Event-Recorder: Mit dem Implantat Herzrhythmusstörungen aufspüren, die dem EKG entgehen
Einige Formen von Herzrhythmusstörungen treten intermittierend auf, also im Abstand von einigen Wochen oder sogar Monaten und halten dann nur wenige Sekunden bis Minuten an. Ein Standardverfahren der kardiologischen Diagnostik, das der Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität dient, ist das Elektrokardiogramm (EKG). Dieses dauert in den meisten Fällen nur einige Minuten und liefert eine Momentaufnahme der gegenwärtigen Herzaktivität. Eine Messung und Aufzeichnung der Herzaktivität über einen längeren Zeitraum hinweg kann das Verfahren indes nicht leisten. Dies ist selbst mit einem Langzeit-EKG nicht möglich, bei dem der Untersuchungszeitraum üblicherweise zwischen 24 und 72 Stunden beträgt.
Daher kommt bei Patienten mit wiederkehrenden Beschwerden wie Ohnmacht und Schwindel (Synkope bzw. Präsynkope), Herzstolpern (Palpitationen) oder einem Schlaganfall unklarer Ursache die Verwendung eines implantierbaren Event-Recorders (auch „Ereignisrekorder“ oder „Loop-Recorder“ genannt) in Betracht. Diese Geräte zeichnen den Herzrhythmus über längere Zeiträume auf und liefern so wichtige Informationen für eine umfassende Bewertung der Herzaktivität. Event-Recorder bieten Kardiologen damit die Möglichkeit, das Herz über Wochen oder Monate zu beobachten.
Was sind Event-Recorder? – Die Grundlagen im Überblick
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Event-Recorder sind tragbare Geräte zur langfristigen Aufzeichnung der Herzaktivität.
- Event-Recorder können die Herzströme entweder als externe Geräte über Hautelektroden messen oder direkt in den Körper des Patienten implantiert werden.
- Die Messung und Aufzeichnung der Herzaktivität erfolgt mit einem Event-Recorder über einen deutlich längeren Zeitraum als mit einem EKG.
Event-Recorder sind medizinische Geräte, die sich in zwei grundlegende Gruppen unterscheiden lassen:
- externe Recorder, die die Herzaktivität über Hautelektroden messen, und
- implantierbare Recorder.
Externe Event-Recorder kommen vor allem im Zusammenhang mit ausgewählten, zeitlich begrenzten Fragestellungen zur Anwendung und können über einige Wochen getragen werden, während Implantate mitunter Jahre im Körper des Patienten verbleiben.
Die Aufzeichnung erfolgt bei beiden oft nicht kontinuierlich, sondern basierend auf pathologischen Mustern, die im Speicher des Recorders hinterlegt sind. Registriert das Gerät eine entsprechende Herzaktivität, startet es die Aufzeichnung. Einen externen Recorder kann der Patient mitunter selbst steuern und die Aufzeichnung der Herzaktivität starten, sobald er kritische Rhythmusstörungen bemerkt.
Bezüglich ihrer Dimensionen erinnern die implantierbaren Geräte an einen kleinen, flachen USB-Stick. Im Inneren ist das Aufzeichnungssystem inklusive Speicher und Batterie verbaut, das kontinuierlich die Herzaktivität überwacht und die Aufnahme auffälliger Rhythmusstörungen automatisch steuert. Das Auslesen durch den Arzt kann direkt per Fernabfrage (Telemonitoring) erfolgen.
Wichtig ist, den implantierbaren Event-Recorder nicht mit dem Herzschrittmacher und den Defibrillatoren zu verwechseln, bei denen es sich jeweils um eigene kardiologische Geräteklassen handelt.
Was unterscheidet das EKG vom Event-Recorder?
Event-Recorder sind nur eine Möglichkeit zur Aufzeichnung der Herzaktivität. Gerade im Hausarztbereich ist das EKG eine verbreitete Methode für eine schnelle Übersichtsmessung und steht in verschiedenen Formen zur Verfügung. Allerdings hat das Verfahren auch einige Einschränkungen.
Das Ruhe-EKG erfasst die elektrische Herzaktivität nur im Moment der Untersuchung. Es eignet sich damit gut bei akut oder dauerhaft auftretenden Rhythmusstörungen. Im Fall intermittierender Episoden verläuft ein Ruhe-EKG aber häufig unauffällig. Ähnliches gilt für das Belastungs-EKG: Dieses dient der Messung des Herzrhythmus unter körperlicher Anstrengung und ist von Bedeutung, wenn Beschwerden wie eine Angina pectoris (das Leitsymptom einer koronaren Herzerkrankung) unter Belastung auftreten. Zur Erfassung unvorhersehbarer und selten auftretender arrhythmischer Episoden ist das Belastungs-EKG jedoch ungeeignet.
