Pankreaszyste als Zufallsbefund: Bedeutung, Risiko und notwendige Kontrollen
Bei Computertomographien (CT) oder Magnetresonanztomographien (MRT) – die zur Klärung einer anderen Fragestellung durchgeführt werden – kommt es immer wieder zu einer unerwarteten Feststellung zystischer Läsionen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Diese Zufallsbefunde sind durchaus keine Seltenheit: Im Rahmen einer Studie wurden bei fast 50 Prozent der untersuchten Personen Pankreaszysten mit einem Durchmesser von mehr als zwei Millimetern gefunden [1]. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit, von einer Pankreaszyste betroffen zu sein, mit zunehmendem Alter an.
Nach dem Fund einer solchen Läsion stellt sich die zentrale Frage, ob es sich um eine eher harmlose Veränderung oder die Vorstufe eines bösartigen Tumors handelt. Zysten der Bauchspeicheldrüse früh abzuklären, kann sich positiv auf die Prognose auswirken. Allerdings verursacht Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) gerade in der Anfangsphase kaum Beschwerden und wird daher oft erst spät erkannt, was in der Regel eine erhebliche Beeinträchtigung der Überlebenswahrscheinlichkeit nach sich zieht. Aus diesem Grund ist eine umfassende Diagnostik erforderlich, in deren Rahmen verschiedene radiologische Bildgebungsverfahren zum Einsatz kommen.
Was genau ist eine Pankreaszyste?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Eine Pankreaszyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum im Gewebe der Bauchspeicheldrüse.
- Die Medizin unterteilt die Zysten in verschiedene Typen mit unterschiedlichem Entartungsrisiko.
- Besonders bei neoplastischen Pankreaszysten liegt der Verdacht auf einen Tumor nahe.
Pankreaszysten sind abgegrenzte und mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die sich im Gewebe der Bauchspeicheldrüse oder deren Gangsystem bilden können. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine homogene Gruppe von Raumforderungen, sondern um heterogene Neubildungen mit unterschiedlichem biologischem Verhalten.
Grundsätzlich lassen sich zwei große Formen voneinander abgrenzen:
- nichtneoplastische Zysten (hierzu zählen unter anderem Pseudozysten oder einfache Retentionszysten) und
- neoplastische Zysten, denen eine Gewebeneubildung zugrunde liegt (wie die intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie (IPMN) oder das seröse Zystadenom).
Typische Formen von Pankreaszysten im Überblick
Wird bei einer bildgebenden Untersuchung unerwartet eine zystische Läsion erkannt, ist die Einordnung dieses Zufallsbefunds von Bedeutung. Eine gutartige Neubildung kann häufig nach dem Grundsatz „Watch and Wait“ ärztlich behandelt werden. Bei kritisch wirkenden Zysten ist dagegen eine umfassende Diagnostik notwendig, die auch Gewebeentnahmen (Biopsien) einschließt, um eine Entartung von Bauchspeicheldrüsengewebe auszuschließen.
- Seröse Zystadenome: Diese Auffälligkeiten sind meist gutartig und zeigen in der Bildgebung häufig eine charakteristische, aus zahlreichen kleinen Kammern bestehende Erscheinungsform, die auch als „Honigwaben“-Muster bezeichnet wird. Eine Entartung tritt bei dieser Zystenform eher selten auf.
- Muzinöse Zysten: Hierbei handelt es sich um eine Zystenform, die Schleim (Muzin) produziert. In diese Gruppe fallen die muzinös-zystische Neoplasie (MCN) und die IPMN. Da es sich hier um eine Variante handelt, die als potenzielle Krebsvorstufe gesehen wird, erfordern muzinöse Zysten eine genaue Beurteilung. Speziell die intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie gilt in diesem Zusammenhang als relevanter Befund im Hauptgang oder in den Seitenästen des Pankreas, da aus diesen über einen längeren Zeitraum ein Pankreaskarzinom entstehen kann.
- Pseudozysten: Es handelt sich weder um einen Tumor noch um eine Krebsvorstufe, sondern um abgekapselte Flüssigkeitsansammlungen im oder um das Pankreasgewebe, die sich infolge einer vorangegangenen (akuten oder chronischen) Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) bilden.
Ursachen und auslösende Erkrankungen
Nichtneoplastische Zysten stehen oft mit der Entzündung der Bauchspeicheldrüse in Verbindung. Kommt es im Rahmen einer akuten oder chronischen Pankreatitis zu einer Verlegung des Pankreasgangs oder zu Vernarbungen des Gewebes, können sich Pseudozysten bilden. Auch Verletzungen des Pankreasgangsystems – zum Beispiel durch ein stumpfes Bauchtrauma – kommen als Auslöser infrage.
Zystische Befunde, die zur Gruppe der Neoplasien und der Präkanzerosen gehören, haben oft andere Ursachen. So kommen unter anderem genetische Veränderungen als Auslöser für die Bildung der Raumforderung in Betracht. Für die Beurteilung der IPMN ist die Lage in der Bauchspeicheldrüse ein zentraler Punkt, da die im Pankreashauptgang verorteten Veränderungen oft aggressiver sind als die sich in den Verzweigungen befindenden zystischen Läsionen.
