MRT-gesteuerte Biopsie: Gewebeentnahme unter Bildkontrolle
Die MRT-gesteuerte Biopsie ist ein Verfahren, bei dem die Entnahme einer Gewebeprobe gezielt unter Bildkontrolle durch die Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgt. Anschließend wird das entnommene Gewebe histologisch in der Pathologie untersucht. Ein häufiger Anwendungsfall des Verfahrens ist die Gewinnung von Untersuchungsmaterial aus der Prostata bei einem Verdacht auf Prostatakrebs. Aber auch bei anderen Organen – beispielsweise der Brust – kann die MRT-gesteuerte Biopsie zur Gewinnung einer Gewebeprobe genutzt werden.
In Erwägung gezogen wird die Methode dann, wenn eine Gewebeveränderung (Läsion) nur mit der MRT hinreichend gut sichtbar ist oder andere Möglichkeiten, wie die Biopsie unter CT-gesteuerter Bildführung, nicht zum Einsatz kommen können. Die Biopsie allein reicht als diagnostisches Mittel zwar nicht aus, ermöglicht aber die Gewinnung von Probenmaterial, aus dem sich die relevanten Informationen gewinnen lassen.
Funktion und Bedeutung der MRT-gesteuerten Biopsie
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die MRT-gesteuerte Biopsie verbindet die Bildgebung mit der Entnahme einer Gewebeprobe.
- Die Bildführung kann direkt im MRT-Gerät oder durch die Überlagerung der Aufnahmen mit einem Ultraschallbild erfolgen.
- Durch die hochaufgelöste Darstellung von Weichgewebe sind auch kleinere Läsionen darstellbar.
Biopsien, die unter Bildkontrolle erfolgen, bestehen aus zwei Komponenten: dem Bildgebungsverfahren – also Ultraschall (Sonographie), Computertomographie (CT) oder MRT – zur Darstellung von Auffälligkeiten und der Gewebeentnahme – etwa mittels Vakuum- oder Stanzbiopsie. Denn erst auf Basis des gewonnenen Probenmaterials ist eine endgültige Aussage darüber möglich, ob eine Veränderung gutartig, bösartig oder entzündlich ist.
Beide Verfahrenskomponenten werden in einem Untersuchungsgang verknüpft. Oft geht der Biopsie eine rein bildgebende Untersuchung voraus, bei der eine kritische Raumforderung (die mit einem gewissen Malignitätsrisiko einhergeht) entdeckt wird. Welches Verfahren als Bildgebungskomponente letztlich zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein zentraler Aspekt ist die optimale Darstellung der Läsion. In einigen Fällen kann ein Ultraschall ausreichen, während in anderen eine hochauflösende MRT erforderlich ist.
Die MRT als bildgebende Komponente kann in zwei verschiedenen Varianten erfolgen. Bei der In-bore-Biopsie erfolgt die Gewebeentnahme direkt in der MRT-Röhre. Bei der Fusionsbiopsie werden die MRT-Bilder hingegen vorab angefertigt und mit Ultraschallaufnahmen überlagert. Anhand dieses Kombinationsbildes erfolgt die Führung der Biopsienadel.
Die MRT eignet sich für die Probenahme aus mehreren Gründen: Sie wird ohne ionisierende Strahlung durchgeführt und bildet Weichgewebe sehr kontrastreich ab. Ein weiterer Vorteil ist die Aufnahme von Schichtbildern in mehreren Ebenen, womit sich Strukturen auch dreidimensional darstellen und Überlagerungseffekte verringern lassen. Mit der MRT können daher auch kleine oder schwer erkennbare Läsionen exakt lokalisiert werden, während andere bildgeführte Verfahren wie die ultraschall- oder die CT-gesteuerte Biopsie diesbezüglich an Grenzen stoßen.
Anwendungsfälle der MRT-gesteuerten Biopsie
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die MRT-gesteuerte Biopsie spielt besonders für die Beprobung von Strukturen eine Rolle, die nur im Magnetresonanztomographen hinreichend sichtbar sind.
- Ein Einsatzgebiet ist die Untersuchung von Auffälligkeiten der Brust.
- Auch bei einem Prostatakrebsverdacht hat das Verfahren Bedeutung.
