Vorhofflimmern: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Behandlung
Das Vorhofflimmern (VHF) ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen mit einer erhöhten Herzschlagfrequenz. Dabei können die Vorhöfe elektrische Aktivitätsfrequenzen von bis zu 600 Impulsen pro Minute entwickeln (allerdings übernehmen die Herzkammern meist nur einen Teil dieser Signale). Zu dieser Situation kommt es durch eine Störung der elektrischen Erregungsleitung, die normalerweise vom Sinusknoten als Taktgeber für den Herzschlag ausgeht. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa zwei Prozent der Bevölkerung von dieser Herzrhythmusstörung betroffen [1].
Klinisch ist Vorhofflimmern nicht nur wegen des unregelmäßigen Herzschlags relevant. Durch die fehlende koordinierte Vorhofkontraktion wird die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) begünstigt. Damit wird Vorhofflimmern zu einem direkten Risikofaktor, der einen Schlaganfall begünstigen kann. Patienten mit Vorhofflimmern tragen ein gegenüber der Normalbevölkerung bis zu fünffach erhöhtes Risiko für diese Komplikation [2]. Bildgebende radiologische Verfahren kommen im Rahmen der Diagnostik und Risikobewertung sowie zur Therapieplanung zum Einsatz.
Was ist Vorhofflimmern?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Vorhofflimmern ist ein unregelmäßig auftretender Herzschlag.
- Durch Fehler in der Erregungsleitung entstehen bis zu mehrere hundert Impulse.
- Vorhofflimmern gehört im medizinischen Kontext zu den Herzrhythmusstörungen, bei denen häufig eine Beschleunigung der Herzfrequenz auftritt.
Vorhofflimmern wird in der aktuellen Leitlinie nicht nur als eine der häufigsten Arrhythmien bezeichnet, sondern auch als Rhythmusstörung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Einschränkungen der Lebensqualität führt. Das zentrale klinische Kriterium sind die unkontrollierten Impulse, die eine Aktivierung der Vorhöfe verursachen, was sich in der Folge auf die Kontraktion der Herzkammern auswirkt. Was das Vorhofflimmern medizinisch besonders relevant macht, ist das erhöhte Risiko für die Bildung von Thromben und die Auswirkungen auf kardiovaskuläre Ereignisse.
Die Einteilung des Vorhofflimmerns kann nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen, wie dem Erscheinungsbild oder dem Zeitpunkt des Auftretens und der Dauer. Lässt sich das Vorhofflimmern im Oberflächen-Elektrokardiogramm (EKG) erkennen, gilt es als klinisch. Sind die Rhythmusveränderungen jedoch nicht mittels EKG nachweisbar, werden aber durch implantierte Herzschrittmacher oder Defibrillatoren erkannt, liegt die subklinische Variante des Vorhofflimmerns vor.
Klinisch relevante Subtypen werden wie folgt nach Zeit und Dauer eingeteilt:
- Paroxysmales Vorhofflimmern: Anfallsartiges Auftreten und spontanes Abklingen innerhalb von 48 Stunden bis spätestens nach sieben Tagen.
- Persistierendes Vorhofflimmern: Hält mehr als sieben Tage an und endet nicht spontan. Es ist eine medizinische Intervention zur Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus nötig. Die langanhaltende Variante besteht über mehr als ein Jahr.
- Permanentes Vorhofflimmern: Erkrankung besteht dauerhaft und wird von Arzt und Patient ohne weitere Maßnahmen zur Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus akzeptiert.
Ursachen für Vorhofflimmern und Risikofaktoren
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Vorhofflimmern kann durch verschiedene Grunderkrankungen ausgelöst werden.
- Zudem gibt es Risikofaktoren wie Übergewicht und Alkohol.
- Mitunter ist es nicht möglich, eine konkrete Ursache für die Arrhythmie zu identifizieren.
Die physiologische Ursache des Vorhofflimmerns sind Störungen der Erregungsleitung. Zudem hat die Medizin verschiedene Risikofaktoren bzw. Erkrankungen identifiziert, die das Vorhofflimmern begünstigen bzw. auslösen können. Ein wichtiger Aspekt ist zudem das Lebensalter, denn das Auftreten der Arrhythmie passiert in höheren Lebensjahren häufiger.
