HbA1c-Wert: Was der Langzeitblutzucker über die Gesundheit verrät
Diabetes mellitus ist eine der häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen in Deutschland. Die Deutsche Diabetes Hilfe gibt die Zahl der Erkrankten mit rund elf Millionen Menschen an. Bei mehr als neun Millionen Betroffenen handelt es sich um einen diagnostizierten Typ-2-Diabetes [1]. Allerdings erschwert der stumme Verlauf der Erkrankung über lange Zeit hinweg häufig eine frühzeitige Diagnostizierung. Dabei wäre eine rechtzeitige Intervention wichtig, um Komplikationen wie den diabetischen Fuß zu verhindern oder durch Lebensstiländerungen eine Besserung der Situation zu erreichen. Der anhand von Labortests bestimmte HbA1c-Wert gibt Aufschluss über das glykierte Hämoglobin bzw. den Langzeitblutzucker und ist damit ein zentraler Parameter sowohl für die Diagnosestellung als auch die Verlaufskontrolle.
Was ist der HbA1c-Wert?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Der HbA1c-Wert zeigt den Anteil des mit Zucker verbundenen roten Blutfarbstoffs.
- Anhand des Wertes kann der Blutzuckerspiegel der letzten Wochen beurteilt werden.
- Tägliche Schwankungen wirken sich auf den HbA1c-Wert deutlich schwächer aus als auf die Einzelmessung der Glukose im Blut.
Hämoglobin ist das eisenhaltige Protein in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), mit dem der Körper den Sauerstofftransport realisiert. Zirkuliert Glukose im Blut, bindet ein Teil davon dauerhaft an das Hämoglobin. Diesen Vorgang bezeichnet die Medizin als Glykierung. Diagnostisch besonders relevant ist der Umstand, dass umso mehr HbA1c entsteht, je höher der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum ist.
Da rote Blutkörperchen eine Lebensdauer von etwa 100 bis 120 Tagen haben, liefert der HbA1c-Wert Informationen zur Entwicklung des durchschnittlichen Blutzuckerspiegels der vergangenen acht bis zwölf Wochen. Diese Eigenschaft unterscheidet den Parameter von der klassischen Blutzuckermessung, die die momentane Situation abbildet.
Welche HbA1c-Werte gelten als normal?
HbA1c wird in den Laborauswertungen als Prozentwert in Bezug auf das Gesamthämoglobin oder in mmol/mol Hb (Millimol pro Mol, Hb steht für Hämoglobin) angegeben. Als normal gelten Messwerte von weniger als 5,7 Prozent oder unter 39 mmol/mol.
HbA1c-Werte zwischen 5,7 und 6,4 Prozent (39 bis 47 mmol/mol) deuten auf einen Prädiabetes hin – ein Stadium mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.
Ab einem Wert von 6,5 Prozent bzw. 48 mmol/mol liegt ein Diabetes mellitus vor – sofern der Befund durch eine zweite, unabhängige Messung oder einen weiteren Parameter wie zum Beispiel den Nüchternblutzucker oder einen oralen Glukosetoleranztest bestätigt wird. Diese Absicherung ist wichtig, da methodische und individuelle Faktoren die Messung beeinflussen können.
Was bedeutet ein erhöhter HbA1c-Wert für die Gesundheit?
Ist der HbA1c-Wert bei einem bekannten Diabetes erhöht, lässt sich daraus ableiten, dass der Stoffwechsel unzureichend eingestellt ist. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes einen individualisierten Zielkorridor zwischen 6,5 und 7,5 Prozent, um sowohl Folgeschäden als auch das Risiko für eine Unterzuckerung zu vermeiden [2]. Für ältere Patienten oder Betroffene verschiedener Pathologien ist die Festlegung höherer Zielwerte mitunter sinnvoll.
Die Kontrolle der Zuckerwerte ist notwendig, da dauerhaft erhöhte Werte Schäden an kleinen und großen Gefäßen (Mikro- bzw. Makroangiopathie) begünstigen. Betroffen sind unter anderem
- die Netzhaut,
- die Nieren,
- die Nerven sowie
- das Herz-Kreislauf-System.
Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Kontrolle des HbA1c-Wertes Bestandteil des Therapiemanagements, da sich durch Gefäßschäden die Unterversorgung von Körperbereichen, das Absterben von Nerven und die Zerstörung gesunden Gewebes ergeben können.
