Nierenarterienstenose: Ursachen, Diagnostik und Bedeutung bei therapieresistentem Bluthochdruck
Bei der Nierenarterienstenose (NAST) handelt es sich um eine Verengung der Nierenarterie (Arteria renalis, ein paarig ausgebildeter Ast der Bauchaorta), die ein- oder beidseitig auftreten kann. Durch die Verlegung des Blutgefäßes kommt es zu Einschränkungen der Durchblutung des Nierengewebes. Was die Stenose so gefährlich macht, sind die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System: Die Minderdurchblutung regt die Nieren zur Ausschüttung von Botenstoffen an. In der Folge kommt es zu einem Nierenhochdruck (sekundärer Bluthochdruck als Folge einer anderen Erkrankung), der langfristig die Nierenfunktion schädigt.
Da die Erkrankung über lange Zeit keine Beschwerden verursacht, wird sie oft erst entdeckt, wenn sich der Blutdruck trotz medikamentöser Behandlung nicht mehr ausreichend senken lässt oder es zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion kommt. Laut einer Veröffentlichung der European Renal Association (ERA) liegt die Häufigkeit der Nierenarterienstenose bei etwa 14 bis 24 Prozent der schwer an Bluthochdruck Erkrankten [1]. Bei Patienten, die bereits an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden, steigt der Anteil auf 30 bis 45 Prozent, da diese Erkrankungen häufig auf derselben zugrunde liegenden Gefäßverkalkung beruhen [2]. In der Diagnostik der Nierenarterienstenose können auch radiologische Bildgebungsverfahren wie der Ultraschall und nuklearmedizinische Untersuchungen wie die Szintigraphie eine Rolle spielen.
Ursachen und Bedeutung der Nierenarterienstenose
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Nierenarterienstenose entsteht meist in Verbindung mit einer Arteriosklerose.
- Deutlich seltener als Ursache ist die fibromuskuläre Dysplasie.
- Beide Ursachen betreffen verschiedene Patientengruppen und führen zu jeweils anderen Verteilungsmustern der Stenose.
In der überwiegenden Zahl der Fälle – in der medizinischen Literatur findet sich die Angabe von 90 Prozent [3] – liegt der Nierenarterienstenose eine Arteriosklerose zugrunde. Dabei treten Engstellen bevorzugt im Abgangsbereich aus der Bauchaorta oder im körpernahen Abschnitt der Nierenarterie auf. Betroffen sind oft ältere Patienten, bei denen bereits kardiovaskuläre Risikofaktoren wie
- Diabetes mellitus,
- Fettstoffwechselstörungen,
- Übergewicht oder
- langjähriger Nikotinkonsum
vorliegen.
Da eine Arteriosklerose häufig den gesamten Körper betrifft, treten bei Betroffenen oft nicht nur eine Nierenarterienstenose, sondern auch andere kardiovaskuläre Komplikationen wie die KHK auf.
Ein weiterer Auslöser ist die fibromuskuläre Dysplasie (FMD), die überwiegend Frauen unter 50 Jahren betrifft. Diese Variante macht jedoch weniger als zehn Prozent aller Nierenarterienstenosen aus. Bei der FMD verändert sich die Struktur der Gefäßwand ohne eine klar erkennbare entzündliche Ursache. Typisch ist bei dieser Ursache das Auftreten mehrerer aufeinanderfolgender Engstellen. In der Bildgebung zeigt sich daher oft ein perlschnurartiges Muster des betroffenen Arterienabschnitts. Anders als die arteriosklerotische Form der Nierenarterienstenose tritt die von der FMD ausgelöste Form in der Regel ohne begleitende Gefäßveränderungen an anderen Körperstellen auf.
Wie wirkt sich die Nierenarterienstenose auf den Blutdruck aus?
Die Auswirkung einer Nierenarterienstenose beruht auf einem Regelkreis – dem sogenannten Goldblatt-Mechanismus –, durch den das Doppelorgan den Blutdruck beeinflusst. Ab einer Verengung von etwa 50 bis 70 Prozent des regulären Gefäßdurchmessers registriert die betroffene Nierenhälfte eine Minderdurchblutung. Als Reaktion schüttet sie vermehrt das Hormon Renin aus, das durch das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS, das Teil der Flüssigkeitsregulation des Körpers und damit auch der Blutdruckkontrolle ist) die Bildung von Angiotensin II anstößt. Dieses bewirkt eine Verengung der Blutgefäße im gesamten Körper (Vasokonstriktion) und fördert zudem die Ausschüttung des Hormons Aldosteron. Letzteres verhindert die Ausscheidung von Flüssigkeit, was eine Zunahme des Plasmavolumens nach sich zieht. Die Nierenarterienstenose bewirkt eine Blutdruckanhebung also durch das Zusammenziehen der Gefäße bei gleichzeitiger Erhöhung des Blutvolumens und beeinflusst damit langfristig das Herz-Kreislauf-System.
