Lungenfunktionstest: Ablauf, Werte und wann er sinnvoll ist
Ein Erwachsener atmet in Ruhe durchschnittlich zwölf- bis sechzehnmal pro Minute. Im Schlaf sinkt die Atemfrequenz üblicherweise ab, während sie sich bei körperlicher Belastung erhöht. Gewisse Schwankungen sind also normal. Allerdings können Veränderungen bei der Häufigkeit der Atemzüge und dem Atemvolumen auch durch verschiedene Erkrankungen bedingt sein, wobei nicht alle primär von der Lunge ausgehen müssen.
Treten solche Auffälligkeiten zusammen mit Beschwerden wie Atemnot oder anhaltendem Husten auf, ist ein Lungenfunktionstest ein zentraler Baustein der Abklärung. Durch objektive Messwerte ermöglicht er die Beurteilung, wie gut die Lunge Luft aufnehmen und abgeben kann. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen der Spirometrie (kleiner Lungenfunktionstest) und der Bodyplethysmographie (großer Lungenfunktionstest). Beide dienen sowohl der Diagnostik als auch der Verlaufs- und Therapiekontrolle.
Funktion und Messwerte eines Lungenfunktionstests
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Eine der wichtigsten Funktionen eines Lungenfunktionstests ist die Messung des Atemvolumens.
- Die Spirometrie ist eine in der Lungenheilkunde häufig eingesetzte Basisuntersuchung.
- Eine differenzierte Betrachtung ist mit der Bodyplethysmographie möglich.
Unter dem Begriff „Lungenfunktionstest“ werden mehrere Verfahren zusammengefasst, mit denen das Volumen und die Flussgeschwindigkeit der Atemluft gemessen werden.
Spirometrie als pneumologische Basisuntersuchung
Die einfachste und am weitesten verbreitete Methode ist die Spirometrie. Dabei atmet der Patient über ein Mundstück in ein Gerät, das das Atemvolumen und die Atemflussgeschwindigkeit während des Ein- und Ausatmens misst. Vor allem bestimmt die Spirometrie die forcierte Vitalkapazität (FVC). Dieser Parameter gibt an, wie viel Luft nach maximaler Einatmung mit größtmöglicher Kraft ausgeatmet werden kann.
Die Einsekundenkapazität (FEV1) gibt das Luftvolumen an, das in der ersten Sekunde der forcierten Ausatmung abgegeben wird. Aus beiden Werten errechnet sich der sogenannte „Tiffeneau-Index“, also das Verhältnis von FEV1 zu FVC, aus dem sich Hinweise auf eine Verengung der Bronchien ableiten lassen. Ergänzend wird häufig der Spitzenfluss (Peak Expiratory Flow, PEF) bestimmt, der die maximale Geschwindigkeit der Luft beim Ausatmen angibt.
Ein Vergleich der gemessenen Werte mit alters-, größen- und geschlechtsbezogenen Referenzwerten gibt Aufschluss darüber, ob die individuelle Patientensituation dem Sollwert entspricht oder Anzeichen für eine eingeschränkte Lungenfunktion vorliegen.
Bodyplethysmographie – der große Lungenfunktionstest
Reicht die Spirometrie zur Einordnung eines Befundes nicht aus, wird die Bodyplethysmographie (oder Ganzkörperplethysmographie) ergänzend eingesetzt. Dabei sitzt der Patient in einer geschlossenen Kabine und atmet über ein Mundstück. Aus den Druckveränderungen in der Kabine lassen sich Werte bestimmen, die mit der Spirometrie nicht erfasst werden können, dazu gehören
- das Residualvolumen (die nach maximaler Ausatmung in der Lunge verbleibende Luftmenge),
- die totale Lungenkapazität sowie
- der Atemwegswiderstand (Resistance).
Da hierfür keine forcierten Atemmanöver notwendig sind, eignet sich die Methode insbesondere für Patienten, denen solche Atemmanöver schwerfallen – etwa bei ausgeprägter Atemnot. Mithilfe des Verfahrens lässt sich zwischen einer obstruktiven Ventilationsstörung (Verengung der Atemwege, etwa bei Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)) und einer restriktiven Ventilationsstörung (vermindertes Lungenvolumen, beispielsweise bei Lungenfibrose) unterscheiden.
