Nierensteine: Entstehung, Symptome, Entfernung & Behandlung der Nephrolithiasis
Nephrolithiasis bezeichnet die Bildung fester Ablagerungen (Konkremente) aus kristallisierten Harnbestandteilen im Nierenbeckenkelchsystem, einem Verbund von trichterförmigen Hohlräumen in den Nieren, in denen der Urin gesammelt wird. Diese Ablagerungen sind weitläufig auch als „Nierensteine“ bekannt. Die Häufigkeit in der Bevölkerung liegt bei etwa fünf Prozent, wobei Männer statistisch stärker betroffen sind als Frauen. In den vergangenen Jahren wurde eine steigende Fallzahl verzeichnet. Der Altersgipfel liegt bei der Nephrolithiasis zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr.
Charakteristisch für das Krankheitsbild ist die Rezidivrate: Ohne angemessene Nachsorge treten bei rund 50 Prozent der Betroffenen innerhalb von circa sieben Jahren erneut Konkremente auf. Mit geeigneten Maßnahmen lässt sich das Risiko jedoch senken. Um Komplikationen zu verhindern und die Nierensteine rechtzeitig zu erkennen, können bildgebende Verfahren zum Einsatz gebracht werden. Mit diesen lassen sich Lage und Größe der Konkremente präzise bestimmen.
Was sind Nierensteine und wie entstehen sie?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Nierensteine sind feste Ablagerungen bestimmter Harnbestandteile.
- Die Einteilung erfolgt je nach der Zusammensetzung der Konkremente und deren Lage.
- Einen erheblichen Anteil machen die kalziumhaltigen Steine aus.
Die Nephrolithiasis wird den Harnsteinleiden (Urolithiasis) zugeordnet, zu denen außerdem auch Konkremente des Harnleiters, der Harnblase und der Harnröhre gehören.
Eine Zystolithiasis – also das Auftreten von Konkrementen in der Harnblase – kann entweder durch vor Ort gebildete Mineralisationen oder aus dem Nierenbecken eingewanderte Steine entstehen. Daher muss der Fundort der Steine nicht zwingend auch deren Entstehungsort sein.
Damit sich Nierensteine überhaupt aus dem Harn bilden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Grundlage ist ein Ungleichgewicht verschiedener steinbildender Substanzen im Urin, wie Kalzium, Oxalat oder Harnsäure.
Ist deren Konzentration zu hoch, bleiben diese Bestandteile nicht mehr vollständig in Lösung. An einem Kristallisationskeim lagern sich die Mineralstoffe nach und nach an, sodass das Konkrement anschließend schichtförmig heranwächst. Je nach chemischer Zusammensetzung werden verschiedene Arten von Nierensteinen unterschieden.
- Kalziumsteine machen etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle aus. Dazu zählen sowohl Steine auf Basis von Kalziumoxalat als auch auf Basis von Kalziumphosphat. Die erstgenannte Variante ist die mit Abstand häufigste Form von Nierensteinen. Ihre Bildung wird begünstigt durch eine vermehrte Ausscheidung von Kalzium (Hyperkalziurie) und Oxalat (Hyperoxalurie) über den Urin.
- Harnsäuresteine belaufen sich auf einen Anteil von rund fünf bis 15 Prozent der Nephrolithiasis. Sie entstehen vor allem in Verbindung mit Urin, dessen pH-Wert dauerhaft zu niedrig ist. Anzutreffen ist diese Form von Nierensteinen unter anderem bei Gicht, Übergewicht bzw. Adipositas oder einem gestörten Säure-Basen-Haushalt. Diagnostisch relevant ist die Eigenschaft der Harnsäuresteine, dass sie im konventionellen Röntgenbild nicht sichtbar sind.
- Struvitsteine machen etwa fünf bis zehn Prozent der Nierensteine aus. Diese sogenannten „Infektsteine“ bestehen aus Magnesiumammoniumphosphat und entstehen als Folge von Harnwegsinfekten durch Urease (Enzym, das den chemischen Abbau – die Hydrolyse – von Harnstoff in Ammoniak und Kohlenstoffdioxid katalysiert) bildende Bakterien. Sie können rasch wachsen und das gesamte Hohlsystem ausfüllen, es bilden sich hierdurch Ausgusssteine.
- Zystinsteine liegen nur in rund ein bis zwei Prozent der Nephrolithiasis vor. Es handelt sich somit um eine seltene Form, die auf einer angeborenen Stoffwechselstörung (Zystinurie) beruht. Dabei kommt es zu einer erhöhten Konzentration der Aminosäure Zystin im Urin. Typisch ist das Rezidivieren, also ein wiederholtes Auftreten der Zystinsteine.