Mit dem Langzeit-EKG ist eine Aufzeichnung des Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum von in der Regel 24 bis 72 Stunden möglich. Gleichwohl reicht auch dieser längere Zeitraum nicht aus, um episodische Beschwerdebilder zu erfassen. Im Ausgleich dieses Defizits liegt die spezifische Bedeutung der Event-Recorder.
Was sind die Vorteile und wo liegen die Grenzen von Event-Recordern?
Aus dem vorangehend Gesagten wird deutlich, dass der wesentliche Vorteil von Event-Recordern in der langen Einsatzzeit liegt: Gerade wenn die Symptome episodisch nur alle paar Wochen oder Monate auftreten, lässt sich das Ereignis mit dem Gerät aufzeichnen und einer Rhythmusstörung zuordnen.
Grenzen ergeben sich jedoch beim Umfang der Aufzeichnung, da Event-Recorder lediglich der Dokumentation dienen, also keine interventionelle Komponente enthalten. Sie sind daher häufig nur mit zwei Elektroden ausgestattet und messen die Herzaktivität in weniger Kanälen als ein herkömmliches EKG, das über die auf der Haut angebrachten Elektroden bis zu zwölf Kanäle messen und aufzeichnen kann.
Hinzu kommen Einschränkungen im Hinblick auf verschiedene diagnostische Verfahren, wie die Magnetresonanztomographie (MRT). Einige Event-Recorder sind generell nicht für die Untersuchung mit starken Magnetfeldern zugelassen, andere wiederum nur bis zu einer Feldstärke von 1,5 Tesla. Weiterhin ist zu beachten, dass die Speicherkapazität begrenzt ist, weshalb Event-Recorder regelmäßig ausgelesen werden müssen.
Wann kommen Event-Recorder zum Einsatz? – Die wichtigsten Anwendungsfälle
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Mithilfe der Event-Recorder geht die Medizin Ohnmachtsanfällen nach, für die sich mit anderen Methoden keine Ursache finden lässt.
- Auch die Suche nach dem Auslöser von kryptogenen Schlaganfällen gehört zum Einsatzspektrum der Geräte.
- In einigen Fällen dienen implantierbare Event-Recorder zur Verlaufskontrolle.
Implantierbare Event-Recorder gehören nicht zur kardiologischen Standarddiagnostik und kommen daher auch nicht bei jeder Form von Herzrhythmusstörung, sondern nur bei bestimmten Fragestellungen zum Einsatz.
Ein bedeutender Anwendungsfall ist die Ursachensuche bei Synkopen, für die mit anderen Verfahren kein Auslöser klar identifiziert werden konnte [1]. Plötzliche Bewusstseinsstörungen können von verschiedenen Erkrankungen verursacht werden und unter anderem auch durch Störungen der regulären Herzfunktion – wie Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenfehler – bedingt sein.
Ein weiterer Einsatzgrund ist der kryptogene Schlaganfall, also eine Durchblutungsstörung des Gehirns, deren Ursache nicht identifiziert werden kann und von der auch junge Patienten immer wieder betroffen sind. Grundsätzlich kommt in diesem Fall ein episodisches Vorhofflimmern als Grund eines solchen kritischen Notfalls in Betracht, weshalb ein Event-Recorder zur genauen Diagnostik und Therapieplanung eingesetzt wird.
Darüber hinaus kommen Event-Recorder zur Untersuchung von Herzstolpern und Herzrasen zum Einsatz, wenn Ruhe-, Langzeit- und Belastungs-EKG unauffällig bleiben. In bestimmten Fällen wird das Verfahren auch zur Verlaufskontrolle von Therapien eingesetzt, wie zum Beispiel nach einer Verödung von Herzgewebe zur Behandlung von Rhythmusstörungen.
Wie werden Event-Recorder implantiert?
Die Implantation eines Event-Recorders erfolgt meist ambulant. Im Vorfeld wird der Patient über den Nutzen, die Grenzen sowie mögliche Komplikationen des Verfahrens aufgeklärt und umfassend informiert. Auch wenn es sich um einen verhältnismäßig kleinen Eingriff handelt, bleibt stets ein geringes Restrisiko bestehen.
Für den Eingriff reicht eine örtliche Betäubung in der Regel aus. Über einen kleinen Hautschnitt von wenigen Zentimetern wird der Event-Recorder unter der Haut im Bereich des Brustkorbs eingesetzt. Der eigentliche Eingriff nimmt typischerweise nur einen kurzen Zeitraum in Anspruch.
