Sehverschlechterung: Ursachen und wann eine MRT von Kopf und Augenhöhle sinnvoll ist
Der Begriff „Sehverschlechterung“ – bzw. synonym „Visusminderung“ – bezeichnet die Abnahme der Sehschärfe. Erfasst werden dabei unterschiedliche Ausmaße, von leicht verschwommenem Sehen über Gesichtsfeldausfälle bis zum vollständigen Verlust des Sehvermögens auf einem oder beiden Augen. Die Bandbreite der möglichen Ursachen schließt harmlose Auslöser, die sich nur vorübergehend bemerkbar machen, ebenso ein wie Erkrankungen, die eine umgehende Behandlung erfordern.
Gerade Ursachen, die nicht in direkter Verbindung mit den Augen stehen und auch nicht von außen zu erkennen sind, sind ein Fall für die Diagnostik mit bildgebenden Verfahren. Aufgrund der guten Auflösung bei der Darstellung von Weichgewebe ist die Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes und der Augenhöhle (Orbita) ein relevantes Untersuchungsverfahren, wenn der Verdacht auf eine Beteiligung des Sehnervs, der Sehbahnen oder des Gehirns besteht.
Häufige Ursachen einer Sehverschlechterung
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Eine Sehverschlechterung kann durch Veränderungen der anatomischen Verhältnisse – wie einer Netzhautablösung – im Auge entstehen.
- Neben Ursachen, die das Auge selbst betreffen, können auch die umliegenden Strukturen Einfluss auf eine Veränderung des Sehvermögens haben.
- Am Sehnerv oder innerhalb des Schädels sitzende Tumore können den Nerv komprimieren und so das Sehen beeinträchtigen.
Nicht jede Sehverschlechterung bedeutet das Vorliegen einer schwerwiegenden Grunderkrankung, die einen akuten Behandlungsbedarf auslöst. Zu den harmlosen und funktionellen Auslösern zählen
- trockene Augen,
- Übermüdung,
- häufige und lange Bildschirmarbeit,
- Stress sowie
- nicht mehr passende Sehhilfen.
Zudem gehört eine vorübergehende Visusminderung zu den Symptomen eines Migräneanfalls. Dabei kann es zu unscharfem oder wie durch einen Schleier getrübtem Sehen kommen. Betroffene berichten im Hinblick auf eine Migräneaura auch über die visuelle Wahrnehmung von Lichtblitzen und bunten Mustern (Flimmerskotom).
Auch Fehlsichtigkeiten wie Kurz- und Weitsichtigkeit oder Veränderungen der Hornhaut sind häufige Ursachen einer Sehverschlechterung. So kann die Hornhaut mit fortschreitendem Alter ausdünnen und sich nach vorn wölben, was den Ausgleich der Fehlsichtigkeit mittels Brille zunehmend schwieriger macht.
Im höheren Alter gewinnen Erkrankungen wie der Graue Star (Katarakt) sowie Netzhauterkrankungen an Bedeutung. Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD, eine fortschreitende Schädigung der Netzhautmitte) gilt in Deutschland als häufige Ursache einer Erblindung im höheren Lebensalter.
Des Weiteren zählen die diabetische und die hypertensive Retinopathie (Netzhautschädigung durch Diabetes bzw. Bluthochdruck), die Netzhautablösung sowie Gefäßverschlüsse der Netzhaut zählen zu den möglichen Ursachen einer Sehverschlechterung. Der Grüne Star (Glaukom) ist gekennzeichnet durch erhöhten Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt und ebenfalls zu einer Sehverschlechterung führt. Da einige der genannten Erkrankungen schleichend verlaufen, wenden sich Betroffene häufig erst dann an einen Arzt, wenn die Sehveränderung bereits deutlich zu spüren ist.
Beeinträchtigungen des Sehens können auch auf neurologische und sehnervassoziierte Ursachen zurückzuführen sein. So kann eine Sehnerventzündung (Optikusneuritis) teilweise im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS) auftreten. Darüber hinaus ist es für einige Autoimmunerkrankungen bekannt, dass die körpereigene Abwehr Zellen des Sehnervs angreift und entzündliche Reaktionen auslöst, welche zu dessen Schädigung führen. Dazu gehört zum Beispiel die Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (Neuromyelitis Optica Spectrum Disorder, NMOSD), die zu verschwommenem Sehen oder einem Sehverlust auf einem oder beiden Augen führen kann.