Nicht jede Gewebeentnahme erfordert eine Kontrolle mittels MRT. Oft lassen sich Veränderungen mit dem Ultraschall ausreichend gut darstellen und die Führung der Nadel in die kritische Läsion ist dabei in Echtzeit zu beobachten. Die MRT-gesteuerte Biopsie ist dann von Bedeutung, wenn ein auffälliger Befund ausschließlich oder besonders deutlich mit diesem Verfahren sichtbar gemacht werden kann. Zudem können kleine, tief gelegene oder anatomisch schwierig erreichbare Läsionen sowie unklare Befunde für die Durchführung einer MRT-gesteuerten Biopsie sprechen. Das Verfahren kommt vor allem bei Untersuchungen der Brust und der Prostata zum Einsatz.
MRT-gesteuerte Biopsie der Brust
Die MRT der weiblichen Brust (Mamma-MRT) macht Veränderungen sichtbar, die weder in der Mammographie noch im Ultraschall eindeutig dargestellt werden können. Wird eine mittels MRT identifizierte Läsion aufgrund ihrer Bildmerkmale als verdächtig eingestuft, kann eine MRT-gesteuerte Biopsie indiziert sein. Nach den Kriterien des Breast Imaging Reporting and Data System (BI-RADS) betrifft dies insbesondere Veränderungen, die als hochgradig malignitätsverdächtig bewertet werden. Das Ziel der Probenahme besteht in der Unterscheidung zwischen einer gutartigen Veränderung und dem Vorliegen eines Mammakarzinoms (Brustkrebs). Ist die Veränderung dagegen auch mittels Ultraschall eindeutig erkennbar, wird die einfacher durchzuführende ultraschallgesteuerte Gewebeentnahme in der Regel bevorzugt.
MRT-gesteuerte Biopsie der Prostata
Auch beim Verdacht auf ein Prostatakarzinom spielt die MRT eine wichtige Rolle. Auffälligkeiten werden mithilfe der multiparametrischen MRT (mpMRT) beurteilt und nach dem PI-RADS-System eingestuft. Bei einem kritischen Befund lässt sich Gewebe gezielt aus dem verdächtigen Bereich entnehmen. Dafür stehen mehrere Varianten – wie die bereits angesprochene Fusionsbiopsie und die In-bore-Biopsie – zur Verfügung. Diese bieten den Vorteil einer unmittelbaren Kontrolle der Zielregion, der Nadelführung und des Punktionswegs. Allerdings ist die In-bore-Biopsie als direkte Variante der MRT-gesteuerten Prostatabiopsie technisch aufwändiger und wird daher nicht flächendeckend angeboten.
Weitere Einsatzmöglichkeiten der MRT-gesteuerten Biopsie
Abseits von Brust und Prostata lassen sich MRT-gesteuerte Gewebeentnahmen grundsätzlich auch in anderen Körperregionen durchführen. Bei Leber, Knochen und Weichteilen geht es etwa um Läsionen, die mit anderen Verfahren nicht sicher erreichbar oder abgrenzbar sind. Aber auch die Lagebeziehungen zu wichtigen Gefäßen und Organen haben für die Auswahl des Biopsieverfahrens zentrale Bedeutung.
Vorbereitung und Ablauf einer MRT-gesteuerten Biopsie
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Vorbereitung umfasst die Feststellung von Implantaten und Auffälligkeiten der Blutgerinnung.
- Je nach zu untersuchendem Organ wird der Patient in einer bestimmten Position gelagert.
- Die Gewebeentnahme wird in der Regel ambulant durchgeführt – ein stationärer Aufenthalt ist üblicherweise nicht erforderlich.
Viele Aspekte des Ablaufs einer MRT-gesteuerten Biopsie sind mit denen einer herkömmlichen MRT-Untersuchung vergleichbar – auch die Vorbereitung. Besonders wichtig sind Angaben zu etwaigen Kontrastmittelunverträglichkeiten oder Allergien gegen örtliche Betäubungsmittel sowie zum Vorhandensein eines Herzschrittmachers oder sonstiger Implantate. Da im Rahmen der Punktion Gefäße verletzt werden können, werden in der Vorbereitung auch Informationen bezüglich der Einnahme von Blutverdünnern oder gerinnungshemmenden Medikamenten abgefragt. Des Weiteren werden dem Patienten wichtige Verhaltensregeln in Bezug auf die vorherige Nüchternheit und das Verhalten nach der Biopsie mitgeteilt.
