Elastographie der Leber: Varianten, Ablauf und Aussagekraft des Verfahrens bei Lebererkrankungen
Die Elastographie der Leber ist ein nicht-invasives, bildgebendes Verfahren, mit dem sich die Steifigkeit der Leber messen lässt. Durch eine zunehmende Vernarbung (Fibrose) des funktionellen Gewebes – dem sogenannten „Leberparenchym“ – verändern sich dessen Eigenschaften. Insbesondere nimmt die Elastizität ab und das Organ wird zunehmend steifer.
Durch eine Messung der Lebersteifigkeit lassen sich Informationen über den Zustand des Organs gewinnen und der Grad der Veränderungen feststellen, ohne dass dafür eine Gewebeprobe mittels Biopsie entnommen werden muss. Mittlerweile gilt das Verfahren im Rahmen der belastungsarmen Leberdiagnostik als Goldstandard zur nicht-invasiven Beurteilung einer Fibrose.
Was ist die Elastographie der Leber und in welchen Varianten wird sie durchgeführt?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Elastographie nutzt die Ausbreitungseigenschaften von Wellen im Gewebe.
- Je nach Gewebetyp bewegen sich die Wellen unterschiedlich schnell.
- Mit der MR-Elastographie steht ein Verfahren zur Verfügung, das verschiedene Gewebeeigenschaften darstellen kann.
Grundlage der Elastographie ist die physikalische Eigenschaft von Wellen, sich je nach Typ und Eigenschaften des jeweiligen Gewebes unterschiedlich auszubreiten. Ihre Geschwindigkeit ist in weichem, gesunden Gewebe geringer als in hartem, das bereits fibrotisch verändert ist. Anhand der Messung der Ausbreitungsgeschwindigkeit lässt sich die Steifigkeit des Lebergewebes berechnen und in Kilopascal (kPa) oder Metern pro Sekunde (m/s) angeben.
Für die Durchführung der Elastographie stehen verschiedene Varianten zur Verfügung, die auf unterschiedlichen technischen Ansätzen basieren.
- Transiente Elastographie (Fibroscan): Bei dieser Variante der Elastographie werden mechanische Wellen zur Bewertung des Gewebezustands genutzt. Über eine Sonde, die im Bereich der rechten unteren Rippen auf der Haut aufliegt, wird ein mechanischer Impuls abgegeben, der eine Scherwelle im Lebergewebe auslöst. Ein integrierter Ultraschallsensor misst die Ausbreitungsgeschwindigkeit, anhand derer sich die Lebersteifigkeit berechnen lässt.
- Scherwellenelastographie: Bei dieser Variante wird die Scherwelle nicht mechanisch, sondern durch einen fokussierten Ultraschallimpuls erzeugt. Der Vorteil besteht darin, dass die dafür nötigen technischen Voraussetzungen heute in vielen Ultraschallgeräten integriert sind und die Elastographie damit direkt mit einem Ultraschall (Sonographie) der Leber kombinierbar ist.
- Magnetresonanzelastographie (MR-Elastographie oder MRE): Bei der MR-Elastographie wird statt Ultraschall die Magnetresonanztomographie (MRT) genutzt, um mit niederfrequenten Schwingungen die Wellenausbreitung im Gewebe darzustellen. Zu den Vorteilen dieser Variante gehört, dass sich durch eine Kombination der Bilder der MR-Elastographie mit verschiedenen MRT-Aufnahmesequenzen neben der Steifigkeit des Organs auch andere Gewebeeigenschaften beurteilen lassen, ohne den Patienten mehrfach untersuchen zu müssen.
Welche Befunde können sich aus einer Elastographie der Leber ergeben?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Messwerte werden Fibrosestadien von F0 bis F4 zugeordnet.
- Für die Bewertung der Steifigkeit der Leber ist je nach zugrunde liegender Pathologie eine differenzierte Betrachtung notwendig.
- Adipositas und akute Leberentzündungen können die Messung verfälschen.
Die sich aus der Elastographie ergebenden Messwerte werden im Hinblick auf die Beurteilung der Lebersteifigkeit erst dann aussagekräftig, wenn sie im Rahmen einer Klassifizierung eingeordnet werden. Dazu wird in der medizinischen Praxis häufig auf die histologischen Fibrosestadien F0 bis F4 zurückgegriffen.
