Fersensporn & Plantarfasziitis: Ursachen, Bildgebung & Behandlungsmöglichkeiten
Treten stechende Schmerzen bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen unter der Ferse auf, kann dahinter eine Plantarfasziitis stecken. Dabei handelt es sich um eine überlastungsbedingte, schmerzhafte Veränderung der Plantarfaszie, einer kräftigen Bindegewebsplatte, die sich im Bereich der Fußsohle vom Fersenbein bis zu den Zehengrundgelenken erstreckt. Nicht selten wird im Zuge der Suche nach den Ursachen für die Beschwerden auch ein Fersensporn entdeckt, ein knöcherner Auswuchs am Fersenbein (Calcaneus), der oft die Folge einer langfristigen mechanischen Überlastung ist.
In der Diagnostik spielen bildgebende Verfahren der Radiologie wie das Röntgen, der Ultraschall (Sonographie) und die Magnetresonanztomographie (MRT) eine Rolle. Das Ziel besteht darin, Veränderungen an den knöchernen Strukturen sowie am Weichgewebe nachzuweisen und andere Schmerzursachen auszuschließen. Beschwerden im Bereich der Plantarfaszie können neben einer Überlastung der Plantarfaszie auch auf Nervenerkrankungen – wie das Tarsaltunnelsyndrom (Einengung des Schienbeinnervs, Nervus tibialis, hinter dem Innenknöchel) und die Kompression des äußeren Fußsohlennervs (Nervus plantaris lateralis) bzw. seines ersten Astes – oder Degeneration der Fersenfettpolster zurückgehen.
Wie hängen Fersensporn und Plantarfasziitis zusammen?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Ein Fersensporn ist eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein durch die Reaktion des Knochens auf eine langfristige Überlastung.
- Bei einer Plantarfasziitis ist die Plantarfaszie an ihrem Ansatz am Fersenbein durch Überlastung schmerzhaft verändert.
- Beide treten häufig gemeinsam auf, ein sichtbarer Fersensporn ist aber nicht automatisch die Ursache der Beschwerden.
Die Plantarfaszie verläuft vom Fersenbein bis in den Bereich der Zehengrundgelenke. Ihre Aufgabe ist die Stabilisierung des Fußlängsgewölbes und die Unterstützung der Kraftübertragung beim Gehen.
Ist die Plantarfaszie kontinuierlich hohen Belastungen ausgesetzt, kann dies zu strukturellen Veränderungen führen. Am Fersenbein kann sich als Anpassungsreaktion des Knochens an die wiederkehrende mechanische Belastung eine Ausziehung durch die Anlagerung neuer Knochensubstanz entwickeln. Je nach Lokalisation werden zwei Formen unterschieden:
- Unterer (plantarer) Fersensporn: Die knöcherne Ausziehung befindet sich an der Unterseite des Fersenbeins im Bereich des Plantarfaszienansatzes.
- Oberer (dorsaler) Fersensporn: Die Veränderung liegt am hinteren Fersenbein im Bereich des Achillessehnenansatzes.
Beide Veränderungen gehen auf dieselbe Zugbelastung am Ansatz der Plantarfaszie zurück: Das Gewebe nimmt Schaden, der Knochen reagiert mit zusätzlicher Substanz. Der untere Fersensporn steht häufig mit einer Plantarfasziitis in Verbindung. Ein im Röntgenbild sichtbarer Sporn ist jedoch nicht automatisch für die Beschwerden verantwortlich, da er auch bei Menschen ohne Schmerzen vorkommt.
Bei einer Plantarfasziitis treten besonders im Bereich des Ansatzes der Plantarfaszie am Fersenbein Mikroverletzungen und degenerative Veränderungen auf, die Auslöser der Beschwerden sind. Da meist keine herkömmliche Entzündungsreaktion, sondern ein anhaltender Überlastungs- und Degenerationsprozess im Vordergrund steht, wird in der Medizin alternativ auch der Begriff „Plantarfasziopathie“ verwendet.
