Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Ursachen, Symptome, Diagnostik & Behandlung
Das polyzystische Ovarialsyndrom bzw. PCO-Syndrom (PCOS) ist eine in Deutschland häufig auftretende endokrine Störung (Endokrinopathie) bei Frauen. Schätzungen gehen bezüglich der Häufigkeit (Prävalenz) von bis zu 15 Prozent aus [1]. Wesentliche Anzeichen der Erkrankung sind unregelmäßige Monatsblutungen, das vermehrte Auftreten von Körper- und Gesichtsbehaarung sowie Akne. Zudem bleibt bei den betroffenen Frauen ein bestehender Kinderwunsch oft unerfüllt.
Bezüglich der Beschwerden zeigt sich ein sehr heterogenes Bild. Nicht jede von PCOS Betroffene weist alle charakteristischen Merkmale auf. Durch die unspezifische Symptomatik wird die Erkrankung häufig erst nach längerer Beschwerdedauer erkannt. Gerade deshalb spielt eine strukturierte Diagnostik bei Zyklusstörungen oder Anzeichen einer vermehrten Wirkung männlicher Geschlechtshormone (Androgenisierung) eine entscheidende Rolle. Neben dem Ausschluss anderer endokriner Erkrankungen haben Verfahren wie die transvaginale Sonographie und die Erhebung des Hormonstatus große Bedeutung.
Was ist das polyzystische Ovarialsyndrom?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Beim PCOS handelt es sich um eine Hormonstörung.
- Charakteristische Anzeichen sind erhöhte männliche Hormone und Zyklusstörungen.
- Aufgrund der tiefgreifenden Veränderungen in der Eizellreifung beeinflusst das PCOS die Fertilität.
Das PCOS ist eine endokrine Störung, die mit einer fehlerhaften Follikelreifung (Entwicklung von der primären zur befruchtungsfähigen Eizelle) in den Eierstöcken (Ovarien) einhergeht. Namensgebend ist die Morphologie des Syndroms, die an flüssigkeitsgefüllte Hohlräume erinnert. Allerdings handelt es sich dabei nicht um echte Zysten, sondern zahlreiche kleine, unreife Follikel am Rand der Eierstöcke.
Laut den Leitlinien zur Diagnostik des PCOS sprechen drei zentrale Merkmale für die Erkrankung:
- Ovulationsstörungen – es kommt zu einem unregelmäßigen oder ausbleibenden Eisprung (ovulatorische Dysfunktion) –,
- verstärkte Wirkung männlicher Sexualhormone (Hyperandrogenismus),
- polyzystische Eierstockmorphologie oder hohe Konzentrationen des Anti-Müller-Hormons (Marker für die Eizellenreserve, Abweichungen vom Normalwert deuten auf ihre Reduzierung hin) [2].
Hinsichtlich der Zyklusstörungen gelten Schwankungen von weniger als 21 Tagen oder mehr als 36 Tagen als auffällig. Der Hyperandrogenismus kann bei PCOS in zwei unterschiedlichen Formen vorliegen: einerseits biochemisch (wobei der Nachweis der männlichen Hormone mittels Laboruntersuchung erfolgt) und andererseits klinisch (also im äußeren Erscheinungsbild erkennbar).
Für die Diagnostizierung des PCOS müssen von den drei genannten Kriterien mindestens zwei vorliegen. Um auszuschließen, dass es sich um eine andere Hormonstörung handelt, bedarf es einer umfassenden Differenzialdiagnostik. Ähnliche Anzeichen können sich unter anderem bei folgenden Erkrankungen zeigen:
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose),
- erhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin (Hyperprolaktinämie),
- androgenitales Syndrom (AGS).
Bei Frauen mit PCOS bestehen außerdem häufig Probleme mit der Fruchtbarkeit. Sollte es dennoch zu einer Schwangerschaft kommen, geht damit oft ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder eine Frühgeburt einher.
Ursachen des polyzystischen Ovarialsyndroms und begünstigende Risikofaktoren
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Medizin hat bisher keinen eindeutigen Auslöser für das PCOS erkannt.
- Möglicherweise beeinflussen mehrere Genregionen die Entstehung des PCOS.
- Bewegungsmangel und eine Ernährung, die Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index umfasst, gelten als Risikofaktor.
