einer unkomplizierten, wiederkehrenden Entzündung (unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsverlaufs) vorgenommen werden.
Um gerade bei den rezidivierenden Formen weiteren Schüben vorzubeugen, ist auch die Anpassung der täglichen Ernährung Teil der therapeutischen Maßnahmen. Dazu gehört eine ballaststoffreiche Komponente mit ausreichend Gemüse sowie Obst und Vollkornprodukten. Lebensmittel, die Verstopfungen fördern, sind dagegen zu meiden.
FAQ zur Divertikulitis: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann man einer Divertikulitis vorbeugen?
Ein Teil der Risikofaktoren hängt stark mit dem Lebensstil zusammen, was einen Ansatz bietet, um der Divertikulitis entgegenzuwirken. So sollte unter anderem im Alltag auf ausreichend Bewegung und eine faserreiche Ernährung geachtet werden. Zudem sollte auf das Rauchen verzichtet werden. Auch umfangreicher Alkoholkonsum gilt als möglicher Faktor, der mit der Erkrankung in Verbindung steht [3].
Wie bemerken Betroffene eine beginnende Bildung von Divertikeln?
Divertikel selbst verursachen in der Regel keine Beschwerden und bleiben daher meist über lange Zeit unbemerkt. Erst wenn sich aus einer Divertikulose die Divertikulitis entwickelt, treten spürbare Symptome wie Schmerzen im Unterbauch oder veränderte Stuhlgewohnheiten auf. Insofern ist es Betroffenen in der Regel also kaum möglich, eine beginnende Bildung von Divertikeln zu bemerken.
Wie lange braucht die Divertikulose bis zum Entstehen erster Ausstülpungen?
Die Bildung von Divertikeln ist ein schleichender, über Jahre bis Jahrzehnte verlaufender Prozess, für den sich ein bestimmter Zeitraum kaum vorhersagen lässt. Entscheidend ist das langsame Nachlassen der Bindegewebselastizität der Darmwand mit zunehmendem Lebensalter. Erste Ausstülpungen entstehen zwar selten vor dem 40. Lebensjahr, nehmen aber mit jedem Lebensjahrzehnt an Häufigkeit zu.
Untersucht der Hausarzt auf Divertikulitis?
Der Hausarzt ist beim Verdacht auf eine Divertikulitis häufig die erste Anlaufstelle. Er erhebt die Krankengeschichte, tastet den Bauch ab und veranlasst erste orientierende Laboruntersuchungen. Bei typischen Beschwerden oder einem unklaren Befund überweist er den Patienten zur weiterführenden bildgebenden Diagnostik an eine radiologische Praxis oder den Gastroenterologen als Facharzt. Sofern sich Anzeichen für eine Perforation zeigen, leitet der Hausarzt die Notfallbehandlung ein.
[1] Freckelton, J., Evans, J. A., Croagh, D. und Moore, G. T. (2017): Metformin Use in Diabetics with Diverticular Disease Is Associated with Reduced Incidence of Diverticulitis. In: Scandinavian Journal of Gastroenterology, Jg. 52, H. 9, S. 969-972. DOI: 10.1080/00365521.2017.1325930.
[2] Tursi, A. et al. (2025): Gut Microbiota Perturbation Are Linked to Endoscopic Severity of Diverticular Disease. In: Journal of Gastrointestinal and Liver Diseases, Jg. 34, H. 3, S. 317-322. DOI: 10.15403/jgld-6308.
[3] Papaoikonomou, M. A. et al. (2025): Trends and Outcomes in Acute Colonic Diverticulitis: A Single-Center Three-Year Retrospective Cohort Study From Greece. In: Cureus, Jg. 17, H. 12, Artikel e100480. DOI: 10.7759/cureus.100480. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 08.09.2026).