Faktoren, die das Entstehen einer Plantarfasziitis begünstigen und mitunter gemeinsam auftreten, sind
- langes Stehen und Gehen, weshalb Menschen in körperlich belastenden Berufen häufiger betroffen sind,
- Übergewicht, da es die mechanische Belastung erhöht,
- sportliche Überlastung, insbesondere exzessives Laufen und abrupte Trainingssteigerungen,
- Fußfehlstellungen, da sie die Statik des Fußes und damit die Lastverteilung verändern,
- verkürzte Wadenmuskulatur, wodurch die Zugbelastung erhöht wird, und
- ungeeignetes Schuhwerk mit fehlenden Dämpfungseigenschaften.
Typische Symptome, die Fersensporn und Plantarfasziitis im Alltag verursachen können
Zu den typischen Beschwerden, die durch Fersensporn und Plantarfasziitis verursacht werden können, gehören an der Unterseite der Ferse sitzende Schmerzen, häufig am inneren Ansatz der Plantarfaszie. Sie treten in der Regel morgens oder nach längerem Sitzen auf, bessern sich nach einigen Schritten (dieser Verlauf wird auch als Anlaufschmerz bezeichnet) und nehmen bei längerer Belastung wieder zu. Ein Fersensporn allein bleibt dabei häufig beschwerdefrei, die Schmerzen gehen meist von der Plantarfaszie aus. Darüber hinaus können eine vermehrte Druckempfindlichkeit, zunehmende Probleme beim Barfußgehen auf harten Untergründen sowie Einschränkungen beim Gehen oder Sporttreiben auftreten. Beim Fortschreiten der Beschwerden können sich zudem Veränderungen im Gangbild zeigen, da Betroffene versuchen, die schmerzhafte Ferse zu entlasten.
Was gehört bei Verdacht auf Fersensporn und Plantarfasziitis zur Diagnostik?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Diagnose einer Plantarfasziitis wird üblicherweise anhand der Symptome und der körperlichen Untersuchung gestellt.
- Mit dem Röntgen können die Veränderungen des Knochens sichtbar gemacht und andere Auslöser ausgeschlossen werden.
- Mithilfe des Ultraschalls lässt sich die Plantarfaszie in Echtzeit beurteilen. Die MRT kommt vor allem bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden zum Einsatz.
Die Diagnostik besteht meist aus mehreren Schritten und beginnt mit der Anamnese, die den typischen Schmerzverlauf und mögliche Risikofaktoren klärt sowie die bisher vom Patienten ergriffenen Maßnahmen erfasst. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung liegt der Fokus unter anderem auf einem Druckschmerz an der Ferse, der Fußstellung (im Seitenvergleich werden Fehlstellungen erkennbar), der Beweglichkeit des Sprunggelenks und der Spannung der Wadenmuskulatur.
Des Weiteren wird beurteilt, inwiefern Schwellungen, Gefühlsstörungen oder Schmerzen an anderer Stelle Hinweise auf eine Differenzialdiagnose liefern. Zudem wird das Gangbild analysiert. Beim Provokationstest werden die Zehen passiv angehoben, wodurch sich die Plantarfaszie anspannt. Führt dies zu Schmerzen an der Ferse, spricht das für eine Plantarfasziitis.
Insbesondere bei unklaren, atypischen oder anhaltenden Beschwerden können bildgebende radiologische Verfahren (wie Röntgen, Ultraschall oder MRT) zum Einsatz kommen. Mithilfe der Röntgendiagnostik lassen sich das Fersenbein und andere Knochenstrukturen darstellen. Die Aufnahmen werden meist seitlich und im Stehen angefertigt. Mitunter wird zusätzlich die andere Ferse zum Vergleich abgebildet. Ein plantarer Fersensporn erscheint auf Röntgenbildern als knöcherner, spitz zulaufender Fortsatz an der Unterseite des Fersenbeins. Der dorsale Fersensporn ist dagegen am hinteren oberen Fersenbein im Bereich des Achillessehnenansatzes erkennbar. Zudem können mögliche andere Ursachen wie Knochenzysten oder Verkalkungen im Bereich der Sehnenansätze erkennbar sein. Ermüdungsbrüche (Stressfrakturen) zeigen sich teils erst im Verlauf.
