Milzvergrößerung: Ursachen, Ultraschallbefund & weitere Abklärung einer Splenomegalie
Eine vergrößerte Milz – medizinisch auch als „Splenomegalie“ bezeichnet – verursacht zunächst oft keine Beschwerden und fällt mitunter als Zufallsbefund bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums auf. Treten allerdings doch Anzeichen auf, so zeigen diese sich typischerweise als Druckgefühl im linken Oberbauch, verbunden mit einem schnellen Sättigungsgefühl bei den Mahlzeiten, oder als ziehende Schmerzen unterhalb des linken Rippenbogens.
Eine Milzvergrößerung ist in den meisten Fällen keine eigenständige Erkrankung, sondern Folge einer anderen Erkrankung. Als Ursachen kommen unter anderem Infektionen infrage. Aber auch bestimmte Pathologien des Blut- und Lymphsystems oder der Leber können eine Vergrößerung der Milz verursachen. Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist eine wichtige Maßnahme zur weiteren Abklärung der Beschwerden. Mit dem Verfahren sind Messungen der Milzgröße sowie eine Beurteilung der Struktur des Organs möglich. Je nach Befund können weitere radiologische Bildgebungsverfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) folgen.
Was ist eine Milzvergrößerung?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Milz liegt im linken Oberbauch und ist unter anderem am Abbau alter roter Blutkörperchen und an der Immunabwehr beteiligt.
- Als Splenomegalie gilt eine Milz mit mehr als zwölf Zentimetern Länge oder mehr als 400 Gramm Gewicht – die Werte sind Richtwerte, die von Körpergröße, Geschlecht und Körperbau abhängen.
- Eine vergrößerte Milz kann zu einem verstärkten Abbau von Blutzellen (Hypersplenismus) und zu einem Milzriss führen.
Die Milz ist ein etwa faustgroßes Organ im linken Oberbauch, das hinter dem Magen und unmittelbar unterhalb des Zwerchfells liegt. Bei Erwachsenen wiegt sie im Durchschnitt 150 Gramm und hat mehrere Aufgaben. Sie filtert überalterte rote Blutkörperchen (Erythrozyten), fängt Krankheitserreger ab und bildet Zellen der Immunabwehr. Darüber hinaus hat die Milz eine Speicherfunktion für Blutplättchen (Thrombozyten), ist in den Pfortaderkreislauf eingebunden und fungiert als Zwischenstation für das Blut, das von hier über die Pfortader weiter zur Leber fließt.
Der Begriff „Splenomegalie“ wird für eine Milz verwendet, die in der Ausdehnung von oben nach unten mehr als zwölf Zentimeter misst oder über 400 Gramm wiegt. Als „massive Splenomegalie“ wird eine Milz von mehr als 20 Zentimeter Länge oder mehr als 1.000 Gramm Gewicht bezeichnet. Gleichwohl handelt es sich bei diesen Angaben um Richtwerte, da die Größe der Milz von individuellen Faktoren abhängt. Bei einer sehr großen Person kann die Längsachse mehr als zwölf Zentimeter betragen, ohne dass es sich dabei um eine pathologische Auffälligkeit handelt. In die ärztliche Befundung sind Körpergröße, Geschlecht und Körperbau folglich stets einzubeziehen.
Wird als Untersuchungsbefund eine deutlich vergrößerte Milz festgestellt, ist dies vor allem wegen der möglichen Komplikationen relevant. Steht die Splenomegalie mit einer Überfunktion der Milz (Hypersplenismus) in Verbindung, baut sie vermehrt Blutzellen ab, was zu einem Mangel an Blutzellen (zum Beispiel Blutarmut) führen kann. Außerdem dehnt das vergrößerte Organ die Organkapsel, wodurch sich das Risiko einer Ruptur erhöht.
Was sind die möglichen Ursachen einer Milzvergrößerung?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Ein Auslöser für die Vergrößerung der Milz kann ein Pfortaderhochdruck sein.
- Auch Infektionen oder Erkrankungen des Blutsystems können Ursache einer Milzvergrößerung sein.
- Grundsätzlich kommen bei einer Milzvergrößerung auch Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems in Betracht.
Der Splenomegalie liegen verschiedene Mechanismen zugrunde. Kommt es aufgrund einer fortgeschrittenen Leberzirrhose oder Fettleber zu einer Erhöhung des Widerstands gegen den Blutfluss durch die Leber, erhöht sich auch der Druck im Pfortadersystem (Pfortaderhochdruck). In der Folge entwickelt sich ein Rückstau in die Milz, die sogenannte Stauungsmilz. Diese kann außerdem auch mit einer Thrombose der Pfortader oder der Lebervenen sowie einer ausgeprägten Rechtsherzschwäche im Zusammenhang entstehen.