Allerdings sind die Ursachen nicht für alle Zysten bekannt. Seröse Zystadenome treten nicht selten spontan auf und lassen sich nicht auf einen konkreten Auslöser zurückführen [2]. Auch bezüglich der typischen Risikofaktoren – zu denen die Pankreatitis, Alkoholmissbrauch, Rauchen und einige erbliche Syndrome gehören – heben sich die Zystadenome ab, da meist keine direkte Verbindung zu erkennen ist.
Harmlos oder Zeichen einer schweren Erkrankung: Was bedeutet eine zufällig entdeckte Zyste?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Viele Zysten sind gutartig und verursachen Betroffenen keine Beschwerden.
- Warnzeichen einer kritischen Pankreaszyste können unter anderem eine signifikante Erweiterung des Pankreashauptgangs und eine Stauungsgelbsucht sein.
- Auch das Kontrastmittelverhalten der Zyste hat als Warnzeichen Bedeutung.
Viele der zufällig entdeckten Pankreaszysten verursachen keine Beschwerden und Komplikationen. Insbesondere kleine Zysten gehen mit einem geringen Risiko für eine bösartige Entartung einher, sollten aber trotzdem regelmäßig auf Veränderungen hin begutachtet werden, um im Fall der Entstehung eines Pankreaskarzinoms frühzeitig reagieren und die Krankheitsprognose verbessern zu können.
Ob bei einer Zyste in der Bauchspeicheldrüse mit einer Entartung zu rechnen ist, wird anhand des individuellen Risikos abgeschätzt. Dafür sind als Faktoren
- der Typ der Pankreaszyste,
- ihre Größe (ab einem Durchmesser von drei Zentimetern steigt das Entartungsrisiko) sowie
- das Vorliegen definierter Warnzeichen
entscheidend.
Warnzeichen bei einer zufällig gefundenen Pankreaszyste
Erkennen Ärzte im Zusammenhang mit dem zystischen Zufallsbefund Anzeichen für hochgradige Gewebeveränderungen oder ein bereits bestehendes Karzinom, ist eine umgehende weiterführende Diagnostik indiziert. Zu den „Red Flags“ gehören unter anderem
- eine Erweiterung des Pankreashauptgangs auf mindestens zehn Millimeter,
- eine Gelbsucht infolge des durch die (im Pankreaskopf befindliche) Zyste verursachten Gallestaus,
- ein solider Anteil oder eine knotige Verdickung der Zystenwand, bei der eine Kontrastmittelaufnahme zu beobachten ist sowie
- ein auffälliger Zellbefund aus der Zystenflüssigkeit.
Sobald eines dieser Anzeichen auftritt, ist eine Intervention erforderlich. Weniger strikt ist das ärztliche Vorgehen bei einer Erweiterung des Hauptgangs auf fünf bis neun Millimeter oder einer verdickten bzw. kontrastmittelaufnehmenden Wand der Zyste ohne eindeutigen soliden Anteil. In diesen Fällen sind engmaschigere Kontrollen oder eine Endosonographie empfohlen. Gleiches gilt, wenn eine Größenzunahme von mindestens fünf Millimeter innerhalb von zwei Jahren beobachtet wird.
Radiologische Diagnostik bei einer Pankreaszyste: CT, MRT und Endosonographie
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die zufällige Entdeckung erfolgt oft im Ultraschallbild oder in einem CT-Scan.
- Mithilfe der MRT lassen sich das Gewebe der Bauchspeicheldrüse und die Beziehung zur Zyste gut darstellen.
- Ein Ultraschall von innen und die Entnahme einer Probe tragen zur Diagnosestellung bei.
Da Pankreaszysten nicht selten als Zufallsbefund festgestellt werden, nimmt die Bildgebung in der Diagnostik eine besondere Rolle ein. Dabei greifen verschiedene Verfahren ineinander. Die zystische Läsion wird oft im Rahmen eines Ultraschalls (Sonographie) oder einer CT-Untersuchung entdeckt. Letztere bietet den Vorteil, dass sich Verkalkungen und solide Anteile allgemein zuverlässig darstellen lassen. Zudem ist das Verfahren vergleichsweise schnell durchführbar – wenn auch in Verbindung mit einer Strahlenbelastung. Ein weiterer Nachteil ist die begrenzte Darstellungsmöglichkeit von Weichgewebe.
Ein zentrales Verfahren für die Beurteilung von Zysten ist die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP). Ihr Vorteil ist nicht nur eine Durchführung ohne Strahlenbelastung, sondern auch die gute Darstellung von Weichgewebe. Die Untersuchung eignet sich deshalb zur Beurteilung des Gangsystems. Dies ist unter anderem dann von Bedeutung, wenn zu beurteilen ist, ob eine Pankreaszyste mit dem Pankreashauptgang korrespondiert (wichtig in der IPMN-Diagnostik). Außerdem ist mit dem Verfahren eine differenzierte Beurteilung von Trennwänden innerhalb der Zyste und von Knoten im Gewebe möglich.
