Was macht ein Facharzt für Rheumatologie?
Die zentralen Aufgaben eines Facharztes für Innere Medizin und Rheumatologie (Rheumatologen) sind die Diagnostik und Behandlung (inklusive der Nachsorge) von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. In diese Gruppe fallen unter anderem chronisch entzündliche Gelenkerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis, aber auch systemische Erkrankungen des Bindegewebes (Kollagenosen) und Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitiden).
Da die rheumatischen Krankheitskomplexe häufig Berührungspunkte mit der Kardiologie (Herzmedizin), der Endokrinologie und der Orthopädie haben, arbeitet ein Facharzt für Rheumatologie disziplinübergreifend mit Ärzten anderer medizinischer Fachbereiche zusammen. Die dafür erforderlichen Kenntnisse erwerben Rheumatologen im Rahmen einer mehrteiligen Ausbildung, die das Medizinstudium und die Facharztweiterbildung umfasst.
Aufgaben des Facharztes für Rheumatologie in der Diagnostik entzündlich-rheumatischer Erkrankungen
Ein wesentlicher Tätigkeitsbereich eines Facharztes für Rheumatologie ist die Diagnostik, also die Abklärung von Symptomen, die im Verdacht stehen, Folge einer rheumatischen Erkrankung zu sein. Am Anfang erfolgt dabei in der Regel die Anamnese zur Erhebung der Beschwerden des Patienten und des Krankheitsverlaufs. Viele rheumatische Erkrankungen werden von unspezifischen Krankheitszeichen wie Gelenkschmerzen oder Morgensteifigkeit begleitet. Daher muss der Facharzt für Rheumatologie zahlreiche Differenzialdiagnosen in Betracht ziehen.
Zur weiteren Abklärung nutzen Rheumatologen
- die klinische Untersuchung der Gelenke zur Beurteilung von Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzpunkten,
- laborchemische Untersuchungen zum Nachweis unter anderem von Rheumafaktoren (Autoantikörper bei bestimmten Gelenkerkrankungen), Anti-CCP-Antikörpern (spezifische Marker für eine rheumatoide Arthritis) oder Entzündungswerten wie dem C-reaktiven Protein (CRP) sowie
- bildgebende Verfahren wie die Sonographie (Ultraschall), das Röntgen oder die Magnetresonanztomographie (MRT) zur Beurteilung von Gelenkschäden und der Entzündungsaktivität.
Auf Grundlage der aus diesen Verfahren resultierenden Befunde ordnet der Rheumatologe die Beschwerden einem Krankheitsbild zu, was die Basis für die weitere Behandlung bildet. Eine besondere diagnostische Herausforderung besteht darin, eine entzündlich-rheumatische Erkrankung möglichst früh von degenerativen Gelenkveränderungen oder anderen Ursachen aus dem Bereich der Inneren Medizin abzugrenzen, da bei einer späten Diagnosestellung das Risiko bleibender Schäden in der Regel höher ist.
Aufgaben des Facharztes für Rheumatologie in der Therapie und der Verlaufskontrolle
Die wesentlichen Aufgaben eines Rheumatologen im Rahmen der Behandlung sind die Eindämmung der Entzündungsaktivität und die Verhinderung weiterer Gelenkschäden (die oft zu bleibenden Einschränkungen führen). Dabei besteht das Ziel darin, dem Patienten die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern.
Zum Einsatz kommen dazu krankheitsmodifizierende Antirheumatika (Disease-Modifying Antirheumatic Drugs, kurz DMARDs), die gezielt in das überaktive Immunsystem eingreifen und modulierend auf das Krankheitsgeschehen wirken. Bei schwereren Verläufen kommen auch sogenannte Biologika – gentechnisch hergestellte Wirkstoffe, die einzelne Entzündungsbotenstoffe hemmen – zur Anwendung.
Da rheumatische Erkrankungen meist chronisch verlaufen, überwacht der Rheumatologe den Therapieverlauf regelmäßig mittels Kontrolluntersuchungen. Auf Veränderungen in der Krankheitsaktivität oder der Verträglichkeit von Arzneimitteln muss der Facharzt mit einer Anpassung der Behandlung reagieren, weshalb ein enger Kontakt zum Patienten auch außerhalb der Verlaufskontrollen zu seinem Aufgabenspektrum gehört.
Zudem fällt es in den Verantwortungsbereich eines Rheumatologen, den Patienten über den Umgang mit der Erkrankung im Alltag aufzuklären. So muss er den Patienten beispielsweise über mögliche Nebenwirkungen der immunmodulierenden Therapie, wie ein erhöhtes Infektionsrisiko, informieren.
Ergänzend zur medikamentösen Behandlung koordiniert ein Facharzt für Rheumatologie physiotherapeutische Maßnahmen, um die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke und die Kraft der umgebenden Muskulatur zu erhalten. Bei akuten Krankheitsschüben mit plötzlich verstärkter Entzündungsaktivität entscheidet er außerdem über eine kurzfristige Anpassung der Therapie, um die Beschwerden zu kontrollieren.
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Fazit: Der Facharzt für Rheumatologie ist der zentrale Verantwortungsträger in der Diagnostik und Therapie systemischer entzündlicher Erkrankungen
Der Verantwortungsbereich eines Facharztes für Innere Medizin und Rheumatologie umfasst im klinischen Alltag ein breites Aufgabenspektrum, das von der Abklärung unklarer Gelenk- und Systembeschwerden über die differenzialdiagnostische Bewertung und die Therapieentscheidung bis zur langfristigen Begleitung von Rheumapatienten reicht. Da rheumatische Erkrankungen sehr unterschiedlich ausgeprägt auftreten und den gesamten Organismus betreffen können, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen ein zentraler Bestandteil der täglichen Arbeit von Rheumatologen. Deshalb spielt nicht nur die Kommunikation mit Patienten eine Rolle, sondern auch der fachliche Austausch mit Arztkollegen aus den Bereichen der Radiologie, der Nuklearmedizin sowie der Labormedizin. Ist eine operative Versorgung stark geschädigter Gelenke bei einem Rheumapatienten erforderlich, kommt es in der Regel zur Zusammenarbeit mit der Chirurgie. Die Aufgaben von Fachärzten für Rheumatologie sind damit höchst anspruchsvoll, zugleich aber auch sehr abwechslungsreich.