Dabei gilt: Je höher die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wellen ist, desto höher der Fibrosegrad. Als typischer Grenzwert für eine Leber ohne Fibrose gelten 6,0 kPa, während bei Messwerten zwischen 12,5 und 13,0 kPa eine Leberzirrhose vorliegt. Zu beachten ist, dass sich die konkreten Grenzwerte je nach Verfahrensvariante, Gerät und der zugrunde liegenden Lebererkrankung unterscheiden können.
Die Interpretation der mittels Elastographie gemessenen Werte muss immer im klinischen Kontext erfolgen. Beispielsweise können
- akute Leberentzündungen,
- eine Rechtsherzinsuffizienz mit Stauung der Leber,
- ein hoher Body-Mass-Index oder
- unzureichende Nüchternheit
die Steifigkeit des Lebergewebes verändern, ohne dass eine entsprechende Fibrose vorliegt. Bei adipösen Patienten ist zudem die Eindringtiefe der Ultraschallwellen eingeschränkt, wodurch die Ergebnisse unzuverlässiger werden. Bei starker Adipositas muss gegebenenfalls auf Alternativen ausgewichen werden.
Bei welchen Erkrankungen kommt die Elastographie der Leber zur Anwendung?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Elastographie wird vor allem bei chronischen Lebererkrankungen zur Fibrosebeurteilung eingesetzt.
- Das Verfahren eignet sich sowohl zur Erstdiagnostik als auch zur Verlaufskontrolle bei einer Therapie.
- Zudem dient das Verfahren zur Abschätzung des Komplikationsrisikos bei bestehender Leberzirrhose.
Die Elastographie der Leber hat sich für die Beurteilung einer Reihe chronischer Lebererkrankungen als Bestandteil der Diagnostik etabliert. Bei der metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung (MASLD, früher auch NAFLD) und der sie begleitenden Entzündungsform (MASH/NASH) dient das Verfahren dazu, eine mögliche Fibrosierung des Gewebes früh zu erkennen.
Im Rahmen der Leitlinien zur nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung wird das Verfahren beim Vorliegen verschiedener Risikofaktoren, wie Typ-2-Diabetes, Adipositas oder des metabolischen Syndroms empfohlen, wenn sich beispielsweise infolge erhöhter Leberwerte Anhaltspunkte für eine Organveränderung ergeben [1].
Bei der chronischen Hepatitis B und C wird die Elastographie eingesetzt, um das Ausmaß der Leberschädigung einzuschätzen und den Verlauf unter einer eingeleiteten antiviralen Therapie zu beurteilen. Ergibt sich in den Kontrolluntersuchungen ein Rückgang der Steifigkeit, wäre dies der Hinweis auf eine Zurückbildung der Fibrose.
Auch bei alkoholbedingten Lebererkrankungen kommt das Verfahren zur Anwendung, um eine beginnende Fibrose frühzeitig zu erfassen, selbst wenn klassische Symptome fehlen oder auffällige Werte noch nicht im Rahmen der Labordiagnostik nachweisbar sind. Dies kann dazu beitragen, betroffene Patienten frühzeitig zu einer Verringerung des Alkoholkonsums zu motivieren.
Bei den autoimmun bedingten Lebererkrankungen – wie der Autoimmunhepatitis oder der primär biliären Cholangitis (PBC) – ist die transiente Elastographie ein Verfahren zur Einschätzung des Krankheitsstadiums und für die Prognosestellung.
Liegt bereits eine Leberzirrhose vor, lässt sich mithilfe der Elastographie das Risiko von Komplikationen ermitteln. So sprechen niedrige Elastographiewerte bei der kompensierten Form – unter Berücksichtigung weiterer Parameter – zum Beispiel eher gegen schwerwiegende Folgen wie Ösophagusvarizen, während hohe Messwerte ein entsprechendes Komplikationsrisiko andeuten.
Wie läuft eine Elastographie der Leber ab?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die eigentliche Messung dauert nur wenige Minuten. Die Auswertung erfolgt im Anschluss.
