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Bluthochdruck zählt zu den Volkskrankheiten in Deutschland und bleibt von vielen Betroffenen lange unbemerkt. Eine Messung vor Ort in der Arztpraxis kann kein vollständiges Bild liefern, da die Blutdruckwerte im Tagesverlauf erheblich schwanken. Umso schwieriger ist es, eine Hypertonie nur durch gelegentliche Arztbesuche zu entdecken. Die Langzeit-Blutdruckmessung läuft hingegen über einen Zeitraum von 24 Stunden und schließt damit eine Lücke, durch die erhöhte Werte andernfalls unerkannt blieben. Der vorliegende Ratgeber befasst sich ausführlich mit dem Verfahren und legt dabei den Fokus auf dessen Ablauf und die zur Durchführung der Untersuchung Anlass gebenden Indikationen.

Langzeit-Blutdruckmessung: Wann sie sinnvoll ist & was Patienten beachten müssen

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) gehört zu den zentralen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblattes liegt bei etwa 26 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten eine Hypertonie vor, das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen kommt sogar auf mehr als 29 Prozent [1]. Auf Dauer schädigt der zu hohe Blutdruck die Gefäße und die Herzgesundheit.

Für die Diagnosestellung ergeben sich insofern Herausforderungen, als dass der Blutdruck keine konstante Größe ist, sondern sich innerhalb von Minuten ändern kann. Damit bietet eine einzelne Messung in der Arztpraxis immer nur eine Momentaufnahme. Die Langzeit-Blutdruckmessung, auch als „24-Stunden-Blutdruckmessung“ oder „ambulantes Blutdruck-Monitoring (ABDM)“ bezeichnet, schließt diese Lücke, indem Werte über einen vollständigen Tages- und Nachtzyklus aufgezeichnet werden. Für die Herzmedizin (Kardiologie) liefert sie damit bei einer ganzen Reihe unterschiedlicher Erkrankungen wertvolle diagnostische Informationen.

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Grundlagen und Ablauf der Langzeit-Blutdruckmessung

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Mit dem Verfahren werden Blutdruckwerte über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden aufgezeichnet.
  • Dazu trägt der Patient eine Oberarmmanschette, über die in festen Intervallen eine Messung erfolgt.
  • Die Auswertung erfolgt häufig direkt nach Abgabe des Messgeräts in der Arztpraxis.

Für die Langzeit-Blutdruckmessung wird ein kleines, tragbares Messgerät genutzt, das über einen Schlauch mit einer Oberarmmanschette verbunden ist. Das Gerät misst automatisiert in bestimmten Intervallen und erfasst über die Manschette Druckschwankungen. Die Beteiligung einer weiteren Person an der Messung ist nicht erforderlich.

Der Patient spürt die einzelnen Messzyklen, da sich die Manschette dafür jeweils kurzzeitig mit Luft füllt. Die individuellen Messintervalle liegen – je nach Empfehlung – zwischen 15 und 30 Minuten tagsüber bzw. zwischen 30 und 60 Minuten in der Nacht. Zur Ergänzung der Aufzeichnungen ist der Patient angehalten, seinen Tagesablauf zu dokumentieren. Auf dieser Grundlage kann eine Verbindung zwischen der Aktivität und den Blutdruckschwankungen hergestellt werden.

Abgrenzung zu anderen Messmethoden

Die Langzeitmessung ist nicht die einzige Möglichkeit, um den Blutdruck zu erfassen. Daneben sind die Überprüfung in der Arztpraxis (die auch bei Hausärzten Teil der Standarddiagnostik ist) und die Selbstmessung etabliert.

Beide haben gegenüber der 24-Stunden-Aufnahme Vor- und Nachteile. Die Messung in der Praxis hat den Vorteil, dass sich der Arzt in einer Akutsituation schnell einen Überblick verschaffen kann. Allerdings ist dabei auch der sogenannte „Weißkitteleffekt“ zu berücksichtigen. Demnach kann der Blutdruck des Patienten aufgrund der Untersuchungssituation und der damit verbundenen Nervosität per se etwas höher ausfallen.

Die häusliche Selbstmessung bildet die Blutdruckwerte in Alltagssituation möglicherweise besser bzw. realistischer ab, erfasst aber keine Werte während des Schlafens und gilt als anfälliger für Fehler wie beispielsweise das falsche Anlegen der Manschette am Oberarm.