Ursachen und Risikofaktoren für Nierensteine
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Trinkmenge hat einen erheblichen Einfluss auf das Risiko der Bildung von Nierensteinen.
- Ernährung, Übergewicht und Stoffwechselstörungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit.
- Genetische Faktoren und bestimmte Vorerkrankungen können die Steinbildung begünstigen.
Die Entstehung von Nierensteinen wird durch mehrere Faktoren beeinflusst, wobei erworbene und angeborene Auslöser ineinander greifen. Ein zentraler Aspekt sind Lebensstilfaktoren, die auch andere Erkrankungen – speziell in westlichen Industrienationen – auslösen, weshalb Nephrolithiasis zu den sogenannten „Wohlstandserkrankungen“ gezählt wird.
Als ein wichtiger (beeinflussbarer) Faktor gilt eine unzureichende Zufuhr von Flüssigkeit. Bei einer zu geringen Trinkmenge verändert sich die Konzentration der für die Steinbildung verantwortlichen Substanzen im Urin – es kommt zu einer Übersättigung, die die Kristallbildung fördert.
Lebensstil- und Ernährungsfaktoren
Die Ernährung hat einen erheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung und den pH-Wert des Urins. Im Hinblick auf Nierensteine wirken sich eine an Kochsalz reiche Kost sowie ein hoher Konsum tierischer Eiweiße als Risikofaktoren aus, da beide in der Lage sind, die Kalzium- und Harnsäureausscheidung zu steigern. Bei der Entstehung von Kalziumoxalatsteinen spielt zusätzlich der Verzehr oxalatreicher Lebensmittel wie
- Rhabarber,
- Spinat,
- Rote Bete oder
- Nüsse.
eine Rolle. Übergewicht und Bewegungsmangel werden ebenfalls den Risikofaktoren zugerechnet. Insbesondere das metabolische Syndrom, also die Kombination aus
- Übergewicht,
- Bluthochdruck,
- einer Fettstoffwechselstörung und
- einem dysfunktionalen Zuckerstoffwechsel
gilt als starker Risikofaktor.
Zusätzlich kann dauerhaftes starkes Schwitzen – etwa bei der Arbeit – zu chronischem Flüssigkeitsverlust führen, wenn gleichzeitig zu wenig getrunken wird. Auch dies ist eine mögliche Ursache für eine Veränderung der Harnkonzentration.
Stoffwechsel- und Vorerkrankungen
Eine Reihe von Erkrankungen begünstigen die Bildung von Nierensteinen. Die bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen (primärer Hyperparathyreoidismus) erhöhte Parathormonproduktion führt zu einem Anstieg des Kalziumspiegels und zu einer vermehrten Kalziumausscheidung. Auffällig ist das wiederholte Auftreten von Kalziumsteinen.
Gicht (Urikopathie) geht mit erhöhten Harnsäurewerten einher und begünstigt damit die Bildung von Harnsäuresteinen, während wiederkehrende Harnwegsinfekte die Entstehung von Struvitsteinen begünstigen.
Weitere Erkrankungen, die durch ihre Auswirkung auf den Urin auch einen Einfluss auf die Bildung von Konkrementen haben, sind
- Diabetes mellitus Typ II,
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (etwa Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) mit gestörter Oxalataufnahme und
- die renal-tubuläre Azidose (eine Störung der Säureausscheidung der Nieren).
Aber auch anatomische Fehlbildungen, die den Harn am Abfluss hindern, können die Bildung von Nierensteinen fördern.
Genetische und medikamentöse Faktoren
Die Bildung von Nierensteinen geht bei einem Teil der Fälle auf eine genetische Komponente zurück. Dies trifft auf Konkremente zu, die auf einer Zystinurie basieren. Dabei entsteht durch einen Gendefekt eine Transportstörung von verschiedenen Aminosäuren in den Nieren, darunter Zystin.
Anders als bei Menschen ohne diese Dysfunktion ist die Wiederaufnahme dieser Aminosäuren aus dem Urin gestört (diese erfolgt bei Gesunden über die Nierenkanälchen, von wo aus diese wieder ins Blut gelangen), wodurch ihre Konzentration stark ansteigt. Die schlechte Wasserlöslichkeit von Cystin sowie ein saurer pH-Wert begünstigen die Bildung von Kristallen aus der Harnflüssigkeit.
