Axiale Spondyloarthritis & Morbus Bechterew: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie
Anhaltende Rückenschmerzen, die sich vor allem nachts und in Ruhe verschlimmern, sowie eine morgendliche Steifigkeit der Wirbelsäule gehören zu typischen Anzeichen der axialen Spondyloarthritis (axSpA). Hierbei handelt es sich um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die in zwei Formen vorliegen kann: zum einen als nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis (nr-axSpA, die auch als Frühform angesehen wird) und zum anderen als röntgenologische axiale Spondyloarthritis (r-axSpA). Letztere wird auch als Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) bezeichnet.
Da die Erkrankung schleichend beginnt, erstreckt sich der Zeitraum vom Auftreten der ersten Symptome bis zur gesicherten Diagnose oft über Jahre. Eine frühzeitige Abklärung ist aber entscheidend, da eine konsequente Behandlung der axialen Spondyloarthritis – noch bevor sie sich als Morbus Bechterew bemerkbar macht – den Verlauf positiv beeinflussen kann. Verfahren der radiologischen Bildgebung wie das Röntgen und die Magnetresonanztomographie (MRT) sowie Laboruntersuchungen liefern für die diagnostische Bewertung der Krankheitszeichen die notwendigen Informationen.
Was sind die axiale Spondyloarthritis und Morbus Bechterew?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die axiale Spondyloarthritis ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule und die Iliosakralgelenke betrifft.
- Sie wird in zwei unterschiedliche Verlaufsformen unterteilt.
- Die Bezeichnung „Morbus Bechterew“ ist für die Spätform in Gebrauch.
Bei der axialen Spondyloarthritis handelt es sich um ein Krankheitsbild aus der Gruppe der Spondyloarthritiden, die wiederum den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zugerechnet werden. Diese betreffen unter anderem die Wirbelsäule und die peripheren Gelenke, können aber auch auf die Sehnenansätze und Organe außerhalb des Bewegungsapparats übergreifen. Für die axiale Spondyloarthritis ist eine Entzündung typisch, die zumeist im Bereich der Iliosakralgelenke – bzw. auch „Kreuz-Darmbein-Gelenke“, da diese das Kreuzbein mit dem Darmbein verbinden – beginnt und im Verlauf auf die gesamte Wirbelsäule übergreift.
In der Medizin wird vor allem anhand des klinischen Bildes zwischen zwei Formen unterschieden: Bei der als Frühform der Erkrankung geltenden nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis lassen sich im Röntgenbild noch keine eindeutigen strukturellen Veränderungen der Iliosakralgelenke nachweisen. Allerdings ist die Entzündungsaktivität in der MRT erkennbar.
Schreitet die Entzündung fort, bilden sich mit der Zeit knöcherne Veränderungen in den Gelenkstrukturen, die im Röntgenbild sichtbar werden. Ist dieses Stadium erreicht, wird die Erkrankung als „röntgenologische axiale Spondyloarthritis“ bezeichnet. Eine ältere Bezeichnung ist „ankylosierende Spondylitis“ bzw. „Morbus Bechterew“ (nach Wladimir Bechterew, der die rheumatische Erkrankung 1892 erstmals exakt beschrieben hat).
Die Unterteilung erfolgt praktisch also anhand der radiologischen Darstellung. Wichtig für die prognostische Einschätzung ist, dass nicht jede axiale Spondyloarthritis automatisch zu Morbus Bechterew führt. Während die Frühform bei Männern und Frauen etwa gleichmäßig verteilt auftritt, kommt die Spätform häufiger bei Männern vor [1].
Ursachen der axialen Spondyloarthritis und begünstigende Risikofaktoren
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die genaue Krankheitsursache ist bislang nicht vollständig geklärt.
- Mit HLA-B27 wurde ein genetisch festgelegter Marker identifiziert, der in enger Verbindung zur axialen Spondyloarthritis steht.
- Daneben werden auch biomechanische Faktoren für die Entstehung diskutiert.