Der Ablauf im Detail

Die eigentliche Langzeit-Blutdruckmessung beginnt in der Arztpraxis mit dem Anlegen der Manschette am Oberarm. Eventuell erfolgt eine Markierung der Passform, damit sie bei einer Lockerung durch den Patienten selbst erneut in derselben Position befestigt werden kann.

Anschließend nimmt das Gerät eine erste Testmessung vor. Der Patient geht trotz Messung seinem gewohnten Tagesablauf nach, was auch die übliche körperliche Aktivität einschließt. Wichtig ist, das Messgerät vor Feuchtigkeit zu schützen, weshalb das Duschen und Baden während der Aufzeichnungsphase zu vermeiden ist.

Das Messprotokoll sollte der Patient über die gesamte Tragedauer hinweg kontinuierlich führen. Darin werden nicht nur Phasen körperlicher Belastungen eingetragen, sondern auch die Einnahme von Medikamenten sowie auftretende Beschwerden wie Schwindel oder Kopfschmerzen. Alle diese Informationen sind für die spätere Auswertung relevant.

Nach Abschluss der Messphase kann das Gerät selbständig abgenommen werden. Die Rückgabe erfolgt in der Regel am gleichen Tag in der Praxis, die die gespeicherten Werte ausliest und mit dem vom Patienten geführten Messprotokoll abgleicht. Begutachtet werden unter anderem der Tages- und Nachtmittelwert sowie die prozentuale nächtliche Absenkung des Blutdrucks im Vergleich zum Tageswert. Darüber hinaus werden auch Blutdruckspitzen und andere Auffälligkeiten ermittelt.

Mögliche Ergebnisse der Langzeit-Blutdruckmessung

Durch die Aufzeichnung über mehrere Stunden erhält der Arzt einen direkten Einblick in den Verlauf des Blutdrucks des Patienten. Zu den zentralen Informationen gehören die Höhe des Blutdrucks und ob es zum Absinken in den Nachtstunden kommt.

Als normal gelten allgemein Blutdruckwerte unter 120/70 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule, die Maßeinheit der Blutdruckmessung). Beide Werte drücken jeweils die Pumpphase und die Entspannungsphase des Herzens aus. Hypertonie beginnt bei Werten ab 140/90 mmHg. Alle Messungen, die dazwischen liegen, werden in der medizinischen Praxis (nach der neuen, seit 2024 geltenden ESC-Leitlinie) als „erhöhter Blutdruck“ bezeichnet. Ein Wert von unter 115/65 mmHg als Durchschnittswert bei einer Langzeitmessung gilt als optimal.

Auffällige Werte in den Nachtstunden, wie ein fehlender Abfall oder Blutdruckspitzen, sowie stark schwankende Einzelmessungen begründen eine erweiterte Diagnostik. Dazu kommen – je nach Verdacht – Untersuchungsverfahren wie die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie), die Kardio-CT oder die Kardio-MRT zum Einsatz.

Indikationen: Wann eine Langzeit-Blutdruckmessung sinnvoll ist

Wichtige Fakten auf einen Blick:

  • Mit der Langzeitmessung lässt sich der Verdacht auf Bluthochdruck zuverlässig abklären.
  • Die 24-Stunden-Dokumentation liefert Informationen zu Veränderungen des Blutdrucks zwischen Tag und Nacht.
  • Ein weiterer Grund für die Durchführung der Messung ist die Kontrolle der Wirksamkeit einer eingeleiteten Therapie.

Durch die Auswertung der 24-Stunden-Messung ist die Kardiologie in der Lage, verschiedene Krankheitsbilder oder Auffälligkeiten zu beurteilen. Einer der zentralen Aspekte ist die Prüfung, ob bei einem Patienten eine manifeste Hypertonie vorliegt – der Blutdruck also wirklich dauerhaft erhöht ist – oder es zu episodenhaften Anstiegen kommt.

Dies kann zum Beispiel bei der Weißkittelhypertonie der Fall sein, die in Bezug auf ihre Langzeitfolgen – wie eine Studie nahelegt [2] – nicht unterschätzt werden darf. Aber auch die „maskierte Hypertonie“ lässt sich mit der Langzeitaufnahme erkennen. In ihrem Fall ist der Blutdruckwert während einer Einzelmessung normal, abseits derselben aber erhöht.