Zudem können Kalziumsteine auch familiär gehäuft auftreten, was auf eine genetisch bedingte Hyperkalziurie zurückgeführt wird. Des Weiteren ist für bestimmte Medikamente wie Diuretika oder Präparate für eine hohe Kalziumzufuhr bekannt, dass diese die Bildung von Konkrementen fördern.
Symptome von Nierensteinen
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Gerade bei kleinen Konkrementen bleiben Symptome oft aus und ihre Entdeckung erfolgt zufällig.
- Eines der zentralen Anzeichen sind krampfartige Flankenschmerzen (Nierenkolik).
- Tritt Fieber auf, kann dies auf eine Verschlechterung der Erkrankung hindeuten.
Ob Nierensteine Beschwerden verursachen, hängt wesentlich von ihrer Lage und Größe ab. Ruhende, kleine Steine im Nierenbecken oder in den Nierenbeckenkelchen bleiben oft über längere Zeit symptomlos und werden mitunter zufällig im Rahmen einer aus einem anderen Grund durchgeführten Ultraschalluntersuchung entdeckt.
Krankheitszeichen treten typischerweise dann auf, wenn ein Stein in den Harnleiter gelangt und dort den Harnfluss behindert. Ein Leitsymptom ist die Nierenkolik, die durch plötzlich einsetzende und dann wellenartig an- und abschwellende krampfartige Schmerzen gekennzeichnet ist.
Die Beschwerden gehen von der Flanke aus und strahlen je nach Lage des Nierensteins in den Unterbauch, die Leiste oder den Genitalbereich aus. Charakteristisch ist zudem ein Bewegungsdrang, da Betroffene – im Unterschied zu anderen akuten Bauchschmerzen – keine schmerzlindernde Schonhaltung finden.
Begleitend zur Schmerzsymptomatik kann es zu weiteren Symptomen wie
- Übelkeit und Erbrechen,
- Blut im Urin (Hämaturie, mitunter nur mikroskopisch nachweisbar, da der Stein die Schleimhaut des Harnleiters verletzt) und
- Schmerzen sowie vermehrter Harndrang beim Wasserlassen
kommen. Von einer besonderen Komplikation ist auszugehen, wenn die genannten Beschwerden zusammen mit Fieber auftreten, denn dies kann Anzeichen einer Urosepsis (eine vom Harntrakt ausgehende, lebensbedrohliche Blutvergiftung) sein. Dazu kommt es, wenn sich Harn oberhalb des Nierensteins staut und sich daraus eine Infektion entwickelt.
Diagnostik bei Verdacht auf Nierensteine
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Anhand der Anamnese und der körperlichen Untersuchung lassen sich erste Hinweise auf Nierensteine gewinnen.
- Mittels Labordiagnostik und speziellen Tests sind Veränderungen der Nierenparameter erkennbar.
- Ultraschall und Computertomographie spielen als bildgebende Verfahren eine zentrale Rolle.
Die diagnostische Kette beim Verdacht auf einen Nierenstein umfasst mit Anamnese, körperlicher Untersuchung, Labordiagnostik und Bildgebung mehrere ineinandergreifende Schritte. Durch eine Analyse des Steins lassen sich dessen Typ genau bestimmen und Hinweise auf die Ursache seiner Entstehung erlangen.
In der Anamnese geht es um die Erhebung des Beschwerdebilds, wofür möglicherweise in der Vergangenheit erlebte Nierensteine sowie die Ernährungs- und Trinkgewohnheiten erörtert werden. Auch das Abfragen bekannter Vorerkrankungen spielt eine Rolle. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird regelmäßig geprüft, ob ein typischer Schmerz, ausgelöst durch leichtes Beklopfen der Flanke (klopfschmerzhaftes Nierenlager), vorhanden ist.
Labordiagnostik
Die Laboruntersuchung von Blut und Urin liefert für die Diagnosestellung wichtige Hinweise. Im Harn lässt sich über einen Teststreifen oder eine mikroskopische Untersuchung eine Hämaturie nachweisen. Im Urin messbare Anzeichen einer Infektion wie Nitrit, Eiweiß oder weiße Blutkörperchen sowie die Ergebnisse einer Bakterienkultur sind für die weitere Therapieplanung – beispielsweise die Auswahl des richtigen Antibiotikums – von Bedeutung. Bei einem konkreten Verdacht lassen sich anhand spezifischer Tests unter anderem die Oxalatausscheidung und die Harnsäurelast bestimmen. In der Blutuntersuchung geben die Nierenwerte Aufschluss über die Nierenfunktion. Sollte ein starker Anstieg des Kreatinins sowie eine verminderte Produktion von Urin erkennbar sein, wäre dies ein Warnzeichen für ein sich abzeichnendes Nierenversagen.