Die Prozesse hinter der Entstehung der axialen Spondyloarthritis sind bis heute nicht abschließend geklärt, jedoch gilt ein multifaktorieller Kontext als wahrscheinlich. In der Medizin wird diesbezüglich von einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, immunologischen Aspekten und der Einwirkung von Umweltfaktoren – unter anderem durch mechanische Belastungen der Gelenke – ausgegangen.
Hinsichtlich der genetischen Veranlagung ist in den letzten Jahren das humane Leukozytenantigen HLA-B27 – ein Protein, das intrazelluläre Erreger bindet und sie für das Immunsystem an der Zelloberfläche sichtbar macht – in den Fokus der Forschung gerückt. Sein Vorkommen lässt sich in einem erheblichen Anteil der Fälle beobachten [2]. Durch die Ähnlichkeit einzelner Komponenten des Markers mit Strukturen echter Erreger kann es zu Kreuzreaktionen kommen. In der Folge richtet sich die Immunabwehr gegen körpereigene Strukturen und löst das Entzündungsgeschehen der Spondyloarthritis aus. Zudem neigt das Protein zu Fehlfaltungen (Misfolding), wodurch Entzündungen begünstigt werden. Die Annahme, dass es sich um eine Erkrankung mit einer hohen erblichen Komponente handelt, stützt sich zudem auf das festgestellte, familiär gehäufte Auftreten.
Als weitere Risikofaktoren werden unter anderem wiederholte biomechanische Belastungen, die Mikroverletzungen in Bereichen wie den Sehnenansätzen auslösen, diskutiert. Von diesen Mikroverletzungen gehen Entzündungsreaktionen aus, die im weiteren Verlauf zu strukturellen Umbildungen des Knochens führen können.
Symptome der axialen Spondyloarthritis und des Morbus Bechterews
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Ein zentrales Symptom ist ein langsam beginnender Schmerz im unteren Rücken.
- Im weiteren Verlauf breiten sich die Beschwerden über die Wirbelsäule aus.
- Neben den Wirbelgelenken können andere Organe wie das Auge betroffen sein.
Auf eine axiale Spondyloarthritis weisen insbesondere
- Rückenschmerzen (vor allem im unteren Rücken),
- Steifigkeit (besonders in den Morgenstunden nach dem Aufstehen) und
- Müdigkeit
als Frühsymptome hin. Für die Schmerzen ist ein langsames, chronisches Auftreten über mehr als zwölf Wochen und die Verschlimmerung in den Nachtstunden typisch. Die Schmerzbehandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) spricht in der Regel gut an.
Vom betroffenen Iliosakralgelenk (die Beschwerden beginnen oft einseitig) breitet sich die Erkrankung zunehmend entlang der Wirbelsäule nach oben aus. Dabei betrifft sie die Brust- und später auch die Halswirbelsäule.
Neben der Wirbelsäule können von den Auswirkungen einer fehlgeleiteten immunologischen Reaktion auch andere Körperteile betroffen sein. Hierzu gehören unter anderem die peripheren Gelenke der Arme und Beine sowie die Ansatzstellen von Sehnen und Bändern im Bein oder Fuß. Zudem kann sich die axiale Spondyloarthritis außerhalb des Bewegungsapparats bemerkbar machen.
Treten die Rückenschmerzen in Kombination mit
- Entzündungen der mittleren Augenhaut,
- einer Schuppenflechte oder
- einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
auf, erhärtet dies den Verdacht.
Im fortgeschrittenen Stadium kommt es über die im Röntgenbild sichtbaren Veränderungen hinaus zu weiteren Krankheitsfolgen. Durch die anhaltende Entzündung bilden sich knöcherne Verwachsungen zwischen benachbarten Wirbelkörpern. Dies führt zu einer fortschreitenden Versteifung der Wirbelsäule und einer typischen Haltungsveränderung im Bereich der Brustwirbelsäule (Hyperkyphose).
Diagnostik bei Verdacht auf axiale Spondyloarthritis und Morbus Bechterew
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Für die Ersteinschätzung sind die Anamnese, die körperliche Untersuchung und die Laborergebnisse von Bedeutung.
