Bauch-Ultraschall: Was zeigt das Verfahren und welche Organe werden mit ihm untersucht?
Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauchraums (Abdomen) ist einer der wichtigen diagnostischen Schritte bei Patienten mit unklaren Beschwerden, die die inneren Organe betreffen. Da es sich um ein bildgebendes Verfahren ohne Strahlenbelastung handelt, sind keine Strahlenschutzvorgaben zu beachten. Die Vorteile der Methode liegen vor allem in ihrer schnellen Durchführbarkeit und der weitläufigen Verfügbarkeit. Der Bauch-Ultraschall ermöglicht die Darstellung der abdominellen Strukturen in Echtzeit, was das Verfahren gerade für Übersichtsuntersuchungen wertvoll macht.
Ein Bauch-Ultraschall kann sowohl in einer entsprechend ausgestatteten hausärztlichen Praxis als auch in einer spezialisierten radiologischen Einrichtung erfolgen. Je nach klinischer Fragestellung kommen unterschiedliche Schallköpfe zum Einsatz, um die Aufnahmen in den jeweils relevanten Schnittebenen anzufertigen. So können die Organe des Ober- und Unterbauchs vollständig abgebildet werden. Das Verfahren stößt im klinischen Alltag aber auch an Grenzen, die bei anderen bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie (CT) oder der Magnetresonanztomographie (MRT) so nicht bestehen.
Organe und Strukturen, die mit dem Bauch-Ultraschall untersucht werden
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Mit dem Bauch-Ultraschall können die Organe des Ober- und Unterbauchs abgebildet werden.
- Flüssigkeitsgefüllte Strukturen wie die Gallen- oder die Harnblase lassen sich auf den Bildern gut differenzieren.
- Die Möglichkeiten zur Darstellung von Strukturen hinter luftgefüllten Bereichen sind aufgrund des Schallschattens eingeschränkt.
Der Bauch-Ultraschall erfasst als Übersichtsuntersuchung eine Vielzahl von inneren Organen, wird bei spezifischen Fragestellungen – etwa bei Schmerzen im rechten oder linken Oberbauch – aber auch gezielt eingesetzt.
Befundet werden mit dem Verfahren unter anderem
- die Leber,
- die Gallenblase und
- die ableitenden Gallenwege.
Alle drei Bereiche liegen im rechten Oberbauch. Erkrankungen wie Gallensteine können starke Schmerzen auslösen und sogar bis zur Entwicklung einer Gelbsucht (Ikterus) führen. Mit der Untersuchung lassen sich die Größe und Form der Leber sowie die Struktur ihres funktionellen Gewebes (Parenchym) und dessen Durchblutung beurteilen. Wichtig ist unter anderem die Abklärung von Fett- und Bindegewebseinlagerungen, um Anzeichen einer frühen Leberzirrhose zu erkennen. In Bezug auf die Gallenblase lassen sich neben Steinen auch Wandveränderungen oder eine Aufstauung der Gallenwege erkennen.
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und die Milz (Splen) gehören ebenfalls zu den Organen, die mithilfe des Ultraschalls untersucht werden können. So lassen sich die Größe des jeweiligen Organs bewerten und etwaige Verletzungen erkennen. Die Befundung der Bauchspeicheldrüse kann jedoch beeinträchtigt sein, wenn sich viel Gas oder Luft im Magen-Darm-Trakt angesammelt hat und die Ultraschallwellen absorbiert werden.
Des Weiteren lassen sich mit dem Bauch-Ultraschall Größe, Form und Lage der im hinteren Bauchraum befindlichen Nieren beurteilen. Zudem kann eingeschätzt werden, ob
- ein Harnstau im Nierenbecken,
- Steine im Nierenbecken
- Nierenzysten oder
- eine bösartige Raumforderung im Nierengewebe
Ursache der Beschwerden ist.
Liegt eine chronische Nierenerkrankung vor, kann die Sonographie eine Größenveränderung einer oder beider Organhälften abbilden. Eine derartige strukturelle Auffälligkeit ist häufig mit einer fortschreitenden Funktionseinschränkung verbunden. Mögliche zugrunde liegende Erkrankungen sind eine
- chronische Glomerulonephritis (beidseitig lassen sich geschrumpfte Nieren mit einer erhöhten Parenchymechogenität erkennen),
- diabetische Nephropathie (es bilden sich gerade im Spätstadium verkleinerte Nieren, die Zysten enthalten können) oder
- hypertensive Nephrosklerose (beide Nieren erscheinen verkleinert mit einer schmaleren Nierenrinde).
