Lymphknotenschwellung: Ursachen, Diagnostik und wann Bildgebung nötig ist
Eine tastbare Schwellung am Hals, in der Achselhöhle oder in der Leistengegend löst bei Betroffenen zunächst Verunsicherung aus, da verschiedene Tumore bevorzugt in diese Regionen metastasieren. Häufig steckt jedoch eine harmlose Infektion wie bei einer Erkältung oder einer Entzündung der Rachenmandeln hinter einer Schwellung der Lymphknoten. In bestimmten Situationen muss der Tastbefund aber kritisch betrachtet werden.
Bleibt die Schwellung der Lymphknoten über mehrere Wochen bestehen oder nimmt sie sogar zu, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Gleiches gilt für Situationen, in denen zusätzliche Beschwerden wie Fieber oder ein ungewollter Gewichtsverlust auftreten. Lymphknotenschwellungen können in diesen Momenten Hinweise auf eine ernstzunehmende Grunderkrankung sein. Dabei ist eine rechtzeitige Diagnosestellung für die Einleitung der Therapie und die individuelle Prognose meist von zentraler Bedeutung. Neben der körperlichen Untersuchung haben bildgebende radiologische Verfahren eine wichtige Funktion für die Einordnung des Befunds.
Was sind Lymphknoten?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Lymphknoten sind Teile des menschlichen Lymphsystems.
- Eine tastbare Veränderung wird als Lymphadenopathie bezeichnet.
- Je nach Region und Verteilung kann es sich um eine lokale oder generalisierte Veränderung handeln.
Bei den Lymphknoten handelt es sich um kleine Organe des Immunsystems, die im gesamten Körper verteilt sind. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Filtration der Lymphflüssigkeit und der Erkennung von Krankheitserregern sowie veränderten Zellen. Größere Ansammlungen sind unter anderem am Hals, unterhalb des Unterkiefers, in den Achselhöhlen, in der Leistengegend sowie im Brustkorb und im Bauchraum anzutreffen.
Eine tastbare oder in der Bildgebung erkennbare Veränderung eines oder mehrerer Lymphknoten wird als Lymphadenopathie bezeichnet. Tritt die Auffälligkeit nur in einer Region auf, spricht man von einer lokalisierten Lymphadenopathie. Die generalisierte Lymphadenopathie tritt auf, wenn mindestens zwei nicht benachbarte Körperregionen betroffen sind.
Im Rahmen der ärztlichen Untersuchung werden neben der Größe des Lymphknotens auch dessen Konsistenz, Schmerzhaftigkeit und Verschieblichkeit sowie die Dauer der beobachteten Veränderung (und möglicher Begleitsymptome) erhoben.
Häufige Ursachen einer Lymphknotenschwellung
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Infektionen sind einer der häufigsten Auslöser einer Lymphknotenschwellung.
- Auch entzündliche Erkrankungen und die Nebenwirkungen einiger Medikamente kommen als Ursachen infrage.
- Bei Tumoren kann eine Schwellung der Lymphknoten durch Metastasen entstehen.
Eine besonders häufige Ursache geschwollener Lymphknoten sind Reaktionen des Immunsystems auf Infektionen. Die gesteigerte Immunaktivität wirkt sich auf die in der Nähe des Infektionsherds liegenden Lymphknotenstationen aus.
Wenn eine Erkältung, eine Mandel-, Rachen- oder Mittelohrentzündung, eine Zahn- oder Zahnfleischentzündung oder eine lokale Hautinfektion für die Schwellung ursächlich ist, entsteht oft eine Druckempfindlichkeit und es bildet sich eine gerötete Hautpartie über dem betroffenen Lymphknoten.
Heilt die Grunderkrankung aus, kann die Schwellung zwar noch über einige Tage anhalten, heilt aber in der Regel wieder folgenlos ab. Aber auch nichtinfektiöse, entzündliche Prozesse können eine Schwellung der Lymphknoten bedingen. Hierzu gehören rheumatologische Erkrankungen, der systemische Lupus erythematodes sowie die Sarkoidose.
In diesen Fällen ist das Vorhandensein weiterer Krankheitszeichen, wie Gelenkschmerzen, Hautveränderungen, anhaltende Müdigkeit oder Fieber, ein wichtiger Hinweis auf die mögliche Ursache. Ebenfalls nicht ausgeschlossen – wenn auch deutlich seltener – ist eine Lymphknotenschwellung als Reaktion auf ein Medikament.
Die hohe Anzahl an möglichen Auslösern macht eine umfassende Anamnese erforderlich. Eine wichtige Aufgabe des Arztes ist es dabei, im Hinblick auf die Einnahme von Medikamenten und kürzlich durchgestandene Erkrankungen relevante Zusammenhänge zu erkennen.
Wesentlich seltener sind bösartige Erkrankungen wie
- Lymphome
- Leukämie (Blutkrebs) oder
- Absiedlungen (Metastasen) solider Tumore in den Lymphknoten
für die Schwellung verantwortlich. Die lymphogene Ausbreitung ist neben der Absiedlung über das Blut einer der beiden zentralen Mechanismen, über die sich Tochtergeschwülste bilden und Tumoren sich systemisch im Körper ausbreiten. Eine Schwellung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Krebserkrankung vorliegt. Entscheidend für die weitere Einordnung sind das gesamte Beschwerdebild und der Verlauf.