Zu den Grunderkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Vorhofflimmern eine Rolle spielen, gehören unter anderem
- Bluthochdruck (Hypertonie), einer der häufigsten Risikofaktoren, da dauerhaft erhöhter Druck strukturelle Veränderungen des Herzmuskels nach sich zieht;
- koronare Herzkrankheit (KHK), Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße die zu Schäden am Herzmuskelgewebe führen;
- Fehler der Herzklappen, insbesondere der Mitralklappe;
- Herzinsuffizienz, die zu einer verringerten Pumpleistung des Herzens führt.
Aber auch verschiedene Lebensstilfaktoren sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Das Vorliegen von Diabetes mellitus oder einer chronischen Nierenerkrankung erhöht das Risiko für Mechanismen, welche das Auftreten von Vorhofflimmern fördern.
Darüber hinaus ist bekannt, dass eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ebenfalls auf die Impulsgebung für den Herzmuskel einwirken kann und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) durch Sauerstoffschwankungen und damit verbundene Fehlsteuerungen des vegetativen Nervensystems die Vorhofmuskulatur schädigen.
Weitere das Vorhofflimmern begünstigende Risikofaktoren sind
- Adipositas,
- hoher Alkoholkonsum (Holiday Heart Syndrome) und
- ein gestörter Elektrolythaushalt.
Daneben tritt Vorhofflimmern auch ohne erkennbare Ursache auf und gilt in diesem Fall als idiopathische Herzrhythmusstörung.
Symptome des Vorhofflimmerns
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Betroffene bemerken unter anderem einen deutlich beschleunigten Herzschlag.
- Beim Vorhofflimmern ist auch ein Verlauf ohne spürbare Symptome nicht ausgeschlossen.
- Atypische Verläufe können gleichwohl zu einem kardiovaskulären Ereignis führen.
Hinsichtlich der Anzeichen zeigt sich beim Vorhofflimmern eine gewisse Variabilität. In einigen Fällen bleibt das Auftreten der Störung unauffällig und verläuft asymptomatisch. Mitunter zeigen lediglich implantierte Geräte – die typischerweise nur bei Betroffenen mit einer kardialen Vorerkrankung vorhanden sind – das Vorhofflimmern an.
Treten Beschwerden auf, äußern sich diese in der Regel durch
- Herzrasen (deutlich erhöhter Herzschlag),
- das Gefühl eines stolpernden Herzens (Palpitationen) und
- einen unregelmäßigen Puls.
Auch ein vermehrter Harndrang oder eine erhöhte Urinausscheidung – ausgelöst durch das atriale natriuretische Peptid (ANP) – kann mit dem Vorhofflimmern in Verbindung stehen.
Darüber hinaus treten mitunter Kurzatmigkeit, eine verminderte Belastungstoleranz mit schneller Erschöpfung, Schwindel und ein Druckgefühl im Brustkorb auf. Schränkt die Arrhythmie die Pumpfunktion der Herzkammern ein, kann sich auf deren Basis eine akute Herzinsuffizienz entwickeln.
Einige der genannten Symptome erinnern auch an andere Pathologien, wie Kardiomyopathien, weshalb eine ärztliche Abklärung dringend anzuraten ist. Diese sollte auch bei leichten Beschwerden erwogen werden, da Blutgerinnsel zu Embolien und einem Schlaganfall führen können.
Diagnostik bei Vorhofflimmern
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Diagnostik beruht vor allem auf dem EKG und dem Herzultraschall.
- Mithilfe weiterer Bildgebungsverfahren kann nach den Ursachen des Vorhofflimmerns gesucht werden.
- Laborwerte können auf Risikofaktoren hindeuten, die mit dem Stoffwechsel verbunden sind.
Bei Verdacht auf Vorhofflimmern beginnt die Diagnostik normalerweise mit der Anamnese, also der Erhebung der Krankengeschichte (Symptombeginn und -dauer, Risikofaktoren usw.), und der Untersuchung des Patienten. Dabei werden der Puls kontrolliert sowie Herz und Lunge abgehört. Mithilfe von labormedizinischen Untersuchungen ist es zudem möglich, Schilddrüsenstörungen als Auslöser zu erkennen.