Im Bereich des Unterbauchs ist vor allem die Harnblase ein typischer Untersuchungsgegenstand des Bauch-Ultraschalls. Mit der Untersuchung können Wandveränderungen, der Füllungszustand sowie eine mögliche Restharnbildung nach dem Wasserlassen festgestellt werden.
Eine wichtiger Anwendungsfall des Bauch-Ultraschalls ist die Bewertung der großen Blutgefäße im Abdomen – insbesondere die Bauchschlagader (Aorta) und die untere Hohlvene. Kritische Befunde sind in diesem Zusammenhang typischerweise Aussackungen der arteriellen Gefäße (Aneurysmen) und Verengungen der Venen.
Kombiniert mit der Farbdoppler-Untersuchung zeigt der Ultraschall die Fließrichtung und -geschwindigkeit des Blutes in den abdominellen Gefäßen an. Das Verfahren kann Hinweise auf eine Thrombose der Pfortader oder eine Einengung der Nierenarterien liefern.
Neben den Fragestellungen, die beide Geschlechter betreffen, liefert der Bauch-Ultraschall auch Informationen zu den geschlechterspezifischen Organen. Bei Frauen ist eine Untersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcke möglich. Zudem wird die Sonographie gerade bei einer Schwangerschaft – auch zur Befundung des ungeborenen Kindes – eingesetzt. Die Betrachtung der Prostata bei Männern ist mit dem herkömmlichen abdominellen Ultraschall nur eingeschränkt möglich. Ein genaueres Bild – zum Beispiel bei einem Verdacht auf Vorliegen eines Prostatakarzinoms (Prostatakrebs) – liefert der transrektale Ultraschall (TRUS), bei dem ein speziell geformter Ultraschallkopf in den Enddarm eingeführt wird.
Neben den klassischen Lymphknotenstationen am Hals und in der Leiste, die sich auch von außen ertasten lassen, liegen sowohl im Becken als auch im tieferen Bauchraum verschiedene Lymphknoten, die unter anderem bei
- einer Magen-Darm-Infektion,
- einer Blinddarmentzündung,
- einer chronischen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und
- Tumoren sowie Lymphomen
vergrößert sein können. Mithilfe eines hochauflösenden Ultraschalls sind diese Lymphknotenstationen beurteilbar und können den Arzt – beim Vorliegen kritischer Auffälligkeiten – zu einer weiterführenden Diagnostik veranlassen.
Nur eingeschränkt lassen sich der Magen sowie der Dick- und Dünndarm mit der Sonographie befunden. Die in den Organen normalerweise enthaltene Luft beeinträchtigt die Durchführbarkeit des Ultraschalls, weshalb andere Verfahren wie die Endoskopie oder eine Kolonographie in diesen Fällen vorzugswürdig sind.
Erkrankungen, die Indikationen für den Bauch-Ultraschall sind
Der Bauch-Ultraschall wird bei akuten oder chronischen Bauchschmerzen eingesetzt, um eine erste Einordnung bezüglich möglicher Auslöser vorzunehmen. Ärzte nutzen die abdominelle Sonographie aber nicht nur zur Orientierung. Häufig können sie bereits anhand der Ultraschallbilder eine Erkrankung – beispielsweise eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) – diagnostizieren.
Gallenblasenentzündung
Beim Verdacht auf eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) lassen sich eine verdickte Gallenblasenwand, Flüssigkeit in der Umgebung und Gallensteine (Cholelithiasis) mittels Ultraschall darstellen. Zudem kann mit der Untersuchung ein durch einen Stein (Konkrement) im Gallengang bedingter Gallenrückstau entdeckt werden, der sich durch eine Erweiterung der Gallenwege zeigt.
Lebererkrankungen
Erkrankungen wie die Fettleber, die Leberentzündung (Hepatitis) oder die Leberzirrhose zeigen sich in der Sonographie anhand charakteristischer Veränderungen der Gewebestruktur, Organgröße oder Morphologie der Leberoberfläche. Auch Veränderungen wie Leberzysten, gutartige Gefäßtumore (Hämangiome) und bösartige (maligne) Raumforderungen und Lebermetastasen lassen sich mit dem Bauch-Ultraschall abbilden.