- Unter den bildgebenden Verfahren spielen das Röntgen und die MRT eine Rolle.
- Bei unklaren Befunden kann auch mit der Computertomographie eine präzise Darstellung der betroffenen Gelenke erreicht werden.
Die Diagnostik stützt sich im Wesentlichen auf die Anamnese, die körperliche Untersuchung, laborchemische Befunde und bildgebende Verfahren. Im Rahmen der Anamnese wird gezielt nach Beginn und Verlauf der Rückenschmerzen sowie etwaigen Begleiterkrankungen wie einer Psoriasis und bereits bekannten Erkrankungen in der Familie gefragt. Die körperliche Untersuchung dient unter anderem zur Überprüfung der Beweglichkeit der Wirbelsäule und der vorhandenen Druckschmerzen über den Iliosakralgelenken.
Mit der Untersuchung relevanter Parameter im Labor lassen sich erhöhte Entzündungswerte feststellen und das Vorhandensein von HLA-B27 nachweisen. Allerdings handelt es sich dabei nur um die Verdachtsdiagnose ergänzende Hinweise, die die Bildgebung nicht ersetzen können.
Radiologische Verfahren spielen für die Diagnosesicherung eine bedeutende Rolle. Das Röntgen der Iliosakralgelenke kann strukturelle Veränderungen wie Gelenkspaltverschmälerungen, einen Abbau von Knochen (Osteoporose) oder knöcherne Anbauten (im Druckschatten) erkennen lassen. Anhand dieser strukturellen Auffälligkeiten lässt sich eine axiale Spondyloarthritis im Frühstadium von Morbus Bechterew abgrenzen, da das Röntgen in der Anfangsphase der Erkrankung unauffällig bleibt. Wesentlich früher als mit dem Röntgen kann eine Spondyloarthritis mit der MRT sichtbar gemacht werden, da sich mithilfe spezieller Sequenzen beispielsweise ein Knochenmarködem im Bereich der Iliosakralgelenke nachweisen lässt. Dies ist als Zeichen einer aktiven Entzündung bereits lange vor dem Einsetzen der Umbauprozesse erkennbar.
Eine ergänzende Untersuchung bei früher axialer Spondyloarthritis ist die Computertomographie (CT). Mit ihrer Hilfe lassen sich die Iliosakralgelenke präzise darstellen und entzündliche von degenerativen Veränderungen besser unterscheiden. Das Verfahren wird in der Regel aber nur bei unklaren Befunden eingesetzt.
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Die Behandlung der axialen Spondyloarthritis
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Im Rahmen der Behandlung ergänzen sich nichtmedikamentöse Methoden und verschiedene Arzneimittel.
- Neben NSAR sind auch Wirkstoffe im Einsatz, die Teile der Immunabwehr blockieren.
- Eine ursächliche Therapie ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich.
Die Behandlung der axialen Spondyloarthritis verfolgt als Ziele die Linderung von Schmerzen, die Vermeidung einer Versteifung bzw. den Erhalt der Beweglichkeit sowie die Verringerung struktureller Schäden. Da es bisher keinen Ansatz für eine ursächliche Therapie gibt, steht die konsequente Kontrolle der Entzündungsaktivität im Vordergrund, die im Wesentlichen auf zwei Komponenten beruht.
- Nichtmedikamentöse Behandlung: Regelmäßige Bewegung und eine gezielte Physiotherapie mit Dehn- und Kräftigungsübungen wirken sich günstig auf die Beweglichkeit aus und lindern zugleich den Schmerz. Zudem hat die Patientenaufklärung Bedeutung, da sich auch durch die Änderung bestimmter Lebensstilfaktoren der Krankheitsverlauf beeinflussen lässt.