Ablauf eines Lungenfunktionstests
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Für die Durchführung eines Lungenfunktionstests ist in der Regel keine besondere Vorbereitung notwendig.
- Bei verschiedenen Medikamenten, die Einfluss auf die Lungenfunktion haben, kann es notwendig sein, die Anwendung vorübergehend auszusetzen.
- Je nach Befund können sich weitere Tests zur genaueren Abgrenzung verschiedener Erkrankungen anschließen.
Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, sollte der Patient in den Stunden vor der Untersuchung auf schwere körperliche Anstrengung verzichten. Kleidung, die den Brustkorb einengt, ist ebenfalls ungünstig. Werden bereits aufgrund pulmonaler Erkrankungen bronchienerweiternde Medikamente (Bronchodilatatoren) verwendet, kann es je nach Fragestellung erforderlich sein, die Anwendung vorübergehend auszusetzen. Dies darf jedoch nur nach ausdrücklicher ärztlicher Anweisung geschehen.
Werden die Medikamente weiterhin angewendet, besteht das Risiko, dass der Ausgangszustand der Atemwege nicht korrekt erfasst wird. Zudem sollten sonstige Maßnahmen unterbleiben, die Einfluss auf die Atemwege haben. Auf das Rauchen sollte mindestens eine Stunde vor dem Termin verzichtet werden, da es die Bronchien verengen kann
Vor dem Beginn des Funktionstests werden Körpergröße, Alter und Geschlecht des Patienten erfasst, da diese Angaben zur Bestimmung der einschlägigen Referenzwerte notwendig sind. Damit keine Luft durch die Nase entweicht, wird diese mit einer Klammer verschlossen. Dann atmet der Patient über ein Mundstück zunächst ruhig, bevor er nach Anweisung möglichst tief einatmet und die Luft mit maximaler Kraft und Geschwindigkeit wieder ausatmet. Dieses Manöver wird mehrfach wiederholt, um reproduzierbare Werte zu erhalten. Die eigentliche Messung dauert zehn bis fünfzehn Minuten.
Zeigt die Spirometrie eine Obstruktion, schließt sich häufig ein Bronchospasmolysetest an: Die Messung wird nach Inhalation eines bronchienerweiternden Medikaments wiederholt. Der Bronchospasmolysetest liefert Hinweise darauf, ob sich nach der Gabe des Medikaments die Verengung zurückbildet – was diagnostisch für die Unterscheidung zwischen Asthma und COPD von Bedeutung ist.
Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung des Lungengewebes, wird zusätzlich die Diffusionskapazität (Diffusing Capacity of the Lung for Carbon Monoxide, DLCO) bestimmt, die Auskunft über den Gasaustausch zwischen Lungenbläschen und Blut gibt. Bei speziellen Fragestellungen kommen zudem weiterführende Verfahren wie die Spiroergometrie oder ein inhalativer Provokationstests in Betracht.
Indikationen für einen Lungenfunktionstest
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Der Test dient sowohl der Erstdiagnose als auch der Verlaufskontrolle von Atemwegs- und Lungenerkrankungen.
- Dank der belastungsarmen Durchführung ist eine wiederholte Therapiekontrolle möglich.
- Unter anderem kommt der Test bei einem Verdacht auf Asthma oder COPD zur Anwendung.
Ein Lungenfunktionstest kommt bei Beschwerden wie anhaltendem Husten, Atemnot, Atemgeräuschen (Giemen, ein Hinweis auf verengte Atemwege) sowie bei einer Leistungsminderung unklarer Ursache in Betracht. Ein typisches Krankheitsbild, das damit beurteilt werden kann, ist Asthma [1]. Zusammen mit dem Bronchospasmolysetest liefert die Untersuchung Hinweise auf die Asthma-typische, weitgehend reversible Atemwegsverengung.
Bei der COPD dient die Spirometrie sowohl der Diagnosesicherung als auch der Bestimmung des Schweregrades anhand der FEV1, während die Bodyplethysmographie ein erhöhtes Residualvolumen als Zeichen einer Lungenüberblähung sichtbar macht.