Episodische Blutdruckanstiege treten aus verschiedenen Gründen auf. Häufig lässt sich im ersten Moment kein direkter Einflussfaktor (in Betracht kommen unter anderem Stress, Schlafmangel und Alkoholkonsum) feststellen. Schnellt der Blutdruck nach oben, kann eine Blutdruckkrise entstehen. Mithilfe der 24-Stunden-Messung lässt sich beurteilen, ob diese Phasen regelmäßig auftreten oder ob sich die Druckverlaufskurve außerhalb der Episoden als unauffällig darstellt.

Der Abklärung bedürfen auch Abweichungen des normalen Druckverlaufs über den Tag. Physiologisch sinkt der Blutdruck im Schlaf um zehn bis 20 Prozent gegenüber dem Tagesmittelwert ab (Dipping). Bleibt diese Absenkung aus (Non-Dipping) oder steigt der Blutdruck nachts sogar an, ist das Risiko für Organschäden und kardiovaskuläre Ereignisse erhöht.

Neben der Erstdiagnostizierung verschiedener Erkrankungen dient die Untersuchung auch der Kontrolle eines bestehenden Leidens an Bluthochdruck. Zudem kann überprüft werden, ob Betroffene auf die eingeleitete Behandlung ansprechen oder möglicherweise eine therapieresistente Hypertonie vorliegt.

Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie

Bei jungen Betroffenen unter 40 Jahren, bei sehr hohen Werten oder bei einer therapieresistenten Hypertonie muss auch an eine sekundäre, also eine durch eine andere Erkrankung ausgelöste Hypertonie, gedacht werden. Bestätigt die Langzeitmessung die Verdachtsdiagnose, schließt sich eine Basisdiagnostik mit Laboruntersuchung und Ruhe-EKG an.

Bei klinischem Verdacht auf eine Nierenarterienstenose folgt eine Sonographie mit Doppler-Untersuchung der Nierenarterien. Lässt sich der Verdacht damit noch nicht eindeutig klären, kann eine CT- oder MR-Angiographie durch die hochauflösende Darstellung der Gefäße wichtige Informationen liefern.

Vermutet der Arzt dagegen als Ursache eher einen Zusammenhang mit den Nebennieren – wie etwa Hyperaldosteronismus oder ein Phäochromozytom (seltener, aber oft gutartiger Tumor des Nebennierenmarks) – ist eine Untersuchung mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur Lokalisierung einer Raumforderung ein möglicher Ansatz.

Auffälligkeiten, die sich vor allem in den Nachtstunden manifestieren, können auf bestimmte Krankheitsbilder wie Schlafapnoe hindeuten. Zur Untersuchung des Schlafverhaltens und der Beurteilung der nächtlichen Atmungsaussetzer kann ein Schlaflabor ein Ansatz sein.

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Fazit: Die 24-Stunden-Langzeitmessung ist ein zentrales Diagnostikverfahren zur Feststellung von pathologischem Bluthochdruck

Unerkannter bzw. unbehandelter Bluthochdruck bringt für Betroffene erhebliche Risiken mit sich. Unter dem Zustand leidet die Gefäß- und Herzgesundheit in einer Weise, die das Auftreten von Komplikationen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigt. Mit der 24-Stunden-Langzeitmessung ist es möglich, auch verdeckte Druckanstiege zu beurteilen. Zudem versetzt die Methode Ärzte in die Lage, nächtliche Auffälligkeiten zu erkennen.

Damit erleichtert die kontinuierliche Messung über einen längeren Zeitraum das rechtzeitige Erkennen von Blutdruckveränderungen erheblich und liefert Hinweise auf Schwankungen, hinter denen andere Krankheiten stehen können. Zudem setzt die Langzeit-Blutdruckmessung den Betroffenen im Alltag keinen größeren Unannehmlichkeiten aus.

FAQ zur Langzeit-Blutdruckmessung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

[1] Deutsches Ärzteblatt, Bluthochdruck: Inzidenz der diagnostizierten Hypertonie 24-h-Blutdruckmessung und Medikation, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 16.07.2026).

[2] Mancia G, Facchetti R, Vanoli J, Dell’Oro R, Seravalle G, Grassi G. White-Coat Hypertension Without Organ Damage: Impact on Long-Term Mortality, New Hypertension, and New Organ Damage. Hypertension. 2022 May;79(5):1057-1066. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.121.18792. Epub 2022 Feb 22. Erratum in: Hypertension. 2022 Nov;79(11):e143. doi: 10.1161/HYP.0000000000000221. PMID: 35191312.

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