Was genau das PCOS entstehen lässt, ist bisher nicht vollständig geklärt. Die Medizin geht jedoch von einem multifaktoriellen Krankheitsgeschehen aus, bei dem mehrere Mechanismen ineinandergreifen. Zentralen Einfluss scheint eine Insulinresistenz zu haben, bei der die Körperzellen vermindert auf das Hormon ansprechen.
Um dennoch eine ausreichende Regulierung des Blutzuckers zu erreichen, schüttet die Bauchspeicheldrüse verstärkt Insulin als Kompensationsmechanismus aus und es kommt zu einem pathologisch erhöhten Insulinspiegel im Blutserum (Hyperinsulinämie).
Dieser Insulinüberschuss stimuliert in den Eierstöcken die Thekazellen, die wiederum eine wichtige Rolle für den Zyklus spielen. Normalerweise schütten sie eine bestimmte Menge Androgene aus, wodurch die Reifung der Eizellen gesteuert wird. Aufgrund der getriggerten Androgensynthese steigt der Androgenspiegel allerdings sehr stark an.
Da sich eine familiäre Häufung beobachten lässt, spricht im Hinblick auf die Ursachen des PCOS viel für eine erbliche Komponente. Verwandte ersten Grades tragen ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an PCOS zu erkranken. Möglicherweise gibt es mehrere Genvarianten, die mit der Insulinwirkung und der Androgensynthese in Zusammenhang stehen. Bislang ist allerdings kein spezifischer Gendefekt als Ursache identifiziert worden [3].
Übergewicht und Lebensstilfaktoren
Übergewicht und verschiedene Lebensstilfaktoren sind für das PCOS zwar nicht ursächlich, beeinflussen aber seinen Verlauf. Ein erhöhter Körperfettanteil verstärkt zum Beispiel die Insulinresistenz, die sich auf die hormonelle Störung auswirkt. Daher gelten Bewegung und eine Ernährung, die einen hohen Anteil schnell verfügbarer Kohlenhydrate vermeidet, als günstig für Betroffene.
Da das PCOS durch das hormonelle Ungleichgewicht ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom (Adipositas, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen) mitbringt, ist es nicht selten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Folgen verbunden.
Symptome des polyzystischen Ovarialsyndroms
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Durch die hormonelle Komponente macht sich das PCOS durch eine Vielzahl verschiedener Symptome bemerkbar.
- Aufgrund der männlichen Hormone ist zum Beispiel die Körperbehaarung gestört.
- Infolge der Insulinproduktion kann es zu deutlichen Hautveränderungen kommen.
Zu den zentralen Symptomen des PCOS zählen die bereits erwähnten Zyklusstörungen. Diese äußern sich als verlängerte oder verkürzte Monatsblutungen. Es treten auch Fälle auf, in denen der Zyklus insgesamt seltener wird oder vollständig ausbleibt. Ursache hierfür ist die gestörte Follikelreifung, die zu einem ungeregelten Eisprung führt. Ohne diesen ist die Befruchtung bzw. das Schwangerwerden erschwert, weshalb das PCOS zu den häufigen Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch gehört.
Der Hyperandrogenismus äußert sich durch verschiedene Auffälligkeiten, die sämtlich den höheren Spiegel männlicher Hormone deutlich machen.
- Behaarung: Bei Betroffenen kann ein vermehrter Haarwuchs im Gesicht, an der Brust oder am Bauch (Hirsutismus) auftreten. Andererseits kann es zu einem Haarausfall mit einer Ausdünnung im Bereich des Scheitels (Alopezie) kommen.
- Hautveränderungen: Der Überschuss männlicher Hormone lässt tiefe Entzündungen am Kinn, der Kieferlinie und am Hals – die sogenannte „PCOS-Akne“ – entstehen, die mit einer anhaltenden Therapieresistenz einhergehen können. Zudem verändert sich die Talgproduktion, sodass die Haut fettiger wirkt. Ein Symptom der Haut, das einen besonderen Leidensdruck auslösen kann, ist Acanthosis nigricans. Hierbei handelt es sich um eine Verdickung und Dunkelfärbung, die im Zusammenhang mit der Insulinresistenz steht. Bevorzugt tritt dieses Anzeichen im Halsbereich, dem Nacken sowie unter der Brust und den Achseln auf.