Die Visusminderung kann zudem in Verbindung mit Durchblutungsstörungen des Sehnervs wie der ischämischen Optikusneuropathie auftreten, die vor allem ältere Patienten mit gefäßbedingten Risikofaktoren betrifft. Aber auch Druck auf den Sehnerv, der zu dessen Kompression führt, löst Beschwerden aus. Dazu kann es durch
- Tumore,
- entzündliche Prozesse,
- Raumforderungen im Gehirn,
- oder einen Schlaganfall im Bereich der Sehbahnen
kommen. Ob die Sehverschlechterung ein- oder beidseitig auftritt und welches Auge dabei betroffen ist, liefert dem Arzt wichtige Hinweise auf die mögliche Grunderkrankung. So macht sich die Schwellung des Sehnervenkopfs (Papillenödem) bei erhöhtem Hirndruck durch Kopfschmerzen und beide Augen betreffende Beschwerden bemerkbar.
Schließlich sind auch systemische Einflüsse, die den Körper als Gesamtheit betreffen, von Bedeutung. So können Diabetes, Bluthochdruck oder eine langfristige (orale oder intravenöse) Kortisontherapie das Sehvermögen beeinträchtigen. Des Weiteren kommen Autoimmunerkrankungen wie die Sarkoidose als Auslöser infrage.
MRT des Kopfs und der Augenhöhle: Wann ist die Untersuchung sinnvoll?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die MRT stellt wichtige Informationen dazu bereit, ob eine Entzündung oder eine Raumforderung die Sehverschlechterung verursacht.
- Das Verfahren kommt meist zur Abklärung spezifischer Fragen nach den anfänglichen Diagnoseschritten zur Anwendung.
- Anhand der Befunde können weitere Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen geplant werden.
Bei der Untersuchung einer Sehverschlechterung ist die MRT nicht das erste diagnostische Mittel. Das Verfahren wird erst im weiteren Verlauf eingesetzt, um die inneren Strukturen nichtinvasiv zu beurteilen. Die augenärztliche Basisuntersuchung umfasst zunächst die Anamnese, in deren Rahmen der zeitliche Verlauf, die Seitenlokalisation und die Begleitsymptome erfasst und die Sehschärfe, die Pupillenreaktion und das Gesichtsfeld geprüft werden.
So kann es bei einem Tumor am Sehnerv neben einer fortschreitenden Sehverschlechterung auch zu einer Störung des Farbsehens, der Wahrnehmung von Doppelbildern und einem Vortreten des Auges aus der Augenhöhle (Exophthalmus) kommen.
Zu den grundlegenden ophthalmologischen Untersuchungsmethoden zählen die Spaltlampenuntersuchung und die Untersuchung des Augenhintergrunds mittels der Funduskopie. Damit lassen sich Papille, Netzhaut und Gefäße beurteilen. Als ergänzendes Verfahren lässt sich mithilfe der optischen Kohärenztomographie (OCT) eine Querschnittsaufnahme der Netzhaut erstellen, wobei Infrarot-Laserlicht zum Einsatz kommt.
Sofern die Augenheilkunde (Ophthalmologie) keine klare Ursache für die Beschwerden erkennen kann, werden auch Verfahren anderer Fachdisziplinen herangezogen. So kann unter anderem die Computertomographie (CT) eingesetzt werden, um einem Verdacht auf Traumafolgen, akute Blutungen oder knöcherne Veränderungen nachzugehen. Die MRT ermöglicht durch die hochaufgelöste Weichgewebedarstellung auf ihren Bildern eine umfassende Beurteilung des Sehnervs, der Augenhöhle, der Sehbahnen und des Gehirns. Zudem kann das radiologische Verfahren auch bei entzündlichen, demyelinisierenden Erkrankungen (die schützende Myelinschicht der Nervenfasern wird angegriffen) oder tumorösen Ursachen wichtige Informationen liefern.
Zu den Vorteilen des Verfahrens gehört die Möglichkeit, in einer Sitzung mehrere Aufnahmesequenzen von der Augenhöhle und dem Sehnerv anzufertigen. So lässt sich beispielsweise bei einem Verdacht auf eine Optikusneuritis mit der MRT – unter Nutzung eines Kontrastmittels und fettunterdrückter Sequenzen – eine Entzündung oder Demyelinisierung erkennen.