Hält die Minderdurchblutung über einen längeren Zeitraum an, besteht die Gefahr einer Schädigung des Nierengewebes mit einer fortschreitenden Abnahme der Filterfunktion des Doppelorgans. Als Folge droht die Bildung von Flüssigkeitsansammlungen im Körper, die sich unter anderem in Form eines Lungenödems oder der Verschlechterung einer bestehenden Herzinsuffizienz äußern.
Diagnostische Verfahren beim Verdacht auf eine Nierenarterienstenose
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Im Rahmen der Diagnostik muss der Arzt andere Ursachen, wie eine unzureichende medikamentöse Einstellung, ausschließen.
- Ultraschallverfahren liefern Informationen zum Blutfluss und der strukturellen Situation.
- Mit kontrastmittelgestützten Bildgebungsverfahren können Verengungen der Nierenarterien präzise dargestellt werden.
Da sich anfangs oft keine spezifischen Symptome zeigen, wird eine durch eine Nierenarterienstenose verursachte Hypertonie häufig erst entdeckt, wenn konkrete Anzeichen auftreten oder strukturelle Auffälligkeiten bei anderen bildgebenden Untersuchungen zufällig gefunden werden. Eine Abklärung erfolgt insbesondere dann, wenn der Bluthochdruck vor dem 30. Lebensjahr oder nach dem 55. Lebensjahr sehr plötzlich auftritt.
Ein weiterer Fall ist eine an sich bekannte und gut eingestellte Hypertonie, die sich plötzlich verschlechtert. Zudem muss an Nierenhochdruck bzw. eine Stenose gedacht werden, wenn sich die Nierenfunktion während einer Therapie verschlechtert, die den hormonellen Regelkreis blockiert (wie beispielsweise beim Einsatz von ACE-Hemmern).
Im Rahmen der bildgebenden Diagnostik ist die Duplex-Sonographie (Ultraschall) eines der zentralen Verfahren, da sich hiermit nicht nur die Blutflussparameter bestimmen lassen, sondern anhand der Aufnahmen auch die vaskulären Strukturen sowie die Nierengröße und die Dicke des Nierenparenchyms beurteilt werden können. Unter Einsatz eines Kontrastmittels ist mit der intraarteriellen Angiographie eine hochauflösende Darstellung der Gefäße möglich, sodass sich eine Nierenarterienstenose im Bild identifizieren lässt. Liegen bereits Funktionseinschränkungen der Nieren vor, kann die MR-Angiographie – eine Gefäßuntersuchung basierend auf der Magnetresonanztomographie (MRT) – eine Alternative sein.
Lässt sich aus den bereits durchgeführten Untersuchungen kein klarer Befund ableiten, steht ergänzend die digitale Subtraktionsangiographie zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein invasives Verfahren der interventionellen Radiologie, bei dem durch die Nutzung eines Referenzbilds knöcherne und Weichteilstrukturen ausgeblendet und die Gefäße hervorgehoben werden. Sollte zur Beurteilung der Nierenarterienstenose eine funktionelle Bewertung der Nierentätigkeit erforderlich sein, kann eine Nierenfunktionsszintigraphie in Erwägung gezogen werden.
Bedeutung der Nierenarterienstenose für eine therapieresistente Hypertonie
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Bei Bluthochdruck, der sich schlecht behandeln lässt, muss der Arzt auch an eine Nierenarterienstenose denken.
- Anhaltend hoher Blutdruck und die bestehende Minderversorgung schädigen die Nieren weiter.
- Ob in der Behandlung auch interventionelle Verfahren eingesetzt werden, hängt von der Variante der Nierenarterienstenose und ihrem Schweregrad ab.
Eine Stenose der Nierenarterien kann sich im Zusammenhang mit einer therapieresistenten Hypertonie äußern. Dabei kommt es trotz des Einsatzes von mindestens drei blutdrucksenkenden Mitteln zu keinem adäquaten Ansprechen. Vor einer umfassenden klinischen Diagnostik sind einige differenzialdiagnostische Sachverhalte zu prüfen, denn neben der Nierenarterienstenose können Auffälligkeiten des Blutdrucks auch durch eine unregelmäßige Medikamenteneinnahme oder die sogenannte Weißkittelhypertonie (Blutdruckanstieg aufgrund psychischer Anspannung beim Arztbesuch) bedingt sein.
Bestätigt sich der Verdacht auf eine Nierenarterienstenose, steht in vielen Fällen zunächst eine medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Das Ziel ist eine konsequente Blutdrucksenkung, wofür auch RAAS-blockierende Wirkstoffe eingesetzt werden. Aufgrund möglicher Auswirkungen auf die Nierenfunktion erfolgt deren Anwendung unter enger ärztlicher Kontrolle. Zusätzlich basiert die Therapie auf einer Reduktion der Risikofaktoren, zu der unter anderem die Kontrolle der Blutfettwerte und des Blutzuckers sowie der Verzicht auf Nikotin gehören.