Durch welche Erkrankungen verändert sich der HbA1c-Wert?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Neben Diabetes verändern auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder hormonelle Störungen den Blutzucker.
- Bildgebende Verfahren sind essenziell für die Abklärung anatomischer und struktureller Veränderungen von Organen wie der Leber und der Milz.
- Verschiedene Bluterkrankungen müssen in der Diagnostik ebenfalls berücksichtigt werden.
Der Langzeitblutzucker ist ein Laborparameter, der auf den ersten Blick ausschließlich mit Diabetes – umgangssprachlich auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet – in Verbindung gebracht wird. Darüber hinaus gibt es weitere Pathologien, die den HbA1c-Wert beeinflussen.
Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2
Diabetes ist eine Erkrankung, bei der es zu Störungen des Insulinkreislaufs kommt. Bei Typ 1 zerstört das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Damit entsteht ein absoluter Insulinmangel. Typ-2-Diabetes entwickelt sich dagegen meist schleichend im Rahmen einer Insulinresistenz, begünstigt durch Übergewicht, Bewegungsmangel und genetische Veranlagung.
Radiologische Verfahren nehmen bei beiden Diabetestypen keine entscheidende Rolle in der Erstdiagnostik ein, haben aber bei der Abklärung von Folgeerkrankungen Bedeutung. Beim Verdacht auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder das diabetische Fußsyndrom liefern die Duplex-Sonographie und die MR-Angiographie wichtige Informationen zur Durchblutungssituation.
Beim sogenannten „Charcot-Fuß“ (einer Zerstörung von Knochen und Gelenken infolge der diabetischen Nervenschädigung) gehört die Magnetresonanztomographie (MRT) zu den wichtigen Verfahren, da sie bereits im Frühstadium entzündliche Veränderungen im Knochenmark sichtbar macht. Das Röntgen zeigt erst später eindeutige Befunde.
Bei Diabetes wird zudem das Herz geschädigt – insbesondere die Blutgefäße. Aus einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) kann sich langfristig eine Verengung der Herzkranzgefäße entwickeln, die wiederum zu einer koronaren Herzkrankheit (KHK) mit der Angina pectoris als zentralem Anzeichen führt. Im Hinblick auf die bildgebende Diagnostik spielen in diesem Fall die Kardio-MRT oder auch die nuklearmedizinische Myokard-Perfusionsprüfung eine Rolle.
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
Die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse können durch verschiedene Grunderkrankungen geschädigt oder zerstört werden, was in einem pankreopriven Diabetes (Typ-3c-Diabetes) resultiert. Häufige Ursache ist die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Seltener sind Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom), eine operative Teilentfernung des Organs oder eine Mukoviszidose der Auslöser.
Für die Abklärung und strukturelle Bewertung der Bauchspeicheldrüse sind der Ultraschall (Sonographie), die Computertomographie (CT) und die MRT von großer Bedeutung. Sie zeigen anatomische Veränderungen wie Verkalkungen, Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) oder Raumforderungen und liefern Informationen, die auf eine entzündliche und eine tumoröse Ursache hindeuten.
Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
Die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) führt zu einer übermäßigen Eisenablagerung in verschiedenen Organen, darunter auch die Bauchspeicheldrüse. Daraus ergibt sich das Risiko einer Schädigung der insulinproduzierenden Zellen. Das Ergebnis ist ein sekundärer Diabetes (als „sekundär“ werden Pathologien bezeichnet, die auf andere Grunderkrankungen zurückgehen). Mit der MRT lassen sich Eisenablagerungen in der Bauchspeicheldrüse und der Leber nachweisen und deren Ausmaß über spezielle Sequenzen bestimmen, ohne dass die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) erforderlich wird.
Hormonelle Erkrankungen
Endokrine Störungen können den Blutzucker und damit den HbA1c-Wert erhöhen. Beim Cushing-Syndrom führt ein Überschuss an Kortisol – ausgelöst zum Beispiel durch einen hormonproduzierenden Tumor der Nebenniere oder der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) – zu einer verstärkten Insulinresistenz. Ein ähnliches Phänomen tritt bei Akromegalie auf, bei der ein Überschuss an Wachstumshormonen vorliegt. In beiden Fällen stehen die MRT und die CT als bildgebende Verfahren zur Bewertung möglicher Organveränderungen zur Verfügung.