Mit dem Verfahren lässt sich bei einem Tumorverdacht beurteilen, wie die vermutete Raumforderung im Verhältnis zum Sehnerv oder der Augenhöhle liegt, wie das Tumorgewebe die Umgebung beeinflusst und wie sich die inneren Strukturen des Tumors in den Aufnahmen darstellen. Zudem sind in der MRT weitere Auffälligkeiten erkennbar, zu denen etwa die Anwesenheit von Flüssigkeit im Gewebe (Ödeme) gehören. Die Untersuchung ist dabei nicht auf den Sehnerv und die Augenhöhle begrenzt, sondern kann auch auf das Gehirn ausgedehnt werden – unter anderem beim Auftreten der Sehstörungen in Kombination mit neurologischen Symptomen.
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Fazit: Die MRT ist bei einer Sehverschlechterung als weiterführende Untersuchung von Bedeutung
In Phasen einer hohen Arbeitsbelastung im Job, bei starker Übermüdung oder infolge einer Migräneattacke bemerken Betroffene häufig eine Veränderung ihres Sehens. Die subjektive Wahrnehmung von Doppelbildern, einem verschlechterten Farbsehen oder einem Schleier vor den Augen kann aber auch durch ernste Erkrankungen verursacht werden. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um Beeinträchtigungen handeln, die ihre Ursache unmittelbar am bzw. im Auge – wie beispielsweise Beeinträchtigungen der Netzhaut oder der Linse – haben. Gerade für die Beurteilung, ob ein Tumor oder ein Ödem eine Kompression des Sehnervs verursacht, ist die MRT als weiterführendes bildgebendes Verfahren im Einsatz. Je nach Ergebnis der Untersuchung können sich weitere Untersuchungen anschließen, unter anderem aus dem Bereich der Gefäßdiagnostik oder der Endokrinologie.
FAQ zu Sehverschlechterung und MRT-Untersuchung: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Spricht eine unauffällige MRT immer gegen eine ernsthafte Erkrankung des Sehnervs?
Eine Aufnahme ohne auffälligen Befund spricht grundsätzlich dafür, dass im abgebildeten Bereich keine strukturelle Veränderung über der räumlichen Auflösungsschwelle der MRT vorliegt. Mikroveränderungen, funktionelle Störungen ohne Strukturanpassung oder toxische bzw. stoffwechselassoziierte Erkrankungen des Sehnervs können in der MRT unauffällig erscheinen. Da das Verfahren hier an Grenzen stößt, können nicht alle Ursachen einer Sehverschlechterung mit ihm erfasst werden, weshalb in der Diagnostik weitere Möglichkeiten – inklusive Laboruntersuchungen – genutzt werden.
Lässt sich einer Sehverschlechterung vorbeugen?
Verschiedene Maßnahmen können dem Risiko einer Sehverschlechterung entgegenwirken. Dazu gehören regelmäßige augenärztliche Kontrollen – besonders bei Diabetes, Bluthochdruck oder einer familiären Vorbelastung für eine schwere Augenerkrankung. Außerdem spielen Aspekte wie das Rauchen, eine übermäßige UV-Exposition, Schlafmangel und Bildschirmarbeit bei der Entwicklung von Sehverschlechterungen eine Rolle. An diesen Lebensstilfaktoren kann entsprechend angesetzt werden, um das Sehvermögen bestmöglich zu erhalten.
Kann man als Betroffener die Ursache der Sehverschlechterung selbst erkennen?
Hinweise auf die Ursache einer Sehverschlechterung liefern der Verlauf, die Seitenlokalisation und die Begleitsymptome. Schmerzen sowie eine Rötung des Auges oder Kopfschmerzen als Begleiterscheinung lassen zwar Vermutungen zu. Da sich viele Krankheitsbilder in ihren Symptomen ähneln, ist eine sichere Zuordnung jedoch ohne augenärztliche Untersuchung und gegebenenfalls eine MRT kaum möglich. Betroffene sollten ihre Beschwerden daher fachärztlich abklären lassen.
Wann ist eine Sehverschlechterung ein Notfall?
Ein plötzlicher, einseitiger und schmerzloser Visusverlust deutet auf einen Gefäßverschluss in der Netzhaut hin, kann aber auch von einer ischämischen Optikusneuropathie oder einer Netzhautablösung verursacht werden. Tritt der Sehverlust zusammen mit Sprachstörungen, Lähmungen oder starken Kopfschmerzen auf, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Eine beidseitige, rasch fortschreitende Sehverschlechterung mit Kopfschmerzen und Doppelbildern kann auf erhöhten Hirndruck oder eine Entzündung hinweisen. Dabei handelt es sich jeweils um einen medizinischen Notfall, der einer unverzüglichen Behandlung bedarf.