Beurteilung von Lymphknotenschwellungen und Warnzeichen
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Konsistenz und Verschieblichkeit liefern wichtige Hinweise zur Beurteilung des Lymphknotens.
- Auch Begleitsymptome wie Nachtschweiß müssen bei der Beurteilung berücksichtigt werden.
- Halten die Beschwerden an oder nehmen sie zu, sollte eine weiterführende Abklärung stattfinden.
Die klinische Einschätzung einer Lymphknotenschwellung ist auf mehrere Merkmale gestützt. Unter anderem spielen
- die betroffene Körperregion,
- das ein- oder beidseitige Auftreten,
- die ungefähre Größe,
- die Konsistenz (weich, derb oder hart),
- die Verschieblichkeit unter der Haut sowie
- die Dauer der Beschwerden
eine Rolle. Ein schmerzhafter, weicher und gut verschieblicher Lymphknoten spricht eher für eine entzündliche Ursache. Ist die Schwellung derb, schlecht verschieblich oder wirkt wie mit dem umliegenden Gewebe verwachsen, sollte eine weiterführende Abklärung in Erwägung gezogen werden.
Aber auch an den zusätzlich auftretenden Beschwerden lassen sich wichtige Informationen ablesen. Fieber, Nachtschweiß und ein ungewollter Gewichtsverlust werden als B-Symptome bezeichnet und können als unspezifische Begleiterscheinungen einer Tumorerkrankung – ebenso wie bei Infektionen und Autoimmunerkrankungen – auftreten. Zusammen mit geschwollenen Lymphknoten ergeben sie eine hinreichende Indikation für eine weiterführende Diagnostik. Dies gilt auch für die Symptomkombination aus Fieber, Müdigkeit, anhaltendem Husten oder Hautausschlag. Zwar können sich derartige Anzeichen auch bei einer Infektion zeigen. Treten sie jedoch wiederholt auf, sprechen nur schwer auf eine Behandlung an und werden von kleinen Einblutungen in die Haut begleitet, kann dies auf eine Leukämie hindeuten, bei der geschwollene Lymphknoten ebenfalls auftreten.
Eine ärztliche Untersuchung ist bei geschwollenen Lymphknoten immer dann sinnvoll, wenn die Ursache unklar bleibt und eine Größenzunahme erkennbar ist. Zudem kann der Zusammenhang zwischen der Lymphknotenschwellung und den Begleitsymptomen wichtig sein. So kann beispielsweise anhaltender Husten mit Schluckbeschwerden und auffälligen Lymphknoten oberhalb des Schlüsselbeins auf eine bösartige Erkrankung der Lunge oder Bronchien hindeuten.
Machen sich geschwollene Lymphknoten in der Leistengegend bemerkbar und fällt der Tastbefund mit Stuhlproblemen, Blutbeimengungen oder Schleimabgängen zusammen, kann es sich um einen Tumor des unteren Verdauungstrakts – speziell des Enddarms und Analkanals – handeln. Aber auch bei Tumoren der Harnblase oder der Prostata ist eine Lymphknotenschwellung in diesem Areal möglich. Da Prostatakrebs in der Regel zuerst die Beckenregion betrifft, treten auffällige Befunde in der Leiste oft erst später auf.
Diagnostik bei einer Lymphknotenschwellung
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Beurteilung möglicher Begleiterkrankungen und Vorerkrankungen spielt in der Anamnese eine Rolle.
- Laboruntersuchungen liefern Hinweise auf Infektionen, Entzündungen oder Erkrankungen des blutbildenden Systems.
- Mit bildgebenden Verfahren lassen sich auch Beziehungen zum Nachbargewebe und innere Strukturen beurteilen.
Abgesehen von der Lymphknotenentzündung (Lymphadenitis) sind geschwollene Lymphknoten keine eigenständige Erkrankung, sondern das Symptom einer anderen Krankheit. Dabei muss für den Betroffenen ein konkreter Zusammenhang zwischen der Schwellung und anderen Krankheitszeichen nicht unbedingt erkennbar sein.
Im ärztlichen Gespräch werden der Beginn und der Verlauf der Schwellung, vorausgegangene Infektionen, Impfungen, Reisen, Tierkontakte sowie Medikamenteneinnahmen oder Vorerkrankungen erfasst. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung werden die betroffene Körperregion sowie weitere Lymphknotenstationen abgetastet. Neben der Lokalisation spielen bereits genannte Merkmale wie Größe und Verschieblichkeit der Lymphknoten für die klinische Erstbewertung eine Rolle.
Zum diagnostischen Spektrum gehören auch Laboruntersuchungen, die unter anderem Entzündungsparameter sowie Leber- und Nierenwerte erfassen. Außerdem können serologische Tests auf bestimmte Erreger wie das Epstein-Barr-Virus und weiterführende hämatologische Untersuchungen (bei Leukämieverdacht) durchgeführt werden.
