Nebennieren-Inzidentalom: Bedeutung des Zufallsbefunds & notwendige Abklärung
Inzidentalome der Nebennieren sind Raumforderungen, die im Rahmen einer aus anderen Gründen durchgeführten bildgebenden Untersuchung entdeckt werden. Häufig fallen diese bei einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) auf – zum Beispiel, wenn aufgrund unklarer Bauchschmerzen Radiologen den Bauchraum untersuchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem solchen Befund in den Nebennieren kommt, steigt mit dem Alter an.
Wie der Befund in seinem Charakter zu bewerten ist, also ob eine gut- oder bösartige Raumforderung vorliegt, hängt von den Ergebnissen weiterer Untersuchungen ab. Ob das Inzidentalom Hormone produziert, lässt sich durch Blut- und Urintests mittels Laboruntersuchung überprüfen, während spezielle Parameter der bildgebenden Verfahren (Größe, Dichte in der CT bzw. Signalverhalten in der MRT) zur Klassifikation der Läsionen herangezogen werden.

Was sind Nebennieren-Inzidentalome und wie hoch ist deren Krankheitswert?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Das Nebennieren-Inzidentalom ist eine zufällig bei bildgebenden Untersuchungen gefundene Raumforderung.
- Der Befund enthält keine Informationen zum Krankheitswert der Raumforderung.
- Nebennieren-Inzidentalome zeigen in der Regel keine typischen Symptome.
Entscheidend ist, dass die auffällige Läsion während bildgebender radiologischer Untersuchungen zufällig gefunden wird – ohne dass gezielt nach ihr gesucht wurde. Hierdurch unterscheidet sich das Inzidentalom von Raumforderungen, für die ein konkreter Verdacht bestand, etwa bei der gezielten Suche nach Metastasen mit der PET-CT in der Krebsdiagnostik.
Als Ursache für die gefundene Auffälligkeit kommen verschiedene Arten von Raumforderungen infrage. Zu den gutartigen Veränderungen gehört das hormoninaktive Adenom (Tumor der Nebennierenrinde). Dies macht bis zu 70 Prozent der Nebennieren-Inzidentalome aus [1]. Des Weiteren treten in dieser Gruppe Tumore aus Fett- und blutbildendem Gewebe (Myelolipome) und Zysten auf. Bildet ein Adenom unabhängig vom körpereigenen Regelkreis leicht vermehrt Cortisol (milde autonome Cortisolsekretion, MACS), ist das nicht automatisch bedrohlich. Wegen möglicher Folgen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes sollte der Befund aber ärztlich begleitet werden [1].
Anders sieht die Bewertung aus, wenn die Raumforderung viel Cortisol bildet (Cushing-Syndrom) oder zu viel Aldosteron produziert (primärer Hyperaldosteronismus, Conn-Syndrom). Gleiches gilt für einen hormonaktiven Tumor des Nebennierenmarks, der Adrenalin und Noradrenalin im Übermaß bildet: das Phäochromozytom. Ernst zu nehmen sind außerdem Inzidentalome, die sich als Nebennierenkarzinom oder als Metastasen herausstellen. Für Metastasen kommen verschiedene Primärtumore infrage, zum Beispiel Lungenkrebs, Brustkrebs (Mammakarzinom) oder Nierenkrebs. Das Nebennierenkarzinom ist mit weniger als fünf Prozent der Fälle eher selten [1]. Bei einigen Betroffenen sind aber auch gutartige Inzidentalome behandlungsbedürftig, wenn sie Druck auf umliegende Strukturen ausüben und so zu Beschwerden führen.
Diese Beschwerden können auf eine Hormonaktivität hinweisen
Inzidentalome verursachen meist keine für die Grunderkrankung typischen Symptome. Ist die Raumforderung hormonaktiv oder bösartig, können sich unspezifische Beschwerden jedoch schleichend entwickeln.
Bei leichtem Cortisolüberschuss können zum Beispiel Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Übergewicht und Osteoporose (Knochenschwund) auftreten. Ein zu hoher Aldosteronspiegel geht mit Bluthochdruck und einem niedrigen Kaliumwert im Blut einher. Das Phäochromozytom kann Blutdruckkrisen mit Herzklopfen, Schwitzen und Kopfschmerzen auslösen, während Karzinome gelegentlich Flankenschmerzen oder einen ungewollten Gewichtsverlust verursachen. Insofern sind für die Bewertung der bildgebenden Befunde auch die Erkenntnisse aus dem Anamnesegespräch und der körperlichen Untersuchung von Bedeutung.
Die Abklärung von Nebennieren-Inzidentalomen: Bildgebung und Hormonstatus
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Mithilfe bildgebender Verfahren lässt sich das Gewebe des Inzidentaloms beurteilen.
- Wichtige Parameter sind die Größe der Läsionen und die Gewebedichte.
- Zur sicheren Diagnostik der Nebennieren-Inzidentalome kommen auch Hormontests zum Einsatz.
Die Bewertung einer Läsion erfolgt in der Bildgebung durch Analysen der Gewebebeschaffenheit (die sich anhand bestimmter Bildsignale betrachten lässt) oder durch die feingewebliche Untersuchung, meist nach einer Operation. Eine Biopsie kommt nur in Ausnahmefällen infrage (siehe FAQ).
Gutartige Nebennierenadenome enthalten häufig Fett innerhalb ihrer Zellen, wodurch sie sich von anderen Raumforderungen unterscheiden lassen. In der CT wird die Gewebedichte anhand der Hounsfield-Einheiten (HU) gemessen.