Auch Erkrankungen, die das Lungengewebe selbst betreffen, lassen sich mit einem Lungenfunktionstest beurteilen. Bei einer Lungenfibrose zeigt sich meist eine restriktive Ventilationsstörung mit verminderter Vitalkapazität und reduzierter Diffusionskapazität. Diese tritt in ähnlicher Form auch bei der Sarkoidose (Morbus Boeck) – einer entzündlichen Erkrankung mit Knötchenbildung im Gewebe – auf, sofern die Lunge beteiligt ist. Bei Bronchiektasen kommt es hingegen meist zu einer obstruktiven Ventilationsstörung. Der Befund aus dem Lungenfunktionstest kann dabei zur Verlaufsbeurteilung herangezogen werden.
Darüber hinaus dient ein Lungenfunktionstest auch der Vorsorge – unter anderem als arbeitsmedizinische Untersuchung, wenn eine berufliche Exposition gegenüber Stäuben oder Reizgasen gegeben ist. Vor dem Hintergrund einer Früherkennung der COPD weisen Pneumologen zudem auf die Bedeutung des Lungenfunktionstests für Raucher hin. Für die Lungenkrebsfrüherkennung ist dagegen die Niedrigdosis-CT das Verfahren der Wahl.
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Fazit: Der Lungenfunktionstest spielt in Diagnostik und Verlaufskontrolle eine zentrale Rolle
Der Lungenfunktionstest ist ein nichtinvasives Verfahren zur Beurteilung der Lungenfunktion, das ohne Strahlenbelastung auskommt und sich beliebig oft wiederholen lässt. Die Untersuchung hat sich in der Lungenheilkunde fest etabliert und wird nicht ausschließlich als Diagnostikverfahren genutzt.
Weil sich die Messung beliebig oft wiederholen und mit dem Bronchospasmolysetest kombinieren lässt, eignen sich beide Varianten des Lungenfunktionstests für die Verlaufskontrolle. So können Lungenfachärzte beispielsweise prüfen, ob die antientzündliche Asthmatherapie ausreichend wirkt, und den Medikationsplan bei Bedarf anpassen.
FAQ zum Lungenfunktionstest: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wie viel Zeit ist für einen Lungenfunktionstest einzuplanen?
Für den Termin insgesamt – inklusive Anamnesebogen und Vorbereitung – sollten 20 bis 30 Minuten eingeplant werden, da neben der eigentlichen Messung auch die Körpergröße, das Alter und das Geschlecht des Patienten erfasst werden. Zudem ist meist auch ein Anamnesebogen auszufüllen. Wird zusätzlich eine Bodyplethysmographie, ein Bronchospasmolysetest oder eine Messung der Diffusionskapazität durchgeführt, verlängert sich der Termin entsprechend.
Gelten für den Lungenfunktionstest besondere Regeln wie eine Durchführung auf nüchternen Magen?
Grundsätzlich muss die Untersuchung nicht auf nüchternen Magen erfolgen. Eine üppige Mahlzeit sollte unmittelbar vor dem Termin aber eher nicht eingenommen werden, da ein voller Magen das tiefe Einatmen erschweren kann. Auf Rauchen, Alkohol und schwere körperliche Anstrengung sollte in den Stunden vor dem Termin verzichtet werden.
Schließt ein Atemwegsinfekt die Durchführung eines Lungenfunktionstests aus?
Ein akuter Atemwegsinfekt beeinflusst die Messwerte oft vorübergehend, etwa durch die vermehrte Schleimbildung oder eine gesteigerte Empfindlichkeit der Bronchien. Der Lungenfunktionstest wird daher in der Regel verschoben, bis die Infektion vollständig abgeklungen ist. Bei akuten Beschwerden mit dringendem Abklärungsbedarf kann der Test dennoch durchgeführt werden, wobei der Infekt bei der Befundinterpretation zu berücksichtigen ist.
Ab welchem Alter ist ein Lungenfunktionstest möglich?
Die Spirometrie setzt eine gewisse Kooperationsfähigkeit voraus, da der Patient die Atemmanöver nach Anweisung des Praxisteams ausführen muss. Zuverlässige Ergebnisse lassen sich daher häufig erst ab einem Patientenalter von etwa fünf bis sechs Jahren erzielen.
[1] Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (Hrsg.) (2023): S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie von Asthma. AWMF-Registernummer 020-009, S. 34; online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 15.08.2026).