Welche Rolle spielen bildgebende Untersuchungsverfahren?
Ist bei tastbaren Lymphknoten am Hals, in der Achsel oder der Leistengegend eine weiterführende Bildgebung erforderlich, bietet sich die Sonographie (Ultraschall) für eine Übersichtsuntersuchung an.
Das Verfahren ist belastungsarm (ohne Strahlung) und lässt sich schnell durchführen. Mit ihm lassen sich die Lymphknoten auch bei besonders vulnerablen Gruppen wie Kindern und Schwangeren beurteilen. Insbesondere die Form, die Begrenzung zum benachbarten Gewebe, die innere Struktur und die Gefäßversorgung liefern in ihrer Gesamtheit wichtige diagnostische Informationen. Bei generalisierten Lymphknotenschwellungen oder entsprechenden Begleitbeschwerden kann eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs Hinweise auf Veränderungen im Mittelfellraum (Mediastinum), an den Lungen oder an den Lungenwurzeln liefern.
Eine Computertomographie (CT) bietet sich als Methode an, wenn Lymphknotenauffälligkeiten im Brustkorb oder Bauchraum vermutet werden, mehrere Körperregionen betroffen sind oder eine Tumorerkrankung genauer eingeordnet werden soll. Häufig wird dabei auf eine kontrastmittelgestützte Untersuchung gesetzt. In diesem Fall muss das Risiko allergischer Reaktionen oder Einschränkungen durch Nierenfunktionsstörungen und Schilddrüsenerkrankungen eingeschätzt werden.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) lässt sich ergänzend einsetzen, um komplexe Befunde – beispielsweise im Halsbereich – besser beurteilen zu können. Mit dem Verfahren sind hoch aufgelöste Darstellungen des Weichgewebes und die Abbildung feiner Strukturen möglich. Da auch die MRT ohne Strahlenbelastung durchgeführt wird, ist die Methode für wiederholte Untersuchungen im Rahmen einer Verlaufskontrolle geeignet.
Ob noch weitere Verfahren wie die PET-CT zum Einsatz kommen, entscheidet der Arzt anhand der individuellen Rahmenbedingungen, der zugrunde liegenden Erkrankung und der medizinischen Fragestellungen. Nuklearmedizinische Untersuchungen sind keine routinemäßig eingesetzte Diagnostik, sondern werden spezifisch ausgewählt.
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Fazit: Schwellungen der Lymphknoten sind in den meisten Fällen Symptom einer anderen Erkrankung
Sind an bestimmten Körperstellen plötzlich kirschkerngroße Schwellungen zu spüren, handelt es sich nicht selten um reaktiv geschwollene Lymphknoten. Diese können durch Infektionen oder Entzündungen in unmittelbarer Nähe entstehen. Treten die Lymphknotenschwellungen am Hals auf, kann die Ursache beispielsweise eine Entzündung des Zahnfleischs, einer Zahnwurzel oder der Mandeln sein. Auch bei einer Entzündung der Rachenmandeln oder einer Bronchitis kann es zu einer Lymphknotenschwellung im Halsbereich kommen.
Geschwollene Lymphknoten als Symptom einer eher harmlosen Erkrankung sind nicht ungewöhnlich. Dennoch sollte eine Lymphknotenschwellung nicht vorschnell als unbedenklich abgetan werden. Gerade bei andauernden Beschwerden oder einer Verschlechterung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, da hinter einer Lymphknotenschwellung grundsätzlich auch ernstzunehmende Krankheitsbilder stecken können.
FAQ zu Lymphknotenschwellungen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Reicht eine bildgebende Untersuchung bei geschwollenen Lymphknoten immer aus?
Bleibt die Ursache einer Lymphknotenschwellung trotz Abklärung unklar oder zeigen sich verdächtige Eigenschaften, kann eine Gewebeentnahme (Biopsie) notwendig werden. In Betracht kommen dafür die Entnahme einzelner Zellen (Feinnadelaspiration), die Entnahme eines Gewebezylinders (Stanzbiopsie) sowie die operative Entfernung des gesamten Lymphknotens (Exzisionsbiopsie).
Wie werden geschwollene Lymphknoten behandelt?
In der Regel betrifft die Behandlung die Grunderkrankung. Bei Infektionen, die auf Bakterien zurückgehen, kann eine Antibiose erfolgen. Virale Infektionen werden oft symptomatisch behandelt. Bei Tumoren entscheiden der Typ und das Stadium über die Behandlung. So kann neben der Entfernung des Tumors auch eine Bestrahlung des betroffenen Areals erfolgen.
Kann man geschwollene Lymphknoten selbst ertasten?
Die Tastbarkeit hängt von der Körperregion ab. So lassen sich Lymphknotenschwellungen unter den Achseln, am Hals und über dem Schlüsselbein als kleine Verdickungen unter der Haut spüren. Eine zu starke Irritation durch die Berührung sollte dabei aber vermieden werden. Tiefer liegende Lymphknoten im Bauch oder in der Brust sind von außen hingegen nicht ertastbar.