Ein homogenes Nebennieren-Inzidentalom mit einem Dichtewert von höchstens 10 HU in Aufnahmen ohne Kontrastmittel gilt als gutartig. Für eindeutig charakterisierte Befunde sind in der Regel keine zusätzlichen bildgebenden Kontrollen notwendig. Liegt der Dichtewert zwischen 11 und 20 HU, ist gegebenenfalls eine ergänzende Bildgebung erforderlich. Bei einem Durchmesser von mindestens 4 cm in Kombination mit einer inhomogenen Struktur oder einer Dichte von mehr als 20 HU besteht ein relevantes Risiko für Bösartigkeit. [1] Eine sichere Krebsdiagnose ist anhand dieser Bewertungskriterien aber nicht möglich.
Im Vergleich von CT und MRT bietet die MRT mehrere Vorteile, wie die Durchführung ohne Röntgenstrahlung und spezielle Sequenzen, mit denen sich Fett in den Zellen nachweisen lässt: Fettreiche Adenome erscheinen in sogenannten Gegenphase-Aufnahmen dunkler als in Gleichphase-Aufnahmen. So lassen sie sich von fettarmen Raumforderungen wie Karzinomen oder Metastasen unterscheiden. Die Treffsicherheit ist allerdings etwas geringer als bei der CT [1]. Eine sichere Einordnung des Inzidentaloms ist daher auch mit der MRT nicht immer möglich.
Die hormonelle Abklärung eines Nebennieren-Inzidentaloms
Entscheidend für die Beurteilung der Inzidentalome ist der Hormonstatus. Durch endokrinologische Untersuchungen wird überprüft, ob Läsionen Hormone außerhalb des physiologischen Regelkreises bilden. Zu den wichtigsten Tests gehören:
- der Dexamethason-Hemmtest (prüft die Cortisolproduktion unabhängig vom Regelkreis),
- die Bestimmung der Metanephrine in Blut oder Urin (Abbauprodukte von Adrenalin und Noradrenalin), um bei nicht eindeutig gutartigen Befunden ein Phäochromozytom auszuschließen [1],
- der Aldosteron-Renin-Quotient (hilft bei der Beurteilung einer übermäßigen Aldosteronproduktion, etwa bei Bluthochdruck oder einem niedrigen Kaliumspiegel unklarer Ursache) [1].
Zusätzlich kann die Analyse verschiedener Hormonabbauprodukte zur Überprüfung des Verdachts auf ein Nebennierenkarzinom eingesetzt werden.
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Fazit: Nebennieren-Inzidentalome können auf gut- oder bösartige Erkrankungen hindeuten
Wird bei einer MRT oder CT ein Nebennieren-Inzidentalom entdeckt, verunsichert das viele Patienten. Ein hoher Anteil der gefundenen Läsionen ist gutartig – wie zum Beispiel Adenome, die keine Hormone produzieren und nicht metastasieren, oder einfache Zysten. Für diese Inzidentalome ist häufig weder eine Behandlung noch eine Verlaufskontrolle erforderlich. Allerdings kann es sich bei den Auffälligkeiten auch um ernsthafte Erkrankungen handeln, wie Karzinome oder Metastasen. In diesem Fall ist eine rasche, auf Patient und Tumortyp abgestimmte Therapie erforderlich. Zur Abklärung schließen sich an das Auffinden der Raumforderung Hormontests und gegebenenfalls weitere bildgebende Untersuchungen an.
FAQ zu Nebennieren-Inzidentalomen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann ein gutartiges Inzidentalom im weiteren Verlauf hormonaktiv oder bösartig werden?
Die Wahrscheinlichkeit dafür ist als gering einzuschätzen – insbesondere für Nebennieren-Inzidentalome, die als eindeutig gutartig eingestuft werden. Laut europäischer Leitlinie entwickeln im Verlauf etwa fünf Prozent eine milde autonome Cortisolsekretion. Bösartige Veränderungen sind mit etwa 0,2 Prozent sehr selten [1]. Wird ein Inzidentalom später als bösartig eingestuft, handelt es sich oft um Fälle, in denen die bösartigen Eigenschaften bei der Erstdiagnose nicht zu erkennen waren.
Ist eine Biopsie bei einem Nebennieren-Inzidentalom Standard?
Eine Gewebeentnahme gehört nicht zu den Methoden der routinemäßigen Diagnostik, sondern wird nur in ausgewählten Situationen erwogen. Ein Beispiel sind Patienten mit einer bekannten Krebserkrankung außerhalb der Nebenniere. Eine Biopsie soll hier den Verdacht auf eine Metastase abklären. Bevor der Eingriff vorgenommen wird, muss insbesondere ein Phäochromozytom ausgeschlossen werden, da andernfalls eine gefährliche Hormonfreisetzung droht [1].
Welche Bedeutung hat ein Nebennieren-Inzidentalom bei einer bekannten Krebserkrankung?
Bei Patienten mit einer bereits diagnostizierten Krebserkrankung ist im Fall eines Inzidentaloms auch an Metastasen in der Nebenniere zu denken. Allerdings handelt es sich nicht bei jeder neu entdeckten Raumforderung um eine Tochtergeschwulst. Die Abklärung richtet sich nach der bekannten Tumorerkrankung, nach der Bildgebung und danach, ob das Ergebnis zu einer Anpassung der Behandlung führt.
[1] Fassnacht, M. et al. (2023): European Society of Endocrinology clinical practice guidelines on the management of adrenal incidentalomas, in collaboration with the European Network for the Study of Adrenal Tumors. In: European Journal of Endocrinology, Jg. 189, H. 1, S. G1-G42. DOI: 10.1093/ejendo/lvad066. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 02.11.2026).