In der Nachsorge spielt die Wundkontrolle eine große Rolle, insbesondere, wenn es infolge der Implantation zu
- lokalen Blutergüssen (bildet sich meist von selbst zurück),
- Schmerzen (durch das Abklingen der Betäubung nicht ungewöhnlich) oder
- einer Wundinfektion (trotz Desinfektion des Operationsfeldes ist dieses Risiko nie ganz auszuschließen).
kommt.
Gerade das Eindringen von Keimen kann zu ernsten Komplikationen führen. Fühlt sich die Implantationsstelle überwärmt an, ist gerötet und löst stärker werdende Schmerzen aus, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Gegebenenfalls kann eine Antibiose erforderlich sein, um eine Verschlechterung bis hin zur Blutvergiftung (Sepsis) zu verhindern.
Nach dem Einheilen des Event-Recorders besteht die Nachsorge unter anderem im regelmäßigen Auslesen der aufgezeichneten Werte vor Ort in der Praxis oder per Fernabfrage. Letzteres ist zum Beispiel mit einem Home Monitoring System möglich, in das ein Übertragungsgerät integriert ist. Außerdem nutzen moderne Varianten auch spezielle Apps für Smartphones. Damit stehen dem Arzt die Daten auch ohne seine Anwesenheit in der Praxis zur Verfügung. Die implantierten Geräte verbleiben häufig mehrere Jahre im Körper des Patienten.
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Fazit: Mit ihrem spezifischen Anwendungsbereich schließen Event-Recorder eine bedeutende Lücke in der kardiologischen Diagnostik
Erkrankungen des Herzens gehen mit einem weiten Spektrum an Symptomen einher – von Rhythmusstörungen (die sich durch zusätzliche Herzschläge bemerkbar machen können) über Ödeme in den Beinen bis zu Ohnmachtsanfällen. Das EKG und die Blutdruckmessung liefern eine Momentaufnahme, haben bei episodisch auftretenden Herzstörungen aber keine diagnostische Aussagekraft.
Event-Recorder schließen diese Lücke, da gerade die implantierte Variante über Jahre im Körper des Patienten verbleibt und kritische Rhythmusmuster aufzeichnet. Damit ist nicht nur eine Diagnostik, sondern auch die Verlaufs- und Therapiekontrolle möglich. Allerdings werden die Geräte nur bei bestimmten Beschwerdebildern eingesetzt, wozu neben Schlaganfällen unbekannter Ursache auch intermittierende Ohnmachtsanfälle gehören.
FAQ zu Event-Recordern und ihrem Einsatz: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann ein Event-Recorder einen Herzinfarkt verhindern?
Die Aufzeichnungsgeräte sind ein rein diagnostisches Werkzeug der Kardiologie und können Herzrhythmusstörungen oder einen Herzinfarkt nicht verhindern. Diese Aufgabe übernehmen andere Implantate, die über Elektroden direkt auf die elektrische Herzaktivität einwirken können.
Bleibt der Event-Recorder dauerhaft im Körper?
Prinzipiell ist der Recorder kein dauerhaftes Implantat wie beispielsweise ein Herzschrittmacher. Allerdings bleibt das Gerät so lange im Körper des Patienten, bis es seine Aufgabe (diagnostische Suche, Therapiekontrolle etc.) erfüllt hat. Ist die Aufzeichnung der Herzaktivität nicht mehr erforderlich, kann der Event-Recorder wieder entfernt werden.
Bringt ein Event-Recorder Einschränkungen im Alltag mit sich?
Im Alltag führen Event-Recorder meist kaum zu Einschränkungen. Sportliche Aktivitäten, Duschen und Reisen sind häufig möglich, ohne Abstriche machen zu müssen. Bei Flugreisen kann das Gerät bei der Sicherheitskontrolle anschlagen, weshalb Patienten stets den Implantationsausweis bei sich haben sollten. Starke Magnetfelder, die beispielsweise am Arbeitsplatz auftreten können, sollten jedoch gemieden werden.
Wie viele kritische Ereignisse kann ein Event-Recorder aufzeichnen?
Diesbezüglich ist eine pauschale Aussage schwierig, da die Kapazität des Speichers allgemein von den Gerätespezifikationen abhängt. Einige Recorder zeichnen mehr als zwei Stunden auf, während andere Geräte über eine Kapazität von nur 45 Minuten verfügen [2].
[1] Brignole M. Diagnosis and treatment of syncope. Heart. 2007 Jan;93(1):130-6. doi: 10.1136/hrt.2005.080713. PMID: 17170354; PMCID: PMC1861366.
[2] Veltmann, C., Bosch, R., Boer, J. et al. Empfehlung zur Indikationsstellung implantierbarer Ereignisrecorder. Kardiologie 17, 389–405 (2023). https://doi.org/10.1007/s12181-023-00634-z