- Medikamentöse Therapie: Hier gelten NSAR als der entscheidende Ansatz, da sie Schmerzen lindern und der Krankheitsaktivität entgegenwirken. Bleibt diese dennoch anhaltend hoch, können weitere Wirkstoffe eingesetzt werden, die unter anderem Entzündungsbotenstoffe blockieren. Welche Arzneimittel konkret zum Einsatz kommen, richtet sich nach dem klinischen Bild, beispielsweise den verschiedenen Begleiterscheinungen. Mit lokalen Kortikosteroid-Injektionen lässt sich bei Schüben in einzelnen entzündeten Gelenken zwar eine Verbesserung der Situation erreichen, jedoch werden diese nicht systemisch eingesetzt.
FAQ zur axialen Spondyloarthritis und Morbus Bechterew: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Was passiert, wenn sich mit den verordneten Medikamenten keine Verbesserung der Situation erreichen lässt?
Bleibt der Erfolg trotz konsequenter Einnahme der Medikamente aus, wird zunächst die gestellte Diagnose überprüft, da auch nichtentzündliche Ursachen hinter den Beschwerden stecken können. Bestätigt sich die ursprünglich diagnostizierte axiale Spondyloarthritis, erfolgt meist der Wechsel auf eine andere Wirkstoffklasse.
Ab welchem Alter tritt die axiale Spondyloarthritis auf?
Die Erstsymptome zeigen sich typischerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Ein Beginn des entzündlichen Rückenschmerzes vor dem 45. Lebensjahr ist sogar eines der wichtigen diagnostischen Kriterien. Ein Krankheitsbeginn im höheren Lebensalter ist nicht nur seltener, sondern erschwert auch die Abgrenzung zu verschleißbedingten Rückenschmerzen.
Sind auch Übergewicht und Alkohol Risikofaktoren für Morbus Bechterew?
Als gesicherte Risikofaktoren für die Krankheitsentstehung gelten Übergewicht und Alkoholkonsum bisher nicht, im Vordergrund stehen die genetischen und die immunologischen Ursachen. Allerdings gibt es Forschungsarbeiten [3] [4], die sich mit der Frage beschäftigen, ob Adipositas mit einer höheren Krankheitsaktivität und einem schlechteren Ansprechen auf Wirkstoffe einhergehen kann. Ein maßvoller Umgang mit Alkohol ist vor allem wegen möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten zu empfehlen.
Dürfen von der axialen Spondyloarthritis Betroffene Sport treiben?
Grundsätzlich ja, denn sportliche Aktivität ist sogar ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Besonders geeignet sind Bewegungsformen, die die Wirbelsäule und den Brustkorb beweglich halten, wozu unter anderem Schwimmen oder gezielte Physiotherapieübungen gehören. Sportarten mit hohem Sturz- oder Verletzungsrisiko für die Wirbelsäule sind in Phasen einer hohen Krankheitsaktivität indes eher zu vermeiden.
[1] Paudel, P. und Sah, A. (2025): Understanding Sex-Related Differences among Asian Axial Spondyloarthritis Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis: Sex Differences and Clinical Outcomes in Asian Axial Spondyloarthritis. In: BMC Rheumatology, Jg. 9, Artikel 121. DOI: 10.1186/s41927-025-00577-w. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 16.09.2026).
[2] Ferreira, V. L. et al. (2026): HLA-B27 Detection Test for Individuals with Suspected Axial Spondyloarthritis to Brazilian Public Health System: Accuracy, Cost-Effectiveness, and Budget Impact Analysis. In: GMS Health Technology Assessment, Jg. 19, Artikel Doc01. DOI: 10.3205/hta000141. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 16.09.2026).
[3] Corrado, A. et al. (2025): Obesity and Chronic Inflammation: Implications for Rheumatoid Arthritis, Spondyloarthritis, and Ulcerative Colitis. In: Immunity, Inflammation and Disease, Jg. 13, H. 1, Artikel e70080. DOI: 10.1002/iid3.70080. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 16.09.2026).
[4] Hu, L. et al. (2021): Underweight and Obesity Are Strong Predictors of Clinical Outcomes in Patients with Ankylosing Spondylitis: Data from the Smart-Phone SpondyloArthritis Management System. In: Therapeutic Advances in Musculoskeletal Disease, Jg. 13, Artikel 1759720X211030792. DOI: 10.1177/1759720X211030792. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 16.09.2026).