- Körpergewicht: Ein verbreitetes Problem bei PCOS ist eine Gewichtszunahme, obwohl der Lebensstil grundsätzlich gesund ist. Darin drückt sich der Einfluss der Erkrankung auf die hormonellen Regelkreise im Zusammenhang mit der Insulinproduktion aus.
- Psyche: Aufgrund der einschneidenden körperlichen Symptome ergeben sich häufig psychische Belastungen, durch die die Lebensqualität weiter beeinträchtigt wird. Unter anderem können sich Angststörungen und Depressionen entwickeln.
Diagnostik bei Verdacht auf das polyzystische Ovarialsyndrom
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Labordiagnostik spielt bei der Abklärung der Symptome eine zentrale Rolle.
- Mittels Ultraschalluntersuchung lassen sich die Eierstöcke auf das Vorliegen der polyzystischen Morphologie hin untersuchen.
- Zur Bewertung von Begleiterkrankungen kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz.
Die diagnostische Abklärung eines Verdachts auf das PCOS umfasst mehrere Schritte und beginnt mit der Anamnese. Hierbei geht es im Gespräch mit der Patientin unter anderem um Aspekte wie
- die Zykluslänge und Regelmäßigkeit,
- den Beginn der Beschwerden,
- die Gewichtsentwicklung und mögliche Lebensstilfaktoren sowie
- eine etwaige familiäre Vorbelastung.
Bei der körperlichen Untersuchung wird auf Anzeichen des Hyperandrogenismus – also ein verstärkter Haarwuchs im Gesicht, an der Brust oder am Bauch – sowie die bereits beschriebenen Hautveränderungen geachtet.
Aufgrund des hormonellen Einflusses, der für das Krankheitsbild charakteristisch ist, spielt die Labordiagnostik eine zentrale Rolle. Anhand der Hormonwerte im Blut lassen sich nicht nur Rückschlüsse auf das Vorliegen des PCOS ziehen. Die Laboruntersuchung bietet zugleich einen differenzialdiagnostischen Ansatz, der unter anderem die Bewertung der Schilddrüsenfunktion ermöglicht.
Bestimmt werden in der Laboruntersuchung unter anderem
- das Gesamttestosteron,
- das freie Testosteron,
- das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG, ist bei PCOS in der Regel erniedrigt),
- das luteinisierende Hormon (LH) und
- das follikelstimulierende Hormon (FSH).
Aus den letzten beiden Werten kann der LH/FSH-Quotient berechnet werden. Zeigt dieser eine Erhöhung auf, gilt dies als konkreter Hinweis auf das Vorliegen des PCOS.
Bildgebende Diagnostik
Das PCOS beeinflusst die inneren Geschlechtsorgane der Betroffenen, insbesondere die Eierstöcke. Zum Nachweis der polyzystischen Eierstockmorphologie kann die Sonographie (Ultraschall) herangezogen werden. Zudem lässt sich mit dem Verfahren beurteilen, ob möglicherweise ein Tumor der Eierstöcke oder der Nebenniere vorliegt (der für das hormonelle Ungleichgewicht verantwortlich ist).
Ergänzende Untersuchungen mit radiologischen Verfahren wie der CT-Angiographie oder der Kardio-MRT können in Erwägung gezogen werden, um kardiale Veränderungen zu überprüfen, denn durch die Auswirkungen des PCOS auf den Stoffwechsel kann es zu Begleiterkrankungen des Herzens kommen.
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Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndroms
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Therapieansätze unterscheiden sich je nach Kinderwunsch der Patientin.
- Mithilfe verschiedener Medikamente kann eine Normalisierung des Zyklus erreicht werden.
- Unter Umständen ist eine Operation der hormonproduzierenden Areale möglich.
Das PCOS ist eine Erkrankung, für die bisher keine ursächlich wirksame Therapie zur Verfügung steht. Daher setzt die Medizin gegenwärtig an der Behandlung bzw. der Kontrolle der Beschwerden an, um eine Verbesserung der Lebensqualität der Patientinnen – bis hin zur Realisierung eines Kinderwunsches – zu erreichen. Dabei steht unter anderem eine Anpassung des Lebensstils im Vordergrund, um die mit dem Stoffwechsel verbundenen Aspekte zu regulieren und die Insulinsensitivität zu verbessern.