Darüber hinaus steht mit der Endosonographie (EUS) eine weitere Methode für die Beurteilung zur Verfügung. Dazu wird eine Ultraschalluntersuchung von innen – beispielsweise über die Darmwand – durchgeführt. Die Feinnadelaspiration (FNA) dient dazu, bei kritischen Läsionen Flüssigkeit aus der Zyste zu entnehmen, um diese anschließend auf Tumormarker wie das Carcinoembryonale Antigen (CEA) zu untersuchen [3]. Gerade für den Fall, dass alle bisher durchgeführten Verfahren keine ausreichenden Informationen geliefert haben, kann die EUS entscheidende Hinweise zur Diagnosestellung beitragen. Sofern sich ein Tumorverdacht bestätigt, kann der Einsatz der Bildgebung unter anderem auch auf die PET-CT ausgeweitet werden.
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Fazit: Pankreaszysten sind nicht automatisch bösartig, müssen bei Verdacht aber beobachtet werden
Wird eine Zyste der Bauchspeicheldrüse zufällig im Rahmen einer aus anderem Grund durchgeführten Untersuchung entdeckt, muss dies nicht zwangsläufig eine Krebserkrankung bedeuten, denn viele Zysten sind vergleichsweise harmlos und bilden sich teilweise selbständig zurück. Allein die Existenz einer solchen Raumforderung ist zudem auch kein zwingender Hinweis darauf, dass eine Entartung droht. Liegen jedoch bestimmte Warnzeichen – die sich auf die Größe oder innere Struktur beziehen können – vor, ist eine weiterführende Diagnostik angezeigt, um den sich dann stellenden Verdacht auf eine Krebsvorstufe abzuklären. Die MRT und die Untersuchung von Probenmaterial aus der Zyste spielen dabei eine zentrale Rolle. Ihre Ergebnisse liefern Anhaltspunkte dazu, ob die Pankreaszyste zunächst weiter beobachtet werden kann oder umgehend zu entfernen ist.
FAQ zu Pankreaszysten: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Ist bei jeder Zyste der Bauchspeicheldrüse eine Operation erforderlich?
Viele gutartige Pankreaszysten verursachen keine Beschwerden und müssen auch nicht zwingend entfernt werden. Meist reicht es aus, diese mittels bildgebender Verfahren zu überwachen und bei Veränderungen aktiv zu werden. Eine Operation wird dann erwogen, wenn Anzeichen auf einen Hochrisikobefund hindeuten oder es im Rahmen der Probenuntersuchung nach der FNA zu einem positiven Karzinombefund kommt.
Wie lange muss eine Pankreaszyste engmaschig überwacht werden?
Entscheidend sind in diesem Zusammenhang die individuellen Rahmenbedingungen. Eine Raumforderung in der Bauchspeicheldrüse wird überwacht, um frühzeitig eine Entartung – unter anderem anhand von Größenveränderungen – zu erkennen. Für den Fall, dass eine Zyste über Jahre stabil bleibt, können die Intervalle ausgedehnt werden.
Ist eine Pankreaszyste in Blutuntersuchungen nachweisbar?
Die zystische Läsion lässt sich meist nicht durch die üblichen Laboruntersuchungen erkennen, da gutartige Veränderungen die Werte nicht beeinflussen. Möglich ist eine Veränderung der Werte, wenn das Gewebe bereits entartet ist und sich ein bösartiger Tumor gebildet hat. In diesem Fall zeigen sich unter Umständen Auffälligkeiten in den Tumormarkern.
Wie oft muss eine Pankreaszyste kontrolliert werden?
Wie oft eine Pankreaszyste kontrolliert werden muss, hängt von ihrer Größe und dem individuellen Risikoprofil ab. Kleine, unauffällige Zysten werden meist alle ein bis zwei Jahre kontrolliert, größere oder auffällige Befunde deutlich engmaschiger, im Extremfall alle drei bis sechs Monate.
[1] Kromrey, M.-L. et al. (2018): Prospective Study on the Incidence, Prevalence and 5-Year Pancreatic-Related Mortality of Pancreatic Cysts in a Population-Based Study. In: Gut, Jg. 67, H. 1, S. 138-145. DOI: 10.1136/gutjnl-2016-313127.
[2] Gao, Y., Zhang, J. P. und Zhu, P. (2016): Serous Cystadenoma of the Pancreas with Atypical Clinical Manifestations: A Case Report. In: Molecular and Clinical Oncology, Jg. 4, H. 4, S. 584-586. DOI: 10.3892/mco.2016.771. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 16.09.2026).
[3] Iwashita, T., Uemura, S. und Shimizu, M. (2024): Endoscopic Ultrasound-Guided Fine-Needle Aspiration for Pancreatic Cystic Lesions: A Comprehensive Review. In: Journal of Medical Ultrasonics, Jg. 51, H. 2, S. 219-226. DOI: 10.1007/s10396-023-01389-6.