Nierenerkrankungen
Zu den Erkrankungen, die im Rahmen eines Bauch-Ultraschalls regelmäßig auffallen, gehören Nierensteine (Nephrolithiasis), ein Harnstau (der aufgrund einer Verlegung der ableitenden Wege entsteht) und Nierenzysten. Von diesen gutartigen Raumforderungen – besonders von einfachen Zysten – sind Tumorerkrankungen der Nieren (Nierenkrebs) bereits in der Ultraschalluntersuchung unterscheidbar; genauere Informationen liefern jedoch CT und MRT. Zudem können sich im Bauch-Ultraschall auch Abszesse und Nierenentzündungen zeigen.
Bauchaortenaneurysma
Eine besondere Bedeutung hat die Untersuchung der Bauchschlagader zur Früherkennung des Bauchaortenaneurysmas. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Gefäßerweiterung, die lange Zeit unbemerkt bleibt und im Falle eines Risses (Ruptur) durch die starken Einblutungen in den Bauchraum lebensbedrohlich werden kann. Männer ab 65 Jahren haben in Deutschland im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen Anspruch auf ein einmaliges Ultraschall-Screening der Bauchaorta. Bei Frauen mit relevanten Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck wird die Untersuchung individuell veranlasst.
Akute Blinddarmentzündung und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Beim Verdacht auf eine Appendizitis kommt die Sonographie des rechten Unterbauchs zur Diagnosestellung zum Einsatz. Auf den Bildern lässt sich ein verdickter, nicht komprimierbarer Wurmfortsatz des Blinddarms erkennen. Die schnelle Diagnostik und Einleitung der Behandlung sind wichtig, da eine verschleppte Blinddarmentzündung zur Ruptur führen kann und somit ein Risiko für schwerwiegende Komplikationen birgt. Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa lassen sich aus der Darstellung verdickter Darmwandabschnitte Hinweise auf das Krankheitsgeschehen ableiten [1]. Da Luft und Gewebe einen starken Kontrast bilden, sieht man die Innenkante des Darms insbesondere bei luftgefüllten Darmabschnitten gut. Das hilft dabei, die Dicke der Darmwand zu messen und zu prüfen, ob sie gesund oder krankhaft verdickt ist. Stark geblähte Darmabschnitte können die Durchführung der Ultraschalluntersuchung jedoch erschweren.
Neben den genannten Erkrankungen lässt sich mit dem Verfahren auch der Verdacht auf eine Vergrößerung der Milz (Splenomegalie) abklären, was auf verschiedene Erkrankungen – unter anderem des blutbildenden Systems oder Infektionen – hindeuten kann. Gleichzeitig lässt sich mit der abdominellen Sonographie dem Verdacht auf freie Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites) nachgehen.
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Ablauf und Vorbereitung auf den Bauch-Ultraschall
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Für aussagekräftige Untersuchungsergebnisse sollte die Sonographie nüchtern durchgeführt werden.
- Auf blähende Speisen ist vor der Untersuchung zu verzichten, um eine starke Luftfüllung von Magen und Darm zu vermeiden.
- Bei speziellen Fragestellungen kann der Bauch-Ultraschall mit Kontrastmittelverstärkung durchgeführt werden.
Um aussagekräftige Untersuchungsergebnisse zu erhalten, sind seitens des Patienten einige Vorbereitungsmaßnahmen zu beachten. So sollte mehrere Stunden vor einem Bauch-Ultraschall keine Nahrung mehr aufgenommen werden. Eine gefüllte Gallenblase und ein leerer Magen-Darm-Trakt verbessern die Beurteilbarkeit der verschiedenen Strukturen. Zudem sollte am Tag vor der Untersuchung auf blähende Speisen verzichtet werden, um eine Luftüberlagerung durch Darmgase und die damit einhergehende Störung der Ultraschallwellen zu verringern.
Während der Durchführung des Bauch-Ultraschalls liegt der Patient üblicherweise auf dem Rücken. Mitunter kann die Untersuchung – je nach Organsystem und Fragestellung – auch in Seitenlage erfolgen. Nach dem Auftragen des Kontaktgels auf die Haut wird der Schallkopf auf die Bauchdecke aufgesetzt. Das Gel sorgt dafür, dass die Luft aus dem Kontaktspalt – die zu einer schlechteren Übertragung der Schallwellen führen würde – verdrängt wird.