- Die Untersuchung erfolgt in der Regel im Liegen und ohne eine besondere Vorbereitung des Patienten.
- Nüchternheit verbessert die Messgenauigkeit der Elastographie.
Die Untersuchung wird meist im Liegen durchgeführt. Um den Zugang zwischen den Rippen zu erleichtern, wird der rechte Arm angehoben. Je nach Verfahrensvariante wird der Schallkopf oder eine spezielle Sonde auf die Haut aufgesetzt. Der durchführende Arzt nimmt mehrere Einzelmessungen vor und ermittelt auf deren Grundlage den Median oder den Mittelwert.
Um die Qualität der Aufnahmen zu verbessern, ist eine Nüchternheitsphase von etwa vier bis sechs Stunden vor der Untersuchung empfohlen. Der Grund ist die gesteigerte Durchblutung der Leber infolge der Nahrungsaufnahme, die zu einer Beeinflussung der Messwerte führt.
Bei der MR-Elastographie ist der Untersuchungsablauf etwas anders, da diese eine Lagerung des Patienten in der Röhre des MRT-Geräts sowie den Einsatz eines Vibrationskissens erfordert.
Mehr über LifeLink
Finden Sie jetzt die
Praxis in Ihrer Nähe!
Wir sind überzeugt, dass die Medizin von morgen anders aussehen sollte. Wir sehen den Menschen im Mittelpunkt exzellenter Medizin.
Fazit: Die Elastographie ist der gegenwärtige Goldstandard der nicht-invasiven Untersuchung des Lebergewebes
Mit der Elastographie der Leber steht der Medizin heute ein Verfahren zur Verfügung, das eine umfassende Beurteilung des Gewebezustands ermöglicht. Da es sich um eine nicht-invasive Methode handelt, ist sie für den Patienten belastungsarm und kann in verschiedenen Situationen eingesetzt werden. Gerade, wenn zwar Risikofaktoren wie Diabetes oder Übergewicht vorliegen, die Laborwerte aber noch keine klare Aussage zulassen, lässt sich das Leberparenchym mittels Elastographie präzise untersuchen.
Einen Nutzen hat das Verfahren jedoch nicht nur im Rahmen der Erstdiagnostik, sondern auch bei der Verlaufskontrolle einer Therapie sowie zur Abschätzung des Komplikationsrisikos bei bereits bestehender Leberzirrhose. Die Elastographie ist damit als umfassend einsetzbares und belastgungsarmes Verfahren der Goldstandard, wenn es um die nicht-invasive Beurteilung der Vernarbung des Lebergewebes geht.
FAQ zur Elastographie der Leber: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Ist die Elastographie der Leber schmerzhaft?
Nein, die Durchführung der Untersuchung ist schmerzfrei, da es sich um eine nicht-invasive Methode handelt. Bei der transienten Elastographie und der Scherwellenelastographie ist lediglich der Druck des Schallkopfes auf der Haut zu spüren. Patientenindividuell kann das Auftragen des Ultraschallgels im ersten Moment als unangenehm empfunden werden.
Wie lange dauert eine Elastographie der Leber?
Die eigentliche Messung nimmt in der Regel nur wenige Minuten in Anspruch. Inklusive der Vorbereitung und des ärztlichen Gesprächs ist bei der Elastographie üblicherweise mit einem zeitlichen Umfang von 15 bis 30 Minuten zu rechnen. Je nach Patientensituation kann sich der zeitliche Rahmen jedoch auch etwas ausdehnen.
Ist die Elastographie der Leber ein vollständiger Ersatz für eine Biopsie?
Nein, da sich nicht alle Auffälligkeiten mit dem Verfahren abschließend klären lassen. Wo unklare Befunde oder spezielle Fragestellungen vorliegen, ist die Entnahme und histologische Untersuchung einer Probe aus dem Lebergewebe nach wie vor erforderlich. Insbesondere für die Verlaufskontrolle bietet die Elastographie indes einen Ansatz zur Bewertung der aktuellen Situation.
[1] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Aktualisierte S2k-Leitlinie nicht-alkoholische Fettlebererkrankung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), S. 1365, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 31.07.2026).