Ein zentraler Untersuchungsschritt ist das EKG. Da es sich beim Vorhofflimmern um eine Herzrhythmusstörung handelt, ist diese oft auch in den Ableitungen des EKG als typisches Muster zu erkennen. Hierbei sind mehrere Verfahren verfügbar. Das Ruhe-EKG erfasst die Herzaktivität für einige Minuten und eignet sich für die Untersuchung eines akuten Anfalls oder bei persistierenden Beschwerden. Um das anfallsartige Vorhofflimmern besser zu fassen, kann ein Langzeit-EKG (Dauer 24 bis 72 Stunden) eingesetzt werden. Zudem bieten mobile Geräte wie entsprechend ausgestattete Smartwatches die Möglichkeit zur Kontrolle der Herzfunktion.
Bildgebende Diagnostik
Die Echokardiographie (Herzultraschall) ist das zentrale Bildgebungsverfahren bei Vorhofflimmern. Es bietet die Möglichkeit zur Beurteilung der Vorhofgröße, der Kammerfunktion und einer Bewertung möglicher Herzklappenerkrankungen.
Da es bei einem Anhalten des Vorhofflimmerns von mehr als 48 Stunden zu einem erhöhten Risiko des Auftretens eines Vorhofthrombus kommen kann, sollte dieser im Rahmen der Behandlung mittels transösophagealer Echokardiographie (TEE, Ultraschall über die Speiseröhre mit direktem Blick auf das linke Vorhofohr) ausgeschlossen werden.
Andere radiologische Verfahren wie die Kardio-MRT – zur Darstellung struktureller Veränderungen des Herzmuskels – oder die CT-Angiographie können ergänzend eingesetzt werden, um beispielsweise die Auslöser der Rhythmusstörung im Herzmuskel selbst zu identifizieren.
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Behandlung von Vorhofflimmern
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Behandlung zielt auf die Normalisierung des Herzschlags ab.
- Mit Blutverdünnern wird versucht, schwere Komplikationen zu verhindern.
- Eine Behandlungsmöglichkeit besteht in der Verödung des kritischen Signalwegs.
Im Rahmen der Therapie bei Vorhofflimmern stehen zwei Ziele im Vordergrund: Das Verhindern thromboembolischer Komplikationen durch Gerinnsel sowie die Kontrolle des Herzrhythmus. Daher spielen Antikoagulanzien – also Arzneimittel, welche die Blutgerinnung hemmen – eine entscheidende Rolle. Die Verabreichung der Wirkstoffe muss allerdings auf die jeweiligen Risikofaktoren zugeschnitten sein, da stets die Gerinnungshemmung und das Blutungsrisiko gegeneinander abzuwägen sind.
Hinsichtlich der Frequenzkontrolle besteht das Ziel im Erreichen einer normalen Kammerfrequenz von etwa 60 bis 110 Schlägen pro Minute in Ruhe, was durch den Einsatz von Betablocker ermöglicht wird. Ist bereits eine Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (der Anteil des Blutes, den die Kammer pro Schlag auswirft) erkennbar, spielen auch Digitalisglykoside in verschiedenen Situationen eine Rolle.
Zur Rhythmuskontrolle kommen auf pharmakologischer Ebene Antiarrhythmika zum Einsatz. Alternativ kann auch mittels eines Gleichstromschocks unter kurzer Sedierung (Kardioversion) versucht werden, den normalen Herzschlag wiederherzustellen. Studiendaten belegen, dass eine frühe Rhythmuskontrolle die kardiovaskuläre Prognose durchaus verbessert [3].
Als weiteres Behandlungsverfahren steht die Katheterablation zur Verfügung. Die interventionelle Methode basiert darauf, dass die irregulären Signalwege (welche Störungen der elektrischen Erregungsbildung und -leitung auslösen) von einem Katheter durchtrennt werden. Die Ablation kann mit Hochfrequenzstrom (Wärmebehandlung) oder Kälte erfolgen.