Der Arzt bewegt das Ultraschallgerät über die relevanten Organregionen und verändert dabei den Winkel der Einstrahlung, um die Strukturen auf mehreren Ebenen betrachten zu können. Mitunter wird der Patient aufgefordert, tief einzuatmen und die Luft kurz anzuhalten. Durch dieses Manöver verschieben sich Leber und Milz und sind besser darstellbar.
Ergeben sich aus der Untersuchung unklare Befunde – etwa in Bezug auf eine Raumforderung in der Leber oder beim Verdacht auf Nierenzysten – steht ergänzend eine kontrastmittelverstärkte Sonographie (Contrast-Enhanced Ultrasound, CEUS) zur Verfügung [2]. Dazu erfolgt die Injektion eines speziellen Ultraschallkontrastmittels (basierend auf Mikrobläschen) über eine Vene. Durch das Kontrastmittel lässt sich die Durchblutung des Gewebes sichtbar machen, inklusive etwaiger Abweichungen von den normalen Mustern.
Fazit: Der Bauch-Ultraschall spielt durch seine breite diagnostische Anwendbarkeit eine wichtige Rolle
Für die Beurteilung vieler den Bauchraum betreffender Beschwerden steht mit dem Bauch-Ultraschall ein umfangreich einsetzbares Bildgebungsverfahren zur Verfügung. Mit ihm lassen sich akute Beschwerden wie Schmerzen in den verschiedenen Organregionen, Übelkeit und Erbrechen oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten abklären. Darüber hinaus bietet sich das Verfahren zur Verlaufskontrolle und Therapieüberwachung an.
Besonders zwei Eigenschaften der Sonographie erweisen sich als entscheidende Vorteile: Die breite Verfügbarkeit und die schnelle Durchführbarkeit. Im Vergleich zu anderen bildgebenden radiologischen Verfahren ist der Bauch-Ultraschall sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung weniger aufwändig. Im Rahmen der Vorbereitung muss der Patient in der Regel nur auf die Ernährungsvorgaben achten, um eine optimale Darstellung der Organe im Bauchraum zu gewährleisten.
FAQ zum Bauch-Ultraschall: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wie lange dauert ein Bauch-Ultraschall?
Die reine Untersuchungszeit liegt üblicherweise zwischen zehn und 20 Minuten, ist jedoch grundsätzlich davon abhängig, wie viele Organe beurteilt werden sollen. Durch zusätzliche Maßnahmen, wie eine Farbdoppler-Untersuchung der Gefäße oder eine ergänzende Kontrastmittelsonographie, verlängert sich die Untersuchungsdauer.
Gibt es Einschränkungen, die einer Durchführung des Bauch-Ultraschalls entgegenstehen?
Absolute Kontraindikationen gibt es für den Bauch-Ultraschall nicht und das Verfahren gilt allgemein als risikoarm. Einschränkungen ergeben sich vor allem durch starke Luftansammlungen im Darm sowie starkes Übergewicht, wodurch die Abbildung tiefer liegender Organe erschwert wird. Offene Wunden, frische Operationsnarben oder Verbände im Untersuchungsbereich können die Schallkopfführung erschweren, sprechen aber nicht grundsätzlich gegen die Durchführung.
Kann der Bauch-Ultraschall auch bei Kindern durchgeführt werden?
Der Bauch-Ultraschall ist auch bei Kindern anwendbar, da das Verfahren ohne Strahlenbelastung und schmerzfrei durchgeführt wird. Häufige Indikationen im Kindesalter sind Bauchschmerzen unklarer Ursache, der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sowie angeborene Fehlbildungen der Nieren und der ableitenden Harnwege.
[1] Goodsall, T. M. et al. (2021): Systematic Review: Gastrointestinal Ultrasound Scoring Indices for Inflammatory Bowel Disease. In: Journal of Crohn’s and Colitis, Jg. 15, H. 1, S. 125-142. DOI: 10.1093/ecco-jcc/jjaa129.
[2] Malhi, H., Grant, E. G. und Duddalwar, V. (2014): Contrast-enhanced ultrasound of the liver and kidney. In: Radiologic Clinics of North America, Jg. 52, H. 6, S. 1177-1190. DOI: 10.1016/j.rcl.2014.07.005.