Der Ultraschall ist strahlungsfrei und erlaubt eine schnelle Beurteilung beider Füße im Seitenvergleich. Die Untersuchung erfolgt normalerweise im Liegen oder Sitzen und dauert nur wenige Minuten. Bei einer gesunden Plantarfaszie zeigt sich eine schlanke, gleichmäßig strukturierte Gewebeschicht mit dem charakteristischen faserigen Aufbau. Eine Plantarfasziitis lässt dagegen unter anderem an ihrem Ansatz am Fersenbein häufig eine Verdickung der Plantarfaszie erkennen. Das Gewebe erscheint meist dunkler als gewöhnlich (verminderte Echogenität), die faserige Zeichnung ist aufgelockert oder weniger deutlich, und in der Umgebung kann sich Flüssigkeit ansammeln. Zu den Vorteilen des Ultraschalls zählt die Möglichkeit, dynamische Untersuchungen durchzuführen, mit denen sich die Plantarfaszie in der Bewegung von Fuß und Zehen beurteilen lässt.
Die MRT erlaubt eine detaillierte Darstellung der Plantarfaszie, des Fersenbeins und der angrenzenden Weichteilstrukturen. Sie kommt vor allem bei unklaren oder länger anhaltenden Beschwerden und beim Verdacht auf andere Ursache (z. B. einen Faszienriss oder ein Nervenkompressionssyndrom ) infrage. Typische MRT-Befunde bei Vorliegen einer Plantarfasziitis sind eine Verdickung der Plantarfaszie (insbesondere im Bereich des knöchernen Ansatzes) und eine erhöhte Signalintensität (Hinweis auf Flüssigkeitseinlagerung/Ödem) in flüssigkeitssensitiven MRT‑Sequenzen. Auf den Aufnahmen können auch Flüssigkeitseinlagerungen im umliegenden Weichgewebe oder Knochenmarködeme bei ausgeprägter Überlastung im angrenzenden Fersenbein zu erkennen sein.
Wie können Fersensporn und Plantarfasziitis behandelt werden?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Behandlung von Fersensporn und Plantarfasziitis erfolgt in der Regel konservativ.
- Im Vordergrund stehen die Reduktion der Überlastung und die Verminderung möglicher Risikofaktoren.
- Wichtige Komponenten sind Entlastung, Dehn- und Kräftigungsübungen sowie angepasstes Schuhwerk bzw. Einlagen. Kühlung und Schmerzmittel werden ergänzend eingesetzt.
Die Behandlung erfolgt in erster Linie konservativ und zielt darauf ab, die Symptome zu lindern sowie die Ursachen zu beheben. Belastungen, die Schmerzen auslösen oder verstärken, werden im Rahmen der Therapie vorübergehend reduziert und anschließend schrittweise wieder gesteigert, ohne die Schmerzgrenze zu überschreiten. Gerade bei sportbedingten Ursachen kann eine Umstellung auf fußschonende Sportarten sinnvoll sein. Zudem erfolgt in der Regel eine Anpassung des Schuhwerks. Polster aus Silikon oder Gel können Stöße abfedern, während Einlagen den Fuß stützen und die Plantarfaszie entlasten.