Infektionen und Entzündungen
Da die Milz auch in die Immunabwehr eingebunden ist, kann sich eine Vergrößerung auch beim Vorliegen akuter Infektionen entwickeln. Diese reaktive Splenomegalie hat ihre Ursache in der vermehrten Bildung von Abwehrzellen. Beispiele sind
- die infektiöse Mononukleose (ausgelöst durch das Epstein-Barr-Virus),
- die Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) und
- die Blutvergiftung (Sepsis).
Des Weiteren kann eine Vergrößerung der Milz auch Anzeichen einer rheumatischen Erkrankung und der Sarkoidose sein. Stellen sich die Beschwerden nach einem Aufenthalt in tropischen Regionen ein, muss auch an Infektionskrankheiten wie Malaria oder Leishmaniose als mögliche Auslöser gedacht werden.
Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems
Zu besonders ausgeprägten Splenomegalien kommt es bei Erkrankungen des blutbildenden Systems. Dazu zählt beispielsweise die Myelofibrose, eine Erkrankung, bei der es zu einem bindegewebigen Umbau des Knochenmarks kommt, wodurch die Blutbildung in die Milz ausweicht. Aber auch Lymphome und Leukämien (Blutkrebs) ziehen die Milz häufig in Mitleidenschaft. Differenzialdiagnostisch spielen zusätzlich Erkrankungen eine Rolle, die mit einem vorzeitigen Abbau roter Blutkörperchen einhergehen (hämolytische Anämien), etwa die hereditäre Sphärozytose (Kugelzellanämie) oder die Thalassämie. Auch Speichererkrankungen wie der Morbus Gaucher – eine erbliche Störung des Fettstoffwechsels – oder Amyloidosen, bei denen sich fehlerhaft gefaltete Eiweiße (Amyloide) im Gewebe ablagern, können die Milz vergrößern.
Was zeigt der Ultraschall bei einer Milzvergrößerung?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Anhand des Ultraschallbilds lassen sich die Länge und Dicke der Milz bestimmen.
- Mit der Duplexsonographie ist zudem eine Darstellung des Blutflusses möglich.
- Neben den Dimensionen der Milz lässt sich auch die Struktur ihres Gewebes beurteilen.
Die Untersuchung mittels Ultraschall ist ein schnell verfügbares Bildgebungsverfahren. Geht es um die Milz, wird der Schallkopf des Untersuchungsgeräts auf den linken Oberbauch aufgesetzt. Der Patient nimmt dazu üblicherweise eine Rückenlage ein oder dreht sich leicht auf die rechte Seite. Durch ein Anheben des linken Arms werden die Zwischenrippenräume geweitet.
Um die Größe der Milz zu bestimmen, werden Länge, Breite und Dicke sonographisch auf mindestens zwei Ebenen erfasst. Als Normalwerte gelten Ausdehnungen von bis zu zwölf Zentimetern Länge, sieben Zentimetern Breite und sechs Zentimetern Dicke. Aus den Messwerten lässt sich zudem das Volumen der Milz berechnen.
Die sogenannte 4711-Regel, wonach ein unauffälliges Organ vier Zentimeter Dicke, sieben Zentimeter Breite und elf Zentimeter Länge nicht überschreiten darf, gilt als überholt, da inzwischen die Anwendung geschlechts- und körpergrößenadaptierter Normwerte als sinnvoller erachtet wird.
Struktur der Milz, Herdbefunde und Blutflussmuster
Neben den Dimensionen des Organs lässt sich mittels Ultraschall auch seine Struktur beurteilen. Eine gesunde Milz stellt sich im Ultraschallbild als homogenes Gebilde mittlerer Helligkeit dar. Bei einer Vergrößerung lassen sich Veränderungen der Form sowie der Eintrittsstellen der Gefäße erkennen.
Ebenfalls auf den Aufnahmen zu identifizieren sind umschriebene Herde wie
- Zysten (zeigen kein Schallecho) und
- Raumforderungen mit diffuser sowie veränderter Echogenität.
Zwar lassen sich Tumore diagnostisch nicht sicher mit dem Ultraschall erkennen. Jedoch sprechen Anzeichen wie ein verändertes Schallecho und unregelmäßige Säume der Raumforderung für ihr Vorliegen.
Mit der Duplexsonographie ist zudem die Darstellung des Blutflusses in der Milzvene und der Pfortader möglich. Eine Verlangsamung des Blutflusses sowie Umgehungskreisläufe sind Indizien für einen Pfortaderhochdruck. Parallel zur Untersuchung der Milz kann zur Abklärung weiterer Fragen die Leber befundet oder nach freier Flüssigkeit im Bauchraum und vergrößerten Lymphknoten gesucht werden.
Welche Maßnahmen umfasst die Diagnostik bei Verdacht auf eine vergrößerte Milz?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Ultraschalluntersuchung ist Bestandteil eines breiten diagnostischen Spektrums verschiedener Verfahren.