Ein besonderer Ansatz findet bei Patienten mit einem Schlaganfallrisiko und Kontraindikationen für die Antikoagulation Anwendung. Der Vorhofohrokkluder (ein kleines, schirmchenartiges Implantat) wird minimalinvasiv in das linke Vorhofohr eingebracht und verschließt diesen Bereich, in dem sich ein hoher Anteil der kritischen Gerinnsel bildet [4].
FAQ zum Vorhofflimmern: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Lässt sich Vorhofflimmern immer vollständig heilen?
Eine dauerhafte Heilung ist möglich, aber nicht in allen Fällen erreichbar. Je länger das Vorhofflimmern besteht und je ausgeprägter strukturelle Herzveränderungen sind, desto geringer ist die Chance auf eine dauerhafte Rhythmusnormalisierung. Damit kann eine Fortsetzung der Antikoagulationstherapie erforderlich werden.
Kann Vorhofflimmern bei Betroffenen auch wiederholt auftreten?
Ja, Rückfälle können bei Vorhofflimmern durchaus auftreten. Besonders das anfallsartige Vorhofflimmern tritt typischerweise in wiederkehrenden Episoden auf. Ohne konsequente Behandlung der Risikofaktoren und gegebenenfalls eine Rhythmuskontrolle besteht die Gefahr der Progression und das anfallsartige Vorhofflimmern kann zu einem persistierenden werden.
Darf man mit Vorhofflimmern Sport treiben?
Moderater Ausdauersport ist bei einer stabilisierten Erkrankung und kontrollierter Herzfrequenz mitunter möglich und sogar empfehlenswert, da er Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht entgegenwirkt. Hochintensives Training und Extremsport sollten hingegen vermieden werden, da sie Rückfälle begünstigen können.
Kann man Vorhofflimmern von einem Herzinfarkt unterscheiden?
Eine zuverlässige Unterscheidung allein anhand der Symptome ist für Betroffene nicht möglich. Zwar äußert sich Vorhofflimmern oft durch unregelmäßigen Herzschlag und Herzrasen, während beim Herzinfarkt typischerweise anhaltende Brustschmerzen mit Ausstrahlung auftreten. Da die genannten Anzeichen aber patientenindividuell abweichen können, ist ärztliche Hilfe bei akuten Herzbeschwerden stets unverzüglich in Anspruch zu nehmen.
[1] Charité, Berliner Vorhofflimmer-Register – Register zur medikamentösen Versorgung nach zerebraler Ischämie bei Patientinnen und Patienten mit bekanntem Vorhofflimmern, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 01.06.2026).
[2] Choi SE, Sagris D, Hill A, Lip GYH, Abdul-Rahim AH. Atrial fibrillation and stroke. Expert Rev Cardiovasc Ther. 2023 Jan;21(1):35-56. doi: 10.1080/14779072.2023.2160319. Epub 2023 Jan 8. PMID: 36537565.
[3] Kirchhof P, Camm AJ, Goette A, Brandes A, Eckardt L, Elvan A, Fetsch T, van Gelder IC, Haase D, Haegeli LM, Hamann F, Heidbüchel H, Hindricks G, Kautzner J, Kuck KH, Mont L, Ng GA, Rekosz J, Schoen N, Schotten U, Suling A, Taggeselle J, Themistoclakis S, Vettorazzi E, Vardas P, Wegscheider K, Willems S, Crijns HJGM, Breithardt G; EAST-AFNET 4 Trial Investigators. Early Rhythm-Control Therapy in Patients with Atrial Fibrillation. N Engl J Med. 2020 Oct 1;383(14):1305-1316. doi: 10.1056/NEJMoa2019422. Epub 2020 Aug 29. PMID: 32865375.
[4] Safavi-Naeini P, Rasekh A. Thromboembolism in Atrial Fibrillation: Role of the Left Atrial Appendage. Card Electrophysiol Clin. 2020 Mar;12(1):13-20. doi: 10.1016/j.ccep.2019.11.003. Epub 2019 Dec 25. PMID: 32067643.