Bildgebende Diagnostik
In der Bildgebung greift die Urologie auf verschiedene Verfahren zurück. Die Sonographie (Ultraschall) stellt die Basisdiagnostik dar und kann aufgrund der schnellen und strahlungsfreien Durchführbarkeit auch bei sensiblen Patientengruppen wie Schwangeren oder Kindern eingesetzt werden. Bei Nierensteinen, die größer als fünf Millimeter sind, erreicht das Verfahren eine hohe Sensitivität. Bei kleineren Konkrementen nimmt die Genauigkeit jedoch ab [1]. Auf den Ultraschallaufnahmen lassen sich unter anderem eine Erweiterung des Nierenbeckens durch die Abflussbehinderung des Urins sowie Steine in den Nieren erkennen.
Die Computertomographie (CT) ohne Kontrastmittel hat auch bei kleinen Konkrementen eine hohe Erkennungsrate und eignet sich zur Darstellung von Harnsteinen bzw. der Lokalisation bei einem unklaren Befund. Mittlerweile stehen auch Low-Dose-Protokolle zur Verringerung der Strahlenbelastung zur Verfügung, was beispielsweise für die Untersuchung von Kindern mit unklaren Befunden einen Vorteil bedeutet.
Für interventionelle Therapien muss die genaue Anatomie des Hohlsystems bekannt sein, was durch eine Untersuchung mit Kontrastmittel erreicht wird. In diesem Zusammenhang ist auf Kontraindikationen wie eine Unverträglichkeit oder allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel zu achten. Ist ein solcher Fall gegeben, bietet sich die Magnetresonanztomographie (MRT) als Alternative an.
Analyse des Nierensteins
Ein zentraler Baustein in der Diagnostik sowie der Rezidivprophylaxe ist die Analyse des abgegangenen bzw. entfernten Nierensteins. Die Bestimmung der chemischen Zusammensetzung liefert Hinweise auf die der Entstehung zugrunde liegende Ursache. Insbesondere die Differenzierung zwischen stoffwechselbedingten und genetisch verursachten Nierensteinen ist für den weiteren Behandlungsansatz von Bedeutung.
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Behandlung von Nierensteinen
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Kleinere Konkremente gehen häufig von allein ab und bedürfen daher keiner Behandlung.
- Ab einer gewissen Größe und beim Vorhandensein von Beschwerden werden Nierensteine interventionell behandelt.
- Zur Vermeidung von Rezidiven ist eine umfassende Nachsorge von Bedeutung.
Die Behandlung der Nephrolithiasis ist von der Größe, der Lage und der Zusammensetzung der Konkremente sowie dem individuellen Beschwerdebild abhängig. Grundsätzlich hat die Urologie die Wahl zwischen einem abwartenden Ansatz und der Entfernung der Nierensteine. Die letztgenannte Option wird regelmäßig bei akuten Beschwerden und dem Risiko von Komplikationen gewählt.
Konservative Therapie und Schmerzbehandlung
Kleine Nierensteine von unter fünf Millimetern gehen oft spontan ab und sogar bei größeren Konkrementen ist dies nicht ausgeschlossen. Besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass der Nierenstein von selbst abgeht, steht die Behandlung der akuten Kolik im Vordergrund. Dazu werden entzündungshemmende Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika) sowie weitere Analgetika zur Schmerzlinderung angewendet. Eine medikamentöse Austreibungstherapie kann den Abgang insbesondere im Fall von Harnleitersteinen erleichtern.
Interventionelle Nierensteinentfernung
Geht der Nierenstein nicht spontan ab, verursacht anhaltende Beschwerden oder überschreitet eine gewisse Größe, stehen verschiedene Verfahren zu dessen Entfernung zur Verfügung.
- Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie: Bei diesem nicht-invasiven Verfahren werden von außen Stoßwellen gebündelt auf den Stein gerichtet, um ihn in kleine Fragmente zu zertrümmern, die anschließend auf natürlichem Weg abgehen. Ob ein Konkrement für die Therapie geeignet ist, hängt von dessen Größe, Lage und Härte ab (Letztere ist mittels CT anhand der Hounsfield-Einheiten abschätzbar).
- Ureterorenoskopie: Bei dieser Behandlungsmethode wird ein dünnes Endoskop durch die Harnröhre und Harnblase in den Harnleiter und bei Bedarf bis in die Nieren vorgeschoben. Der Stein wird dann unter Sicht mit einem Laser zertrümmert (Lithotripsie) und entfernt.