- Laboruntersuchungen liefern wichtige Informationen zu den Anteilen verschiedener Blutzellen.
- Verfahren wie CT und MRT sind bei unklaren Befunden bedeutend für die weiterführende Diagnostik.
In der Regel wird die Ultraschalluntersuchung der Milz nicht isoliert durchgeführt. Im Rahmen der Diagnostik erfolgt die Anamnese zur Feststellung relevanter Anhaltspunkte wie unter anderem um das Auftreten von Infekten, die letzten Reisen sowie den Umfang eines etwaigen Alkoholkonsums geht.
Auch Laboruntersuchungen sind wichtig, denn anhand des Differenzialblutbildes werden die Anteile der weißen Blutzellen bestimmt. Das Ergebnis ermöglicht Rückschlüsse auf mögliche Ursachen der Milzvergrößerung. Ergänzend liefern die Leberwerte und die Entzündungsparameter Hinweise auf eine eventuell vorliegende Leberzirrhose oder bestehende Infektionen und rheumatologische Auslöser.
Bleibt die Ursache unklar, ergänzen Schnittbildverfahren die Ultraschalluntersuchung. Die CT des Bauchraums ermöglicht eine genaue Bestimmung der Milzgröße und Identifikation von Abszessen, Raumforderungen, Gefäßveränderungen sowie vergrößerten Lymphknoten. Die MRT kann durch den hohen Weichgewebekontrast bislang unklare Herde in ihrer Struktur detailliert darstellen.
Beim Verdacht auf ein Lymphom ist die PET-CT ein möglicher Untersuchungsansatz, da sie den Stoffwechsel von Tumorgewebe sichtbar macht.
Sofern der Verdacht auf eine Durchblutungsstörung besteht, kann das nuklearmedizinische Verfahren der Leber-Milz-Kolloidszintigraphie zum Einsatz kommen.
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Fazit: Der Ultraschall ist bei einer Milzvergrößerung Teil einer umfassenden Diagnostik
Der Ultraschall ist bei Beschwerden, die auf eine vergrößerte Milz hindeuten, ein wichtiges Verfahren, um den Verdacht abzuklären. Grundsätzlich zeichnet es sich durch seine vergleichsweise schnelle und unkomplizierte Durchführbarkeit sowie die Bildgebung in Echtzeit aus. Allerdings liefert die Untersuchung nur eingeschränkt Informationen über die hinter der Milzvergrößerung stehende Ursache. Daher greifen bei der Suche nach dem Auslöser häufig verschiedene diagnostische Verfahren ineinander. Durch die Bestimmung der Anteile verschiedener Blutzellen trägt unter anderem die Laboruntersuchung zur Beurteilung der Ultraschallbefunde bei, während Bildgebungsverfahren der Radiologie und Nuklearmedizin umfassende Informationen über das Vorliegen von Raumforderungen und Gefäßveränderungen liefern.
FAQ zur Ultraschalluntersuchung bei einer Milzvergrößerung: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Sind für eine Ultraschalluntersuchung der Milz besondere Vorbereitungen erforderlich?
Um das Organ im Rahmen der Untersuchung optimal darzustellen, sollte über einen Zeitraum von vier bis sechs Stunden vor dem Termin nichts mehr gegessen werden. Weiterhin ist auf kohlensäurehaltige Getränke zu verzichten, da Luft im Magen-Darm-Trakt die Sicht auf die Milz stark einschränkt. Sollten weitere Maßnahmen erforderlich sein, werden diese im Rahmen der Patienteninformation mitgeteilt.
Wie sollten sich Betroffene verhalten, bei denen eine vergrößerte Milz festgestellt wird?
Von einer Milzvergrößerung Betroffene sollten vor allem Situationen meiden, die einen Riss der gedehnten Milzkapsel begünstigen. Dazu gehören die Ausübung von Kontakt- und Kampfsportarten, aber auch ruckartige Bewegungen im Allgemeinen. Sinnvoll sind zudem regelmäßige Kontrollen mittels Ultraschall, um die Entwicklung der Milzgröße zu beobachten. Bei plötzlichen, starken Schmerzen im linken Oberbauch, Schwindel oder Kreislaufproblemen ist umgehend der Rettungsdienst zu verständigen, da ein Milzriss lebensbedrohlich ist.
Kann eine vergrößerte Milz von allein wieder kleiner werden?
Dies ist möglich, hängt jedoch vom Auslöser ab. Bei reversiblen Ursachen – beispielsweise nach dem Abklingen bestimmter Infektionen – tritt oft eine Normalisierung der Milzgröße ein. Bei chronischen Ursachen wie Pfortaderhochdruck oder einer hämatologischen Erkrankung hängt die Entwicklung dagegen wesentlich davon ab, ob diese sich behandeln lassen.