Erkrankungen, die den HbA1c-Wert verfälschen
Nicht jede Abweichung des HbA1c-Wertes geht auf Veränderungen des Zuckerstoffwechsels zurück. Erkrankungen, durch die sowohl die Bildung als auch die Lebensdauer der roten Blutkörperchen beeinflusst werden, können den Wert unabhängig vom Blutzucker verfälschen.
Eine hämolytische Anämie (es kommt zur Zerstörung der Erythrozyten und Blutarmut), eine schwere Leber- oder Niereninsuffizienz sowie bestimmte Hämoglobinveränderungen (es können Strukturvariationen oder Bildungsstörungen auftreten) lassen den Wert häufig absinken, da die Blutkörperchen weniger Zeit zur Glykierung haben.
Umgekehrt können Erkrankungen, bei denen die Lebensdauer der Erythrozyten verlängert wird, den HbA1c-Wert erhöhen. Je nach Verdacht kann eine Ultraschalluntersuchung der Leber oder Milz erste Hinweise auf eine zugrundeliegende Organerkrankung liefern. Unter anderem können eine Hyperbilirubinämie (Erhöhung des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Blut) oder ein verdeckter Eisenmangel Auslöser sein.
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Fazit: Der HbA1c-Wert ist nicht nur bei Diabetes von Bedeutung
Bei Diabetes ist eine konsequente Stoffwechseleinstellung in der Behandlung entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern. Einzelne bzw. sporadische Messungen des Blutzuckers reichen in der Regel nicht aus, um ein etwaiges Krankheitsgeschehen mit ausreichender Präzision nachzuweisen. Der Langzeitblutzucker liefert dagegen Informationen, die mehrere Wochen umfassen. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, wenn es um die Frage nach der korrekten Einstellung des Blutzuckers geht.
Der HbA1c-Wert spielt als diagnostischer Marker zudem bei anderen Pathologien eine Rolle, die Einfluss auf die Insulinproduktion und -resistenz oder die Blutbildung sowie die Lebensdauer der roten Blutkörperchen haben. Vor diesem Hintergrund können Auffälligkeiten des Langzeitblutzuckers Anlass zu einer weiterführenden Diagnostik geben.
FAQ zu Langzeitblutzucker und HbA1c-Wert: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Sollte der Langzeitblutzuckerwert regelmäßig kontrolliert werden?
Grundsätzlich ist bei gesunden Menschen, bei denen keine Anzeichen einer Stoffwechselstörung im Sinne eines Diabetes vorliegen, eine regelmäßige Messung nicht erforderlich. Sobald die Zuckerkrankheit diagnostiziert wurde, sind wiederholte Untersuchungen im Labor aber sinnvoll, um die Therapie zu überwachen.
Ist der HbA1c-Wert ein Parameter, der schnell auf Umstellungen in der Behandlung reagiert?
Da der HbA1c-Wert maßgeblich durch die Lebensdauer der roten Blutkörperchen beeinflusst wird, machen sich Veränderungen in der Therapie oder eine Umstellung von Lebensstilfaktoren allgemein erst mit einer gewissen Verzögerung bemerkbar.
Kann sich die Diagnostizierung von Diabetes allein auf den HbA1c-Wert stützen?
Nein, grundsätzlich ergibt sich der Befund immer aus dem Ergebnis mehrerer Untersuchungen, von denen die Langzeitblutzuckermessung nur eine ist. Durch verschiedene Faktoren kann der HbA1c-Wert verfälscht werden, weshalb er immer im Zusammenhang mit anderen Befunden gesehen werden muss.
Kann Stress den HbA1c-Wert beeinflussen?
Kurzfristiger Stress wirkt sich vor allem auf den akuten Blutzucker aus. Hält eine starke Stressbelastung über Wochen an, kann sie über vermehrt ausgeschüttete Stresshormone wie Kortisol den Langzeitblutzucker erhöhen. Der Grund sind Prozesse wie die Hemmung der zellulären Glukosetransporter.
[1] Deutsche Diabetes Hilfe, Diabetes in Zahlen, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 21.07.2026).
[2] Deutsche Diabetes Gesellschaft, Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft – Aktualisierte Version 2023, S166, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 21.07.2026).