Eine interventionelle Aufdehnung der Stenose mittels Ballonkatheter und gegebenenfalls eine damit verbundene Einsetzung eines Stents werden im Fall der arteriosklerotischen Form der Nierenarterienstenose eher zurückhaltend angewendet – etwa bei komplizierten Verläufen oder einem rasch fortschreitenden Funktionsverlust der Niere trotz Therapie [4]. Bei der selteneren FMD gilt die Ballonaufdehnung dagegen als wirksame Behandlungsoption mit guten Langzeitergebnissen.
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Fazit: Lässt sich Bluthochdruck nicht kontrollieren, kann eine Nierenarterienstenose der Auslöser sein
Bluthochdruck ist eine Erkrankung, die in den westlichen Industrieländern weit verbreitet ist. Was viele Betroffene nicht wissen: Hypertonie muss nicht zwangsläufig vom Herzen ausgehen. Gerade wenn sich der Blutdruck durch den Einsatz gängiger Mittel nicht angemessen kontrollieren lässt, kann die Ursache möglicherweise bei den Nieren liegen – Das Doppelorgan hat nicht nur eine Filterfunktion, sondern steuert auch den Blutdruck.
Durch Engstellen in den Nierenarterien vermindert sich die Durchblutung, worauf die Nieren mit einer Blutdruckerhöhung reagieren. Hält diese an, können nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch die Nieren selbst geschädigt werden. Aus diesem Grund muss beim Versagen der Therapie unbedingt an die Nierenarterienstenose und eine Abklärung mittels Bildgebung gedacht werden, um weitere Komplikationen und im schlimmsten Fall den Verlust der Nieren zu verhindern.
FAQ zur Nierenarterienstenose: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Welche Rolle spielen Laborwerte für die Diagnostik bei Verdacht auf eine Nierenarterienstenose?
Laborwerte wie Kreatinin und die geschätzte Filtrationsrate (eGFR) geben Auskunft über die aktuelle Nierenfunktion, ersetzen jedoch nicht die bildgebende Diagnostik. Sie dienen vor allem der Verlaufsbeurteilung und der Einschätzung möglicher Risiken vor einer Kontrastmittelgabe. Die Laborwerte eignen sich vor allem für eine schnelle Einschätzung, wie stark die Nieren bereits belastet sind.
Können Betroffene primären Bluthochdruck von einer Hypertonie durch die Nieren unterscheiden?
Ein primärer Bluthochdruck lässt sich äußerlich nicht von einer renal bedingten Hypertonie unterscheiden, da beide Formen dieselben Symptome haben bzw. oft beschwerdefrei verlaufen. Hinweise wie ein plötzlicher Beginn, eine fehlende Blutdruckkontrolle trotz mehrerer Medikamente oder ein auffälliges Strömungsgeräusch im Bauchraum können auf eine Nierenarterienstenose hindeuten, fallen aber eher in der ärztlichen Untersuchung auf.
Führt der Nierenhochdruck durch die Stenose zur Notwendigkeit einer Organtransplantation?
Eine Nierenarterienstenose führt in der Regel nicht zur Dialyse oder Transplantation des Organs, sofern sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Kritisch wird es vor allem bei beidseitig auftretenden Stenosen oder wenn die Durchblutung über längere Zeit stark eingeschränkt bleibt. In solchen Fällen kann ein fortschreitender Funktionsverlust der Nieren drohen, weshalb eine engmaschige Kontrolle der Nierenwerte bei bekannter Nierenarterienstenose wichtig ist.
[1] Sarafidis, P. A. et al. (2023): Atherosclerotic Renovascular Disease: A Clinical Practice Document by the European Renal Best Practice (ERBP) Board of the European Renal Association (ERA) and the Working Group Hypertension and the Kidney of the European Society of Hypertension (ESH). In: Nephrology Dialysis Transplantation, Jg. 38, H. 12, S. 2835-2850. DOI: 10.1093/ndt/gfad095.
[2] Bendagiri Matam, M. et al. (2025): A Literature Review of Renal Artery Stenosis: Presentation, Diagnosis, and Management Options in Secondary Hypertension. In: Cureus, Jg. 17, H. 9, Artikel e92945. DOI: 10.7759/cureus.92945. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 14.09.2026).
[3] Gunawardena, T. (2021): Atherosclerotic Renal Artery Stenosis: A Review. In: Aorta, Jg. 9, H. 3, S. 95-99. DOI: 10.1055/s-0041-1730004. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 14.09.2026).
[4] Edem, E. et al. (2016): Endovascular Treatment of Renal Artery Stenosis due to Fibromuscular Dysplasia – Is Stent Implantation Underused in this Circumstance? In: Heart Views, Jg. 17, H. 2, S. 69-71. DOI: 10.4103/1995-705X.185118. online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 14.09.2026).