Medikamentöse Therapie ohne Kinderwunsch
Besteht kein Kinderwunsch, gelten kombinierte hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogen und Gestagen als Therapieansatz. Auf diesem Weg lassen sich der Zyklus und der Androgenspiegel regulieren und Symptome wie die Körperbehaarung und die Akne lindern. Darf kein Östrogen eingenommen werden, stehen Gestagenpräparate zur Verfügung. Liegt ein ausgeprägter Hirsutismus vor, lassen sich Antiandrogene einsetzen, um die Wirkung der männlichen Hormone zu blockieren. Die Behandlung der Insulinproblematik kann mit dem Wirkstoff Metformin (der auch bei Typ-2-Diabetes verwendet wird) erfolgen.
Therapie bei bestehendem Kinderwunsch
Bei einem unerfüllten Kinderwunsch geht es in erster Linie darum, den Zyklus und den Eisprung zu regulieren. Dies kann auf mehreren Wegen erreicht werden. Mitunter kann bereits eine Gewichtsreduzierung ausreichen, um die Zyklusnormalisierung zu erreichen.
Zudem stehen Wirkstoffe aus dem Bereich der Reproduktionsmedizin zur Verfügung, mit denen der Eisprung stimuliert werden kann. Ihr Einsatz ist in Kombination mit Metformin möglich, das gerade bei Patientinnen mit Insulinresistenz zu einer Verbesserung der Situation führen kann. Grundsätzlich ist die individuelle Abstimmung der Therapie erforderlich, die auch operative Maßnahmen zur Verödung der Areale in den Eierstöcken, in denen die männlichen Hormone produziert werden, einschließen kann.
FAQ zum polyzystischen Ovarialsyndrom: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Verschwindet das polyzystische Ovarialsyndrom nach den Wechseljahren?
Mit der Menopause verändert sich der Hormonhaushalt. Allerdings führt dies nicht zu einem gänzlichen Verschwinden der Beschwerden. Zwar lassen Symptome wie Akne oder Zyklusstörungen allgemein nach, jedoch bleiben die mit dem Stoffwechsel in Zusammenhang stehenden Probleme häufig bestehen.
Warum ist ein gesunder Lebensstil für Betroffene des polyzystischen Ovarialsyndroms so wichtig?
Ein gesunder Lebensstil beeinflusst die Insulinresistenz, die als zentraler Faktor des PCOS gilt. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung verbessern die Insulinsensitivität, senken gleichzeitig den Androgenspiegel und begünstigen einen stabilen Zyklus. Bereits eine moderate Gewichtsreduktion kann den Eisprung wieder ermöglichen. Zudem sinkt das Risiko für Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Pathologien, wie die koronare Herzkrankheit (KHK) oder den Herzinfarkt.
Kann sich durch das polyzystische Ovarialsyndrom das Krebsrisiko erhöhen?
Durch das chronische Ausbleiben des Eisprungs kommt es beim PCOS häufig zu einer dauerhaften Östrogenwirkung, wodurch sich die Gebärmutterschleimhaut übermäßig aufbauen kann. Dies erhöht langfristig das Risiko für ein Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs). Eine regelmäßige Zyklusregulierung, etwa durch hormonelle Verhütungsmittel, schützt die Gebärmutterschleimhaut und senkt dieses Risiko. Andere Krebsarten wie Ovarialkarzinome sind nach aktuellen Erkenntnissen hingegen nicht eindeutig mit dem PCOS assoziiert.
[1] Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V., Stellungnahme zur internationalen Umbenennung des Polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS) in Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS), online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 13.07.2026).
[2] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) – Diagnostik und Therapie des Polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS), S. 6, online verfügbar unter: Link (Datum des letzten Zugriffs: 13.07.2026).
[3] Khan MJ, Ullah A, Basit S. Genetic Basis of Polycystic Ovary Syndrome (PCOS): Current Perspectives. Appl Clin Genet. 2019 Dec 24;12:249-260. doi: 10.2147/TACG.S200341. PMID: 31920361; PMCID: PMC6935309.