Ein weiterer Ansatz sind Dehnübungen der Plantarfaszie und der Wadenmuskulatur, um die Zugbelastung auf die Plantarfaszie zu verringern. Zusätzlich kann eine Kräftigung der Fuß- und Wadenmuskulatur unter physiotherapeutischer Anleitung die Beschwerden lindern. Durch das Tragen von Nachtschienen kann der betroffene Fuß in leichter Dehnung gehalten werden, wodurch der Anlaufschmerz am Morgen gemindert werden kann.
Ergänzend können neben der Kühlung auch Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) eingesetzt werden. Diese sollten jedoch nur zeitlich begrenzt angewendet und hinsichtlich möglicher Risiken für Leber, Nieren, Magen-Darm-Trakt und Herz-Kreislauf-System ärztlich kontrolliert werden.
Bessern sich die Beschwerden trotz konservativer Therapie über mehrere Monate nicht, können weitere Verfahren wie die Stoßwellentherapie erwogen werden. Eine Operation bleibt seltenen Ausnahmefällen vorbehalten.
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Fazit: Bildgebung bei Fersensporn und Plantarfasziitis bestätigt den Verdacht und schließt andere Ursachen aus
Eine Plantarfasziitis kann mitunter bereits aufgrund der Angaben des Patienten in Kombination mit der Berücksichtigung der Risikofaktoren und der Untersuchung auf Druckschmerz diagnostiziert werden. Die Bildgebung mittels Ultraschall, Röntgen oder MRT erfüllt dennoch wichtige Aufgaben. Sie dient einerseits der Bestätigung des Anfangsverdachts, andererseits der Differenzialdiagnostik, denn andere Erkrankungen im Bereich der Fußsohle lösen ähnliche Beschwerden aus, werden aber anders behandelt.
FAQ zur Plantarfasziitis und zum Fersensporn: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Treten Plantarfasziitis und Fersensporn immer gemeinsam auf?
Nein. Plantarfasziitis und Fersensporn treten zwar häufig gemeinsam auf, es gibt aber beide Befunde auch ohne den jeweils anderen. Ein Sporn im Röntgenbild verursacht nicht automatisch Schmerzen, deshalb lässt sich allein daran nicht entscheiden, ob er die Beschwerden auslöst. Entscheidend sind die Beschwerden zusammen mit dem Untersuchungsbefund.
Sollten am Fuß lokalisierte Beschwerden umgehend ärztlich untersucht werden?
Nicht jede Beschwerde am Fuß muss sofort ärztlich untersucht werden; typische Fersenschmerzen ohne Warnzeichen können zunächst beobachtet werden. Eine umgehende Untersuchung sollte jedoch erfolgen, wenn zu den bisherigen Beschwerden plötzlich stärkere oder neue Schmerzen an anderer Stelle hinzukommen, am Fuß eine ausgeprägte Schwellung, Rötung oder Überwärmung auftritt oder der Fuß gar nicht mehr belastbar ist. Auch ein Taubheitsgefühl, Kribbeln, Fieber sowie starke Ruheschmerzen sind Warnzeichen. Dahinter können beispielsweise ein Faszienriss, ein Ermüdungsbruch, eine Nervenkompression oder eine Infektion stehen. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen an, sollte ebenfalls ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wie lange dauert es, bis eine Plantarfasziitis ausgeheilt ist?
Ein bestimmter Zeitraum lässt sich für die Ausheilung einer Plantarfasziitis nicht pauschal angeben. Häufig bilden sich die Beschwerden jedoch innerhalb von zwölf Monaten weitgehend zurück [1]. Ausschlaggebend für den Heilungsfortschritt sind die Dauer und Intensität der Belastungen, eine mögliche Reduktion des Körpergewichts, Veränderungen am Schuhwerk und die Konsequenz, mit der therapeutische Dehn- und Kräftigungsübungen durchgeführt werden.
[1] Rompe JD. Plantar fasciopathy. Sports Med Arthrosc Rev. 2009 Jun;17(2):100-4. doi: 10.1097/JSA.0b013e3181a3d60e. PMID: 19440137. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 20.10.2026).