- Perkutane Nephrolitholapaxie: Bei sehr großen Nierensteinen oder Ausgusssteinen wird über einen kleinen Hautschnitt ein Zugang zu den Nieren geschaffen, sodass die Zertrümmerung des Steins und dessen Absaugung auf diesem Weg erfolgen kann. Das Verfahren ist deutlich invasiver als die anderen Methoden. Offene Operationen sind heute nur noch in seltenen Ausnahmefällen erforderlich, vor allem dann, wenn die anderen Verfahren nicht anwendbar sind oder keinen ausreichenden Behandlungserfolg versprechen.
Nachsorge und Vorbeugung von Nierensteinrezidiven
Da eine erfolgreiche Nierensteinentfernung keine Garantie dafür ist, dass Konkremente nicht wieder auftreten, sind die Nachsorge und Vorbeugung ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Hierzu gehört die Sicherstellung einer ausreichend hohen Trinkmenge. Diese sollte im Allgemeinen bei mindestens zwei Litern täglich liegen. Das Ziel besteht darin, den Urin ausreichend zu verdünnen, um so eine zu starke Konzentration der kritischen Mineralstoffe zu vermeiden.
Je nach Zusammensetzung des Steins bzw. dessen Ursache sind Ernährungsanpassungen ein weiterer Schritt. Beispielsweise ist bei Oxalatsteinen auf einen vorsichtigen Verzehr von Roter Bete, Schokolade und Kakao sowie einen bewussten Genuss bestimmter Teesorten und Kaffee zu achten. Zudem beeinflussen Fleisch, Fisch und Eier den pH-Wert des Urins, weshalb auch hier ein maßvoller Verzehr zu empfehlen ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Aufnahme von Kalzium. Zwar ist der Mineralstoff an der Bildung der Kalziumoxalatsteine beteiligt, bindet aber gleichzeitig Oxalsäure im Darm, weshalb eine Reduzierung kontraproduktiv sein kann.
Der Einsatz von Medikamenten hängt stets von der individuellen Situation des Patienten ab und wird beispielsweise im Zusammenhang mit verschiedenen Grunderkrankungen – wie einer Überfunktion der Nebenschilddrüse, bestimmten Formen der gesteigerten Kalziumausscheidung (Hyperkalziurie) oder einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) – festgelegt.
FAQ zu Nierensteinen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Kann ein Nierenstein auch von selbst abgehen?
Ja, kleine Konkremente von weniger als circa fünf Millimetern Durchmesser können häufig auch ohne Behandlung über den Harntrakt ausgeschieden werden. Dieser Vorgang kann bei Nierengrieß (auskristallisierte Urinbestandteile) und sehr kleinen Steinen sogar völlig unbemerkt ablaufen. Größere Steine lösen sich mitunter ebenfalls, allerdings kann dies mit Schmerzen einhergehen.
Können Nierensteine andere Erkrankungen begünstigen?
Insbesondere wenn ein Stein den Harnabfluss blockiert, begünstigt der dadurch verursachte Harnstau eine Infektion der Harnwege. Es besteht das Risiko einer Urosepsis. Zudem schädigt eine dauerhafte Stauung das Nierengewebe, sodass die Nierenfunktion unter Umständen langfristig beeinträchtigt wird.
Warum treten Nierensteine bei Männern häufiger auf?
Für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden einerseits stoffwechselspezifische Besonderheiten – wie die höhere Produktion von Harnsäure und die geringere Bildung steinhemmender Stoffe – verantwortlich gemacht. Andererseits spielen auch Lebensstilfaktoren eine Rolle, da Männern allgemein weniger gesunde Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zugeschrieben werden.
Lässt sich der Bildung von Rezidiven mit Nahrungsergänzungsmitteln vorbeugen?
Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie Citratpräparate können bei spezifischen Steinarten tatsächlich einen Effekt haben. Aber: Fehler bei der Anwendung oder der Griff zu falschen Produkten mit hochdosiertem Vitamin C oder Kalzium kann sich gegenteilig auswirken und die Bildung von Nierensteinen sogar fördern. Dies gilt auch für die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten, die aufgrund der mit ihnen verbundenen Kalziumausscheidung die Nephrolithiasis indirekt begünstigen können, insbesondere, wenn die Nierensteine bereits angelegt sind.
[1] Ganesan V, De S, Greene D, Torricelli FC, Monga M. Accuracy of ultrasonography for renal stone detection and size determination: is it good enough for management decisions? BJU Int. 2017 Mar;119(3):464-469. doi: 10.1111/bju.13605. Epub 2016 Aug 17. PMID: 27459091.