Wie der Patient für den Eingriff gelagert wird, richtet sich nach dem zu untersuchenden Organ. Die Biopsie der Brust wird üblicherweise in Bauchlage durchgeführt (wofür ein spezieller Untersuchungstisch verwendet wird), während bei der Biopsie der Prostata – je nach Zugang – eine Rücken- oder Seitenlage einzunehmen ist. Mithilfe einer ersten Orientierungsaufnahme kann der auffällige Befund genau lokalisiert werden.
Nadelplatzierung, Punktion und Gewebeentnahme: Die wichtigsten Schritte der Biopsie im Überblick
Die Haut wird steril desinfiziert, abgedeckt und der geplante Zugang markiert. Anschließend erfolgt die örtliche Betäubung. Bei Bedarf kann der Patient ein Beruhigungsmittel erhalten. Nach einem kleinen Hautschnitt oder der direkten Punktion wird die Nadel schrittweise vorgeschoben. Wiederholte Aufnahmen ermöglichen die Kontrolle der Position; wenn nötig kann eine Korrektur der Richtung erfolgen. Mit diesem Vorgehen soll das unauffällige Nachbargewebe weitgehend geschont werden.
Je nach der konkreten medizinischen Fragestellung stehen verschiedene Entnahmeverfahren zur Verfügung, um eine ausreichende Menge Material zu gewinnen. Beispielsweise kann es erforderlich sein, eine Läsion an mehreren Stellen zu punktieren. Die Proben werden gekennzeichnet und an die Pathologie geschickt. Dort erfolgt die eigentliche Untersuchung, um verschiedene Zelltypen und deren Verteilung sichtbar zu machen.
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Fazit: Die MRT-gesteuerte Biopsie ist in einigen Situationen anderen Verfahren überlegen
Radiologische Bildgebungsverfahren ermöglichen einen Blick in das Körperinnere des Patienten ohne einen physischen Eingriff. Allerdings lässt sich weder mit dem Röntgen noch mit der CT eine auffällige Raumforderung hinsichtlich ihrer Malignität abschließend bewerten oder der Subtyp eines Tumors feststellen. Dies ist nur infolge einer Gewebeuntersuchung möglich, für die es einer Biopsie bedarf. Die MRT-gesteuerte Biopsie ist anderen Verfahren in bestimmten Situationen überlegen, da sie Läsionen nicht nur besser abbildet, sondern manchmal überhaupt erst sichtbar macht. Gleichwohl hat die MRT-gesteuerte Biopsie auch Nachteile. Ihre Durchführung ist aufwändig, setzt eine gewisse technische Ausstattung voraus und ist vergleichsweise teuer. Aus diesen Gründen wird das Verfahren nur bei bestimmten Fragestellungen eingesetzt.
FAQ zur MRT-gesteuerten Biopsie: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wie lange dauert eine MRT-gesteuerte Biopsie?
Die Gesamtdauer hängt von Organ, Zugangsweg sowie der Anzahl der Kontrollaufnahmen ab. Üblicherweise sind etwa 30 bis 60 Minuten einzuplanen, wobei sich die Dauer in Einzelfällen auch auf einen längeren Zeitraum erstrecken kann. Auf die eigentliche Gewebeentnahme entfällt dabei nur ein kleiner Zeitanteil. Nicht unterschätzt werden darf der Zeitaufwand für die Planung, die Lagerung und die Kontrollaufnahmen sowie die Nachsorge.
Welche Risiken drohen bei der Durchführung einer MRT-gesteuerten Biopsie?
Auch wenn die MRT-gesteuerte Biopsie als minimalinvasives Verfahren gilt, besteht ein grundsätzliches Komplikationsrisiko, das sich aus der Punktion mit der Biopsienadel ergibt. Infolge des Einstichs kann es zu kleineren Blutungen, Hämatomen und Schmerzen an der Punktionsstelle kommen. In seltenen Fällen bildet sich eine Infektion.
Kann die MRT-gesteuerte Biopsie die Verbreitung von Krebs begünstigen?
Das Risiko, dass es zur Verschleppung von Tumorzellen durch eine Biopsie entlang des Punktionskanals kommt, wird bei den heute angewandten Verfahren als gering eingeschätzt. Die Entscheidung zur Probenahme erfolgt immer nach Abwägung von Nutzen und Risiko, da für die weitere Behandlungsplanung die Analyse der Pathologie oft essentiell ist. Durch die Befundung lässt sich nicht nur zwischen gut- und bösartigen Veränderungen unterscheiden. Bei Tumoren liefert sie auch Informationen über deren Heterogenität und ermöglicht individuell angepasste Therapieentscheidungen.